Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 37. (10.9.1891)
- Date
- 1891-09-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Litteratur Jahrg. XL Blatt. Cu Umltoiit tllw!•talkn ui Ma kdntaiu IlttarariMfeaa Kr- Mkalnniu uf i(■ 6 cki»t« itr Pktio• ■aphla Aaacklckta, ttkiograpkl«, Tkeok|le Orientall», h«g«a*, BoulUtlk, LltarsU a. PUagORtk. Heraasgegeben ▼on Rabbiner Dr. Moritz Kahmer. 10. Szptetn-6zx 1891. Ucker te «taacktlglfaii LKtarctcr, «tick• ««* Mul.oa ■tgwuit *afiu, ■aCn la Slcaaai Blatte elagekeade ■eegreekaa«. Bel tüaieadaag rea ■wel Beeraelea•• tnaplun •rfelft •lauattse kan» fl ratle laiertlea. Das -Jüdische Lltteratnr-Blatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen. Preis bei allen Buohhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Hark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift11, die vierteljährlich bei allen Postanstalten nnd Bnchhandlungen 8 Mark zahlen, erhalten das ״Jüdische Litter&tnr-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 88 Pf. f&r die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Hark, berechnet and sind an die Expedition dieses Blattes za senden. Buohhändler a. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 yt Rabatt. 111h alt: Wis senscb alt liehe Aufsätze: Allgemeine Encyclopädie für die Geschichte und Wissenschaft des Judenthums. — Einige Bemerkungen zum Studium der Targumim. Von Er. Jacob Reiss, Rabbiner in Kuttenplan!Böhmen). Litteraturbericht. Recensionen: Weinstein, N. J. Geschiebt liehe Entwicklung des Gebotes der Nächstenliebe innerhalb des Judenthums. Litterarische Notizen. Die Schritten Leopold Dukes. — Exegetische Miscellen. — Hebräischer Litteratur-Verein ״Mekize Nirdamim“. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte it* nicht gestattet. Allgemeine Encyclopädie für die Geschichte and Wissenschaft des Jndenthams. Herr J. Singer in Paris beabsichtigt, unter* ctCtzt von einer Anzahl hirvonegender Gelehrten des Innnd Auslandes, die ihre Mitarbeiterschalt zugesagt haben, ein epochemachendes Riesenwerk zu schaffen, das, wenn die AusiiihruDg gelingt, den Unternehmern und Mitarbeitern, sowie dem gesammten Judenthum zur Ehre gereichen würde. Er selbst spricht sich in eiuem ans (gleichzeitig mit freundlicher Aufforderung zur Mitarbeiteischati) übersandten Circular darüber wie folgt aus: ״Das Judenthum steht heute an einem der entschetdendsten Wendepunkte seiner Geschichte. Vier Jahrhundeite, schier Jahr um Jahr, sind verflossen, seitdem unsere Glaubensgenossen aus der iberischen Halbinsel vertrieben wurden und heute bereitet sich, unter unseien Augen, eine neue weit umfassendere jüdische Völkerwanderung, diesmal von Osten nach WesteD, vor, welche eine für die künftigen Schicksale des Judenthums hochbedeutsame Verschiebung unserer Kräfte bediutet. Fünf Millionen Israeliten, also zwei Drittheile unserer Gesammtziller, verlassen allmählich den ZustaLd der Höiigkeit, um sich in treie Bürger giosser und angesehener Staatswesm zu verwandeln, l as Zeitalter der Judenhetzen und Judeuveifolgungen neigt — hoffentlich lür immer — seinem Ende zu und eine neue glückveiheissende Ejcche scheint für das Judenthum anzubrechen. Der Zeitpunkt erschien mir daher als ganz besonders geeignet, an die Abfassung einer Encyclopadie zu ge lei1, welche de ume ntarisch eien Beweis eiliingeu soll, dass wir Juden überall dort, wo man der Entlaltiig ULtertr Uhatkralt leite hindernden branktn entgegensetzt, voll und ganz in der naticralet Kultur uns! leaVateilandeshiilgehtn.— Es begehen ferner gen de in ui ei rem Ja hie die Juden Frankreichs die Kdjalrge Jubelfeier )hier tmancij ation, welche, wie lehaint, Ji.r die mitte lei rej aisc he JudenscLait den Reigen der Freiheit eiöflnet hatte! KöLnen wir aber diesen zweifach wichtigen Abschnitt in der Geschichte des modernen Judenthums würdiger abschliesgen, als durch die Errichtung eines literarischen Denkmals von dem Charakter und Umfange der Allgemeinen Encyclopädie? Und indem wir dies thun, erfüllen wir nur eine Pfficht der Dankbarkeit gegen unsere in den Gräbern ruhenden Vorfahren, welche trotz aller grausamer Verfolgungen das jüdische Banner hochbielten, welches als Devise das einzige Doppeldogma des Judenthum!i'״enthält: ״Höre Israel, der Ewige Dein Gott ist enü‘ einzig-einziger Gott“ und ״liebeDeinen ehrlich denkenden und ehrlich handelnden Mitmenschen wie Dich selbst.“ Die Allgemeine Encyclopädie f. d. G. u. W. d. J. soll u. A. unseren rassischen Brüdern auf ihrer Waudei rang in ihre neue Heimath ein empfehlender Geleit&rief für ihre künftigen Mitbürger sein. Mögeu diese aus dem von mir unter Mitwirkung von ungefähr 500 der hervorragendsten Theologen, Historiker und Orientalisten jüdischer und christlicher Ce'Vfehsjon herauszugebenüeu Werke erfahren, dass sie keüne Unwürdigen, sondern die Sprossen eines alten, edlen Stammes in ihrer Mitte atifnehmeu, der ״!.׳ Laufe der Jahrhunderte unter alleu Himmelsstrichen gar manche edle Blute gezeitigt bat. Die Allgemeine Encyclopädie soll endlich das in unseren Tagen leider so sehr vernachlässigte Studium der jüdischen Litteratur und Wissenschaft innerhalb des Judenthums neu beleben and das Selbstbewusstsein unserer Glaubensgenossen in der einmal von uns durchzumachenden kritischen Uebergangsperiode aus der alten iu eiue neue Zeit heben und kräftigen. Es ist klar, dass die ungeheuere Mehrzahl unserer j heutigen Glaubensgenossen angesichts der dringenden Anforderungen ihres weltlichen Berufes nicht wie ihre Vorfahren Zeit und Müsse haben, sich in die Foliobände des Talmuds und in die gelehrten Bibelcommentare der Vergangenheit zu vertiefen. Es wird dies fortan nothwendig die Domäne der Tneologeu und Kulturhistoriker bleiben. Es ist jedoch andererseits von allen Gesichtspunkten aus mehr als wüuschenswerth, dass die heutigen Juden nicht mit einem Male die Bande zetreissen, welche sie mit ihrer Vergangenheit verknüpfen. Unsere Ahnen haben es wahrlich nicht veidient, dass wir, einmal zur Freiheit g• langt, sie so schi.ell verleugnen. Es ist daher sehr bedai.ernswerth, dass unsere Jugend, mit stdir geringen Aus- 1 ahmen, kaum den Pentateuch 1m Originale zu lesen veimag und schier keine Ahnung hat von den späteren E] 01 heu der jüdischen Geschichte und der au Meisterweiken jede! Art so überaus reichen jüdischen Litteratur.