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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-09-10 · N° 37. (10.9.1891) · p. Seite 144

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 37. (10.9.1891)
Date
1891-09-10
Page
Seite 144 (sequence 2)
Language
German
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Diese Unkenntniss der jüdischen Vergangenheit ist es vor Allem, welche unsere Generation die Unbillen, welche wir zum Theile noch heute, als Märtyrer des Gewissens und der socialen Freiheit in der Geschichte, erdulden müssen, noch schmerzlicher empfinden lässt. Denn sie weiss nicht, warum sie duldet, wofür sie kämpft. Gleich uns erwachten im Süden Europa's im Laute unseres Jahrhunderts zahlreiche Mitglieder der europäischen Völkerfamilie zu neuem Leben. Welches 1 war nun einer der ersten Gedanken der Griechen und Serben, der Bulgaren und Rumänen, als sie das er• schießende Joch der türkischen Herrschaft von sich abgeworfen hatten? Sie ordneten ihre historischen und litterarischeu Archive, um der Kulturwclt zu zeigen, was ihre Väter gedacht und geschrieben, gesagt und gesungen haben. Und wir Juden, deren Litteratur furchtlos den Wettkampf mit den Litteraturen der hervorragendsten Kulturvölker aufnehmen kauu, sollen in der liiterarischen Regeneration unserer Vergangenheit hinter den kleinen Völkern der Balkanhalbinsel zurückbleiben? Es giebt nun allerdings einige unzweifelhaft ganz vor treffliche Handbücher für jüdische Geschichte und < Litteratur und eine Unzahl gelehrter Monographien über das gesammte Gebiet des jüdischen Schriftthums. Dooh es fehlte bisher au einem Werke, welohes in enoyclopädischer Form und mit der von unserer fieberhaften Epoche verlangten Raschheit über alle das Judenthum betreffenden Fragen sicheren Aufschluss gäbe. Diese seit Jahrzehnten von allen Theologen und im letzten Decennium, wo die Judenfrage wieder einmal aufgerollt wurde, auch von der internationalen Publioistik tief empfundene Lücke 8011 nun durch die ,Allgemeine Encyclopädie für die Geschichte und Wissenschaft des Judentums“ ausgefüllt werden. ״Der Doppelzweck des Werkes ist, einerseits die Resultate der jüdischen .Forschung zusammen/.ut&ssen, andererseits im Einzelnen den Antheil nachzuweisen, welchen das Judenthum im Laufe der Jahrhunderte aut den verschiedensten Gebieten menschlicher Thätigkeit (Wissenschatt, Litteratur, Kunst, Handel und Industrie^ an der allgemeinen Culturentwicklung genommen hat. Das Werk wird rein wissenschaftlich gehalten sein und jeder religiösen Polemik ängstlich ans dem Wegs gehen. Die ״Allgemeine Encyclopädie“ wird zwar dio Epochen des Alterthums und des bis gegen das Ende des ltt. Jahrhunderts währenden jüdischen Mittelters (also Uibelexegese, hellenistische Litteratur und aloxandrinische Philosophie, talmudische und rabbinische Litteratur, jüdisch-spanische Litteratur, jüdischarabische Litteratur, Geschichte der Juden in den einzelnen Ländern etc.! mit der gebührenden Ausführlichkeit behandele, jedoch ihr besonderes Augenmerk auf die Darstellung der nachmendelssohn’schen Zeit richten «Eingreifen der Juden in die verschiedenen nationalen Litteraturen und deren Antheilnahme an dem socialen und politischen Leben der Nationen, also Lebensskizzen der hervorragendsten Gelehrten, Dichter, Künstler, Aerzte, Techniker und Grossiudustriellen jüdischer Abstammung; Organisation des modernen Jadenthums und Darstelluug der religiösen und socialen Wandlungen innerhalb desselben, also Geschichte der bedeutenderen Cultusgemeinden, Biographien der hervorragendsten jüdischen Theologen und Kauzeiredner etc.) Das Werk soll jedoch nicht bloss ein Compendium der jüdischen Wissenschatt für die Gelehrten bilden, sondern auch dein grossen jüdischeu uud christlichen Publikum, das sich über das wahre Wesen des Judeuthums unterrichten will, ein nützlicher Führer sein.“ L)as Werk soll iu 12 Bänden (Format uud Stärke des Brockhaus’scben Conversationslexicous) erscheinen und 250 Mark (150 fl. ö. W.) kosteu. Der Unter* nehmer verhehl״ sich nicht, dass der Preis ein auverhaltnissmäesig hoher sei, allein er meint, da die einzelnen Bände iu Zwischenräumen von 1—2 Jahren erscheinen dürften, so sohrampfe der jährliche Beitrag für die Subscribenten za einer selbst für bescheidene Kassen nicht unerschwinglichen Summe zusammeu. Er rechnet mit Zuversicht auf die Opferwilligkeit der Glaubensgenossen, welchen Nationen uud religiösen Parteirichtungen sie auoh immer angehöreu mögen. Ob dem״weitansgreitendenUnternehmen״diepothwendige materielle Unterstützung der wohlhaoeaden Gemeindemitglieder zu Theil werden wird, um es finanziell sicher za stellen, ist eine Frage, deren thatsächliche Bejahung wir wünsohen, aber bei dem vorherrschenden Iudiffereutismus doch stark bezweifeln. Einige Bemerkungen zum Studium derTargumim. Von Dr. Jacob Reiss, Rabbiner in־Kuttenplan (Böhmen). 1. Der selige Direktor Dr.Z. Fraukel behauptet in seinem Werke ,Zu dem Targum der Propheten״ S. Id Folgendes: ,Jonathan״ (er meint das Targum zu den Propheten) ,stimmt ferner mit Onkelos in Ausdrücken überein, in denen die späteren Targumim (zu den Hagiographen and Jonathan zam Pentateuch, der sogenannte Pseudojonathan) von Onkelos differiren. So übersetzen Onkelos und Jonathan אז mit בכז, die späteren Targamim mit pTII, ״היכדין. Diese Behauptung ist nioht ganz riohtig. Aach in den Hagiographen findet sich zuweilen אז mit בכן übersetzt und zwar im Targum zu den Psalmen: 51,21 zweimal; 56,10; 69,5; 96,12. Za bemerken ist, dass auch das in Ps. 124 dreimal vorkommende אד im Targum mit הא כק übersetzt ist. Die Hand90hritt hat an diesen Stellen הברן anstatt הא כק (S. Levy’s chald. Lez. I, S. 369 unter J3). Ferner ist za bemerken, dass in unseren Ausgaben אז im Ps. 89,20 wohl mit בדידין übersetzt ist, dass aber in der Handschrift הא בכין dafür steht. (S. Levy a. a. O. I, 182 unter p). Im Targum z. B. Hiob ist gleichfalls Cap. 3,12 und Cap. 38,21 אז mit ככן übersetzt. Ebenso ist in den beiden Büchern der Chronik im Targum אז mit בכן oder הא בכן übersetzt uud zwar im 1. B. Cap. 11,16 zweimal; Cap. 14,15; Cap. 15,2; Cap. 16,7, 33; Cap. 20,4; Cap. 22,12 — im II. ß. Cap. 5,2; Cap. 6,1; Cap. 8,12, 17; Cap. 21,10; Cap. 24,17. Erwähnenswerth ist auoh, dass im Targum zu d. ß. Schir ha-Sobirim Cap. 1,1 drei Stellen aas der hl. Schritt: Exod. Cap. 15,1; Num. Cap. 21,17; Jos. Cap. 10,12 augeführt werden, in denen das in denselben vorkommende או mit ככן übersetzt ist. Aber weder mit pTVl oder pהיכר nooh mit בכן oder 1הא ככ ist das in Sobir ha-Sohirim Cap. 8,10 vorkommende אז im Targum za demselben übersetzt, sondern mit בהוד א ומנא wiedergegeben. Nooh ist hervorzuheben, dass selbst im Prophetentargam in meiner Ausgabe..עם תרגום.ספר המגיד בקאפוסט.בשנת תקעח לפק das im ßuohe der Richter Cap. 5,8; I. B. Samuel Cap. 20,12 and in Hosea Cap. 2,9 vorkommende אז weder mit הידין oder היכדין nooh mit בכן oder הא בכן Übersetzt ist. — 2. Im chald. Lez. v. Levy B. I, S. 351 steht bei dem Worte ככר I folgende Schlussbemerkung: ״Wie im hebr. Texte, so scheint aach im Trg. unser W. nur in diesem Buche“ (gemeint ist das Buch Kohelet) ״vorzukommen“. Dieselbe ist nioht riohtig, indem das Wort כבר auch in den andern Targumim öfters vorkommt, so z. B. im Targum z. d. B. Schir ha- Schirim viermal, nämlich Cap. 2,12; Cap. 2,3 zweimal; Cap. 7,14; — im Targum 1 z. d. B. Esther zehnmal, nämlich Cap. 5,14; — im Targum II zu dem B. Esther dreimal, nämlich Cap. 1,3 zweimal u. Cap. 3,9 In diesem Targum kommt zwar noch einmal das Wort בבר vor nämlich Cap. 1,1; aber dort hat es nicht die Bedeutung ▼on ״lange vorher, längst“ sondern ״vielleicht, möglich“. Die betreffende Stelle lautet aämlioh wie folgt: ואיך סוקמין אנחנא יתך מלכא עלינן כבר מתפני אבוך נבובדנצר ואתי עלנא וקטל יתן und muss übersetzt werden: und wie können wir Dich einsetzen zum

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