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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-09-17 · N° 38. (17.9.1891) · p. Seite 148

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 38. (17.9.1891)
Date
1891-09-17
Page
Seite 148 (sequence 2)
Language
German
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— 148 - Waise, die keinen Vater batte. Der Segen des Verlorenen kam über mich and ich erfreute das Herz der Wittwe. Gerechtigkeit kleidete ioh an und sie umhüllte mich. Augen war ich dem Blinden und dem Lahmen Füsse. Ein Vater war ich dem Armen.“ 7. '84—90. An ime ward erzeiget als euch an Absal&ne daz diu üppige kröne werltlicher süeze vellet ander lueze ob ir besten werdekeit als uns diu schritt geseit. Vgl. II. Samuel 14,25 und 15,1 u. 16. ״Und es war in ganz Israel keiner so schön und rühmenswerth wie Absalon. Von seiner Fusssohle bis zu seinem Scheitel war an ihm kein Fehler.“ ״Und es geschah nachher, dass Absalon sich einen Wagen mit Pferden machte, vor dem fünfzig Reiter einkerliefen etc. Und Absalon stahl das Herz aller Männer in Israel.“ 8. 91 —Ez spricht an einer stete dä, media vita in morte sumus. daz bediutet sicli alsus daz wir in dem töde sweben so wir aller besten waenen leben. Bech verweist bei dieser Stelle auf die Kindheit Jesu 78,48; Martina 97,74; Pass. K. 430,24; Myst. II 216,4. Vielleicht bezieht sich dieselbe auf die Worte der weisen Frau aus Thekoa, die sie in Betreff Absalons an David richtet: כי מות נמות וכמים הנני־ים ארצה אשר לא יאספו• Denn wir müssen sterben und wir sind wie das Wasser, das in die Erde rinnt, welches man nicht sammelt. (II. Samuel C. 14,14.) 9. 97—100. Dirro werlte veste ir staete unde ir beste undc ir groeste m&genkraft diu stät ilne meisterschatt. Diese Betrachtung erinnert au die Worte: ״Eitelkeit der Eitelkeiten spricht der Prediger, Eitelkeit der Eitelkeiten, alles ist Eitel.“ (Prediger I, 2.) 10. 100—109. Nü sehout wie unser lachen mit weinen erlischst unser süeze ist vermischet mit biterre galten. Diesen Sätzen liegen folgende Verse zu Grunde: ״Während des Lachens ipt doch traurig das Herz, und das Ende der Freude ist Trauer.“ ״Denn die Lippen der Fremden triefen Houigseim, aber ihr Ende ist bitter wie Wermuth“. (Sprüche Salomons C. 14,13 u. G. 5, 2, 3.) 11. 110. 111. Unser bluome der muoz vallen so er allergrü6ne8t waenet sin. Vgl. Jesajas IS,5: ״Wenn die Blüthe vollendet i ist, wenn die junge Frucht reif geworden, dann wird man die Stengel mit Sicheln abschneiden.“ 12. llii—119. Er viel von sirne geböte ab siuer besten werdekeit iu ein versmaehelichez leit in ergreif diu nuselsuht. Vgl. Hiob 2,7: ״Da ging der Satan vor Gott hin und schlug Hiob mit einem bösen Aussatz von seiner Fusssohle bis zu seinem Scheitel.“ ltf. 121—127. Xu seheut wie gar genaeme or e der werlte waere, und wart uü alse umuaere daz in niemen gerne an sach. Vgl. folgende Satze: ״O dass ioh dooh wäre wie in verstrichenen Monden, wie iu den Tagen als Gott mich behütete, als er sein Licht über meinem Haupte leucht8n liess.“ ״Und nun bin ich ihr Spottlied, sie verabscheuen micü und entfernen sich von mir“. (Hiob 29,1. 2 u. 9. 10.) (Forts, folgt.) Miscellen aus der jüdischen Alterthumskunde. Von B. Künigsberger-Kattowitz. IV. Mir tönt die Frage naok der Etymologie des midraschisohen Wortes כלך noch immer in den Ohren. Wenn ich auch in meinen ״Quellen der Halachah, 1. Theil (der Midrasch), S. 69 darauf aufmerksam gemacht habe, dass sich im handschriftlichen, hier bereits zu wiederholten Malen angeführten Midrasch Haggadol statt des besonders im Sifrä und den bezw. Parallelstellen im Talmud gebräuchlichen M או כלך לדרך die Lesart קולכה לך לדרך זו findet, so habe ich heut zu dieser Variante noch Etwas hinzuzufügeu.* 1) Zunächst sei auf zwei bezw. Tosephtha-Citate verwiesen, wo das Wort vorkommt, so Pesach. 3,2 (או כלך וכוי) und Terumoth 1,5 (כלך אצל יפות), auch B. Mezia 22 a und Erub. 71a. Die Lesart des Midr. Hagg. ist aber auch nichts Anderes, als eine Correclur des nicht mehr verständlich gewesenen כלך, das sich in demselben Msc. noch zu Sifrä (Auf.פ, צו) findet (או כלך וכוי). Damit bestätigt sioh die alte Regel, dass bei verschiedeuen Lesarten einer Stelle die schwerer verständliche die ältere ist, während spätere Schriftsteller sie in eine verständlichere, gleichklingende .umzuwandeln suchten. — Wie alt die Coutractiou iu כלך — denn eine solche liegt unbedingt vor — ist, geht aus dem ״eliptischen“ Gebrauche desselben imSiträ (פי צו Par. 10,5) hervor, wo es heisst: וכשאת כלך לדרך זו (wohl für וכשאת תלך לך וכר). Mir scheint die Form des Wortes aus der Zusammenziehung von לך לך erfolgt zu sein. V. Bezüglich der Zeit, wann unsere Misohuah aufgezeichnet worden, sind die Meinungen der Gelehrteu immer noch nicht eiuig. Indem ich mir eine ausführliohe Erörterung dieser Frage für den 2. Theil meiner ״Quellen“ Vorbehalte, möchte ich *loch auf ein diesbez. Citat schon jetzt näher eiugehen. Es ist das Sabb. 115 b und Temurah 14b in verschiedener Fassung erwähnte. An ersterer Stel'9 wird, wie 111 Tos. Sabb. 13,4, deduzirt (כותבי ברכות :׳;מכאן אמרו כשורפי תורה, au letzterer im Namen Ji. Jochanans die selbständige Mittheilung gemacht: כותבי הלכות כשורפי תורה. Zuckermander•1) entscheidet sich datür, dass (nach Majoritätsbeschluss) die Stelle iu Temurah nach Sabbath (babl., jer. u. Tos. sowie Traot. Sofr. 15) corrigirt werden müsse. Wenn auch an allen letzteren Stellen die Verbindung mit קציע (Amulet) für ברכות ״Eulogieen“*) spricht, so darf doch in Temurah keineswegs anders gelesen werden, als הלכות. Und dies aus mehreren Gründen: i. lässt der dortige Zusammenhang, namentlich die unmittelbar darauffolgende Deutung aus Exod. 34,27, nur die Lesart הלכות zu; vgl. äuoh die von ״Sohittah M’kebezeth“ angeführte Randglosse (כותבי תלמוד כשורפים פסוקים מן ההורה); 2. passt der Vergleich mit כשורפי חורה fast ausschliesslich aut ein Niederschreibeu der mündlich zu tradirenden Halachah; denn wie befürchtet wurde, das Studium der תשכ״פ könnte nachlassen, wenn man durch das Niederschreiben der Halachoth dem Gedächtnis zu Hilfe kam, 80 kam es auch; und wenn nuu gar diese oodices juiis verbrannten, so war auch zugleich die Thorah selbst dem Verbrennungstode preisgegeben. Derselbe Gedanke leitete auch die ') Vgl. übrigens die Zusammenstellung der bisherigen!} 1 Erklärungen des Ausdrucks a. a. O. S. 103 f., Amu. 2, und! meine Besprechung von Bacher’t Agada der '1'aun. in meinem 1 Monatsbl. 1890, S. 135. Den dort versuchten Hinweis aut Mischn. Sabb. 2,1 gebe ich völlig aut. ') Die Erfurter Hdschr. der Tosephtha, lierlia 1870, S. 01 il. *) Graetz Mtschr. 1873.

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