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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-10-17 · N° 42-43. (17.10.1891) · p. Seite 165

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 42-43. (17.10.1891)
Date
1891-10-17
Page
Seite 165 (sequence 3)
Language
German
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165 erörtern; wir wählen zunächst den “l-Laut. ר schwebt zwischen einem Kehl- und Zungenlaut. Auch zwisohen Gaumen- und Kehllaut ist zu unterscheiden, je nachdem mit offener Kehle und niedergelegter Zunge, oder durch die an den Gaumen lose angelegte oder fest angeschlossene Zunge, aus halb offener oder ganz geschlossener (aus tiefer) Kehle gesprochen wird; so bei den Buchstaben g, k, ch. Wegen dieser Schweb9 des ^Lautes gilt er auch als liqaida, d. h. seine Aussprache ist flüssig, unbestimmt; im griechischen ist dieselbe aspirirt (£) d. h. selbst Kehllaut, desgleichen im hebräischen, mit Hülfsvokalen gesprochen, gleich den Gutturalen (יברכו; im Deutschen ist die Aussprache des r nach Gegenden dialektisch verschieden, oft innerhalb desselben Landes in dicht neben einander liegenden Abgrenzungen, um so mehr in Entfernungen, wie Süden und Norden. Dass nun Völker verschieden er Länder in der Aussprache einzelner Buchstaben sich dialektisch unterscheiden, ist um so erklärlicher; wie will man da mit Entschiedenheit behaupten, dass r ausschliesslich ein Zungenbuchstabe oder ein Gutturale sei? Im Griechischen wird r zu den Zungenbuchstaben gezählt, aber doch zeigt sich auch hier bei dessen Aussprache eine Hinneigung zu den Kehllauten, dies beweist der Spiritus des r (§) im Anfang des Worts und bei Verdoppelung m wodurch auf Hauchung durch die Kehle hingedeutet werden 8011 (Aspiration). Griechische Wörter, welche ins Deutsche übergegangen sind, werden darum auch mit nachfolgendem h, einem Kehlhauche, geschrieben und aspirirt gesprochen, z. B. Bhetorik, Diarrhöe. (Vielleicht hat auch der deutsche Fluss ״Rheina Name und Schreibweise von dem griechische Worte £elv ״fliessen“, nicht blos so geschrieben zur Unterscheidung von ״rein“) Abgesehen von dieser etymologischen Abstammung haben wir hier jedenfalls ein Zeugniss für die gutturale Verwandtschaft des r auch in der deutschen Sprache. Guttural - Laute sind schwer zu sprechen und suchen namentlich in Verbindung mit Zungen- oder Lippenbnchstaben eine Anlehnung an diese, oder sonstige Erleichterungen. So lautet in Süddeutschland rm wie mm z. B. Darmstadt, gleich Dammstadt, der Norddeutsche spricht statt warten ״wachten“, ebenso der Holländer. Bekannt ist auch die schwierige Ausspräche des r im Munde der Kinder; dies hängt mit der Aussprache des r als Gutturale zusammen. Die Griechen stossen deshalb in den Namen wie Noach, Johannes den Kehllaut aus, der Schweizer spricht statt ich ״iach“, nimmt also einen eingeschobenen Vokal zu Hülfe, ähnlich wie der Hebräer ein Patach furtivum (רוח). Die Deutschen unterscheiden noch die Gutturaleu g, k, ch, die Romanen erweichen aber g in j oder sch und der' Engländer ch iu tsch z. B. child Bprich tsoheild, der Czeohe schreibt Praha und spricht Prag(a), erweicht also g in h, und liest cren (d. i. Kren ״Merrettig“) als tschreu. Der Grieche kennt dagegen den sch-Laut nicht und liest deshalb o/rjli* nicht Schema, sondern S-chema; ähnlich der Westfale Meus-ch, Tis-cb. Der Franzose spricht h nicht (stummes h in homme), und der Italiener erweicht dasselbe zu einem Vokal uomo, ähnlich wie die litera liqnida 1 in auto statt alto. Auoh kommt die Liquida 1 wie r als Gutterale vor; vgl. Lothar (Chlothar), Chlodwig (Clodwig), .judwig. Auch m f), eine ,iquida, erscheint ohne Verdoppelung (Dagesch) und mit Hülfs- Vokal.*) Die Nacheiuanderlölge vou m und r macht Schwierigkeit; die Griechen schieben zur Erleichterung der Aussprache einen Lippenbuohst.aben ein, z. B. *) המלאה Deut. 22,9. Ohne Dagesch oft, mit Hiilfs vokal ncah allen Drucken und Handschriften. |1'cr(jj.j3pa. r fl) verwandelt sich in I, z B.״ נברemporragen“ durch Höhe oder Stärke, vgl. Giebel, arab. Dschebel! Gibraltar d i. Dschebel (גבר) al Tar(ik), Ghibelinen (Hohenstaufen). So wird auch im Griechischeu die Aussprache des Doppel־r (pp) durch Aspiration oder Verwandlung erleichtert z. B. ipprpt iu ater//. Auch im Deutschen finden sioh derartige Wandelungen in W oder einen Vokal, z B Rasen, Wasen, Oasen. Ebenso in anderen Sprachen, vgl. das englische enough spr. enöf, Nathan spr. Nävän, das russische Feodora statt Theodora, Marva statt Martha, auoh das frauzösische Guillaume statt Wilhelm (G statt W), Wipfel und Gipfel. — Die Hinneigung des t zur gutturalen Aspiration, wodurch der t-Laut zum s-Laut wird, findet sioh in allen Sprachen, vgl. das habr. ת, das enf. th, das romanische nation (nassiou) engl, näsohen. Die Jihwierigkeit der t- und s-Laute zeigt sich auoh an der Unterscheidung zwischen ש und wie auch an deren Verwechselung; vgl. das ephraimitische שבלה und xpi; gleich ראש (wobei auch der gutturale Laut des ר gleich v.p hervortritt), eben 1) ובצסהה Sam. 1,6), wo ת wegen des benachbarten 0 als ת erscheint, th verwandelt sich in s und v (s. o), und v erweicht sich in einen Vokal; so ist im lateinischen v gleich u, im hebräischen 1 gleich au (הכוה Emmaus) franz. gleich o, vgl. auch die Gottesnamen J’hau (1), J’u 0) und Jah oder Joh יהי), ebenso ו als v. ln den semitischen Sprachen wird r nicht zu den Zungenbuohstaben, sondern zu den Gutturalen gezählt und so behandelt. Wegen der Schwierigkeit der Aussprache hat das hebr. r fl), wie alle Gutturale, Hülfsvokale 1 furtiva, gestohlene, eingeschlichene), gleich dem schweizerischen ia statt i iu ״ich“. Gleich allen Hauchbuchstabeu (Gutturale) kann r f) auch nicht verdoppelt werden; die Sonderbarkeit und Schwierigkeit der Aussprache des verdoppelten r im griechischen (pp) zeigt sich in der Doppelsetzung des Spiritus und in der Vertauschung des zweiten r (p) mit 8 (apprjv und äpur(v); vgl. oben. Das erste p scheint zu einem Vokal erweicht zu sein, woduroh sich der spiritus lenis erklärt, und das zweite mit spiritus asper wurde mit gutturalem Hauch ausgesprochen.— Die Schwierigkeit der Aussprache von Gutturalen veraulasste die Semiten auch zu deren Erweichung durch Weglassung des Dagesch (כ כ), oder zur Einschiebung des liquiden Buchstaben r, der als solcher' die Mitte hält zwischen einem gutturalen und einem Zungenlaut. Hierdurch erklärt sich die promiscuale Umlautuag des Ain (צ) in ghain und rghain, wie die Araber diesen Buchstaben meistens aussprechen, und wie diese auch andere Gutturale diakritisch unterscheiden und deren Ausspräche sich durch stärkere oder schwächere Aspirirung oder durch Beimischung von s-, sehe- oder r-Lauten erleichtern. Die Namen Amora, (צמרה), Assa fl”) werden mit צ, dem aus tiefer Kehle gesprochenen Gutturallaut, geschrieben und lauteten Ghomorrha, Ghaza; Gh entspricht dem griechischen Doppel-G (F), dem sogen. Digamma acolioum. Ghaza heisst der Gewaltige f 13 die gewaltige, befestigte Stadt). Ghazi heisst heute noch im Türkischen (Arabischen) ״Oberst“, d. i. Gewalthaber, rghazi gesprochen, davon bezeichnet razzia einen gewalttätigen Raub. (Dieses Wort kam durch die Araber nach Nordafrika uud vou dort zu den Spaniern uud Italienern, wo es, wie bei uns, Be- Zeichnung für einen polizeilichen Raubzug zur Abfangung des Gesiudels uud Feindes geworden ist.) Die heutigen Hebräer sprechen aiu ohne Forcirung als Vokal (Hauch) gleich א, in der Vorzeit wurde jedoch aut eine correkte Aussprache uud Unterscheidung gehaken. Von den Bewohnern Bet Scheou’s wird tadelnd erwähnt, dass sie צ und א nicht unterscheiden, uud vou den Samaritanern, dass sie ר als Lippenbuchstaben

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