Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 33. (13.8.1891)
- Date
- 1891-08-13
- Page
- Seite 129 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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für המוותר. Wo aber bleibt der Schriftbeweis für das dritte und letzte, für עובר ער דברי מפו? — Nun!meint Raschi freilich, die Reihenfolge mässe utngestossen werden, und in dem ersten Oitat sei auob die Deutnng sohon gleich mit gegeben, wo dann freilich das zweite: וקרי ביה לא יע מ ע על דברי (Niphal, wie R. zweifelsohne meint) für die letzte Formel übrig bleibt. Allein, quo jure? darf man wohl, mit aller der Autorität des einzig-grossen Meisters gebührenden Ehrfurcht fragen.*) Anoh bemerke man, nach dieser Erklärung, das ganz unleidlich schleppende על לברי> verbunden mit der Abweichung: 5ל statt אל (im Bibeltexte)! Wir möchten also schon aus diesen Gründen hier vielmehr die folgende Lesart (bez. Restituirungeines ausgefallenen Text-Theiles) und Erklärung vorziehen: דכתי־ אשר לא ישמע קרי ביה לא.ישמיע (id est: וקרי ביה לא ישמע על דברי ,(הכובש (id est; (המוותר וקרי ביה לא ישמע (i.e.':עובר על דברי עצמו — Letzteres das ausgefallene Textstück). Gesetzt aber auch, wir dürften diese Correctur nicht wagen, oder brauchten sie nicht zu wagen, indem man sich doch anf die eine oder die andere Weise mit den herkömmlichen Erklärungen abzufinden wusste, so bliebe doch noch immer die andere Widerhaarigkeit des conträren Beispiels (חבריה דמיכה) zurück und ebenso blieben auch, für eine selbstständige, von der der Gemara vorerst unabhängige, Interpretation der Misohna, die im Eingänge von uns aufgeworfenen Fragen noch immer völlig unbeantwortet. Namentlich für die Prägung des Ausdruokes המוותר enthält die Gemara nicht die Spur einer Rechtfertigung oder Beleuchtung —, und wir haben uns erst recht die weitere Frage vorznlegen, ob und inwieferu dieser Ausdruck überhaupt so etwas wie: ״übertreten“, ״sich (über ein Gebot) hinwegsetzen“ u. dgl. bedeuten könne? Darauf wollen wir nun im Folgenden möglichst kurz antworten. Das Wort kommt, wie man weiss, in den versohiedensten Formen (,וותרן — וויתור — ודתו etc.) oft genug vor, und man kaun sioh schon aus den bei Kohut (Aruch, s. v.) zusammengetragenen überaus zahlreichen Stellen nioht blos über die verschiedenen (von Eohut jedooh nur mangelhaft wiedergegebenen) Bedeutungen desselben, sondern auch über deren Entwicklungsgang ein ziemlioh klares Bild machen. Die älteste (ursprüngliche, concrete) Bedeutung ist wohl die: draufgeben,ein Maass (Getreide, Obstu.s.w.) reichlich voll machen, in St. wie Nedar. 33b u. paraii.: ר״א או־ אפילו וויתור אמור במודר הנאה (s. die Commentare Raschi, R. Nissim, Asoheri —; dasselbe wohl auch j. Scheb. 33ti; Thoss. Scheb. I: מוותרין בגפני׳ ומשמתק בקנים ובר). Parallel damit geht die juristische Bedeutung: v^rziohtleisten (renonoiren, resigniren), Bab. k. 9a; Bab. b. 107a: רב א' בטלה מחלוקת ושמואל אמי־ ויתר. Daraus wird nun, je nach der ursprünglichem Bedeutung abgeleitet: L. Gewinn bringen (Nuteen, Ueberflussschaffen),Targ.Spr. 10,2: 2;לא יועילו אוצרות רשע לא מוותרין אוצרין דרשיעי. sohenken, freigebig sein, verschwenden, Synb. 102b: .אחאב וותרן בממונו הוד; jer. Sota 20d: מאן דלית הוא ותרן(כאיוב) לית היא כשר; Bab. k. 00a: אר״ח כל האר הק׳ב׳ה, וותרן הוא**) und oft; 3. (oumulirt aus dieser letztem Bedeutung und jenem primären ״▼erzioht- *) Man sehe den Commentar des Bartinoro, der thatsächlich e!n dreimaliges ,קרי ביד bat. B. Lipman Heller bekämpft!im (בגמרא לא אמרו בלשון הראשק קרי ביה), und erklärt mit K., wie oben; kommt aber auch tttr’s Weitere, wie man sehen kann, mit sich selbst nicht wenig in’s Gedränge. — **) Das an dieser St noch weiter erscheinende: יתוותרון מעיו ist spielend gebildet, unter Hinzuziehung einer Bedeutung der verw. Wurzel נתר (im Hiphil). — leisten“) freigeben, erlassen (nämlich die Strafe für irgend etwas), und sodaun noch weiter: N a 0 hsicht üben, übergeben, sich hinwegsetzen u. dgl., in st. ein j. Ohag. 76 c: ורתר הק׳ב׳ה־ לישראל על ע״ז וכי ועל מאסם בתו׳ לא ורתר; jer. Suk. 550:הא וותרה לאלף אלא ובו' eto. etc. (Schluss folgt.) Rece Unionen« Der Blataberglaabe bei Christen and Jaden von Prof.Hermann L.Strack, Münohen. C.H.Beok'sohe Verlagsbuchhandlung 1891. Die Signatur wohl aller in den letzten zwölf Jahren erschienenen philosemitisohen Schriften war eine zweifache, entweder — dem vornehmen Charaoter der Sohreiber entsprechend — sarkastisch, oder — nach dem bekannten Recept, dass ״auf einen groben Klotz ein grober Keil gehöre“ — wuohtig dreinhauend. Erstere Methode verfehlte meistens ihr Ziel, weil der wahre Kern jener Schriften den Herren Antisemiten- Häuptlingen auoh nicht fremd war und die Verleumdungen von ihnen mit vollem Bewusstsein verbreitet worden waren — und die letztere Art hatte den Nachtheil, dass sie platzregenartig gewesen und somit von keiner nachhaltigen Wirkung sein konnte. Das irregeleitete Volk auf dem Lande hingegen verstand das eine nioht — und das andere, das seiner rustikalen Natur näher lag, bekam es in der Regel nioht zu iesen. Von ganz anderem Stoffe ist die Schrift von Prof. Strack. Ernst, gründlich und zielbewusst rüokt er Sohritt für Schritt dem unsichtbaren Feind auf den Leib und zieht ihm Zoll für Zoll den Boden unter den Füssen weg. Da ist keine einzige Zeile, welche aut Effekthascherei berechnet ist, kein Wort, bei dem uns die, selbst bei der Lektüre ein-Ler Schriften ans häufig überkommende Lust zu applaudireu anwandelte — dazu wirkt es zu erhaben und Überzeugend. Ihm, dem protestantischen Theologen, hat die Wahrheit die Feder in die Hand gedrüokt — ihn, den Vertreter der Religiosität, widerte das lügenhafte Treiben vieler seiner Glaubens- und Standesgenossen an — ihm, dem ehrliohen Forscher stieg über die planmässige wissensohaftliohe Brunnen Vergiftung die Sohamröthe der Entrüstung ins Antlitz — und wie einst die göttliche Haud des Propheten Jeremias Mund berührte, 80 hat eine Gottesstimme ihm befohlen: ״sohreibe, Ich lege meine Worte in Deine Hand!“ Der Inhalt der Brochttre ist in sechzehn Absohnitte eingetheilt, von denen die ersten elf dem Aberglauben gewidmet sind, welcher bei allen Nationen mit Thier- und Menschenblut, mit menschlichen und Thieres- Leichen heimisoh war und zum Theil nooh ist, von welchen St. in dem Vorwort sagt: ״Was ich habe Vorbringen müssen, ist zum Theil recht garstiger Art. Soll aber die furchtbare Krankheit des Aberglaubens geheilt werden, 80 müssen wir zuvor die Krankheit kennen, sie scharf ins Auge fasseu. Das ist ein schlechter Wundarzt, der sein Auge bebend von der krankeu Stelle abwendend, da doch nur ein mit sicherer Hand vollzogener Schnitt die Wurzel des Uebels beseitigen kann.“ — Und wahrlich, es sind recht ״garstige“ Dinge, die der Verf. in seiner Schrift — stets mit voller Quellenangabe—erzählt, und schwaohnervigeMensohen thun besser daran, die Gap. III—IX in schnellem Tempo zu lesen; mau muss staunen, dass in Ländern, in welchem der Aberglaube selbst das Kind im Muttersoboosse — im buchstäblichen Sinne des Wortes — nioht versohont, Mensohen sich finden, welohe auf die Juden unerwiesener Anschuldigungen halber den ersten Stein heuchlerisch werfen können. Er bringt aus