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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-07-23 · N° 30. (23.7.1891) · p. Seite 117

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 30. (23.7.1891)
Date
1891-07-23
Page
Seite 117 (sequence 3)
Language
German
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117 ßcliuchtung einer talmud. Legende durch eine Steile in Justinus Martyr. Im Talmud Sabbath. SO erzählt R. Jehtida: Der Bau des Tempels war vollendet, und die Bundeslade sollte in das Allerheiligste gebracht werden; dies war jedoch nicht möglich, weil die Tüore scheinbar zu enge waren. Da betete König Salomo also: ,Erhebet, ihr Thore, eure Häupter, erhebet euch, ihr ewigen Pforten, dass einziehe der König der Ehre.* Nun wollteu die Thore niederstörzen, um den König zu vernichten (nach Jalkut z. St : sie wollten ihm de» Kopf zerschmettern), weil sie meinten, Salomo hätte sich selbst als König der Ehre bezeichnet; erst nach• dem er die Worte hinzugefiigt: ,Jjer Ewige, der Mächtige und Starke, er ist Her König der Ebreu, erst dann waren die Thore beschwichtigt und der König vom Untergauge gerettet. Die Bundeslade aber konnte erst in das Allerheiligste gebracht werden, nachdem Salomo’.-» (jebet: ״Um deines Knechtes David willen weise nicht ab das Augesicht deines Gesalbten‘׳ Erhörung gefunden. Diese Legende, die im ersleu Augeublick den Eindruck des Pliantastiscbcu macht, kanu um h ihrer apologetischen Tendenz vollkommen nur gewürdigt werden, wenn man folgende Stelle in Justinus Martyr, Dialog, c. Tryph. 85 in Betracht zieht: ״Auch diese Wei'saguug (siel): ״Erhebet, o Fürsten, (wörtlich nach der irrthtimlicheu*) Urbersetzuug der Septuag.) eure Thorr, erhebet euch, ihr ewigen Pforten, dass eiuziehe der Köuig der Herrlichkeit“ wagen Eiuige von euch zu verdrehen (!) uud auf Ezechias zu deuten, andere deuten sie auf Salomo, während sie weder auf diesen Loch aut irgend einen von euren Köuigeu, sondern nur auf Christus bezogen werden kann.* Justinus will mit diesen Worten die Verse 7—10 in Ps. 2 t, entgegen ihrem einfachen Won sinn uudZusammenhang, christulogisch deuten, und um seiner Deutung das! entsprechende Relief zu geben, trägt 6' kein Bedenken, seinen Gegnern, den jüdischen Gesetzeslehrern, loterpreta!innen zu imputierei:, die ihnen nie in d»-n Sinn gekommen waren und auch unmöglich ihuen beitalleu konnten. Gewiss war Ps. 2t, V. 7—10 Geg.-nstand der Controverse zwischen Juden uud Christen, wie denti die Kirchen väter mit Vot liebe als Ecksteine zur Bete.stigung des neueu Religionsgebäu ies solche Verse aus den alttestanieut. Büchern verweudeteu, in welchen I rmhrere Gotiesiia'iien unmittelbar ueben eiuauder stehen. Mil welchen Argumenten widerlegt nur R. Jebu Iah die von chii'tlicher Seite erhobene Verdacht igung, d iss jüdische Herrscher jemals ״Könige der Uerrlui.keu“ genannt worden wären? Mit der׳ Eingangs erwähnten L-geu lc, die mit ihrem Beisätze | von Humor wohl nicht verfehlt hat, aut die Zuhörer ' Eindruck zu machet!. König Salomo — dies ist die Pointe der Legende — würde es mit seinem Leben gebüS't babeu, wenn er es gewagt hatte, sich selbst, einem Menschen von ,Fleisch und Blut-, die Attribute I eizulegeii, welche ausschliesslich nur dem König der Herrlichkeit, •lern Herrn der Ileersohaaren, zukommen; das Juden( hum, hembm, kanu keinem meu'chliehen Wesen, und-stehe cs noch so hoch, uud sei es noch so mächtig, weise uud tugeudhalt, göttliche Vollkommenheit zuerkennen. Die Plorteu des Allerheiligsten gewahren der Meuscheuvergöiterung keinen Eiiitrm, die BuudesJade mit dem Gottesgesetze kann dort nicht eiuziehen, wo das Geschöpf aut deu Thron des Schöpfers erhoben wird. Das Gebet Salomo’s wurde erst erhört, nachdem er der Verdienste seiues Vaters gedacht (Chronik II, Cap. «,42), des siegreichen •781״ la»eu C־T>? t,,r C'Ttr. David, des glorreichsten Königs in Israel, des unsterb• liehen Saugers, der aber bei all seiner Grösse nur •in Knecht, ein Ge-albter Gottes, nimmjrmehr jedoch ein mit Attributen göttlicher Herrlichkeit ausgestatteter Messias war. So wollte der Agadist R. Jehudah die oben er• wahnte Imputatiou des Justinus als grund-uud haltlos znriickweisen und der christolog. Deutung des Ps. 21 den Bo len entziehen. Eibenschitr. Dr. HandL Recenaionen. F.rnesl Renan, Geschichte des Volkes Israel Band III. Paris iVHi. Caliuanu Levy. (Schluss.! Besprachen von l>r. J 111 umenstei 11, Itahliiiier in r.tixoinburg. Weil Jeremias dem Könige vou Jerusalem gerat heu, nicht eir.en zweck io-en Kampf mit der babylonischen Uebenuaciit auiznnehmet!, welcher den Untergang des Tempels und der jüdischen Natiou zur Folge batte, wird er vou Renan als Vaterlaudsverräther gebrandmarkt. Da Herr Renan so oft die Geschichte im Lichte fraiizösisch.r Verhältnisse schildert, anstatt eine j-de Zeit iu ihrem eigenen Licht*) darziisiellen, so wollen wir gera le au Jeremias unkuiipt-iul tragen, warTbier.-, der beim Ausbruche des driiiscb-trauzö• sischcii •Krieges •’I.s70) im gesetzgebenden Körper geg-׳u den Krieg antlrat uud vor uapoleonischen Aneuteuern gewann, welche Frankreich ins Unglück stürzen, ein Verrather oderein Patriot? Unsere Propheten haben neben der B •geisterung für!len endlichen Sieg der israelitischen Ideeu iu der Zukunft sich doch immer den brsounetieu Blick und ■las richtige Verständnis* für die Gegenwart uud ihre Forderungen zu erhalten gewusst; se waren die Vertreter unserer Ideale und doch Realpolitiker. ״In den kritisoheu Augenblicken des Vaterlandes, sagt der Verfasser, läuft der Patri1׳t, der es versucht, sich der Macht der Fremden bemerkbar zu inacLen, Gefahr, fur einen Freund der Fremden gehalten zu werden.“ Mu»s er aber tlesshalh sefion eiu Verrather sein? Wird nicht vielmehr!1er wahre Freund des Vaterlandes doch!len Math seiner Meinung haben,unbekümmert um Verkeimung und Verleumdung? Hat der Verlaut der Ereigni•'.! nicht für Jeremias und für Tuiers gesprochen? War« es nicht pairio• tiseher gewe-en, die Oberherrschaft des hahyloni-cheu Königs anzuerkeimeii, wie tuau spater diejenige der Per-er anerkannt hat, um iin Besitze seiues Valetlau les uu׳l seines reügiö-en Mittelpunktes zu bleiben? Es giel». doch namentlich 111 Zeiten hochgradiger, po'itix-ii-r Spannung Momente, wo der Thor für weise uud der Weise für einen Narren verschrieen wird. Dass der geiutit hr-iche Prophet kein Veinitiier war, dass er sein Vaterland und s-iuo Glaubensgenosse! , wie -ein-u Gott und sein•- Religion g׳di״ht, das bewies er dadurch, da»' er keiue Ou11-1 von deui babyloni-clieu Eroberer sich erbeten, dass er ungeachtet des nauoualeu Ungüokes bei s-iueii atineu LauiLleiiten iu Judaea geblieben und sich nicht unter der Sonne des Siegergn'lich g-'tlian, gleich dem Römling Flavias Joseph׳!'- ihr entgehenden Sonne z'izulachelu, mag für!-a::z*':••;L ל Acalemik'.T angenehmer sein, als sich dem Strome 1er Lige uu׳l der Eutsiitlichuug «utgegea zu s1*-reraeu. Kann man sich arger widersprechen, als wenn Ke׳!an sagt: ״Hätte man ■leu gehässigen Versicherungen des Jeremias Gehör geschenkt, *o waren die schrecklichen Metzeleien unterblieben.“ Uud Versicherungen, die ein Uuglück verhütet hätten, werden ״oiieuses“ genannt! Nur eiu wahrer Freand des Volkes uud des Vaterlandes und nicht ein Verräther kann dem hochsteuSeeleuscbmerz״ ei uen solch classisubea Auslruck verleihen, wie es Jeremias iu seinen un-

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