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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-11-05 · N° 45. (5.11.1891) · p. Seite 174

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 45. (5.11.1891)
Date
1891-11-05
Page
Seite 174 (sequence 2)
Language
German
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— 174 — gef. Nachforschungen über Steuzzische Pfandmul Schuldbriefe und mein höfl. Ansuchen wurde Dank den Bemühungen dieser äusserst liebenswürdigen und sehr gelehrten Herren Archivare von dem besten Erfolge gekrönt. Die Herren fanden 28 Geriohtsbriete und Urkunden über David und Jona Steuas’s gesohäflliche Verbindungen bis 1419/20 und stellten j mir dieselben sofort zur Verfügung. Wenn diese! Gerichtsbriefe reden könnten, so würden sie ein trauriges Capitel über Bosheit und Rücksichtslosigkeit von Menschen erzählen, die unter den nichtigsten j Vorwänden die grosse Wiener Gemeinde wohlhabender Juden deshalb zum Feuertode und zur Auswanderung I zwangen, weil sie ihnen missgönnten, derselben Rechte ' theilhaftig zu werden, die jedem Wesen, das Meneoben--I antlitz trägt, von der Vorsehung gespendet wurden. Ein besonderes Interesse haben diese Gerichtsbriefe! schon deshalb, weil bei vielen derselben hebräische Rand- : bsmerkungen und Unterschritten sich vorfinden, die : klar und deutlich zeigen, dass diese Urkunden in . jüdischen Händen waren und höchst wahrscheinlich auf sehr gewaltsame Art ihren Eigenthümern entrissen { und dem Herzoge zur Einkassierung übergeben wurden. Aus den vorgenannten 28 Urkunden ist ersichtlich, dass David Steuzz in Wien der Sohn eines gewissen Hendlein in Klosterneuburg war, ja in einem Gerichtsbriete heisst er gar David Steuzz, Jud ze Wien, Hendleins Sun plumens Enenchel. Aus diesem kann man alter erst recht nicht entnehmen, wer da als Enkel gemeint ist, es kaun nach diesem Worte David Steuzz ebenso der Enkel sein, wie Heudl. 1888 soheint dieser David Steuss nicht mehr gelebt zu haben; denn in einerUrkuude 1388,20.Ociober heisst es: Schuldbriet von Haus uud Hynech von i Vettau auf die Söhne den Juden David Steuss: Jacob Hendleiu und Jona Gebrüder, ln einem Urtheilsbriet ddo. l ' 8!t zwischen Tiem des Juden uud des Steussen David Kinderwarteu um einen Haumgarten zu Klosterneuburg. Randbemerkung rückwärts כתב של הנדל j p עצים (sic/ ויינה של. Erwahnem!werth wäre nur uoch die Strale, die in diesen Gerichtsbriefen die Schuldner zu leisten hatten, falls dieselben den Termin nicht i einhielten. Alle verpflichten sich iu diesem Falle, Knechte mit Pferden nach Wien zu schicken uud dem Gläubiger solange zur Verfügung zu stellen, bis die Schuld durch Dienst, getilgt war. Wahrscheinlich wurden diese zur ßebaunng der vielen Aecker uud Weingärten der Wiener Judeu verwendet. Die Randbemerkungen aut vielen Geriohtsbriefen bezeugen, dass Steuzz viele Aeckeruud Weingarten besass. So heisst es einmal: ♦)זה הבת־׳ על ט ברם שקניתי וט מוטין, ein andermal מוטין על פיזנמרף, thatsächlich hatte er auch einige Gülten in Poy6dort. ln einem Gerichts briefe vergleichen sich die Kinder des David Steuzz mit der väterlichen Hinterlassenschaft über einige Weinberge, Aecker, Wiesen am Kahlenberg, Saxeudorf, Mödling und Klosterneuburg. DieseUrkuude hat sogar den deutschen Namen eines Weinberges mit hebr. Buchstaben bezeichnet: זה כתב צד כרם יאוך ועל ךכיזל. Noch im Jahre 1417 12./2. beurkundet Jona Steuzz einen Pachtbrief auf Zechlein dem En von Döbling über den Weinberg am Krottcnpaoh aut lü Jahre. Randbemerkung: צל כרם חצי יואן־ צצחריל und aut einem!Schuldbriefe linden wir die Bemerkung: מיכל מצדליג קנה זה הכרם ואין לו כר.כ כי הוא כתוב בשפר פסול. Der letzte Qerichlsbriei, unmittelbar vor dem Vertreibung«- jahre ausgestellt, datirt, 1419 S./l. auf Jona Steuss. Diesen hat der Schuldner sicher nicht an David Steuss bezahlt; denn nun begauu die Zeit der Bedräugniüs, die Schuldner rotteten sich sohareuweise *1 Metzen. zusammen, die ehrbaren Ritter und Kneohte hatten eine Parole: Der Gläubiger wird verbrannt uud die Schuldscheine werden vernichtet. Eiu Zufall rettete diese Gerichtsbriefe. Vielleicht sollten sie die staunende Nachwelt belehren, dass fasst in jeder Generation die Bosheit, die Niedertracht uud die Habsucht den Beweis liefern, wie arg und oft die Menschenrechte und Nächstenliebe mit Füssen getreten werden. נפשנו כצפור נמלטה מפח יוקשים. Die nachfolgenden 2 Urkunden beweisen uns den grossen Werth der Juden im Mittelalter! Kaiser und Könige betrachten die Juden als Regal und beschirmen dieselben. Die Stöckers und Treisohke’s, die Luegers und Sohneiders der Neuzeit betrachten aber deu Juden als Sündenbook und Prügelknaben des wirtschaftlichen Niederganges des aufgeklärten zu Ende gehenden 19. Jahrhunderte«. I 1362, 3. Juli. Hz. R. IV. verleiht den Gebrüdern Ulrich und Hermann von Cilli den Juden Chatzym. ״Hrz. Rad der Vierde von Gote« Genaden Erz. ze Oest. ze Steyer etc etc. Bekhennen und tun kund öffentlich mit disen prief for uns und unseren Erben und Nachkom, daz wir den lieben den Edlen, Getreuen Ulreichen und lierman Brüder Graten von Cilly durch deren getr. und eiatzigen Dienste wille, die uns diese Grafen gethan haben und noch turbazze wol getan mugen und sullen von uusern fürstlichen Miltichait verlihen haben unt leihen anmeh Hatschym. den Judeu, und — sein hausirawe und seinen sunn — alzodaz derselben zweyeu Juden und derselben Hatschym süu und baustrawen. Hinder im sizen und beleihen sollen, waz in daz allerbest tuget und sullen auch die gen. Judeu und Judinn zur derselben irrn lebtagen iuhalteu und nutzen mit steuern und mit allen ander nutzen und Rechten ze geleicher weise als wir selber Es sollen auch dieselben Juden undJudinneu sicherleiclien und gel'erleicheu alle Wandlunge gehaben in unsern Landen mit Geld auszeleihen und allen andern Barben und alle Recht und Gut und Gewohnheit haben, die unser Juden in unsern Landen habent an alle Irrunge und Hindernusse. Wir sollen auch fürbazzer khain Anspruch noch wordrung mer nach derselben Juden und Jüdinnen haben noch gewinnen iu khainer Wege, alle die weil sie lebent, swauü wir uns derselben Ansprach und wordruuge für uns selber, für die egen, unser Brüder, unse Erben und Nachkommen ganz und gar daran verzogen haben und vertzeiben noch. Mit Urkunde des briets besiegelten mit unserem grozzen lurstlechen Insigel — der geben ist ze Pressbnrg am Sunntag am St Ulrichs Tag nnch Christus Geburt Tausenddreihundert jalir uud darnach in dem tzway und sechzigsten Jahre. — Unseres Alters in dem Z3. und unseres Ge walts in dem vierten Jare. Wir die vorgen, Herz. Radolt, sterken disen priet durch Unterschrift unserer selbs haut.“ II. 16. Juni 1367. Hz. Alb. uud Leop. einigen sieh mit den Judeu meistern üb-r eine Bürgschaft für die flüchtigen Judeu Chatsym und Müschen. ,,Wir Hzg. Albr. und Leopold, Brüder von Gottes Genaden üertzogen ze Oeste rr., ze Steyer, ze Kernden und ze Gretz (= Graz!) Graten ze Tyrol etc. Bekheuneu und thuu kund offentleich mit disem Briet. daz wir mit unseren Judenmeistern Baruchen , von Wien, Müschen von Perchtoldsdorf, lssorleins von Neuu- , bürg Marchthalben, Isserleins von Oedenburg, Slömlein, Steuzzleius, Aiden uud Jeklein desselben Steussen sun umb die , SO,000 Guidoin der sie uns vervälleu sint, für Müschen Scheid- ׳ leins sun von Cilli, unsern flüchtigen Juten von der Purgelschatt; wegen di seu ine den fluchtigen Juden, gethan habent also überein kbommen seyu, daz wir in erlaubt haben und erlauben noch, daz seu von des egen. Müschen und Chatsch y m der flüchtigen Juden hab und gueter, so sie daraut kombnen | mugen und daraul zeigen, ez sei Erbgut, oder Varundgut, oder Geldschuld unter Christen oder Juden, wie die genannt sind in unsern Landen gelegen, schirmen und einphahen sollen, die obgen. 20,000 gülden uud sollen wir Ine dazu geholte□ und türdeich sevn, und auch mit unseru haubtleuten und amptleuteu schaden, daz si in des helfen eiazebringen umb daz 8i der obg. 20,000 Guidein verricht und gewert werden. So bescheidenlich bis daz sicli der egen. Musch — unser flüchtiger Jud mit in verricht, uud daz si iui des paunes dez seu aut i» thun sollen, und die Gelübde, die er ine gethan hat nicht ledig und 108 lazzent. So sullen die egen Juden von deren flüchtigen Juden hab, nicht mehr nehmen und emphahen, den 10,000 Guidein, und das übrige was uud wie viel dez ist, sol uns angehoren von allem daz er sich mit in nicht verrichtet. So sullen seu die rorg. 10,000 Guldeiu nehmen von der egen, flüchtigen Juden, in der weis als davon geschrieben steht und sullen in dazu pannen und in sein Gelübd ermanen und fahen swas sie nur vermugeu au aller gnade. Sweuu si uns nun »errilit,

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