Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 32. (6.8.1891)
- Date
- 1891-08-06
- Page
- Seite 124 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/6492408-5990872-5991354--2302-5368931- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 124 — Wenn die an den Bettelstab Qebraohten ihre elende Armuth mit den goldenen Zeiten vor den Kosack&nkriegen verglichen, 80 ist es ja natürlich, dass ihnen Saul wie eine ungewöhnliche Grösse ersobien. Der Reiohthümer, die bei der Arende von der ־Ukraine verdient wurden, erinnerten sich Alle. Es ist also natürlich vorauszusetzen, dass Saul nicht nur selbst von der Pacht reich wurde, sondern auch solche Rechte für seine Glaubensgenossen erwirkte. Diejenigen sowohl,fiir die dasGold nur den Werth einer realen Grösse hatte, die die Möglichkeit giebt, wenigstens einen Theil der alten Rechte zuiüokzuerlangen, als auch diejenigen,welche unwillkürlich nur an das Heute dachten und sich nur in altjüdisoher Tracht auf der Strasse zu zeigen wagten, sie Alle hörten nicht ohne gewissen Zweitel die Nachricht ״dass Saul Wahl sich mit einer goldenen Rette schmückte(Forts, folgt) Justin Martyr und die Agada. Herrn Dr. Han dl in No. 30, S. 117 des ״Litteraturblattes“ ist es entgangen, dass ioh die betreffende Agada und deren Beziehung zu Justin Martyr in meinem: J ustin Martyr und die Agada S. 12—15*) bereits besprochen. Aus meiner dortigen Auseinander- Setzung hätte Dr. H. ersehen können: 1. dass nicht cap. 85 pag. 292 ed. Otto Ed. II**), sondern oap. 36 pag. 120 die hierhergehörige Stelle aus Justin’s Dialog cum Tryphone sei; 2. dass Justin nicht nur Vers 7—10 sondern den ganzen 24. Psalm auf Christus bezieht und 3. dass Justin die betreffende Agada bereits bekannt war und als eine bereits allgemein bekannte .angeführt wird und Herr Dr. H. hierin Justin Unrecht thut, wenn er behauptet, Justin ״imputiere seinen ״Gegnern, den jüdischen Gesetzeslehrern, Interpret»- ״tioneu, die ihnen nie in den Sinn gekommen waren.“ Cap. 36 pag. 120 sagt Justin, die jüdischen Exegeton beziehen diesen Psalm nioht aut Christus, sondern auf Salamo, als er das Zelt des Zeugnisses in den Tempel, den er erbaut hatte, hineintrug. Dass Justin den Psalm als Weissagung auffasst ist so wunderbar nicht, denn er betrachtet den Psalm als ״Rede des heiligen Geisteswozu der Midrasch und das neue Testament zahlreiche Parallelen bietet. Auf den weitern Inhalt der Ausführungen des Herrn Dr. H. gehe ioh nioht weiter ein. Ich befinde xnioh seit 17 Jahren an einem Orte, wo mir zur Fortsetzung meines in meinem ״Justin Märtyr und die Agada“ begonnenen Werkes viele Bibliothekswerke fehlen und die neuern Erscheinungen beinahe ganz unzugänglich sind, weshalb ioh zumeist gezwungen bin, an die wenigen Aufsätze, die mir hierhier zukommen, anzuknüpten und etwaige Irrthümer zu berichtigen. Nächstens werde ioh 8. G. w. aus Anlass . der gäuzlioh verfehlten Schrift von Dr. M. Grünwald: ״Ueber das Verhältnis der Kirchenväter zur talmudischmidraschischen Litteratur“, die mir zur Besprechung zugesendet worden, unier dem Titel: ״Synagoge und Kirche“ über die Vergleichung der Kirchenväter mit der talmudisch-midraschisoheu Litteratur austührlioh sprechen.***) Baos-Topolya, den 24. Juli 1S91. Go 1 d f a h n. *> Vgl. Grätz Monatsschrift 1873, 8. 101—100. **) Die HL Edition, erschienen 1875 ff. steht mir hier nicht za Gebote und haue sie auch noch nicht za Gesicht bekommen. ***) Auch der Vermathung des geschätzten Herrn Redacteure, dass die LXX שערים anstatt שרים gelesen hätten, kann ich nicht beistimmen; die LXX haben vielmehr שצרים״“ als Accnsativ gefasst und ראשיכם nicht als Häupter der Thore, Ein halachisches Quidproquo. Von Rabb. Dr. M. Löwy in Temesvär. Die Misobna Synhedrin XI, 5 (j.XI, 7; b.X,־T) giebt fünf Arten solcher Deliote an, die mit dem Fundamental-Ge8elze über die Prophetie (Deut. 18, 15—22) gegeben sind, resp. aus demselben resultieren.*) Davon seien die ersten zwei: 1. המחנכא מה שלא שמע, 2. ומד. שלא נאמר לו mit dem Tode duroh die weit Hohe Gerichtsbarkeit zu bestrafen (בחנק), währen 1 für die drei letzten: 3. והמוותר על דברי .4 ,הכובש את נבואתו ונביא שעבר על דברי עצמו.5 ,נביא die Todesstrafe duroh göttliches Gericht iu Anspruch genommen wird (מיתה בידי שמים). Was ist nun (No. 4:) המוותר על דברי נביא? Nach Raschi und Maimonides im Wesentlioheu übereinetimmeud: Derjenige, der sich über das Wort oder Gebot eines Propheten hinwegsetzt, sei es nun, dass er dasselbe ganz und gar nioht beachtet (R. המפקידה ז(שלא השש למה שאמר לו הנביא »ei es, dass er es nur sondern ala die ״Häupter“ (*PX0VTC*) de* versammelten Volke» — als ob Sa'orao dem Volke zugeruten habe: hebetaut oder öffnet die Thore — und als das ganze Volk zu den Thoron sich drängte — habe Salomo geraten, nicht Alle — sondern nur ראשיכם eueren Oberhäuptern gebührt diese Ehre. Anlass zu dieser Auffassung mag der Umstand gegeben haben, dass in jenen Zeiten die ח1ני und ראשי הכנסת (vgl. Mischna Joma 7,1) die heilige Lade geöffnet, wenn man aus dam 0פר התורה lesen wollte. Vgl. Mischnah Sota, 7,7; 8; Jeruschalmi Sota folio 21a; Joma folio 44a. Zu der Bemerkung des Jeruschalmi bl.|והא תמ מייבלק אוריתא גבי ריש גלותא? vgi. שבט יהודה vouSaiomo iben Verga ed. Wiener S. 85. Der חזן ist nioht wie Rasohl, Babli Sota folio 40b. und Joma folio 68b. und Bertinoro a. 1. meint שמש (Jomtob Heller 8. v. [in ad Joma sohoint za schwankon), sondern ח77 הכנסת ist sprachlich und sachlich iitCcxouo; ifjs 0uvav(üY־i)?, wie der ראש המסת &PXWV 1*)S 0uvaY«׳|־fj{ oder apxtvuv&YWY0«» vgl. hierzu die Lexica zum Heuen Testamente. — זלנין der im Jeruschalmi Herachoth folio 7d. und Taanith folio 67d. als: הח1ן bezeichnet wird, heisst im Babli Pessachim folio 49a. ממונה של ר*ג und Tossephta Perek 3 ed. Zuckermandel P. 2,11 p. 159a. ׳הממונה * und ist auch identisch mit p^l, der Babli Aboda Sara 65a. mit Rabbi Akiba auf ganz vertrautem Fasse rodet. — Diese von mir bereits vor Jahren gemachte Bemerkung findet sich zumTheile auch bei Bacher Agada der Tannaiteu, 1. S. 30(. B. identifizirt gleichfalls: ״pH“ Babli, Aboda Sara mit זמין״“, dem Verwalter des Patriarchen Gamliel II, Pessachim 44a. An זמין, den חזן, Jeruschalmi 1. c., hat er vergessen. Ich kann auch Bacher nicht zuatimmen, wenn er 1. c. S. 110 Aumork. 3 behauptet, in der Mischnah Sabbat I, 3 bedeute: [in ״die untere Stufe des Jugendlehrers, pn bodeutet auch hier ״Synagogenaufseher“. Die betreffende Mischna sagt nicht, der [1ח darf sehen, wie die Kinder lesen, sondern: wo (vgl. Rabbinovicz a.!.)'die Kinder lesen. Die ״Episkopoi“ waren weder Gelehrte ersten Ranges, nooh auch vollendete Ignoranten, wie sich eben aus dem dort von Bacher behandelten Ausspruche R. Eiiesjrs b. Hyrkauos (Sota lolio 49a.) ergiebt. Der Episcopos musste darum noch kein Ignorant sein, wenn er in jenen Zeiten, in welchen die Perikopenordnuug bekanntlich noch nicht festgesesetzt war (vgl.Midrasch Rabba zu 111 M.cap. 3, §6 und zu Ester cap. 3, § 0 od. Wilna 1878 und die Bemerkungen von Wolf Einhorn), nicht genau 1 wusste, wo die zu verlesende Perikope beginne. Die Taunaiten! waren doch sicherlich keine vollkommene ignoranten, wonn sie auch iu der späteren Amoräerzoit keines sehr hohen Ansehens sich eidreueten tvgl. Levi, graphische Requisiten, Lieferung II.,! Leipzig 1871 S. 128—130, 110—171); von den Gerichtsschreibern sagt der Talmud aasdrüfklich, Gittiu folio 2b: ספרי DPO ךדייני מינמר גמירי» ünd doch setzt der Talmud Aboda Sara folio 9 a die Möglichkeit voraus, dass ein Tanna oder ein Szot'er, der einen zu schreiben habe, nicht genau wisse, wie die fragliche Jahreszahl laute. (Vgl! über die letztere Stelle die Uesponsa der Gaonim ed. Harkavy No. 45 Seite 30 Berlin, Mekize Nirdamim 1887) *) Ausser dem eigentlichen ״falschen Propheten“ (המתנבא 2שם ע*ו), wovon die tolgeude Misohua handelt. — Das an der Spitze unserer M. stehende נביא השקר ist nur Schlagwort (aus M. 1), bez. der Gattungsbegriff', unter den die folgenden Arten zu subsummireu sind.