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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-07-16 · N° 29. (16.7.1891) · p. Seite 114

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 29. (16.7.1891)
Date
1891-07-16
Page
Seite 114 (sequence 4)
Language
German
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Ein literarischer Wunsch. Es war mir lieb, in No. 28 des ״Jüdischen Litteraturblattes“ offen die Meinung zu hören, die ich hiermit unterstütze, dass es rathsamer gewesen wäre, anstatt des Werkes יהודה יעלה irgend ein anderes hervorragendes zum Abdruck zu bringen. Ein Blick aut da-selbe genügt, um von der fast völligen Zwecklosigkeit desselben zu zeugen. Was nützt ein Nachschlagebuch, wenn die betr. Artikel nach dem — oft ganz nebensächlichen — ersten Worte des angeführten Ausspruches alphabetisch rubriziert werden, zumal ein Register fehlt und offenbar auch nicht zu erwarten ist. — Ich schätze auch das im vorigen Jahre erschienene מעין ננים, abgesehen von seiner Bearbeitung, nicht so hoch, um es als besonders werthvoll zu bezeichnen — Ich glaube, im Sinne vieler Mitglieder des Vereins ״Mekize Nirdamim“ zu sprechen, wenn ich die geehrte Leitung des Vereins, Hurn Dr. A. Berliner, bitte, alles autzubieten, um die begonnenen Werke recht bald in ununterbrochener Folfje lortzusetzen und abzuschliessen, so bes. den ״Tarschisch“. \ ielleicht übernimmt auch der Verein die vollständige Drucklegung des maimonid. Mischnahkommentars? — Zum Schluss die beachtenswerthe Anfrage: Würde den Wünschen der Mitglieder nicht mehr Rechnung getragen werden, wenn die geehrte Leitung des Vereins zunächst in den jüd. Zeitschriften bekannt giebt, welche Werke sie im nächsten Jahre zu drucken beabsichtigt, bevor sie die Drucklegung beschliesst und ausiührt. Kattowitz, den 10. Juli 1891. K. Litterarische Notizen. (Zensur und Konilskation hebräischer Uflcber im Kirchen• Staate ist der Titel einer jüngst erschienenen Schritt des Herrn Dr. Berliner. Dieselbe ist aut Grund der vom Verfasser eingeseltenen In<|uisitio11s-Akte11 in der Vaticana und Vallicellana bearbeitet und bereichert unsere Kanntuiss von dor Geschichte der Censur um manche bisher unbekannte Thatsachen. Zu den bedenklichsten Schritten wurde bekanntlich der Talmud gezählt und nachdem dieser mehr als 200 Jahre sich einer angenehmen Ruhe erfreut hatte, war es Papst Julius 111., der 1550 die Verbrennung dieser Bücher wieder anorduete. So 1wurde denn auf diese Schritten in ganz Rom geiahndet und am 9. Septemb. 1503 aut dem Cnmpo i’iore ein grosses Braudopter gefeiert, an derselben Stelle, wo •17 Jahre später Giordano Bruno den Scheiterhauten bestieg Bei schwerer Strafe wurde aas Zurückbehalten eine» Talmud-Exemplars verboten; aut eine eingereichte Bitte wurde nur gestattet, diejenigen hebrüiscbeu Schritten zu behalten, die nichts gegen die christliche Religion enthielten, alle anderen aber binnen 4 Monaten unter Androhung der event. Todesst late auszuliefern. Damit war der Feldzug gegen alle hebräischen Schritten im gauzen Kirchenstaate eröffnet. Die Fortschritte, welche die Reformation machte, gab aber die Veranlassung zu einem plamuässigen Vorgehen gegen alle ketzerischen Schritten, und so entstand der Index, der ein Verzeichniss der verbotenen und der zu expurgierenden Schritten enthielt. Eine Anweisung, wie man die Bücher zu censieren habe, wurde ausgearbeitet, eine besondere für die hebräischen Schlitten. Aut dem eisten Index (1559) findet sich auch der Talmud. Jetzt wiederholten sich auch die Haussuchungen, die; nun! gerade so voirahm, wie heute die Rassen die Ausweisung der Juden. Gewöhnlich üheiticl man, von bewaffneten Sbirren begleitet, mitten in der Macht die Häuser, schleppte alles, was man von hebräischen Schriften vorfand, fort, so dass bei einer Durchsuchui g im Jahre 1753 achtunddreissig Karren mit Bücher gefüllten Säcken beladen aus dem Ghetto in Rom tortgetührt wurden Die Bücher zum uothwendigen Gebrauche, wie Gebetbüclicr und Bibeln, sollten sogleich wieder zurückgegeben werden: allein es war nicht selten, dass auch diese mehrere Jahre zurückbehalten wurden. lLs-i die Revisoren sich ott seihst keinen. Hatli w ussten, zeigen die verschiedenen Venseickuisse der konfiscierten Bücher, die das merkwürdige Schauspiel bieten, dass der eine Revisor ein Buch unbeanstandet durchgehen lässt, während der andeie eine Puritikatiou tür nothwendig erachtet und ein dritter es ganz und gar verbietet. Einen ganz besonderen Eiter legen die Revisionen tür die Wahrung des reinen Gottesglaubcns der Juden und die Fernhaltung jedes Aberglauoens von ihnen an den Tag, indem sie die kabbalistischen Schritten durchweg als verboten erachten. Dass Namen von Engeln, die die Bibel nicht kennt, in diesen Schritten Vorkommen, das sei eine Blasphemie, das kabbalistische Zeug sei Aberglauben und Unglauben, darum seien diese Bücher zu verbieten, — als ob die katholische Lehre von Engels- und 1 Heihgeuanrutungen, von Beschwörung und dergleichen zu jener ן Zeit so ganz irei gewesen wäre. Wenn noch hinzugefügt wird, dass die ״Sprüche der Väter“, eine Sammlung von Sentenzen i der erhabensten Moral und Ethik, die um ihres innern Werthes I willen in verschiedene Sprachen übertragen worden sind, auf den Iudex gesetzt wurden, so weiss man, wees Oetj^ Kinder diese Revisoren waren, wenn sie auch nicht andere! ihren Judenhass offenbart und ihre staunenswerthe Unwisse: in Hebraicis verrathen hätten. Von den Dokumenten i!״. der vorliegenden Schrift nur eines veröff mtlicht. — Der Verfass' verspricht jedoch, sämmtliche im Zusammenhänge herauszugeben und ist zu wünschen, dass derselbe sein Versprechen bald einlöst. הומרום. Ein nicht leicht widerleglicher Beweis datür, dass unter diesem Worte nur ״Homer“ zu verstehen ist, scheint mir die Mischna Jodajim 4,6 zu sein. Wenn dort nur von sinnlich gehaltenen Werken die Rede gewesen wäre, würde die Mischna nicht so schroff zurückweisend und verurtheilend sich geäussert haben, wie dies mit dem Ausdruck מטמא" את הידים ״)Die Bücher verunreinigen die Hände“) der Fall ist. Josef Karo würde auch nicht berechtigt gewesen sein, das Verbot der Lektüre, der Mischna entgegen, nur auf den Sabbath zu beschränken (Orach Chaim 307,16). — Etwas anderes aber ist es, wenn, gemäss der Ansicht des Gaon Haja, unter הומרום das griechische Epos ״Homer“ gemeint ist; weil es sich darum handelte, den Gottesbegriff von jenen heidnischen Trübungen zu befreien, die den Göttern der homerischen Dichtung anhaften. Je schöner das poetische Werk, desto gefährlicher war die Einwirkung desselben aui den Vorstellungskreis der Menschen hinsichtlich des sittlich erlösenden Göttlichen. Diese Rücksicht musste also für die Lehrer der Mischna massgebend sein. Die Gottesidee in ihrer von sinnlichen Schrecken befreiten Reinheit ist / ja doch Mittel- und Zielpunkt des ganzen religiösen Lehrgehalts des Judenthums. — Dr. N. Nachschrift. Für die vortreffliche Erklärung, welche der Herr Rabb. Dr. Wiener in No. 27 dieses gesell. Blattes dem Worte הומרוס gegeben hat, bin ich demselben recht dankbar. Ich bemerke jedoch, dass ich in meiner Erörterung mich vom Gaon Haja leiten liess, welcher (Jodajim 4,61 dieses Wort mit ״Homer“ übersetzt. Das übrigens der ״Homer in der Mischnazeit viel gelesen war“ gehl daraus hervor, das viele Sprachformen der Mischna griechisch sind und einem hellenischen Geistesleben ihren Ursprung verdanken, dessen Spiegelbild die Bibel der Griechen, der Homer, bietet. In seinem Mischna- Commentar zu Tohoroth (קובץ מעשי ידי הנאעים Berlin, 1853) weist daher der Gaon Haja, wie b«i הומרום, bei vielen anderen Misclinaworten den griechischen Ursprung nach; z. B. אותיום eC15£«>;, sofort (Niddah 2,2), פ0יפם Stein (Negaim 11,7), הןון b(t>vt׳), Gürtel (Kelim 26,3) u. a. m. Dr. N. Cambridge (Massachusettes). Am 13. Mai fand hierselbst die Eröffnung eines neuen ״semitischen Museums“ statt, welches Herr Jacob H. Hirsch dem Harvoard-College zum Geschenk gemacht hat. Präsident Eliot, die Protessoron Toy und Lyon, sowie Herr Schiff selbst hielten die Eröffnungsreden. Dieses Museum unterscheidet sich von anderen seiner Art dadurch, dass es Gegenstände enthält, welche direkt oder indirekt zur semitischen Wissenschaft gehören oder doch dazu dienen, die Geschichte der Semiten zu beleuchten. Sämmtliehe Gegenstände lassen sich unter drei Klassen bringen׳ Originale, Photographien und plastische Darstellungm. An Originalen zeigt das Museum einen Kasten mit ung - fahr 150 Tontäfelchen, welche Berichte aus den verschiedete:t Phasen des Alterthums enthalten, von denen die älteste wab! scheinlich dem Jahre 2200 ante angehört, wogegen die neuesten aus dem 6. Jahrhundert stammen. Auch viele wichtige und seltene Manuscripte von grösserem oder geringerem Wert he enthält die Sammlung Zu diesen gehört eine grosse Rolle, die P ropheten, und eine andere, die Klagelieder Jeremias enthaltend. Ueber 1000 photographische Darstellungen veranschaulichen in vortrettl'chen Ansichten das Leben der Semiten. Assyrien und Babylon liefern hierzu den grössten Theil. Unter den Gegenständen des Erdgeschosses findet nu\n Gewichte von Bronze und Stein in Gestalt von Löwen und Enten, welche das comrnerzielle Leben Babylons und Assyriens veranschaulichen. Fünt Thontatelberichte verdienen eine besondere Beachtung. Es sind dies: der Sonnengott in seinem Tempel zu Sepharwajim : die Schenkung des Grundstückes eines babylonischen Königs an seinen Sklaven; ein Bericht von der Sündnuth in Keilschritt: ein Bericht über Nebokadnezars Bauunternehmungen und ein Bericht über den Verkauf eines Grundeigenthums zu Babylon im 6. Jahrhundert. Das Interessanteste der Sammlung ist ein Buch über Nebokadnezar, dessen Origiaal im Anfang unseres J8 hrhunderts aus Babylon mitgebracht wurde. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahiner, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.

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