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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-11-05 · N° 45. (5.11.1891) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 45. (5.11.1891)
Date
1891-11-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Abonnenten der .Israelitischen Wochenschrift“, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Hark zahlen, erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ grati 8. — Inserate werden mit K Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Bnchhändler u. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten ן 25־( Rabatt. I n 11 n I t.: Wissenschaft liehe Auisätze: Die Juden in Gerichtsbriefen des Mhtelalters.il. Von S. Schweinburg• Eibenschiitz in Wien. — Zur Chronologie. Von L. Cohen in Rees 11 R11. Litteraturbericht. Recensionen: Bacher. Die Agada der palästinens. Ainoraer. Besprochen von B. Königsberger. Literarische Notizen. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ht nicht (,estattet. Die Juden in Gerichtsbriefen des Mittelalters. Von S. Sch wein bürg-Eibenschutz in Wien. II. Die Geschiehtsforsoher der Zukunft werden ein leichteres Spiel haben. Ihnen werden nie zahlreichen Druckwerke u. Zeitschriften Ma'er>al liefern, aus welchem man klar und präoise die Ursachen und Wirkungen historischer Ereignisse erklären wird. Welchen Dank könnte sich der erwerben, der uns heute z. B. die wahren und nicht die märchenhaften Ursachen der ersten Vertreibung der Juden aus Wien (anno 1121) augeben könnte. Auf diesem historischen Streifzuge wandeln wir wie ein einäugiger Riese durch dichte Wälder. Eine gelegentliche Benutzung des historisch bekannten Eisenbuches des Wiener Magistratsarcbives führte mich auf die Idee, über jenen Juden Steuzz Nachforschungen anzustellen, dessen Häuser anno 1421—1422 in Wien von Herzog Albreeht verschenkt wurden; denn mir konnte das Märohen von der Hostien- Schändung der Ennserischen Messnerin durchaus nicht als Ursache dieser schrecklichsten aller Judenverfolgungen imponireu. Mich veraulasste vielmehr die grosse Anzahl von Gerichtshriefen, die vor der Vertreibung (1421) au Juden übergeben wurden, zu der richtigen Verjnuthuug, dass gerade diese immense. Zahl von Gericbtsbriefen die Hauptursache des Judenhasses war, die schliesslich zu einer Katastrophe führen musste. Meine erste Arbeit, war die Durchsicht, aller Klosterohronikeu de anno 1300—1421 und di;;se grosse Mühe wurde herrlich belohnt; denn in der kleinen Klosterneuburger Chronik de anno 1322—1428, •deren Original an der k. k. Hofbibliothek ist, fand ich folio 19 ad aunum 1420 folgende interessante und glaubwürdige Nachricht über die erste Vertreibuug der Juden aus Wien: ״Anno 1420 am phinztag vor dem heiligen Pfingsttag bat Hertzog Albreeht von Oesterreich alle judeu iahen lassen ob und unter der Enns auf! 1 Stund (sic) mau, fraw und Kinder und hat sich alles ihres Guets unterwuuden, er verchickehts aus dem landt, etlich liessen sicli taufen, derselben blieb wenig im rechten Christenglauben, darnach in! dem andern Jar verbrennt man etlich, darnach am schwarzen Sunntag martert man etlich derselb judeu, ן all die zeigten viel guets au unter der erden zu wieu mul hat man allein 240 person verpreunt. Eine judin zu Chlosterneuburg Hess sich taufen! und ward genauut Barbara, hat vor in der ehe gehabbt; den schebbeliu judeu, die liam darnach ze der ehe; Niclasen desLuegers*)eines ehrbaren burgers sohne etc.“ Durch dieses günstige Resultat iu meiner Ansioht über das wirkliche und plausiblere Motiv des Judeu- 1 massacres bestärkt, suchte ioh nun in den mir zu- 1 gänglicheren Gerichtsbüchern des k. k. geh. Haus-, j Hof- und Staatsarchives uach und fand richtig eine ' Spur über die Stenzzische Judenfamilie. Im Copial- ן buche No. 407 fol 79a übernimmt David Steuzz unser ׳ Jnd ze Wien die veste Rabenstein (bei St. Pölten in; Niederöstem-.ich) für 1000 Pfund Wiener Pfennig und | erhält von Herzog Albreeht, die Bestätigung hierfür ן (vide die Urkunde darüber ddo. 3. April 1377). Ein noch grösseres Rittergut erwarb der genannte David Steuss durch die Vertragsurkumla ddo. 25. Juli 1380 um 1040 Pfd. Wiener Pfennige, für welche ihm uach j siebenjährigem Zuwarteu die grosso Veste Sch&umberg! bei Neustift in Niederösterreioh zu Pfand gegeben wurden. Durch diesen Vertrag wurde der Jude Steuzz Gutsherr von 47 Holden, von zahlreichen Aeckern und Weinbergen, Eigeuthümer des Geriobtes mit Stock und Galgen um! verwaltete gleichzeitig viele Meierhöfe. Der Segen Gottes ruhte förmlich aut allen seinen Geschäften. Dass die Familie des Steuzz zu den hervorragendsten Mäuueru der damaligen jüdischen Bewohner Wiens gehöree, das beweisst uns die Ver- Sammlung über die Vortragsurkunde ddo. 16. Juni 1367, welche in Anwesenheit der Judeumeister des Landes als Bürgschaft für den fhiohtigen Juden Moses in Cilli (Steiermark) ausgestellt wurde. Für diesen Flüchtling allein mussten die Judenmeister 20 Tauseud Gulden einoassiereu und davon 10 Tausend dem Herzoge geben. .Moses von Gilli scheint überhaupt eiu sehr reicher .Manu gewesen zu sein; neun Herzog Rudolf verschenkte diesen Juden laut Urkunde (3. Juli 1362) sammt Weib und Kind au Ullrich und Hermann, Graten von Gilli für deren grosse Dienste, | die sie genanntem Herzoge geleistet hatten. Mit | diesen Daten über Steuzz stellte ich mich nicht zu- I frieden. Ich ersuchte auf Grund dieser Daten die i Herren Staatsarohivare Dr. Felgel und Dr. Lampl um *) Die Herren Redaeteure aller liberalen Wiener Journale I mache ich aut diesen Passus scliou deshalb aufmerksam,, weil j einer der Luegers auch bei der Judenverfolgung IbiO bei den Juden Geld tiatto und ein Herr Dr. Luegpr auch jetzt noch i ein berühmter Judeutresser in Wien ist. S.-E.

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