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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-08-20 · N° 34. (20.8.1891) · p. Seite 133

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 34. (20.8.1891)
Date
1891-08-20
Page
Seite 133 (sequence 3)
Language
German
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— 188 — der Zeit Es ist auch möglich, dass die Erzählung über Saals Freundschaftsverhältnisse zu Radziwill als wahr* bcheinlichste Episode von der Sage angesehen werden Uurfte, da ja za Sauls Hoohzeit nicht nar Radziwill, Bondern auch eine Anzahl anderer polnisoher und litthauisoher Magnaten erscheint. Sonach drückt die ganze Legende über Saul Wahl in Farben und Bildern wirkliche Fakta aus. Saul Wahl ist der Stützpunkt, um den sich die ״Bestimmungen des litthauischen Rechts über die Juden“ gruppieren. In Wirklichkeit war Saul Wahl weder gekrönt, noch auf den Thron erhoben, uo3h war die Wahl Sigismunds III. auf den Thron im figürlichen Sinne die Wahl Saul Wahls. Vom Standpunkte der Legende schenkt Saul den Juden Rechte, die ihnen die Möglichkeit geben, glücklich zu leben, d I:. keine Geldnoth zu haben and ihre Mussestunden mit gottgefälligen Handlungen, Gebeten und Beschäftigung mit der talmudischen Wissenschaft auszufüllen. In Wirklichkeit giebt aber die Thronbesteigung Sigismunds III. den polnischen und litthauischen Juden Alles dies, was ihnen der Legende nach von König Saul geschenkt wurde. Ein halachisches Quidproquo. Von R&bb. Dr. M. Löwy in Temesvär. (Schluss.) In einer andern Bedeutung, als in der hier skizzirten, kommt das Wort bestimmt nicht vor —, and man sieht, dass die: ״ein Gebot (einen Befehl) übertreten“ darunter nicht mit enthalten ist. Aber man sieht zugleich auoh, wie leicht die Verwechslung damit entstehen konnte. Namentlich die zuletzt verzeiohnete Bedeutung (No. 3) masste Rase hi und Maim. bei ihrer Erklärung unseres המוותר vorgeschwebt haben, und es wäre gegen diese weitere Uebertragung, vorausgesetzt, dass ein Frophet, nicht aber auoh ein Laie, oder gar aussohliesslich nur ein solcher, als Subjekt supponirt wird, auoh nichts einzuwenden. Allein, so wie man den Unterschied ausser Aoht lässt und das Wort (וויתור) auch von dem Verhalten des Laieu gegenüber dem Gebot eines Propheten gebrauchen will, wird die Grenze des Zulässigen überschritten. Denn nur einem Propheten kann hypothetisoh die Freiheit zugestanden werden, sich über das Gebot oder Wort eines andern Propheten seine Gedanken zu machen, es für überflüssig zu halten, es damit leicht zu nehmen, sich darüber hinwegzusetzen (bona fide, wie in dem Beispiel vom ״Genossen Micha's*); nicht aber dem Laien, dem vielmehr den Propheten gegenüber unter allen Umständen nichts als stricter Gehorsam geziemt, sofern er sieb nicht gleich einer Uobertretung schuldig machen will, sofern es da nicht gleich heissen soll: .העובר על דברי נביא Halten wir aber an diesem Resultat dieses unseres kleinen sprachlichen Ezourses fest, uud schliessen wir daraus definitiv, dass auoh unter dem המוותר על דברי נביא unserer Mischna, in Concinuität mit den übrigen Theilen, aussohliesslioh nur ein Prophet, als Subjekt des Vergehens, verstanden werden darf, so begreifen wir nun auoh in der Gernara nicht blos das Beispiel — חבריה דמיבה — das nun allerdings gefordert und ganz vortrefflich gewählt erscheint — um 80 viel besser, sondern auch die Ableitung: וקרי ביה לא ישמע על ד«ךי — nach unserer Auffassung eben für מוותר — für den mit Leichtigkeit über das Wort eines andern Propheten sich hinwegsetzenden Propheten — wird uns nun erst recht klar und durchaus gerechtfertigt erscheinen, — während nach jener Auffassung vom Anfang bis zu Ende Alles in der Luft schwebt. Somit sohwebt aber auoh, freilioh, die (bei Maim. a. a. 0., Sem&g, Sim. 6i c o d i f i o i e r t e Halaoha betreffs des Laien, der sich der Wiedersetzliohkeit gegen einen Propheten schuldig macht, als dargethanermasseu aller misohnischen und gemaraisoheu Bsgrüudang entbehreud (denn ולתור geht nur bei einem Propheten an) in der Luft —, und wir ständen diesbezüglich hart vor der folgenden Alternative: Entweder die Halaoha, wonach also auoh der Laie in diesem Falle der Todesstrafe verfällt (מיה ה בידי שמים), steht, nur dass sie talmudtsoh nicht begründet ist, statt dass der Wortlaut der Sohrift allerdings nur zu deutlich dafür spricht, oder aber diese Halaoha steht tkatsäohlich nicht, sondern die talmudisohe Gonoeptiou, welche den ganzen einschlägigen Bibelvers aussohliesslieh nur für die verschiedenen Propheten-Deliote in Anspruch nimmt (den Laien aber ganz herauslässt), ist im Recht—, ist uud bleibt um so mehr im Recht, als es in der Praxis und für die Praxis, ja auch kaum gut denkbar war, gegen solche Widersetzlichkeit im Allgemeinen (seitens des Laien) mit juristischer Strenge vorzugehen.*) Recensionen. Braun, Dr. M., Rabbiner. Jüdischer Volks- und Haus-Kalender für das Jahr 1892 (תרנ״ב). Mit einem Jahrbuch zur Belehrung und Unterhaltung. Breslau, Th. Schatzky. Pr. 1,25 Mk. Der vorliegende Jahrgang vereinigt in seinem reichen kalendarischen Theile nicht nur alle Vorzüge, welche seine Vorgänger auszeiohneten, sondern liefert auoh den sprechendsten Beweis dafür, dass der Herr Herausgeber es sich angelegen sein liess, denselben für weitere Kreise nutzbar zu machen. Als besonders wichtig darf daher die von Herrn Dr. B. Zuokerm ann in Breslau nach neuen Berechnungen entworfene Tafel des Beginnes der Nacht au sämmtlichen Sabbathen, Fest- und Fasttagen des Jahres 5652 (S. 23 — 24 nebst der Einleitung S. 21—23) hervorgehoben werden. Diese Tafel enthält in einer sehr übersichtlichen Anordnung für alle Orte des deutschen Reiches von 491/, bis zum 55 Breitengrade die Angäbe der Zeit, wann an den Sabbathen, Fest- und Fasttagen im J. 5652 die Nacht beginnt, während in den frühem Jahrgängen diese Zeit nur für die Polhöhe von 51 Grad (Meridian von Breslau) angegeben ist.**) Diese Tafel verleiht dem Kaleuder einen nicht zu *) Erst nach Abschluss des Artikels war es uns möglich, in Rabinovitz's ״Dikd. Sot.“ (z. 8t. 1 Einsicht zu nehmen —, um nur noch mehr in unserer Ansicht bestätigt zu werden. Anstatt aller weitern Folgerungen aas den beiden sehr instructiven Anmerkungen R.’s, lassen wir dieselben zum Haupttheile hier einfach wörtlich folgen: הערה א׳: נוסח הכ״י: 1־י ביה לא [.ישמע וקרי ביה לא.ישמע וקרי ביה לא1 ישמע 1הוא1 על דברי(והנהוד על ישמע הוא מכתב ועליון). הערה ב־: וכיה בילקוט שאלוניקי <ושם בלתי נקוד ומרי ביה הראשון הוא מיותר 0) ומלת ישמע [הוא] פירוש. ובכ״י פ׳ אשר לא ישמע קרי ביה לא.ישמע(צ־יל:♦מע) וקרי ביה לא .ישמע אל דברי. ובכ״י ה׳ אשר לא ישמע קרי ביה לא ישמע אל דברי והונה אשר לא ישמע קרי ביה לא :שמעי ומרי ביה לא ישמע (ציר ישמע) אל דברי. ובדפוס... הסדר וקרי ביה לא ישמע וקרי ביי לא ישמיע etc. — Nur soviel sei unserseits noch bemerkt, dass in der uns vorliegenden Ausgabe des Jalkut (Warschau, ldili) das אל דברי zum Schlüsse fehlt. — **) S. 21 vorletzte Zeile uud letzte Zeile der Note sind die Zahlen 7 u. 8 unerhebliche Druckfehler für 6 u. 7.

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