Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-07-16 · N° 29. (16.7.1891) · p. Seite 113

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 29. (16.7.1891)
Date
1891-07-16
Page
Seite 113 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/6492408-5990872-5991351--2288-5368917
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

113 — Weh die Bemerkung (Ber. r. 48,15)בכל מקום שאת מוצא Tri כתב רבה gestützt wird, erschien dem Compilator fm: Midr. hach, mit Recht schwierig, trotz des והוא אחריו זה המל», da Sarah gar nicht anwesend war. Dftid auch das Lachen der Sarah bemerkt nicht der Engel, sondern Gott selbst (vgl. Qen. 18,13). Es wird Häher hier in midrasohisoher Auslegung eine Lösung tler Punktationstrage versucht durch die Annahme der Vollständigen Punktation des אליו. Wird nämlich Hie9e8 Wort als gestriohen betrachtet, 80 war die Frage nach dem Befinden der Sarah nioht an eine bestimmte Person gerichtet und es wurde demnach auch keine Antwoit erwartet. Daher bemerkt der Midr. hach, mit Recht: שהיו יודצין בה ולא היו צריכין לשאל לאברהם. Es befremdete sie nur bei dem Inhalte ihrer Meldung die Abwesenheit *der Sarah, an die ja die Botschaft gerichtet war, und schüohtern fragten sie sich איה ונו׳. Daher auch die zarte Form der Meldung. Darauf sollte hingedeutet werden. Auch Ben Ascher puuktirt das ganze Wort (vgl. Blau, S. 21.). S. auch die von Neubauer im Mai-Heft des Magyar-Zsidö Szemle S. 360 angeführte Lesart dieser Masorahnotiz. Darnach lautet der Vers: ויאמרו אליו שרה אשתך הנה באוהל. loh betone hierbei ausdrücklich, dass die Synagoge magna, welohe auf Veranlassung Esra’s die Textdurchsicht vornahm, (vgl. Bamidb. r. Ende Par. 3) das Wort deshalb als auffälliges und als eventuell zu streichendes bezeiohnete, weil es (an gen. Stelle) in den übrigen Satztheilen in der Verbindung mit אמר fehlt; es heisst also nur ויאמר שוב אשוב, ויאמר הנה. Daraus nun entwickelten sich die midraschiechen Auslegungen. Interessant ist die Erklärung Rasohi’s z. Sc. in B. Mezia 87a (Stiohw. למדה); vgl. מהרש׳יא z. St. Der Talmud selbst sagt dort nur: למדה הורה ד״א שישאל אדם באכסניא שלו, wobeiunter אכסגיא nach der folgenden Frage nur ״die Wirtin“ zu verstehen ist (vgl auch Tosaf. das. St.: למה). Vielleicht wurde der Punkt auf dem Lamed (ל » nicht beachtet, weil es die übrigen Buchstaben bedeutend überragt. (Schluss folgt.) Litteratur bericht. Recensionen. Erliest Ränan, Geschichte des Volkes Israel, Band III. Paris 1890. Galmann Levy. Besprochen von Dr. J. Blumenstein, Rabbiner in Luxemburg. Wer an das Studium der BAnan’schen Werke geht, wer das ausserordentliche Darstellungstalent dieses dramatischen Geschichtsschreibers bewundert, wie er den geographischen und archäologischen Hintergrund verblasster geschichtlicher Vorgänger in lebensfrischen Bildern und in schillerndem Colorit herzustellen weiss, wer diesem Schriftsteller nachfühlt, wie er die feinsten und geheimsten Seelenvorgänge, sei es in dem Leben eines ganzen Volkes oder eines einzelnen Men6chen, in geradezu prophetischer Weise zu ergründen sucht, wie er die Geburtsstunde weltbewegender Ideen auf findet, der muss, so ihm nicht der Verstand bei diesen Phantasmen durchgeht, sich stets des Aus- Spruches Rabbi Meir’s gegenwärtig halten: Den Inhalt geuiesse, aber die Schaale wirf weg. Aber auch selbst dann wird der Forscher, wenigstens der jüdische, viel Bitteres mit hinunterschlucken müssen. Grätz und Joel haben beide in der Kritik der schriftstellerischen Leistungen Renans in kaum zu widerlegender Weise die endgültigen Beweise für meine Behauptung erbracht. Grätz hat bei verschiedenen Episoden der jüdischen Geschichte un 1 namentlich bei der Darstellung des Urchristenthums Lioht- und Schattenseiten dieses Romantikers gezeigt, wie er hauptsächlich nach der Art französischer Schriftsteller, ausgerüstet mit Allem, was der Genius des französischen Volkes schöpferisch hervorbringt, mit ״esprit und veroe“, mit Geist und hinreissender Beredsamkeit, aber nioht in historischer Treue, seiner grossen Aufgabe Herr wird. Auoh Joel, der wie selten einer von dem verantwortlichen Berufe des Schriftstellers duroh drungen war, dessen Ernst und Würde in gleichem Ve rhältnisse stehen mit der Grösse und Bedeutung seiner wissenschaftlichen Forschung, hat namentlich in der zweiten Abtheilung seiner ״Blioke in die Religionsgeschichte “ auf die gänzliche Unzuverlässigkeit Renan’s in Bezug auf die historische Treue, seine Widersprüche und haltlosen Phantasiebilder hingewiesen,beidenenpittoreskeSohilderung und geistreiche Charakterisierung die geschiehtliehe Treue ersetzen müssen. Um sioh zu überzeugen, wie sehr Joel bezüglich Renan Recht hat, lese man nur die Stelle in seinem ״Paulus" Seite 102 nach, wo er über den Geist der Halacha und Hagada spricht. Die Halacha soll exclusiv, die Hagada universell sein; diese soll deshalb die Welt erobert, jene ' die Orthodoxie in ihrer Exclusivität erzeugt haben. | Hillel wird als Hagadist, Schamai als Halaohist charakterisirt. Lässt sioh denn überhaupt eine so 1 genaue Soheidung der dalacha und Hagada nach weisen? | Ein oberflächlicher Blick in die ältesten Quellen des; Midrasch, in Mechilta, Sifra und Sifre zeigt uns, dass die ersten Agada’s ganz in der Form der Halacha gefasst sind. Ja uoch mehr, die Uebersetzung der LXX spiegelt Halachisohes und Agadisohes wieder. Und ist nicht gerade die Agada die Bibelexegese der Orthodoxie? Man vergleiche nur die Pentateucherklärung von Samson Raphael Hirsch und man wird sich der seltsamsten Agada’s kaum erwähnen können. Auoh war Hillel im Gegensätze zu Schamai nicht Hagadist, denn wenn beide Gesetzeslehrer auf entgegengesetzten Gebieten sich bewegt hätten, 80 hätte es zwischen ihnen keine Differenzpunkte rein halaohischer Natur gegeben. Doch unsere Ausführungen führen uns zu weit von unserem eigentlichen Thema ab, und wollten wir nur zeigen, wie argwöhnisoh und misstrauisch man Renan’schen Geistesproducten gegenüber sich verhalten muss. Was man an den neutestamentlichen bibelkritischen Werken Renans auszusetzen hat, dass es ihnen an Unpartheilichkeit und historischer Treue gebricht, dasselbe können wir auoh von dem III. Bande der Geschichte des Volkes Israel sagen. Wie er dort überall das Streben hat, Alles hervorzuheben, was den Römern günstig und den Juden ungünstig ist, so sind ihm hier die wahren Propheten Fanatiker und die fälschen die wahren Politiker, die guten und frommen Könige reaotionäreund unduldsame Schwachköpfe und diegötzendienerischen und unsittlichen dagegen wahre Muster der Staats Weisheit, des Fortschrittes und der Toleranz. Als ob die Duldung der Schlechtigkeit und Unsittlichkeit eine politische Tugend wäre. Aohab und Manasse, welohe die Propheten zu Tode gehetzt, sind bei ihm grosse, Josaphat und Hiskia, welche für den ן väterlichen Glauben und die Propheten eingetieten | sind, mittelmäßige Könige und warum? weil jene die Ideale, welche Religion und Moral untergruben, geduldet, diese aber für dieldeale und Heiligthümer des Judenthums eiugetreten sind. Rdnan hat das Bestreben, den feststehenden Resultaten seine Hypothesen entgegen zu setzen, die bisherigen Ansichten über die Persönlichkeiten der Bibel über den Haufen zu werten und eine metamorphosireude Travestie vorzunehmen. (Schluss folgt.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.