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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-10-17 · N° 42-43. (17.10.1891) · p. Seite 166

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 42-43. (17.10.1891)
Date
1891-10-17
Page
Seite 166 (sequence 4)
Language
German
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166 v sprechen. An den Vertauschungen ערוץ und חרוץ sieht man wieder deutlich die Verwandtschaft mit den Kehllauten, wofür es auch noch andere Beweise giebt; so auch in der Verwandtschaft von עגול*) (rund) mit ״Kugel“, ״Kegel“; in ״ עבדAibeiter“ tönt wieder das r durch, denn das hebräische und deutsche Wort haben sprachliche Stsmmverwandtschaft; deutlicher klingt dies noch in dem niederdeutschen ״Aerbet“ (Arbeit) durch; das slavische robota und das russische Robot stammen auch daher. Hierin erkenuen wir, 1 dass das r nicht ausschliesslich als Zungenlaut gelten; kann, sondern dessen Aussprache nach Ländern und Völkern verschieden ist, vielleicht ursprünglich ein : harter (tiefer) Kehllaut war, aber dann sich in einen ן weichen Kehllaut, und endlich in einen noch weichem ׳ Zungenlaut, oder gar in einen Vokal umgewandelt; hat. Ueberall vertauschen sich die Kehllaute (Hauchlaute, Aspirationen, Hiatus), Lippen buchstaben, t und s-Laute, Gonsonanten und Vokale; man kann für die Aussprache kein Gesetz vorschreiben und dekretiren, | sondern muss den herrschenden Sprachgebrauch erj forschen und der ui ■prünglichen Aussprache, wie deren j Entwickelung nacbgehen. Der Grundsatz zeigt sich immer mehr als der allein richtige: Wie die Menschheit trotz Racen- und Völkerunterschiede eine einheitliche ist, so ist• es auch die Sprache trotz Sprech- und dialektischer Verschiedenheiten. Man darf für die Klassification der Laute und deren Aussprache nicht ein Land, ein Volk, einen Dialekt als Massstab und Richtschnur annehmeu und demgemäss ein allgemein gültiges Gesetz vorschreiben wollen; wie überall, so kommt es auch hier darauf an, in der Mannigfaltigkeit die Einheit zu erkennen. Dr. Rothschild. Miscellen aus der jüdischen Alterthumskunde**) Von B. Königsberger-Kattowitz. XII. Die Midraschstelle zu Exod. 9,21, welche sich in reichhaltiger Fotm in Pesik'a, ed. ßuber 4a, findet•, ist bereits mehrfach Gegenstand der Erklärung gewesen,1) und doch scheinen mir die Versuche einer solchen nicht abgeschlossen zu sein, denn die letzte *) Mit עגיל hängt auch die Form עגל (Egel ״Kegel“) zusan; inen, sei es, dass man diese in gleicher Bedeutung, oder in der Bedeutung ״Kalb“ gewählt hat, um die Obscönität der Grumlbideutung zu verdecken Denn der ״Kegel“ stellt den Obelisk dar zur Nachahmung des ägyptischen Phallus und des obseönen Cultns des Sonnengottes Osiris (Istar). Mit עגל häugt auch שגל zusammen, eine Bezeichnung dieses abseönen Cultus und ein unästhetischer Ausdruck, welcher heute noch bei den biblischen Vorlesungen vermieden und durch שכב ersetzt wird. Ohne Zusammenhang mit diesem Cultus ist jedoch auch עגל ״Kalb“ nicht, da der Stier (Apis; und das Stierkalb als symbolische Darstellungen der schöpferischen Naturkraft des Sonnengottea Beziehungen zum Phallusdienst hatten und in ohseöner Weise cultuell verehrt wurden. So begreift sich der 11113ס0־צגל (Kälber-Dirnst) sowohl in Form eines Kalbes, wie eines Obelisk. **) Zur Miscelle VIII vgl. noch die Erklärungen von מתנת כהונת und יפה תואר ini Midr. rabb. — Zur Note 1 der Mi8cello IN ist Folgendes hinzuzuiügen: Hildesheimer vergass zu erwähnen, dass auch Kappaport in seinem Erech Millin s. v. 2 § ארץ ישראל die Orenzbestimmungen Palüstina’8, u. z. nach der ed. pr. (Venedig), mit unwesentlichen Varianten antührt. ilrrthümlicli nennt K Demai III als die bez. Tosepbtha-Stelle) Bemerkt sei noch, dass K. hervorhebt, die Städte seien nicht in der richtigen Reihenfolge genannt, sondern wie sie im Lehriiause vorgetragen wurden u. s. w. — Hildesh. hat auch die Varianten der Tos.-Drucke nicht genügend beachtet; so steht /.. B. in letzteren sub No 15 resp. H> וממסיל לגתא (statt וממצ*א דגתא). Die Noten in ed. Zuckermandel sind keinesw־egs vollständig. K. *) Vgl Fürst im Magazin f. d. Wiss. d. Jud. 1888, S. 117; Bloch 1b lfSÜO, S. ‘.Id: Koenigsborgor in s. Mtsbl. 1800, S. eil; Kautmann im Magazin 1800, S. 250. Kaufmann’8 (a. a. 0.) wird durch keines der bez. Citate bestätigt•, wenn anch nach allgemeinem ZugeständDiss der Sinn der Stelle für eine solche Auffassung sprechen könnte. Denn es bleibt immerhin eine allzu freie Annahme, aus dem zumeist bezeugten מיתא מתקהא, wofür (vgl. meine Mittheilung in m. Mtsbl. a. a. 0.) im Midrasch haggadol מיתה ומתקיהה steht, selbst nach Streichung des angeblich durch Dittographia hinzugekommenen מיתא, ein dem מתלקחת in seiner Bedeutung and Schreibung ähnliches מתקהלא hervorzuzaubern. In meinem diesbez. früheren Ausführungen erklärte ich auf Grund einer Glosse im Midrasch hagg. und Jalkut מתקהא durch ״erlosch“ (!נתיגעד), eigentl. ״ermattete“, und glaubte auch dem מיתא eine gleiche Bedeutung (״sterben“) vindiziren zu sollen, wonach R. Juda bar Simon die Stelle in der Weise erklärt hätte, dass das Feuer durch den Hagel verlöscht wurde, sod&ss nachher auch der Hagel seines Amtes waltete. Ich gestehe, dass mir bei dieser Erklärung I. das Wörtcheu מיחא ziemlich überflüssig erschien, das, wenn es ״sterben“ bedeuten sollte, wohl kaum irgendwo mit chaldäischer Verbalendung geschrieben worden wäre,2) 2. das בתוך הברד übersehen worden wäre. — Auf eine andere Auffassung zunächst dieses מיחא führte mich die Lesart einer (auch im babyi. Talmud, Beraob. 5(5 b vorkommenden) Traumdeutung in jer. Maasser scheni Eude IV.3) Statt des hier in der Deutung vorkommendeu את מחרוממא haben alle anderen Lesarten (gemäss dem Inhalt des Traumes) את מיית beibehalten. Wenn dieses מיית auch gewohnlich — mit Ausnahme von S. S.raschun (in s. Noten zu Beraoh. 5(5 b), der es in der Bedeutung ״kommen“ nimmt — durch ״sterben“ übersetzt wird, so weist doch die Lesart des Jeruschalmi und eine Glosse in Echa r. auf eine andere Bedeutung hin. Letztere lautet מיית פי‘ מתגבר, also ״stark werden“. (Bubei4) behauptet, dass auch im Jer. ursprünglich nur את מת gestauden habe und durch einen Abschreiber die Buchstaben לוממא hinzugefügt worden seien. Was brachte aber jenen Abschreiber dazu, diesen Worttheil hinzuzufügen?) Einhorn3) pfficht dieser erklärenden Glosse bei und verweist aut' Jes. 3,23, bes. auf das parallele וגבורתך. — Aber auch das zweite iu Frage kommende Wort מחקריא (so in der Pes.) resp. מתקליא, (denn der Wechsel von ר und ל ist nicht selten), dürfte wohl am besten dadurch erklärt werden, dass man es von ״ קלאbrennen“ ableiter, dessen Ithpeel ״ מתלןליאentbrannte“ bedeutet. (Vgl. Bezah 4 b). — Demnach würde die bez. Pesiktha-Stelle zu übersetzen sein: ״Das Feuer erstarkte (erhob sich) und brannte (im Hagel)“, d. h. es vereinigte sich in seinerWirksamkeit mit der des Hagels, indem beide gleichzeitig zur Geltung kamen. Die vom Midrasch hervorgehobeue, wunderbare Vereinigung beider Elemente tritt dabei recht gut hervor. Wir nähern uns hierbei der Autfassueg Block'־*, ohne seiner etymologischen Erklärung beizustimmen. — Uebrigens will die Erklärung des R. J. b. S. gar nicht, wie Kaufmann annimmt, zwischen den beiden vorhergehenden des R. Jehudah und R. Nechemjah מכריע sein. XIII. Man begegnet nicht selten im Midrasoh solchen Deutungen, für deren Beweisführung zwei oder mehrere Verse angesohlossen werden. Während der erste nun in der Regel durch שנאמר eingeleitet wird, folgt der י) Die Form muss aber ohaldäisch sein, wie auch der Autoruame besagt. a) Vgl. auch Tanchuma Ende פ' בי”אשית u Echa r. I, lt>. *j lu s. Tanchuma, Note 814. *) Noten zu Echa r. (Fortsetzung in der Beilage.) Verantwort). KedacteurDr. Kalimer, Magdeburg. Druck: Beudix&Hukn, ׳vtr.D. L.Wolli) Magdeburg. Verlag: Kob. Friese, Leipzig.

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