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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-08-20 · N° 34. (20.8.1891) · p. Seite 134

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 34. (20.8.1891)
Date
1891-08-20
Page
Seite 134 (sequence 4)
Language
German
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— 134 — unterschätzenden Werth, da es vermittelst desselben I möglich ist, den Beginn der Nacht für jeden Ort : des deutschen Reiches genau bestimmen zu können, welcher Umstand in keinem der bis heute bekannten Kalender in solcher Weise berücksichtigt worden ist.*) Auch das ״Jahrbuch zur Belehrung und Unterhaltung“ bietet des Trelflichen eine Menge. Unter der Ueberschrift ״Ghetto und Ghetto-Dichter“ folgt ■ ein Vortrag von Herrn Dr. Leopold Treitel, ' welcher uns im Geiste in die Ghetto’s verschiedener ' Länder und Städte versetzt, von welchen das letzte, in Rom bestehende, im Jahre 1817 durch Papst Pius IX als Zwinger aufgehoben wurde. A. D. Bern- ן stein, L. Kompert, B. Auerbach, C. E Franzos, : Sacher-Masocb, die Dichterin Orzeszko u. A,..! begegnen uns in dem gediegenen Vortrage als bekannte liebe Freunde, die das Ghettoleben, d. i. nach des Redners Ausdrucksweise die Geschichte des menschlichen Herzens, so meisterhaft zu schildern verstanden. — Den tiefinnigen Schmerz und die Ver- : zweifiuug eines Vaters, der es erleben musste, dass : seine geliebte einzige Tochter, dem Glauben der Väter untreu geworden, von einem Husareuoffi/.i r sich entführen liess, schildert die tragische Erzählung ״Todteuleier“ von Herrn D. Frischmaun, die vier grösseren, der Veröffentlichung harrenden Sammlung von Er- Zählungen desselben Verfassers entnommen ist. — Sehr interessant ist ״ Ein altes Testament “ vom Herausgeber. In demselben wird nach den ״Schlesischen Provinzial-Blättern“ der letzte Wille des vor mehr als 100 Jahren verstorbenen Ahnherrn des im Jahre 187a zu Breslau heimgegaugenen Verings-Buchhändlers H.Bkutsch, so wie des in• Wien geadelten Urenkels und des an der Jenenser Universität wirkenden Professors der medizinischen Facultät, — Samuel Isaac von Tost in Oberschlesieu, dessen Nachkommen den Familiennamen Skutsch führen, mitgetheilt. Die in demselben enthaltenen sittlichen Belehrungen sind auch heute nach 100 Jahren noch lesenswerth für Christen und Juden, Für die ausführliche Einleitung mit zahlreichen gelehrten biographischen und bibliographischen Anmerkui gen werden Freande der jiulisch-11 Geschichte dem Herausgeber gewiss noch besonders dankbar sein. — ״Bibelkrik. Ein alter Briet“ von E. F. Sommer wird gewiss nicht verfehlen, den aufrichtigen Bekeiinern des utigefälsi-hten! heiligen Gotteswories einen Hochgenuss zu bereitet!. —; Von dein umfangreichen bibliographischen Wissen des geii hrten Herausgebers■, so wie von dem BieueuÜeisse, mit welchem er das betreffende Material zusammengetragen, zeugt der folgende Artikel ״Der hebräische Buchdruck in Breslau“. In den Noten werden 1111s alle ..einaischen Druckwerke, welche aus Breslauer Offhihtii hervorgiugeu, mit Hinweis aut Benjacob’s bibliographische Werke vorgefuhrt. (S. SO wäre unter 1MU i.achzuuagei.: פרקי אבו“״“ oder ״Rabbiuische G1.011.ologie“ übersetzt und commentirt von J. Jacobsolin, Breslau 1SIU, gedruckt bei Hirsch Sulzbach, IV u. 78 S. s“. D 1eses Buch fehlt auch bei Benjakob, findet sich aber im Rosenthal’sohen Katalog S. 827, in Roest’s בית הכפר No. 1812 und in meiner Büchersammnnig.; — Di•■ beiden folgenden Beiträge des Herausgeber- ״Vor ■HtO Jahren in Spanien“ und ״Heute in Ktis.-Iandu schildern als passende Pendants in gefuld.-inniger Sprache und tiefempfundenem Mitgefühl die sihrecklichm Leiden unserer Brüder von ehemals und jc/.t. Die ehrwürdigen Gestalten eines Don **) Zu dem Gebüliren-Tarit iür Telegramme (8. 3i>) wäre zu bemeiken, dass die Wortgebühr nach dem heutigen Tarif f> 1*1. betlügt und dass als Mindestbetrag nur bl) Pf. erhoben werden Isaac Abarbauel und seiner gelehrten Zeitgenossen A treten in der ersteren und die Heldengestalten einer nach Millionen zählenden Schaar Glaubensmärtyrer «r der Jetztzeit in der letzteren Arbeit recht lebhaft vor• unser geistiges Auge und werden sicher nicht ver-V fehlen, in jedem Leser das Gefühl der innigsten Sympathie mit den Leiden unserer unglücklichen Brüder zu erwecken und ihu anregen, zur Linderung* der Noth die rettende Haud zu bieten. — Möge auch der diesjährige Kalender bei seinem reichen Inhalte, seiner vorzüglichen typographischen Ausführung und seinem überaus billigen Preise die wohlverdiente weiteste Verbreitung finden! Rees a. Rh., 18. Anglist 1891. L. Cohen. WoMn mit den' rnikficGen Jaden. *Von*T)r. jf^B ödenlieimer. Der Verfasser spricht aus warmem jüdischen Heizen mit klarer Sprache und gründlicher Sachkenntnis, dass Syrien das Bestimmungs-Land wäre, wohin der Strom der jüdischen Auswanderer aus Russland sich wenden möchte. Syrien sei ein kulturfähiges Laud, wenig angebaut und von grosser Ausdehnung, liegt am mittelländischen Meere, ist sonach für Industrie und Handel geeignet und hat gute klimatische Verhältnisse (Seite 14). Eisenbahnen und Brücken tür Handel un i Industrie könnte das Ziel der Colonisation fördern. Zur topographischen Oriontirun!? ist dem Schriftchen eine Karte von Syrien beigegeben. Denjenigen, welche sich mit der brennenden Tagesfr.ige der Auswanderung und Colonisirung der russischen Juden heschältigen, sei die Broschüre zur Beachtung dringend empfohlen. — r. Litte!,arische Notizen. — In No. 30 des ״Litteraturbiattes“ gellt Herr Dr. Wiener in Oppeln nut die von mir citirte Glosse Ui ira § tiö des כרתי näher ein. Er stel't fest, dass die von ii Jonathan Eibenschitz l.c. angeführten Worte: ,ואז הראהי לו פמ“נ שכתב דגיד הנשר נוהג בזברים ונקבות *" seiner Ausgabe des 0) במ״גd. Rapast 18ז!י § 1 iä) sich nicht linden. Dass diese Angabe ia ,Mischaa, Gemara, Maim. u. J ffaro, vorkomme, hat auch Eibenschitz nicht behauptet. Man kann demnach nicht behaupten, dass E. eine Mischna übersehen habe Im ungünstigsten Falle hat er den׳ סנז״ג fehlerhaft citii-t Ich besitze leider keinen Ls wäre von Wichtigkeit, zu eruiren, ob alle Ausgaben des 3‘‘£“ mit der ed. Kapust übereinstimnieu. Doch dem sei, wie ihm wolle, der halacbische Kanon, welchen Eibenschitz aufgestelir, behält, auch wenn er sich nicht auf die Autorität des 2מ*ג stützen kann, seine volle Richtigkeit. Mein Freund und College. HerrO.K. Dr.Ritt er in Rotterdam, hatte die Freundlichkeit, meine Aufmerksamkeit auf ein unsere Stelle behandelndes, interessante•: Responsum •des R. Mosel! Sofer zu lenken. Im “הת״ם סופן zum יורה דעה behandelt das Responsum (iä in seinem ersten Theilo ausschliesslich die von mir citirte Stelle des ,ברת. Wer aut die Sache näher eingeiien will, den verweise ich auf den ganzen ersten Theil dieser geistreichen השובה. Als besonders cliarukteri-tiseh setze ich hier die resumirenden Worte daraus 11er. sie!am ״u: יהשתא אי ב ״ד ראותו ה:יד שנשר ביעקב הוא גיד דלא נמצא בבדיח נקבות אי׳ב שפיר הי• בס־א לחלק בין בני ישראל לבנות יבראל ואיך ב׳ סט"; נרה: בזכרים ובנקבית ובן במתני־ נ־׳ה נוהג ובו׳ לא קאנו־ ואינו נוהג בנקבות א׳־צ׳־כ הגיד הוא הנמצא בין בוכרים ובין בנקבות וע ב נוהג איסורו;"ב בכל ודברי הבמיב קיימיב: wenn Herr d.■, Wiener 11!0 במי die vom ,ברה eitirto Stelle nicht gefunden hat, so Lass! sieb vielleicht mit unsern Alten sagen: לא ראינו אעו לאיה• leb Kann es mir nieht denken, dass der l-'rngesteller und Respondent nicht bemerkt haben sollten, der ,כרת habe falsch citirt. Auffallend im Citate des ,כרת ist es, dass er d e Wendung גיהנ בזכריב ובנקבות> welche gewöhnlich in subje׳ - uvem Sinne genommen wird, liier aucli in objectivem Sinne verstellt. Nach der liclitvellen Darstellung des R. Moseli Soter tällt diese Scliwiet igkeit weg, weil eines das andere voraussetzt und nach sich zient. Solirau O.-S. Dr. Immanuel Deutsch. London. Von Herrn Professor Dell erscheint demnüeliein Buch unter dem Titel ״Alttestament liehe Theologie, oder die Geschichte der hebräischen Religion seit 300 v. (1. ch. Z.’1 Der I. Baad, die Geschichte bis zu Josiali umfassend, erscheint diesen Herbst. Band II wird mit dem Exil, Band III ntit Alexander und Band IV mit dem Beginn der. christlichen Aera scbliessen. London. Unter dem Titel ״Die Geschichte eines falschen Propheten“ veröffentlicht Lady Magnus in der Julinummer; von ״Macmülan’s Magazine“ eine Skizze über den berüchtigten; Pieudo-Mesaias Sabbatai Zewi. Verantwortlicher Redacteur Dr. Kalinier, Magdeburg. Druck von D. L. Wo 1 ff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig

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