Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 35. (27.8.1891)
- Date
- 1891-08-27
- Page
- Seite 136 (sequence 2)
- Language
- German
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1S6 Marten vou Winden sein ve8t ze Tribuswinkel. Dieser Hötscliel von Hertzogenburg kommt in diesem Frohnbuche sehr oft vor, er legt mit Beschlag für sich und andere die Schlösser und Güter seiner Schuldner. Dies beweist uns am besten, wie schlecht uuterrichtet die sind, die historisch beweisen, dass die Juden weder Grundnoch Hausbesitz im Mittelalter hatten.*) Eine förmliche Fundgrube für jüdische Geschichtsforschungbildendes k.k.Reichskammerarchiv u.k.k.geh. Haus-Hof- und Staatsarchiv in Wien, dereu Benutzung mir zu sehr interessanten Daten über die Rechtsgeschickte der Juden im Mittelalter verholten habeu. So fand ich (eine Urkunde ddo 1298, 8 Jänner) eineu Verziohtbrief im obengenanuteu Staatsarchive. Dieser Briet ist von einem Juden ״Isaach in Wien“ ausgestellt. Mit Rücksicht auf den Umstand, dass einige Jahre vorher der berühmte Isak Or sorua Rabbiner in Wien war, fühle ich mich veranlasst, diesen Verzichtbnet nach dem Originale zu veröffentlichen. Vielleicht liefert dieses Document Anhaltspunkte für die historische Kritik, welche bis nuu über die ״Chachme Wiua“ sehr wenig zu Tage gefördert hat. So unglaublich es auch für den ersten Moment klingt,!lass Isak Or sorua 1298 noch gelebt haben kann und mit dem Aussteller dieser Urkunde identisch sein mag, ebenso zweifelhaft ist die Angabe Gastfieund» in den ״Wiener Rabbiner“, dass Isak Or Sorua nur bis 1270 gelebt haben soll. Sein Werk sieht mir leider momentau nicht zur Verfügung und anderseits mangelt es mir au nöthiger Müsse, um mich mit diesem grossen Responseuwerkezu beschäftigen,dessen Durchforschung für die Geschichte so manches interessante Räthsel lösen könnte. Viele christliche Geschichtsforscher haben es schon vielfach bedauert, dass die zahlreichen Respousenwerke, wenn auch nicht iu Uebersetzungen, so wenigstens iu Auszügen von fachkundigen Händen der Geschichtsforschung allgemein zugänglich gemaoht werden. loh bin auch fest überzeugt, dass jüdische Theologen einst für diese Idee selbst eiutreteu werden. So manches derzeit vom Staube bedeckte Respousenwerk enthält oft mehr historische Daten, als viele gefeierte Chroniken, bei welcheu man jederzeit Gefahr läuft, von einem gut geschulten historischen Actenfalscher dupirt zu werden. Spo׳ iell bei Isak Or Sorua könnte sich ein historisch gebildeter Theologe thatsächlich grosse Verdienste erwerben; denn soweit es mir bekannt ist, besitzen wir keinen annehmbaren, neuneuswertheu Bericht über Isaks Wirken und Leben. Vielleicht erwärmen hie! für diese Zeilen einen modernen ״Rappaport oder Azulai“. Gastfreuuds Biographie Isak OrSorua's ist leider so lücken- und mangelüaft, wie alles andere, was dieser Manu über Juden geschrieben, — Die zweite Urkunde, die ich hier veröffentliche, datirt v. 1473, 29. März und stammt aus dem Archive des Klosters Seyz (Steiermark). Diese Urkunde wurde mir von dem derzeitigen Eigenthainer bereitwilligst zur Verfügung gestellt. Sie ist schon deshalb vou besonderem Iu türesse für die Geschichtstorschung, weil vorläufig noch keine solche publiciert wurde, welche eine jüdische Unterschritt (mit dem viuiums unü placetum des Schuldners versehen) enthält unü in welcher gleichzeitig erwähnt ist, dass der betreffende Jude mit seiner ״jüdiscüeu Untergeschrift“ düse Urkunde gezeichnet hat. Die Urkunde selbst ist aul einem schmalen Pergamentstreifen (versehen *J G. W0U eitirt in seiner ״Gescliiclito der Juden in Wien“ einen ijatzbriel ddo. 103.» Wien. Das Original dieser Urkunde benutzte ick im Wiener Magistrutsarohive. Leidor gelingt es mir bis jetzt noch immer nicht, jene Urkunde autzutindou, die nach Wells ״Eiiedhöie“ eine Umladung ddo. 1320, zu einem Ohebramahle enthalten soll. Weder im Wiener Stadtarchiv noch im lteichskaunncraicniv woiss mau darüber Bescheid. E pour si muove. mit einem anhängeaden Siegel) schön geschrieben, aber leider in Folge der vielen Rostfleoke derart verschmiert, dass man zur Dechiffriruug derselben Zeit und Geduld braucht un i dabei iu der unangenehmen Lage ist, viele Wörter mehr dem Inhalte als dem Originale entsprechend zu entziffern. I. Verzichtbriet ddo. 6. Jänner 1298־. Isaaoh,der Jude von Wi0D, verzichtet auf sein Guthaben bei den Kindern Ottokars, betreffend die Schuld ihres Vetters Friedrich, des Kämmerers. ״Ich Isaaoh der Jud ze Wien tue kund allen di den peef sehent oder horent lesen, den ohring, den ich hat mit hna otachers Kinderu umb di gueit, di mir ir vetter hrr Friedreich der chamerr gelten sult, tat ioh mioh des sache an hau Eberhard von Waise und an hun Meinhard von Schellenberg, die sohideu also: Daz mau mir gaab pro den 12 metzea waitzen und pro den 10 metzea habern, di ich uam ze wieau I 60 phuut pfenn. — derselben pfeau. bin ioh sobop- ו gewert, uu soll ich, noch mein hausfrawe noch meine ' chinder fürbaz kheiu ansprach haben gen hnn otachers , chindern noch gen dez vettern guet hnn Friedreloh : un heb ich khatn ansprach oder meine chinder umb | die guelten fürbaz, auch sull man khain zeugnis nicht : achten und het ioh knain hautvest nooh von hnn Friedreichen den chamerr (sic) oder von sein prueder! Lerr otaoher umb de slachte guelte de ist ze nioht i uud sull ir yemaud nicht achten. Darneben gib ich ׳ diesen peef (sic) versiegelt mit meinem Jnsigel. : Und dies gezeugen hrr Ulreioh von Mappelu, hrr | Eberhard von Waise, hrr Meinhard vou Schellenberg,; hrr Marichard von Mistelbach und andere leut genug. ן Der peef ist gegeben *von Christus Geburt Tauseud | Jahr — zweyhuudert jar nach woiüuachteu über; vierzehn Tag.“ , II. Verzicht- und Uebergabbrief ddo. 1473, 29. März. Cbajim ben Gedel aus Marburg (Steiermark) übergiebt seine Gerichtsbriefe uud Pfau Ucheiue vom Amtmaun Mathe an den Prior des Klosters Seitz: ״Ich Iladgim Jud, Gadleins sun, ze Marchburkh verneh für mich meiue baust rawe und all unsern Erben und unsern Kindern ofieutleioh mit den briet' allen den er iurkombt umb den Geltsametbrief, den wir lune gehabt haben uud | der laut aut den erbaren um Mathe die zeit dahier ambt- ' mann gesessen ober Ratschaeh sein haust'rawe und allen Erben umb die 30 phuut phenige item darzue Gerichtsbriet und Behabbriet die laut aut den obgenannten Mathe ambtmanu, die ich und mein Erben mit guetem Rech erlangt! und inuegehabt haben nach luhaltung und abraithuug desselben obgeu. Geltsehuttbriet, Gerichtsuud Gerhabbrief haben wir ubergeben und eiautwurt dom Ehrw. Geistlichen hru Benud. Hein reichen Prior ze Seycz und dem ganzen couvent desselben Klosters von Seycz und allen iren nacbkhomeu oti'eutleich iu kraft des briets mit allen den Rechten krart seines nutzens und artikels als umb die getaut hubon also das sei Iu innehabeu nach dato des Rechts Inhabung und nutzen geneusseu umb all ir trummen damit sehall'ts baudel und allentalls muegen als mit andern irem aigeu guet in gleicher weis als in demselben : recbtleiob damit wol hueten muegen au menigkleichs au hinder-! nuss uud an widersprach darzue geben wir Ine es ganz ze 1 willen und genouss. Auch so verrieb ich obgen. iladgim Jud I für mich motu haustrawe un all unsern Erben wisseatieioh in kratt des briets, daz wir, noch yemaud vou uus auch vou unswegen turkhumbt als der briet geben ist zu dem obgeu. Mathe I ambtmanu, sein hausfrawe und all sein Erb11״ sull er khaiuerlay Zuspruch, auspraoh, rait.hung, noch Rechts mehr habeu noch muegen weder mit briet noch an briet, mit Recht noch an Recht, wenig noch viel in khaineriay weis und ob bietur yemaud ein Gelt.sclmltbriet oder andern briet haisset khomeu, oder ich obgeu iladgim, mein baustrawo und all unsern Erben uud lauteten aut obgen. Mathe ambtmanu, sein haustrawe uud allen Erben uud die älter warn denn der gegeuw. briet die : selbs briet alle sulloit ganz tod uud ob und nichtig sein uud wider den gegenwärtigen briet khain kratt tiabeu, ausgenommen der obgen. Geltscbuldbriet uud auch die Geriobisbriet und Behabbriet , die oben namblioh iubegrit sind die sulien ganz Ihre kratft haben all gewendlioh uud ungewendlicb. Mit Urkund des briets besiegelt mit des erbaren und I weisen hru Haus Schrottenpach die /eit Judeuricutor ze , Marchburkh auüangendeu Jnsigel, den ich obgeuannten iladgim