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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-11-19 · N° 47. (19.11.1891) · p. Seite 183

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 47. (19.11.1891)
Date
1891-11-19
Page
Seite 183 (sequence 3)
Language
German
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voll ständige midrasohisohe Gommentar zum Pentateuch sich erhielt. (Einzelnes Beachtenswerthe vom Pensum B Ismaels nahm man in den bez. Midrasch H. Akiba’s auf, so die Deutung zu den Zehngeboten (vgl. meine Arb. S. SS fl.), den Absobnitt der "דריו in Leviticns (8. tiO i) und in Deuteronomium in תצא O 'B auf und rettete sie vor Vergessenheit). Damit nun diese Bruohstiioke des Ismael’sohen Gesammt-Midrasch nicht verloren gingen, reihte man sie in den Midrasoh B. Akiba’s ein, wo? duroh schon in taimudischer Zeit der betr. Midrasoh B Akiba’s zu Exodus und Numeri an Bedeutung und Verbreitung verlor und sioh meist nur inhaltlich im Talmud wiederfindet**), währeud Meohitha, Sitra, Sitre Num. u. Deutr. stets wörtlich 1m Talmud angeführt werden. Dank dem Compilator des Midrasoh haggadol, dass er uns diese alten Theile des Akiba’scheu Midrasoh neu geschenkt hat! Litteraturbericht. Recensionen. The Jewisch Qaarterly Review, edited by J. I Abrahams and C. G. Montefiore, October, 1891.! No.!3. London: I). Nutt.; Ob.-chon die obige ״Review“ weniger reichhaltig : an Material ist, als die meisten ihrer Vorgänger zu; sein pflegten, so hat sie doch dadurch einen besonderen! ־Werth, das sie die allerletzte Arbeit auf dem Gebiete \ der biblischen Kritik von der Feder des seligen | Prof. G r a e t z enthält. Diese beschäftigt sich aus- [ schliesslich mit dem 34. und 30 Kapitel Jesajah’s, | worin der Verfasser die Behauptung aufstellt, dass : ersteres vom zweiten Jesajah, und letzteres von einem noch späteren Autor verfasst wurde. Natürlich wird diese Annahme durch triftige Beweise begründet, und wie schon oft zuvor, so wird auch hier dem Leser die Gelegenheit geboten, den Scharfsinn des leider allzufrüh verstorbenen Bearbeiters der jüdischen Geschichte und Wissenschaft zu bewundern. Die nächste bedeutende litter. Arbeit in diesem Hefte der ״Review“ ist die von Prof. Kaufmann ' in Buda-Pest, welche besonders ein hohes lokales ' Interesse besitzt. Prof. K. macht nämlich die Leser! mit dem Inhalt eines bisher unbekannten hebräischen Buches vertraut, das er jüngst in der Leipziger Stadtbibliothek aufgefunden hat. Dasselbe -ist ״Ez - Ghajim“ (לץ חיים) titulirt, und von einem gewissen j Jacob ben Jehuda verfasst, der drei Jahre vor dtr! Vertreibung der Juden aus Eugland (also vor 1290) 1 in England gelebt und daselbst als Chasau, oder überhaupt als jiid. Geistlicher, fungirt hat. Dasselbe ist einfaoh ein Gebetbuch, hat aber dadurch einen speoiellen litter. Werth, dass es die ganze Liturgie enthält, die vor und während der besagten Zeit in den englischen Gemeinden in Gebrauch waren. Es würde zu weit führen, hier auf all’ die verschiedenen Punkte hinweisen, worin die alte englisohe Liturgie sioh von der modernen unterscheidet. Was jedooh mit wenigen Worten über den Gegenstand gesagt werden kann, ist das, dass jene sich von dieser durch die gedrängte Kürze der üblichen Gebete auszeiohnet. Kurios sind manche Anmerkungen, welohe in dem fraglichen Buche verkommen, in Betreff der Abkürzung und Weglassung gewisser Gebete und Segenssprüche. So heisst es da z. B., dass es gestattet **) Die Deutung וראיתם אוהו, im Sabbath 27b stammt aus dam akibaschen Midrasch zu Numeri (Sitre sutta.) sei, das übliche Nachtgebet beim Schlafengehen auf einen einzigen Vers des ״Schema“ zu reduoiren, wenn man sich gerade besonders sohläfrig fühlt. Ebenso wird daselbstderBetendeamMorgen davon dispensirt,den Segensspruoh: אשר נתן לשכוי כינה zu sagen, wenn er thatsäohlichden Hahn nicht hatte krähen hören.*) — Weitere längere und kürzere litt. Beiträge oder Notizen liefern in der hier iu Rede stehenden ״Review“ die Herren Neubauer, Cheyne, Soheohter, Harris, Abrahams und Montefiore. Auch vom Schreiber dieses bringt das Heft einen langen und eingehenden Artikel über das Leben und die Werke des bekaunren hebr. Dichters und Novellisten Immanuel Romi. Für enghsche Leser dürfte diese litterarisohe Arbeit neu sein, da das Thema hier zu Lande bisher fast noch gar nicht behandelt worden ist. Harrow, im November 1891. Chotzner. Urknu Hiebes ans dem Leben Samson Wertheimers von Professor David Kaufmann in Budapest, 1891• Kaufmann hat dem Jahresbericht der Rabbinerschule in Budapest eine ausserordentlioh werthvolle Gabe hinzugefügt und wichtiges geschichtliches Material veröffentlicht, dessen Bedeutung viel weiter reicht, als aus dem Titel ״Urkundliches aus dem Leben Samson Wertheimers“ ersichtlich ist. Besonders das zweite Kapitel, der angebliche Mordauschlag aut Wertheimer, eine Episode aus der Geschichte Oesterreichs und Brandenburgs, ist hochinteressant, und wäre nicht Alles sorgfältig mit Akten belegt, so klänge die ganze G3schicbte fast unglaublich. Am Ende des siebzehnten Jahrhunderts standen zwei Juden in Wien in hohem Ausehen, Samuel Oppenleimer und Samson Wertheimer; Oppeuheimer stand im Zenit seiner Macht, Wertheimer allerdings erst ein . aufgeheudes Gestirn, beide waren sioh ihrer Pflichten gegen die Glaubensgenossen voll bewusst, beide üatteu weitreichende Bezieh mg m; es ernebnun eines Tages ein niederträchtiger Geselle, ein .Major Ei •lack, im Verein mit einem anderen Scburkeu, der in juristischen Kniffen wohlbewandert war, Namens Schmidt, in Wien die Anklage, Oppenheimer habe ein Complott äugestiftet mit Rüben Elia1 Gomperz iu Wesel and dieser Gomperz habe im Aufträge Oppenheimers den Edelack gedungen, um Weriheimer, als einen uubequemen Concurrenten bei Staatslieferuugen, aus dem Wege zu räumen. Diese Anklage bekam einen Halt an einem Staatsmann uud Priester, der sich in Wien beim Volke wie beim Fürsten eines wohlverdienten Auseheus erfreute, der damals deu Siebzigern nahe uud ein fanatischer Katholik war, immlioh des Grafen Leopold Kollonitsch, des Erzbischofs uud Primas von Ungarn. Oppenheimer wnrde in Wien verhaftet, uud auch Ruhen Gomperz, ein Uuierthan des Kurfürsten vou Brandenburg, wurde gleichfalls festgouommen und sollte nach Wien ausgeliefert werden. Als Preis der Auslieferung des Juden wurde dem Kurfürsten wunderlich genug die Rückgaue des Kreises Sohwiebus in Brandenburg iu Aussioht gestellt. Oppenheimer, der angebliche Urheber des Mordauschlags, bleibt jedoch nicht lauge iu Haft, viel länger musste der duroh die Spiessgeselleu Edelack uud Schmidt nicht so hart belastete Gomperz im Kerker schmachten, bis es den rastlosen Bemühungen der Freunde geliugt, auch diesem den Kerker zu öffnen. Dankei bleibt immerhin, ob Wertheimer den Eielaok treunfllieh aufgeaommen und bei Hofe empfohlen hat, wie denn überhaupt nach der Darstellung Kaufmann'« Wertheimer nichts thut, um seinem Conoarrentea beizuspringen. Das ist wohl nur eine Lüok• in den *) Das ist allerdings gegen die halachische Norm. (Red.)

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