Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 26. (25.6.1891)
- Date
- 1891-06-25
- Page
- Seite 100 (sequence 2)
- Language
- German
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Pessimismus, der imf Gegensatz :um Optimi>n!n!1 leugnet, da!« der einxig denkbare Daseins• zweck der Lebewesen und der Massstab, au dem der Werth des Lebens gemessen wird, die Glückseligkeit sei, die es den Lebewesen bereitet; er hält aber auch an «Um evolutionislischen Optimismus oder Pessimismus fest, wonach die Entwicklung und der Fortschritt sowohl der körperlichen als der geistigen Organisation und der mit ihm zusammenhängenden Leistungen jenen Mas»stab abgebe. Er bemerkt dann weiter S. 130, dass alle Vorwürfe, die die Pädagogik gegen den Pessimismus erhebe, sieb nur gegeu den e volu* tioi.istischen Pessimismus richten könne (den Hartmanu doch auch vertritt!), weil dieser allein und in Wahrheit die Hotfnuug auf fortschreitende Entwicklung und damit die Thatsache zum Guten und die Frische und Freudigkeit der Mitarbeit am Meuschheitsprozess lähme. Wenn der Philosoph des Unbewussten dies concedirt, daun diirteu wir schlussfolgern, dass diese Gedenkenrichtui.g Quietismus uud Askese fördert. Und doch soll nach Hartmanu;S. 131), wo irgend Quietismus oder gar Askese bei den Zöglingen antzutauchen droht, die pessimistische Pädagogik sie auf das Nachdrücklichste bekämpfen und schonungslos unterdrücken. Das ist doch das mediciuische Heil• . prinzip similia 'imilibns, Gift muss durch Gegengift aus dem Organismus ausgetrieben werden. Die rationellste j Anweisung ist doch aber entschieden die, vor dem Gifte! überhaupt sich zu hütet). Aut Grund der von llartinann ' in seinen bedeutendsten Werken: ״Philosophie des Uu- [ bewussten ״ und ״Phänomenologie des sittlichen Be• wtisstseins“ kommen wir mit Lazarus (siehe dessen ' Leben der Seele Bd. 3 gegeu den Eudämouismus) uud PHt-iderer (siebe dessen Religionsphilosophie aut geschichtlicher Grundlage Bd 1, S. 571 u. ö.) zudem Endresultat,״dass wir dem Pessimismus jede Einwirkung aut die Erziehung vei saget! müsseD, da er dem Menschen jede Hoffnung auf irgend welche Selbstbefriedigung 1 im Dienste des Guten schlechthin verwehrt — ein 1 pessimistischer Rigoristnus, der ebeuso widernatürlich!st, denn er verdammt den natürlichsten Trieb nach Wohlsein, wie er eben darum auch aut die Ethik praktisch lähmend wirken muss“.*) Man gewanu oüenbar deu Eindruck, da-s Lazarus aus der Seele der Zuhörer gesprochen, wenn auch Beifallsbe- Zeugungen, Abstimmungen und Beschlussfassungen in den Versammlungen des Vereins f. w. P. nicht ge- Lräuchlich sind. Anwendung findet hier Schillers Wott im Demetrius; ״Mehrheit ist Unsinn; Verstand ist stets bei Wenigen nur gewesen. Mau soll die Stimmeu \v׳ag«-u uud nicht zahlen; der Staat muss uutergeh’n lriih oder spat, wo Mehrheit siegt uud Unverstand entscheidet•*. (Forts, folgt.) Classisches TaLiudstudium. (Fortsetzung.; Das ist und bleibt Zunzens Grösse, dass er deu Blick aufs Ganze gerichtet hält, aus dem Gauzeb heraus das Eiuzelue erlasst, das die Sicherheit seiuer Methode, dass er es auf Grund umfassender Detailtorechuug interpretirt. So hat auch Schwarz iu der Frage nach dem Zusanim'uhang der Mischna in ihren Tractateu, Kapiteln und Paragraphen den Weg der DctailforscbuLg betreten, um seine Ausführungen um so überzeugender zu machen. Nach dem Vorgänge eines Maimoiiides iu dessen המשדות ®ITC, eines *> Mete aiu li Lauge,tJescliiulite •les Materialismus Ltd. visS.'-iT 1 •1 s Z יר t «r me 11.t am »eicer Kritik, die er vorzugsweise der ׳ i'.M'htu Teleologie in llartm.iunt l’lt. d. U. widmet, wenn die liartmauu'xdic HiiUwpliie jemals zum Aufdruck der vorlierr- »eilenden (ieixtesströn.uug werden sollte, so wurde, damit eiue l'eliode *'es geistigen Verteil» liezeiclmel werden! Z. Frankel in dessen Einleitung znm jernsal. Tr« Berachoth und anderer, den verborgensten Bezügen der Mischnah naebspürend, erweist Schw. bis zur Evidenz in der einem jeden Tractat vorangehenden פתיחה wie in dem den einzelnen Perakim vorauf• gebenden "תוכן הממד dass die Miscbua in ihren Tractaten und Kapiteln sowohl wie in deu ein :einen Miscbuajoth unter einander einen logischen Zusammenhang bat, — פ~וד הדוד, wie es Verf. neun(. Nach Schwarzens Ausführungen erscheint die Mischna und iu ihrem Gefolge die Tosiphta nicht mehr wie ein rhapsodistisch aneinander gereiht es. buutes Allerlei von halachischen Bestimmungen, in welchem das Einzelne den Mittelpuukt zu fliehen scheint und Alles auseinander zu fallen droht, da ist vielmehr allerdings mit Ausnahme, Ordnung und fester Zusammenhang. Das aus der Redaction des R. Je huda ba-Nassi hervorgegangene Mischnawerk gilt doc h auch in formaler Hinsiebt als ein Meisterwerk. Gleichwohl hält man es hente noch für möglich, dass Vieles in seiner Mischna-Ordnung am Unrechten Platze steht, dass die Rücksicht auf Beschallen heit des Gedächtnisses der Schüler, eine gewisse Anbequemung an die grössere oder geringere Leichtigkeit der gedäcktnissmässigen Aneignung mehr .als das Streben nach systematischer Zusammenfassung des innerlich Zusammengehörigen, kurz, äussereüründe ן mehr als innere für die Mischna-Ordnung bestimmend! gewesen seien. Ob es so im Leben sich verhalten, ׳ so lauge die Fortpflanzung der mündlichen Lehre, also der Mischna, Sache des Gedächtnisses war, das Gedächtuiss eben Alles bedeutete, wer kann’? heute | sagen? dass es aber iu der uns vorliegenden literarisch fixirten Mischna-Ordnung sich nicht so verhält, dürfte eben durch Schwarzens Ausführungen im Einzelnen einfür alle Mal festgestellt sein. Es soll zugegeben werden, dass Manohes, ja sagen wir Vieles .iu unserem Mischnawerk, wie namentlich die Alinea’s אלו דברים j שבין בי־ הלל לבית שמא־ oder •אלד דבדיש מקילי בית שבא . und selbst ganze Traclate wie EJujotl! ein anderes Princij) der Ordnung und Aneinanderreihung aut weisen, , man uenne es immerhin das mnemotechnische, also ein Priucip äusserer Art, doob das ist gerade die Ausnahme, uud systematische, durch Inhalt und Materie der Halacha bedingte, Ordnung ist die Regel, also dass da< Ganze der Mischna wie der Tosiphta — was für letztere erst, 11 achdem die Gruppirung der Alinea’s gelungen, evident werden dürfte — als ein wohlgeordnetes, wohlgegliedertes Ganzes eines litterarischen Kunstwerkes erscheinen muss, dem wohl Einzelnes von loserer Vetbiudung atn passenden Ort *!)gegliedert worden, worin wir immerhin Reste alter, kunstloser Ueberlieferungsweise erblicken mögen. Mau nehme Einzeiheiteo, beachte, wie gleich Eingaug& von Schwarzens Arbeit die alte Frage nach den Beziehungen des Tractats Berachoth und der mit ihm im Seder Ser&itu vereinigten Tractate, nach dem Gruude des Vorautritts dieses Tractats noch einmal aufgeworfen wird, uud nach eingehender Prüfung bisheriger Erklärungen, namentlich der des Maimonidea diese Frage eiue zum Theil neue uud weil umfassender auch befriedigendere Beantwortung anknüpfend an das alte Wort des R. Simon ben Lakisch VIT אמונת זרעים erfahrt in der Bemerkung Schwarzens: לקר העדן של כסב׳ זו האמונה ובעבור שהאמינה תוך ב־י אינה דבר הנתן ללב לבד ובי■ beachte ferner, wie die nicht minder! von Alters her schwierige Ftage nach dem Zusammen- I liaug der beiden Mischnajoth Ber. P. 11 M. 4 u. 5, l eine Frage, in der noch ein Zach. Frankel keinen andern Ausweg fand, als dass er zu der sicherlich etwas gewagten Annahme seine Zufiucbt nahm, das: die ganze Reihe der Miscbnajotb von kl. 5 dieses Perek bis Ende dessellen nach den! Tode des Mischna-