Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-10-01 · N° 40. (1.10.1891) · p. Seite 156

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 40. (1.10.1891)
Date
1891-10-01
Page
Seite 156 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/6492408-5990872-5991363--2342-5368974
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

156 Jetztzeit auf, dass ursprünglich Alles Wasser gewesen sei, worin die Keime von allein Organischen und Un* organischen gelegen und diese sich entwickelt haben sollen. Nach biblischer Anschauung war das Land vorhanden, jedoch vom Wasser überschwemmt, welches allmählich in seine Grenzen zurücktrat und an seinen Ort sich sammelte. Oder die Bibel denkt an den feuerflüssigen Zustand der Erde, nennt aber alles Schöpfung, nicht Entwicklung. Der vierte Tag neunt die Schöpfung von Sonne, Mond und Sternen, womit die Bibel dem Zabäismus entgegentiitt, welcher das Heer des Himmels und der Gestirne!צבאות) als Götter und Götterwolinungen, als selbständige Wesen und Dinge ansieht und göttlich verehrt. Dieser Ausch&uung gegenüber heisst es iu der Bibel: Sonne und Mond sind die Diener der Erde, nicht ihre Götter und Herren (שמש, Sonne, שמש, Diener), um sie zu beleuchten und zu Zeitbe- Stimmungen für kalendarische Zwecke sich gebrauchen tu lassen (ירא־תית ולמועדים). Gott wird ד. צבאות ge* lannt, weil die Gestirne, das Himmelsheer, nicht selbständig und ewig, sondern von Gott geschaffen sind, welcher ״Gott der Heere“ heisst, weil er deren Gott und Herr ist. Der fünfte und sechste Tag bringt die Thiere, von denen es ausdrücklich heisst, dass die Erde sie aut Gottes Wort hervorgebracht, der Art, dass sie sofort lebende Wesen waren (1פש היה), im Gegensatz zum Menschen, dessen Leib, aus ErJeustaub gebildet, nicht sofort lebte, souderu durch die göttliche Seele, welche seine Ebenbildlichkeit mit Gott ausmacht, erst belebt wurde. Das Thier also ist irdischer Natur, es kehrt zur Erde zurück und lebt nicht fort. Der Mensch ist ein Doppelwesen, sein Leib irdisch, seiu Geist himmlisch, seine göttliche Seele lebt fort, denn der Geist, welcher von Gott kommt, geht auch zu Gott zurück, er kann nicht untergehen, er muss fortleben. Auf diese Doppelnatur des Menschen deutet das נעשה V. 25 hin; Gott sprach nicht wie beim Thier: Die Erde bringe hervor (,”תוצא האר), die Erde für sich allein, sondeiu ״ געשהGott und die ErJe“, wir beide zusammen wollen den Menschen machen, ein Theil von dir, Erde, ein Tbeil von mir, Gott. Auch der Ausspruch Lev. 17,14: הוא הנפש CTt '2 ״das Blut ist das Leben des Thieiss“, d. h. darin liegt das Belebende des Thier es, aber das Leben des Meuscheu ist die Seele (C"H נשמת), hat Beweiskraft hieifür. Der Mensch hat Blut wie das Thier, und doch liegt darin nicht seiu Leben. Die Seele ist nichts Sub• stanziösrs, Concretes, Leibliches, Irdisches wie das Blut, sondern etwas Unsichtbares, Geistiges; ein Hauch (גשמה), den Gott in den Leib des Menschen blies (.דפח;; auch der göttliche Geist wird als Hauch bezeichnet (רוה אלהים). Bier ist demnach auch deutlich bei Moses die Uusterblichkeitslehre begründet. ln allem diesem ist die Bibel anliheidnisch; auch die Unsterblichkeit des Menscheu war den Heiden fremd, nur die Götter hiessen die Uusterblichen. Ebenso ist die Erzählung vom Sündenfall des Mensohen antiheidnisch d&rgestellt. Nach heidnischer Lehre ist die Sünde eiue Folge leiblicher Aureizung oder satanischer Verführung, welche selbst von den guten Göttern ausgeheu konnte, wenu sie dem Menschen feindlich waren, ihm zürnten und ihn verderben wollten. Nach biblischer Lehre ist der Mensch selbst für seine Sünde verantwortlich; er verschuldet sie durch die Verblendung und Verirrung seiues Geistes, daduroh, dass er im Ablall von Gott und seiner Lehre seiner eigenen Erkeut.tniss folgt, um selbst zu wissen und zu entscheiden, was gut und böse sei. Die Schlange der Bibel ist symbolisch das Thier im Mensohen, die thierisohe Lust, welche ihn verführt, die sinnliche Leidenschaft, welche ihn verblendet. lieber den Armen Heinrich Hartman's von Aue. Von Dr. S. Galbhaas, Rabbiner und Prediger zu Prag. (Schluss.) 31. 031—0:11. Gedenke: tobtar, lieber kint wie groz die arbeite siat’ <1ie ich durch dich erbten hin. Vgl. Jesajas 1,2. ״Kinder habe ich anferzogen und erhöhet.“ Vgl. Klagelieder 2,21,22. ״Meine Jangfrauen und Jünglinge fielen durch Schwert Die ich gepflegt und gross gezogen, die hat der Feind vernichtet“ 33. >>10—016. Wan gedenket dil an sin gebot? ji gebot er unde bater «laz uian ■nuotcr unde vater rainne und tre biete und geheizet das re miete das der s£le rät werde und lanclip üt der erde. Vgl. 2. Buch Moses 29,12: ״Ehre deinen Vater und deine Mutter damit du lauge lebest auf der Erde, die der Ewige dein Gott dir giebt.“ 33. 703—713. leb fürhte, unde würde ich alt das mich de werlte aiiezs zullte under tüeze, als si vil inanegen hat gezogen, deu auch ir süeze hat betrogen, so wurde icb lihte grote entsggeb Einen ähnlichen Ged&ukea euthaltea folgende Sätze: ״Wenn du essen und dich sättigen wirst, schöne Häuser bauen und sie bewohnen. Wenn deine Binder und Schafe sich mehren und viel Gold und Silber besitzen wirst, dann wird dein Hers sich erheben and da wirst vergessen deinen Gott“ etc. 34. 1207—121». Da si der nieister ane nach iu sime herzen er des jach das schoener creatiure al der werlte waere tiure Von Hiobs Töchtern heisst es: ״Und es wurden im gauzeu Lunde keine 80 schönen Frauen gefunden wie die Töchter Hiobs.“ (Hiob 42,15.) :15. 1:10t. 12*15. Swaz dir got hat beschert. daz lä dir allez geschehen. Denselben Gedanken drückt der Satz ans: ״Sollea wir nur das Gute und nicht auch das Böse empfangen von Gott? (Hiob 2,10.) 36. 13110—1:111!». Do erkainle ir triuws unde rot cordis speculätor vor dem delieincs herzen tor vürnauies nilit beslozzen ist. Vgl. I. Samuel 10,17: ״Und Gott schauet in's Herz.“ ״Er prüft Herz und Niereu.“ (Psalm 7,10.) 37. 1370—137( Sit er durch sinen silezeu list an in beiden des ge mochte das er si vezauochto rlit' also volleclichen sain •Ibbcn den riehen, Vgl. Hiob 2,0: ״Und Gott sprach zum Satan, er sei in deiuer Hand, nur seine Seele behüte.“ 33. 1381—1:187. Alma bezzerte *ich der guote herre heinricb daz er bi einem weg• von unsere! herrn gotes pflege harte schoene worden was, daz er vil gar genaz und wo» als von zwanzig jären. Vgl. Hiob 42, 10, 12: ״Und Gott ersetzte den Schaden Hiobs. Und Gott seguete das Ende Hiobs mehr als seinen Anfang.“ 38. 1397—1405. Sine friuiit die besten die siae kuntt westen, so riten unde gieugen durch daz si in enpliugen gegen im wol drl tage

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.