Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 30. (23.7.1891)
- Date
- 1891-07-23
- Page
- Seite 118 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 118 ר sterblich«!) Elegieen auf den Fall des Vaterlandes getban. Und ungeachtet seines sentimentalen Naturells bat der Prophet doch im Augenblick der Gefahr den £opt nicht verloren und sa dem gerathen, was allein in dem gegebenen Augenblicke das Richtige gewesen. Nach der Persönlichkeit und der Sprache der Propheten waren wir gewohnt, in demselben den weichsten und gemüthreicbsten der Propheten sa sehen. Renan macht ans ihm einen grausamen, wilden und blutdurstigen Menschen, einen unversöhnlichen Jesuiten mit giftiger Zunge. Spricht auch nur ein Schein aus dem Leben des Propheten für eine derartige Auffassung? Glücklicherweise widerspricht er in dem II. Bande seiner Geschichte des Volkes Israel seiner jetsigen Ansicht. Dort sagt er nämlich: ,Die grossen Geister klagen immer die fernblickenden an, das Ungläck berbeisuwünschen, welches sie vorhersahen und an• kündigten.u Als Ungeheuerlichkeiten bezeichuen wir in dem Werke Reuans folgende Meiuungen: David soll nach ihm unschuldig sein an dem Tode Uria’s, aber schuldig au demjenigen Abnei's. Gideon und Jiphtach sollen existirt, aber Josua soll nicht exist irt haben, desgleichen Elisa, aber nicht sein Lehrer und Meister Elia. Das Ediet des Cyrus ist bei ihm bald eine Vermuthuag, bald eine Thatsache. Die Piopheten werden bei ihm bald wiithende, bald klage Narren geuauut (fou furienx — sublimes), einmal nennt er sie Socialisten und An&r• cbisteu, eiu andermal sagt er von ihnen, dass ihnen ein hervorragender Platz in der Geschichte der Civi• lisation gebühre. Man sieht hieraus, dass Renan Recht hat, wenn er iu der Revue de deux raondes vom 15. Febr. 1882 bei Besprechung vou Eoheleth sag : ״malheur ä cleui qui ue se coutredit pas au moiua nue iois par jour.“ Es ist ja eine anerkannte feststehendeTbatsache,dass der Prophetismus nicht die Blume sondern die Wurzel des Juueuthums, und dass derselbe, wenn uicht die glänzendste, doch eine der glänzendsten Seiten des Judeuthums ist. Auch hiuken sehr oft die Vergleiche zwischen Personen und Verhältnissen der Vergangenheit mit denjenigen der Gegenwart. Wie stimmt z. B. der Vergleich zwischen der Lage der alten Israeliten mit derjenigen der katholischen Partei nach dem 16. Mai in Frankreich? Die jüdische Gottesidee, wie Ränan sie schildert, ist eiu Product seiuer Einbildung und war iu diesem Gehalte und in dieser Form niemals Gegenstand der Verehruug in Israel. Renan macht daiaus ״einen grausamen Gott“ uud dennoch sagt er ״der Jehovismus ist eine vollendete Religion, die vollendetste, welche mau je gesehen und welche niemals übertrofleu werden wird.“ — Das Buch Jona ist ihm eine ״pochade“, eiue leicht hingeworfene Skizze, während es doch eine Botschaft des allgütigeu Gottes ist, der allen Siiuderu aller Nationen gern verzeiht. Ob wir jetzt dem Buche eiue typisch-symbolische Bedeutung, odereinen individuellen Charakter beilegeu, ob wir auuebmen, die Taube (XV) stelle Israel dar, wie es selbst im Racheu der Völker nicht aufgehört habe, den Ruhm des einzig-einigen Gottes zu ver• künden, oder ob wir einen wirklichen Propheten aunehmen, der als Apostel an die Heiden Ninive’s gesandt, um die Liebe Gottes zu allen Menschen auch ihren Schwächen gegenüber zu preisen, immerhin ist auch diese Maüifestaliou des jüdischen Geistes eine erhabene und göttliche. Wir schliessen mit diesen wenigen Bemerkungen unter vollster Anerkennung der geistreichen Charakterisierung, der herrlichsten Formenvolleuduug und der classischeu Uebersetzuug biblisoher Stellen. Litterarische Notizen. Bemerkungen zu dea Frage« und .Vatwertea. 1. Noch i* meine zweite Frage in No. 32 bezüglich der Coodutioa לא שתק, die sich vorgeblich in Ber. oder Wqikra r. bofinde« soll, nicht erledigt. Wohl aber spricht eie y*CO Verbot 140 wörtlich nach: eie eiso einleitend יש להסביר לתשובת הפעק שלא שתק הכת פלא כור וכר. Ohne tür diese Candaeion den Midrasch oder Maimon. als Quelle snzaf&hren. 2. Herr Dr. Im. Deutsch führt in der jüngsten Nummer des ״Litteraturbl.“ die Worte des K. Jon. EiLenscbitz an. wie eie sich auch wirklich im כרתי $ vorfinden וא1 הראתי לן סם־־נ שבת־ רנד הנשר. נוהג בלבו־־ ונקבות• ich habe den סם־ א (ed. Kapust 1807 $ 1:10) vor mir, die Worte בזבייים עקבות finden sich dort eben so wenig, wie in Mischnah, Oainara. Maim. und J. Karo, und nur R. Ahron Halewi (TTJTI) sagt 1 כזבריםTJ ונקבות* 3. Herrn Dr. Cohn in Burgkunstadt danke ich tür seine Mittheiluog in No. 2fi aus Jefeh Mareh, die auch Herr Dr. Go Ulf ahnin No. 28 antührt: heme ken kann ich ihm aber, dass ihn s<-in Gedächtnis* nicht täuscht: in Jeteh Thoar üussert sich nähmlicli U S. Jafeli gerade ebenso. - Ueber untergesch ■bene oder fingirtp Midraschim führt au:h Asulai s. v. דרשית toigende Klage....•ושבורה מאמר סלבו ואובר שהיא פליאה ובית עכביש מבטחם Jetzt erinnere ich mich, vor einiger Zeit, etwa zwei Jahren;11 einem jüdischen Blatte demselben Irrt 11 •111 begegnet zu sein, dass der Spruch des Beii Asai dem Ken Soma in den Mund gelegt ward < Vielleicht hat dem mir | ganz unbekannten Currespondenten jener fragliche apokryphe j Midrasch ▼orgelegen. Mochte doch der trag icbe Corre. ,.oudent 1 die Güte haben sich im ״Litteraturbl.* darüber za änssern. I 4. Za der pädagogisch-ästhetischen Bemerkung des Herrn { Prot. Dr. Wolt im jüngsten ״Lttbl ■* über die Antwort an eine Schülerin auf e oe verfängliche Frage ist Rath and Belehrung | Roasseau's im ״Emil* tür Pädagrgeu and Eltern lesensand ) beherzigenswert!) ן ö. Zum Schluss noch eine Bitte. Bereits vor vieleu Jahren > drückte ich befremdeten gelehrten Collegen gegenüber mein 1 Befremden aus: ״Dass, wenn auch zur Zeit der Mischnab unsere | heutigen Gebete noch lange nicht vorbaudea und an einen Aufenthalt im Heiligtlium während des ganzen Versöhnung•- : tages gewiss nicht zu denken war, an einem so ernsten heiligen : Tage der Kasteiung uud Basse allotria getlieben wurdeD, wie ן sie die letzte Mischnah Thaanith auführt, dass die iuuge Welt, Jünglinge und Jungfrauen, sich iu den Weinoergen zusammenlauj uud t'opiilirungen inscetiirten, uni doch hatte ja die Mischnah ausser duu poutsteuchischeu Fasten noch andere Kasteiungen vorgeschrieben, uicht einmal die •Schnhbekleidung gestattet “ Die Antworten fielen gauz unbefriedigend aus. Ich wiederholte vor Jahren tneiue Anfrage in einem audern jüdischen Blatt bin aber bis heute noch oliue Autw •rt. Vielleicht findet sich unter den Tutniudbeflissenea des gesch. ״Lttbl.“ einer, der eine befried gendc Losung dieser mehr aristipp-hedoniseben, als asketischen Gepflogenheit währenddes zweiren Tempels giebt Wieuer-Oppeln. — Die Frage des Herrn l)r Wiener, warum nicht als Haupt-Maxime der religiösen Ethik der Satz aulgestellt wurde •״ :ואהבת את ה־ אלדדך עdu *״llst den Ewigen deinen Gott liehen'* u. s. w. glaube ich damit beantworten zu köunen, dass der Talmud (Sabbath 31b im Anschlüsse an deu aus Deut. 10.12 angeführten Satz ״Nun Israel, was verlangt denn Gott von Dir r nur dass du ihn ohrnirchtest•*, - die Ehrfurcht vor Gott als die höchste Anforderung in der Religion betrachtet. Lud das mit Recht. Die Ehrturcht ist einer jeden die Abhängigkeit vou Gott luhlenden Seele zugänglich, die vou der Weihe der Gotte•- gemeinschatt im Empfinden und Denken aber bediugte Liebe ist die Geistesthat eben nur eines Gottlieguadeton — Von diesem Gesichtspunkte aus wird es auch ktai, weshalb, gleichfalls in Anlehuung an den oben citierten biblischen deuteronomiseben Ausspruch, von Moses gerühmt wird, מלהא רטלהא •TTS לנכי היא die Gottes t u r c h t ist bei ibm nur etwas Geringes gewesen im Verhältnisse zu der Liebe, zu welchei die geläuterte Gotteserkeuntuiss des göttlichen Lehrers sich aulgeschwungen hatte. 1 Borachotli 33 b). Vou welch' grosser Budeutuug aber für das Leben des jüdischen Volkes der betrelToade Satz aus Deuteronomium gewesen ist, in welcher dieEhrfarcbt vor Gott betont wird, geht daraus hervor, dass, wie aus der Parallele (II. Chionik 34,31) gefolgert werden kann, die vom Könige Josijahu veranstaltete tiet ergreifende Vorlesung aas der Gott•*- lehre in jenem biblischen Texte Ausgange- und Zielpunkt getänden hatte. — Dr. in. Phonetisches. Ein Correspoodent des ״Jew. Chronicle“ wünscht zu erfahren, worin der pbenetische Unterschied zwischen ,כ׳ רפד and ח besteht. — Gefällige Auskunft würde auch die Leser diese« gesch. ״Litt -Bl * interessieren. 0 inR. Verantwortlicher Kedacteur Dr. Rahmet, Magdeburg. Druck vou D. L. Wollt, Magdeburg. Verlag rou Rotiert Friese, Leipzig.