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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-07-30 · N° 31. (30.7.1891) · p. Seite 122

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 31. (30.7.1891)
Date
1891-07-30
Page
Seite 122 (sequence 4)
Language
German
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— 122 *r umher gewappnet daneben. (Aber gerade die Triumphe des Militarismus sind die Vorboten des nahen Schwindens dieser Macht, die das Blut und Mark der Völker ▼erzehrt. Immer grösser werden die Heere, immer schärfer die Waffen; ein Krieg vor hundert Jahren war ein Kinderspiel gegenäber einem Kriege ▼on heute. Trotz alles Zunders, der autgehäuft ist, entbrennt der Streit nicht, denn Jeder scheut die nngeheare Verantwortlichkeit■ ihn zu entfachen. Ein Buch wie das von Herrn Kätscher mit Recht gepriesene ״Die Waffen nieder" von der Baronin ▼.Suttner, rüttelt an die Gewissen der Völker und der Fürsten. Nicht durch eine Volksbewegung kann die Kriegsfackel ausgelöscht werden; aber wenn ein Mäohtiger das Wort: Abrüstung auspräche, welch begeisterten Wiederliall würde es finden. Eudlich auf wirthschaft Hohem Gebiete! Die Sooialdemokratie freilich mit ihren Petroleusen, Anarchisten, mit ihrem Arsenal von Mord, Gewaltthat und Zerstörung, sie schreckt den Bürger. Aber wir alle seufzen unter der socialen Noth; die wirtschaftliche Zukunft ist Allen ungewiss, selbst der Reiche hat kein Vertrauen, dass seine Nachkommen vor Mangel geschützt sein werden. Darum haben wir längst jene Ansicht über• wunden, dass der Staat für nichts Auderes zu sorgen habe als für gute Polizei; Lassalle sprach von dem Nacht wnchterstaat der Manchestermänner. Die Kaiser, Wilhelm I. uud Wilhelm II, besonders Wilhelm II., sind für den Arbeiters)and eingetreten und wie segensreich wird sich dereinst dieser kaiserliche Wille zeigen, wenn die Millionen und die Volkskraft, die jetzt vom militärischen Wesen aufgebraucht werden, den socialen Aufgabeu zu Gute kommt. Herr Kätscher weist auf zwei Werke hin: Freiland von Hertzka, und den Zukunftsstaat von Bellamy. Ohne gerade iu die schwärmerische Bewunderung Katscher’s für diese Bücher eiir/ustimmeu, darf man anuehmen, dass die sociale Bewegung friedlich eine Wandlung des Eigenthumsbegrifls herbeitühren wird. Das dreifache Friede Herrn Kätschers möchten wir dahin deuten: Friede zwischeu den Völkern, Friede zwischeu den Volks• klasseD, Friede zwischeu den Religionen. Noch freilich ist der Weg weit zu dem herrlichen Ziele. Samael David Luzzato, EpistolarioItalianoFrancese Latino. Publicato da sui Figli. Padova bSUO. P. 1 u. II. Von grossen Maunern nicht nur ihre besten epoehem&chendeu Werke, sondern auch ihre zw&ngs• losen, hei Gelegenheit und keineswegs für die Oeflent• lichkeit bestimmten und vor derselben gelhauen Aussprüche zu kennen, scheint vorzüglich ein Stolz deutscher Forschung zu seiu. Es köuute dieses Streben, einen Göthe, Schiller, Herder, Heiue im Schlatrock zu beobachten, am Fiunilientisch, iin Freundeskreise, beim Briefjchreibeu, fast hIs eine Vergötterung erscheineu, oder eine Verwässerung des edlen Gehaltes ihrer geisligeu Werke. Uud doch ist es auch in deu jiidisoheu Forscherktei'eu bek&unte Anschauung, dass selbst das שיחת חרדין •כל ־־ח צריכה ל־מ־ד, die im ungezwungenen Gedankenaustausch ausgesprochenen Worte gelehrter Männer der Forschung werth und bedürftig sei. Raw sprach diese Ansuhauuug aus und begründete sie sehr stuuig mit dem Bibelverse ועלהו לא *2ול (Tr. Succa p. ‘27, fol. 2b). Wir werden daher nioht überrasoht »ein dürfen, noch es als überflüssig bezeichnen, dass wir den Briefwechsel eines Meisters wie Luzzato vollständig vorgelegt erhalten. Es wird damit uiclit uur ein stbnhcher Wuusch aller Freunde des grossen Lehrets, souderu ein Wunsch der Forscher erfüllt, welche da» reiche Wissen und den Scharfsinn, die mothige Forschung and dec anregenden Darstellung•- gang des Verewigten hoehschfttsen. Die Herausgeber, die Söhne des Verewigten, in deren Namen J. Luzzato in Padua das Vorwort unterzeichnete, batten eine recht grosse Arbeit. Denn die Herausgabe von 716 Briefen ent 1061 Seiten in Hulienischer, französischer and lateinischer Sprache, nebst einem alphabetischen Verzeichniss der Namen aller der Personen, mit welchen L. in Briefwechsel stand, und der Angabe aller betreffenden Briefhammera, sowie einem alphabethischen Verzeichnise der Stoffe^ welche in den einzelnen Briefen behandelt werden, ist wahrlich eine Riesenaafgabe, welche ein beredtes Zeugnis» von der Verehrung und Liebe der Söhne za ihrem Vater sowie von ihrer Hingebung an die wissenschaftliche Sammelarbeit ablegt. Die grosse und schwere Arbeit hat aber auch ihren grossen Werth. Sie ist für eine vollständige Biographie Luzzato's unentbehrlich; denn die Veröffentlichungeu ▼on Eisig Gräber sowie der Index raissonne des livres de correspond&nce de fen S. D. L. de Trieste, preceJe d’an avant-propos et saivi d’nn essai de peusees et jugement tires de 8es letlres indditee. Padova 1888 erschöpften ihre Aufgabe, beziehungsweise die Aufgabe!!er Veröffentlichung aller werthvollen Briefe L.’s nicht. Neben dem biographischen Werths bekundet diese Sammlung aber auch eineu litterarhistorischen, denn sie zeigt uns eiuen Verkehr mit fast 150 Personen bez. Gemeinschaften, un'er welchen Männer wie Garmoly, A. Cohn, F. Delitzsch, L. Dukes, Z. Frankel, L. A. Frankl, J.Fürst, A.Geiger, J.Geseoius, B. Hammer- Purgstall, Prof. Hupfeid, A. Jellinck, Jost, Kayserling, Lattes, M. A Levy, F. Luzzato, Morporgo, Mortara, Reggio, Steinschneider, die mit einer theil weise sehr grossen Zahl von Briefen hervorragen. Ein Blick auf die Mannigfaltigkeit des Stoßes belehrt uns aber sofort auch über die fach wissenschaftliche Wichtigkeit der Briete, wie über deu erstaunlichen Umfang und die Vielseitigkeit i:u Wissen Luzzato's. Astronomisches, Bibliographisches, Biographisches, Diaktisches, E'ymologisches, Exegetisches sowohl aut dem Gebiete der biblischen als nachbililischen Litteratur, Granimati Italisches, Historisches, Philosophisches, Poetisches, Theologisches, das siud die Rubrikeu, unter welche die Herausgeber die Briete ihremStoffe nach geordnet haben. Die jüdische Wisseuschaft weiss ibneu Dank dafür. Litte rarisc he Notizen. 1. Nur noch eine Bemerkung Uber C1TCVT sei mir gestaltet Itei der klassischen Bedeutung der homerische■ Dichtung Itir unsere moderne Welt- Litteratur wü-de man sich wundem inUssen. wm die Lehrer der Misch na (Jodujim!,•>) dieses grosse poetische Meisterwerk des hellenischen Altertlmms so sohr rerurtheilten, wusste man nicht, dass die alten Weisen auch unter dem Eindruck jenes Hellenismus standen, welcher in der Makkabitorzeit sich so Verhängnis«- voll erwiesen hatte, uud der in der Verschlingung mit dem ialschun Semitismus ganz verzerrt und zu einem tjultna des Verbrechens geworden war. — ür. N. 2. Von deu Gesammelten Schritten Lad wig Phil ippsons, herausgogeben von Dr. M. Philippson, (Breslau. Schlesische Buchdruckerei, Kuust- und Verlagsanstalt, vorm. 8. Schott* laender) sind bis jetzt 8 Lieferungen erschienen; dieselben enthalten deu hist irischem Itoman ״Jakob Tirado“, welcher dae belletristische Meisterwerk Philippsons ist, sowie den Anfang ן de» Hornaus ״Sepphoris und Korn“, der im vierten Jahrhundert! spielt. In einer Einleitung zu demselben spricht sich der ▼er• i laaser ia beachtensworther Weise Uber die Aufgabe und di«; Bedeutung des historischen Komans aas. Wir empfehlen dies• | treuliche Ausgals! der Phi’ipjison'scbcn SchriUeu, die eine in jeder Beziehung vorzügliche Volk»lec1üre bilden, der Beachtung des deutschen Publikums. _ 1 Druckfehler-Berichtigung: Littbl. No. 2s S. 114 coL 11. Zeile 27 v. o. statt schrecken 1. ״Schranken**; Zeile 48 ן v. o. 1. e׳j84toj. Versntworthciier Uedacteur Dr. Hahmer, Magdeburg. Druck von D. K Wölfl, Magdeburg. Verlag ▼on Robert Pries•, Leipzig.

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