Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 38. (17.9.1891)
- Date
- 1891-09-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/6492408-5990872-5991360--2331-5368958- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jüdisches -ÄIL & (B Iw IiIwcMim •II« JilntkiM ul Mu kttnlnlM lltttrulMkn 1»• Kttlaniu a»f 4*■ 6 tklct* I« Pk!!«• ••pklt OtteUtkU, IAiowwIiI«, Tk*•• )0*1• OritaUl!•, E1(t»n> Ho»ll*tlk. Lttarflk •. rö׳l**0fU. Herausgegeben IO& Rabbiner Dr. Moritz Rahnier. 91ta<j3e6ut<j, 1ן. SepUmGet 1S91. Blekn tu •i*Mkligl|N>• l.lllertlar, w*ltkt 1* K«d»rt u» ■UMUll *trau, Rad•■ la d(Ua Blatt* »tnaibaaila Raaprackaar• aal Elaxiau« 1 ••י w * l Ktscaalaa•• ifmplaraa erfolgt tlamalla* kara* « r atla - taatrUam. Daa ״Jüdische Lltferntnr-Blatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen. Preis bei allen Buohhandluugen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Hark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlnngen 8 Mark zahlen, erhalten das ״Jüdische Litteratnr-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit gl Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Buchhändler u. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsendeu, erhalten 25 fi Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Ueber den Armen Heinrich Hartman's von Aue. Von Dr 8. Gelbhaus, Rabbiner und Prediger zu Prag. — Miscellen aus der jüdischen Alteithumskunde. Von ß. Königsber-Kattowitz. Li t tera tnrbericht. Keceusionen: Midrasch Tchillim, (Schochor Tob). Literarische Notizen. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte is‘ nicht gestattet. (Jeher den Armen Heinrich Hartman's von Aue. Von Dr. S. Golhhaus, Rabbiner und Prediger 2u Prag Ausser dem Gregorius hat Hartman von Aue noch ein anderes Gedieht derselben Gattung gedichtet: den Armen Heinrich. Dasselbe ist seinem ganzen Aufbau nach ein geistliches Poem. Das Wesen des Ritterthums, welches im Er ec und im Jweiu vor• herrschend ist, tritt hjer ganz in den Hintergrund und obwohl der Held des Gediohtes ein Ritter ist, so sind in demselben keiueBesohreibuugen von Abenteuern, Turnieren, Schlachten, Schwertschlägen, verwundeten oder getödteten Helden und von zerbrochenen Helmen anzutretten. Der Dichter wählt deshalb nur einen Ritter zum Hauptträger seiner Ideeu und stellt ihn in den Vordergrund der Handlung, weil der Ritterstand derjenige Stand war, der im Mittelaltor den Mittelpunkt alles öffentlichen Lebens bildete. Das Gedicht hat einen lehrhaften Zweck. Es will durch eine Erzählung den Satz erhärten, dass Hochmuth im Glücke zum moralischen Falle wird, und dass Demuth und Herzensbesteruug den Menschen aus dem tiefsten Unglück wieder erheben können. Die Hauptperaou des Gedichtes, der Arme Heinrich, erinnert an Hiob. Er ist glücklich und allgemein verehrt. Er besitzt viele Reichthümer und Freuude, die ihn wegen seiner Wohlfahrt und Tugend preisen. Da sucht ihn Gott mit einer Prüfung heim. Er wird vom Aussatze befallen. Er entäussert sich all seiner Güter und begiebt sich auf ein entlegenes Landgut, gemieden und entfernt von den Menschen. Aber durch Herzensläuterung uud durch einen heroisohen selbstverläugnendeu Entschluss erreicht er wieder die Gnade Gottes. Er wird von dem Aussatze geheilt und gewinnt seine ursprüngliche Schönheit wieder. Bei dieser Beschaffenheit des Gedichtes, bei der Aehnlichkeit seines Inhaltes mit der Erzählung ini Buche Hiob und bei dem Umstunde, dass Hartman Von Aue, wie er sioh ausdrückt ״in vielen Büchern ®anober Art las“, wird man voraussetzen dürfen, dass in dem Armen Heinrich manche Anklänge an die Bibel uud besonders an Hiob zu finden sein dürften. Und wirklich weist üer Dichter selber mehrere Mal auf den frommen biblischen Dulder hin und citierl auch ausdrücklich Stellen aus der Schritt, wiewohl er dieses, wie Toischer in seiner Einleitung zu Wackeruagels Ausgabe des Armeu Heinrich bemerkt, mit Uncorrectheit thut. Hartman hat das Gedicht nach einem unbekannten Vorbitdo (nach Einiget! nach einem lateinischen) construirt. Vorliegende Studie will die Beziehungen desselben zur Bibel betrachten. Derselben liegt der Text der Bech’acbeu Ausgabe zu Grunde. 1. 26—28. Man seit, 01׳ si sin selber bote und» erloeso sich damite, swer über des andern schulde bito. Aehnlich lautet ein talmudisoher Ausspruch: כל המבקש רהבים על חבירו והוא צריך לאותו דבר הוא נמה תחילה »Wer für eiueu Auderu um Erl rmen bittet und selber hilfsbedürftig ist, der wird zuerst erhört.“ (Baba Kama 92.) Vergleich meine Schrift über FreJanks Bescheidenheit S. •14. 2. 36-46. Man sprach nietnau also wal in allen den landen er bete ze sinen banden gebürt und dar zuo richeit: ouoh was sin tugont vil breit, swie ganz sin habe waore, sin gebürt uuwaudelhaere und mal den fürsten gleich, doch was er unnöcli also rieh der gehurt und des guotes so der eren und des muotos. Diese Schilderung des Ritters Heinrich, des Helden des Gedichtes, entspricht in manchen Zügen der Schilderung Hiobs: ״Es war ein Mann im Lande Uz, Hiob war sein Name und der Manu war fromm und rechtschaffen, goitesfürchtig uud das Böse meidend. Und der Mann war hervorragender als alle Söhne des Morgenlandes.“ (Hiob C. 1, Vers 1 u. 3.) 3. 50—53. Sin herze hat versworn valsch und alle törperheirt und behielt euch vaste den eit staete an sin ende. Vgl. Hiob 31, 4 u. 5. ״Habe mit Falschheit gewandelt? Oder ist mein Fuss zum Betrug geeilt? So wäge er mich auf gerechter Waage und Gott wird meine Unschuld erkenuen.“ 4. 62. 6;.. Staeter triuwe eiu adamas ein gauziu krön der zuht. Vgl. das. 1. Einen Bund schloss ich mit meinen Augen, dass ich auf eine Jungfrau nicht achte.“ 5. 64. 65. Er was der nothaften fluht ein schild siner mage. 6. 66. Der mitte ein glichin wäge. Vgl. das. 0. 29, 12—16. ״Denn ioh war eine Zuflucht dem Armeu, als er sohrie und rettete die