Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 31. (30.7.1891)
- Date
- 1891-07-30
- Page
- Seite 121 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/6492408-5990872-5991353--2298-5368926- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 2× ep/1002670
OCR text
— 121 Die ״punktirten" Stellen im Pentateuch. (Schlos*.) ,Nicht gleioht der, welcher eine Sache bändert Mal lernt, dem, der sie 101 Mal durchgeht * (Ghagig. 9b ). Nach heutiger nochmaliger Durchsicht der Stelle in Nom 29,15 gelangte ich zu folgendem Resultate: Das koujanktive Waw des ולשרי war nicht zum Hinweis auf die vollständige Punktation des Wortes puuktiert, sondern nur seiner selbst wegen; denn bei den Opfer Vorschriften für die einzelnen Festtage heisst es im Cap. 28, 21, 29 und Cap. 29,10 nur מרק לשרק, und darum fiel 29,15 auf, dass daselbst ולשרי stünde. Man puuktirte daher an dieser Stelle das Waw conjunctivum, das allein überflüssig erschien. Hier ist also die Angabe:וא־־ו של ולשרון נקוד עליו wohl am Platze, und vielleicht entwickelte sich hieraus an anderer : Stelle die bez. falsche masoret. Notiz. Ich glaube daher nicht, wie Blau (S. 17), ,dass kein Zweitel obwalten kann, dass in Num. 29,15 nicht nur über dem Waw, sondern über dem ganzen Worte sich ursprünglich Punkte befanden“; obige Worte wollen das Oegentheil beweisen: והבוחר יבהי! Jedenfalls gewinnen dadurch meine Schlussworte in vorwöchentl. Nummer an Bedeutung.*) — 10. Deuteron. 29,28. Diese Stelle bietet hinsicht- ׳ lieh ihrer masoretischen Beigabe grosse Schwierigkeiten. Am einfachsten durfte sie Jahiu zu erklären sein, dass Esra — um das Oese'zesstudiiim zu beleben — die Worte dahin auslegen zu müssen glaubte, dass Alles, sowohl das Verborgene, welches jetzt Gott allein offenbar wäre, (׳ולסת־ 1אשר| לה׳ אלי) als , auch das Offenbare einst (עד עולם) uns und unseren I Kindern angeboren werde. Dies deutete die Masorab, I nachdem die Stelle agadisch ausgelegt worden, durch * die ,Punktirung der 11 Buchstaben“ (י״א נקודות) an. Wie dann der ניקור vom Goltesnamen aut die 11 Buchstaben לנו ולבנינו ל übertragen wurde, giebt bereits Raschi (Sauli. 43b) au. Mau sieht aber zugleich, dass der Redactor des Midrasch hacket, (vgl. meine ,Quellen der tialachah“, T11. I. S. 24 Aum. 3) selbstständig genug in der Erklärung der נקודות vorging. Er betrachtete zunächst die Punktation von לנו ולבנינו, Worte, deren ev. btreichung ihn zu der Erklärung nöthigte, dass unsere Keuntniss von den Dingen nicht einmal bei den ננלות, dem Offenbaren, sicher sei (.שאפילו מקצר הנגלות אין אנו •ודלי;); also: Das Verborgene gehört dem 1 Ewigen, unsrem Gotte, und auch das Offenbare. Mit' Recht trennt er also, wenn einmal das 1 לנו ולבנינו ע gedeutet werden soll, das ל vom Uebrigen. Die Er- ׳ klärung des ל leitet er mit einem כלומר ein, d. h. das Verständnis» liegt nicht aut der Band. Es soll (nach Obigem) darauf hiuweisen, dass unsere durch ' die Punktatiou des לנו ולבנינו augedeutete Unwissen- . heit nur ^עד לול dauern soll (לד שיבוא הקץ יתברר הכל». H- Jekudah, welcher (Sanh. a. a. Oj die Funk-! tatiou deutet, erblickt in לד לולם wohl nur insofern 1 einen Hinweis aut das לד שדברו את הידק, weil nur; das Westjor.iaulaud (1> ,ראי לבית השכינה (ארץ כנען. k. für das בית לולמימ geeignet ist. (Vgl. Maim. Hilch. Betk-hab'cbir. 1,2—3, Num. r. 7,8 und Jalkut § »)98.) Der in Num. r. 3,13 sich fiudeude Satz י״א לבה נקוד אלא כך אבר עזרא . . . bezieht sich keineswegs, wie Blau (S. 7) aunimmt, auf sätumtliche punktirta Stellen, sondern nur auf die letzte, und gerade diese Notiz scheint mir eine Bes*a!iguug dafür zu enthalten, dass (vgl. Raschi a. a. 0./ ursprünglich das י.' אלה׳ puuktirt war. Es mochte Esra, weuu auf ihn dir Puuktation zurückgeht, sich ein wenig Bemerkenswert 11 bleibt, dass -ר. ld׳ wu allerdings nicht von deu llauptt'esieu die Itedo ist, auch ein \Naw couj. steht, wahrend das mittlere Waw daseihst tohlt. — gescheut haben, den Gottesnamen auch nur andentangsweise za streichen, and •r bewahrte sich ein• Reserve. Die Stelle ist demnach nicht za übersetzen: Manche behaupten (יש איברים *= דא), sondern: ,Und die י״א (sc. .-נקוד aat ן1ד אל d. h. die elf Buchstaben der beiden Gottesnamen — warum sind sie (nur) punktirt (,und nicht gestrichen 1?* Auf diese Erklärung führten mich die Worte des .בשי *T '(in Nnm. r. «d.' Wilna z. St) Allerdings irrt er sich, wenn er von Stellen spricht, and in dieser Hinsicht weist ihn Straschuu!Note 25) mit Recht zurück. Die von mir ar.gegebeue Anwrn lung seines Hiu weises dürfte wohl allgemeine Billigung finden. Sonst könute man bei der ersten Erklärung des Midr. hueb. auch daran denken, dass die beiden Gottes* namen um/.astellen und hinter *לגל ולבגיג folgen sollen. Fassen wir nuser Resultat zusammen, so ergiebt uusera Auseinandersetzung folgende ursprüngliche Puuktation (vgl. Blau, S. 34): l. Gen. lt>,5 ובילו־; 2. ib. is,9: אל״; ib 19,33 1;ובלימה. ib. 33,1: דשקיד und *5;*יהבקה. ib. 37,12: את für das ganze את צאן אביהם; ti. Num. 3,39:1אהרן■ für 7;־אהרן. ib. 9,10: .רדיד,־־ 8. ib. 21,30: 9;אש־. ib. 29,15: ילשיק für das gauzn Wort; 10. Deut. _9,28: •;*לה׳ אלי. Die im Obigen durchgeführteu Deutungen der Puuktationeu müssen, wie auch bisher angenommen worden, mit Rücksicht auf die inidrasckischeu Auslegungen dahin gehen, dass die punktierten Verstheile aus angegebenem Gruude zu eli.liren sind. Es wird aber 1.׳efr־emd*-n, durch welchen Ums׳ and die zu elidireuden Worte o ler Buchstaben sich in den Wortlaut der Schrift eiuge.-ctilichen haben sollten; noch mehr aber, da-s sich die Syuagoga magna dazu entschlossen hätte, die betreffenden Steileu zu streiche־!!. Sehen wir aber von den inidrasclii-chen Deuiuugeu 1 ab — und das müssen wir bei objektiver Erledigung der Puaktatioustrage —, so ergiebt steh, wie bereit» (Ende No. 9) bemerkt worden, dass die Masorah nur das Auffallende hervorbebe 11 will, «ras durch die Punktatiou geschieht. Dabei bleibt die oben äugegebeue Begründung derselben zu Recht bestehen. Als es späterhin Usus wurde, die Streichuug b-zw. Worte durch ihre ״obere“ Punktirung etc. auzuleutea, wer-1 eiue solche auch tur den Midrasch die Grundlage seiner Deutungeu. Kattowitz, den 3. Juli 1891. Kgr. Recenaioneu. Frieden! Frieden! Frieden! Betrachtungen von Leopold Kätscher, Dresden. Pierson 1891. Es gewinnt den Anschein, als ständen wir iu Anfang eiuer Bc-.veguug, die friedlich unser religiöses, unser politisches, unser wirtschaftliche* Leben umgestaltet. Noch herrscht auf dem Gebiete der Religiou die Streuggläubigkeit nahezu unumschränkt; aber es ist nun einmal die Meiuung iu weiten Kreisen verbreitet, dass diese Macht uur Schein ist, dass »ie zus&mmeubricht vor einem Hauch jeues erlaut-huu Mundes, der es vor einiger Zeit ausge-proeheu hat, dass er an dogmatischen Zankereien kein Gefällen hat, das• die Moral ihm als 3er Kern der Religion gelte. Moltka hat in seiuer ersten Schrift die These Verkündet, das» die Revolution v<>n oben kommen mü-se. Die Religion wird nicht augelastet, ihr Werden allerorten neue Tempel errichtet, aber •las Dogma scheint in seiuen tiefsten Gründen erschüttert. Unser gegenwärtiges politisches System ferner wurzelt im Militarismus uud keiuer wird leicnuinuig die Riistuug weglegen, so lange mächtige üeguer riug»