Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 40. (1.10.1891)
- Date
- 1891-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Insorate erntenden, erhalten 25 % Rabatt. Inhalt! Wissenschaftliche Aufsätze: Die biblische Schöpfung'- geschickte. Von Dr. Rothschild. (.Schluss,) — L'eber den Annen Heinrich Hartmnn's von Aue. Von I)r S. Gell) haus — hliscelle:. ausderjüd. Alterthmn.'kunde. Von Königsberger. Li tteraturbericht. Recensionen: 1. הנזך לנערים. Ueliersetzangsbnch zu den Gebeten der Mittelstufe. 2. ד־״־רד. .*תפלה t ׳ » Gebet- U1..1 Religionshuch für diu reifere Jugend. Besprochen Ton J. Herzberg-Rroniberg. — Litterarische Notiz. Unbefuglsr hacimrucli aus diesem Blalte is' nicht geslatteL Die biblische Schöpfungsgeschichte. Von |)r. Rothschild. (Schluss.) Der zweite Tag brachte den Himmel, wie der erste die Erde; vom dritten Tage au werden die Eiuzel• scLöptungen der Erde und des Himmels erwähnt: Pflanzen der Erde, Gestirne des Himmels, Thiere der Erde, Vögel des Himmels, der Mensch, halb der Erde, halb dem Himmel angeköreud, mit einem Leib aus Erde gebildet und durch Geist von Gottes Geist belebt. Von der ■Schöpfung des Himmels wird nur das sichtbare Himmelsgewölbe erwähnt, aber nicht so ge• nannt, sondern ״ רק*עFlache, Ausdehnung“. Auch hierin liegt ein Gegensatz zum Heidenthum, welches hier ein wirkliches Gewölbe (firmamentum) zu erkennen glaubte, worauf als Fundament die obere (Himmels•; Welt tuhe. Der Wirklichkeit entsprechend, sagt die Bibel, es ist kein Gewölbe, sondern eine Fläche; auch ist enichts Festes, keiu Firmament, welches als Fundament für Oberhäuten dienen könnte, sondern ein sich immerfort aus dehnendes, weck• selndes Gewölk. Luther schreibt Veste zum Unter• schied von Feste, versieht aber als Uebersetzung von Firmament dasselbe darunter, unterscheidet es nur orthographisch, um die himmlische Feste nicht mit einer irdischen Festimg verwechseln zu lassen, vielleicht aber auch um anzudeuten, dass Veste nichts Festes sei. Zu erwähnen ist auch, dass jedes Schöpfungswerk speciell und ausdrücklich als gut bezeichnet wird. Auch hierin liegt ein Gegensatz zum lieidenthuui, welches dem Pessimismus huldigt aud den Ursprung des leiblich und sittlich Bösen und Unvollkommenen in der Welt dem bösen Gott (Satan, Teufel; oder der Art des Stolls zuschrieb, aus welchem der gute Gott eine vollkommene Welt nicht schallen konnte. Der biblische Optimismus ueuut jedes Werk der Schöpfung n 1. Die moderne Philosophie (Leibnitz) erklärt iesen Optimismus ebenfalls halb heidnisch: Gott habe die möglich beste Welt gesekaflen. Zwei t ragen bleiben hierbei oflen: 1. Woher kommt das sittlich Böse? und 1*. wie erklärt sich bei der offenbaren Un- Vollkommenheit der Welt dieser Optimismus, welcher alles von Gott GeschalVen!* gut neunt Die Antwort lautet: I. Das Böse kommt weder von Got* noch seiner Schöpfung, welche gut sind, souderu vom Menscheu seihst. So erklärt es sofort die folgende Erzählung vom Sündentalle des Mcuscheu. Das sittlich ( Böse hat seinen Ursprung iu dem Abfall des Meii'dieu von Gott, die Sünde wurzelt iu der falschen Er• kenntniss, iu der eignen Entscheid‘ 1Ü£ ubrT •!•L, \V&4 gut und böse sei. Das natürlich Böse, als Antwort auf die zweite Frage, ist nicht an sich, souderu nur scheinbar und relativ böse, denu cs dient guten Zwecken: so die Unvollkommenheiten des Leibes, des! Geistes, des Lebens, der Natur. Fände der Mensch 41׳ seinem Orte um sich und in sich All•■.• vollkommen, er würde weder seinen Geist vervollkommnen, noch sein Herz veredeln, noch seinen Leib stark•!!, uock die Natur verschönern, weder sich uoch 'eine Um• : gebuug verbessern, er würde sich egoistisch abschliesseu 1 und seinen Nebcumenscheu nicht suchen. Alle Er• bedungen und Vervollkommnungen de« menschlichen , Geistes, alle Liebeswerke des menschlichen Herzeus verdanken wir der Noth, der Uuvollkoinmenheit des menschlichen Daseins und Lebeus. So erst sucht der Mensch den Menschen, weil er seiner in der Nähe und Ferne bedarf; so schliesseu sich die Menschen aneinander an und verbrüdern sich. Selbst der Tod ist nichts Böses. Eine fälsche Erklärung sagt, weil der Tod etwa« Böses sei, fehle in der biblischen Er• Zahlung für das Schöpfungswerk des zweiten Tages, die Bezeichnung ״gut“, doiiu an ihm sei der Tod gc• schaden und iu die Welt gebracht wor<len. Nein! Nichts ist böse, auch der Tod nicht; die Bezeichnung ״gut“ fehlt uur, weil die Woiken רקיען; als etwas Luftiges, Veränderliches und Unbeständige• nur eine scheinbare Existenz haben und ohue sicht• und greif• baren Einfluss auf die Erde und •len Menschen zu | sein scheinen. | Der dritte Tag bringt die Pflanzenwelt. Aach diese ist eine besondere Schöpfung Gottes aus der! Erde, oder eine Entwicklung aus derselben nach den ן von Gott in sie gelegten Keimen, Gesetzen und RrälteD; jedoch nicht der Art, dass sich eine Pflanze amt der ' andern entwickelt habe, sondern Gott sohuf, wie e« heisst, jede Pflanze ״nach ihrer Art“ לד״״ו;. Diese l Anschauung tritt den Lehren über Monaden, Urzelte, | Zuchtwahl nach alter und moderner Anschauung und I Entwicklungstheorie entgegen, also wiederum eia ' Gegensatz zum Heidenthum. Auch die andere Schöpfung j des dritten Tages: Die Treuuuug vou Wasser und Land, hebt die heidnische Anschauung der Vor• und