Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 26. (25.6.1891)
- Date
- 1891-06-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisehes Jahrs; XX. M 26» O o ״■r •Iler;»drtih•■ 114 Jidr» bdrtlflndt• iltlKtrtirlta Fr• •rkrl■■■!*■ aaf de■ 4. fklfU der Phil•- •*pMe (rtrhlrht•, Fflaeartpkle« Tlw U|i• Oiieatalla» F1e1e«e, ■oailriU, Lltinrik a• Fiduodb. Heraasgegeben VOD Rabbiner l»r. Morllz Itahnier. 23. cJimi 1891. Birbrr der e1»xtUf1f+>- Mftreatsr, «eiekt «er Kedaet ua «ace«aadt «erdea. fladea la dteae■ Btitti eiacekeade •ftpreehaae. Kei b:la*eadaac «•• awel BeCtaalaa•• b'ieaplare• «ff•(«! rlawillo kane *I r (I « laMrtlei. Das .Jaatsrhr LiHerstar-ßlatt* erscheint wöchentlich in einem halben Bogen. Preis 1*1 alle״ Buchhandlungeii (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Bark. Abonueliten «ler ,Israehtitchcu Wochenschau“, die vierteljährlich bei allen Pcstanstalten nu.l Buchhandlungen 3 Mark zahlen, erhalten das ״Indische Litteratur-Blatt:gratis. — Inserate werleu mit 26 Pf. l'ür die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Bnchhkudler n. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsendeu, erhalten ».< Rabatt. Inhalt: Wissenschatt liehe Autsiitze: Aus dem Verein trtr wi»־cnschädliche Pädagogik. Bespr-sheu vou Moritz .Spanier. — ('lassisclies Talmudstudiuin. (I'i.rsetzung.) -- .Indischdeutsche Namen. Zur Beleuchtung des socialen und religiösen Lehens wahrend des Mittelalters. (Schluss.) Li 11 erat urbericht: Recensioneii: Aus dem Usten, Xo\ <•',!. 11 und Miizzen von Agathe Sc 11 a 1 it-Meiseis. Literarische Notizen: Zur ersten Frage de* Herrn Ihr. Wiener. — Feld das Wort ,“£‘111. \ <-*•!':׳. .lelliuek. U n a. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist mehl gestattet. Aus dem Verein für wissenschaftliche Pädagogik. Die Diskussionen über Altliiiutlinngen im 33. Jahrbuch des Vereins in der Versaniminng desselben »oni 11«. Isis 31. Mai in Mngdchnrg. Besprochen von Moritz Spanier. Eduard von Hartmauii, der berühmte Urheber der Philosophie des Unbewussten, begnügt sich nicht damit, das Fncit seiner philosophischen Forschungen in umfangreicher Darstellung auf den Mat kt zu briugeu, sondern er greift auch m Tages- und Zeitfragen ein, versucht sie seiner Denkweise zu assimilieren, mit dem ״ Unbewussten* zu verbrämen um für die I leeu dann tu weiteren Kreisen Propaganda zu macheu. So ist Hartmanu vor Kurzem bemüht gewesen, den Nacuweis zu erbringen, dass der Pessimismus im Stande sei, erziehlich zu wirken; es geschieht!lies in den ״Padagogischeu Studien“ von ' Keiu, Jahrgang 11)90, Heft 3, in einer Abhandlung, betitelt: ״Kanu der Pessimismus erziehlich wirken'/“ Selbstverständlich kommt der Verfasser zu einem bejahenden Ergebnis» uud das wäre auch vom pädagogischen 1 Standpunkte aus gerechtfertigt, wenn der Pessimismus als eiu grosser Irrthum, der auf dem Wege zur Eriorschung der Wahrheit nur eiu Uebergaugsstadiutu bildet, angesehen würde. Ein Auderes ist es aber, ob die Maximen des erziehlichen Unterrichts von der pessimistischen Weltanschauung nach Schopenhauer oder der vou Hartmauu modificierten abhängig gemacht werdeu kann. Hier müssen wir uns ganz entschieden ablehnend verhalten und aut den praktischen Idealismus verweisen, der für uns massgebend sein muss. Beiläufig wollen wir nur bemerken, dass auch das Judenthum einer pessimistischen Gedankenricht 11 ng völlig negirend gegenüber steht, es ist gewissermaßen [ eine Verkörperung des Optimismus, von ihm gilt bei seiner leidensreichen Geschichte des Psalmisten Wort: ״Wäre nicht deine Lehre meiue Erquickung ge- : wesen, so wäre ich in meinem Elend untergegangeu.“ | Do •h erkennen wir eine spezifisch jüdische Pädagogik eheu so wenig an, wie eine spezifi-ch christliche. Die aut Psychologie gegründeten Erziehuugssätze werden von der Kindesnatur abgeleitet, die für irgend welche iilaubeiissatznng nicht pradestinirt ist. Der Uingan.uugsversnch ILirtmanns wurde auch von der Versammlung des ״Vereins liir wissenschaftliche Pädag׳ gik‘• genügend beleuchtet bei der zur Di-kllssiou gestellten Abhandlung des Herrn Prot Vogt: ״Der Pessimismus und die wissenschaftliche Pädagogik“, die allerdings, wie von verschiedenen Seiten mit vollem Rechte betont wurde, eine energische Zurückweisung des Pessimismus unter ausführlicher Darlegung der Verwerflichkeit desselben für die Et ziehung un-erer Jugend vermissen lasst. Wn -.vollen zur Bekräftigung des Gesagten aus Schopenhauers bedeutendstem Werke ״Die Welt als Wille und Vorstellung“ I S. .110 folgenden Satz eitleren, der dessen Grundan-ehaiung bildet: ״Alles berubt darauf, dass das An-tcli des Lübens, der Wille, das Dasein selbst, ein stete-!.ei len uud ז lieils jämmerlich, theils schrecklich ist.“ Uud Hart mann, der di״ ScliopriiLauer'sche Wil!e11»metaphy>ik mit Schelliug-llegel’schen Ideen vermengt, beweg׳ sich nur in spekulativen Abstraktionen fernab von jeder Anschauung und Empirie, w.-.cli letztere so bedeutsame Momente iu •ler pädagugi-chen Theorie uud Praxis bieten. Hart mann will aus den abstrakten Formen des Bewusstseins, dem Wollen uti 1 Vor-t-Uen, die Welt und den Weltprozess coustruiren Di■• ganze E׳ hik uud K-digiou beruht nach ihm aut d-m egoistischen Willen, obwohl er in seinem Huche ״Das religiöse Bewusstsein ler Meusc!heit1' anerkennt, dass ״alle Cultureiitwicklung in letzter Instanz von!ler Ent- Wicklung des religiöseu Bewus-lseins abliaugl.“ Aber seineTueoreme widerstreiten völlig den Grundprinzipien der pädagogischen Wissenschaft. Professor Lazarus führte darum aus, wie nothweudig es sei, die Grundidee des Pessimismus zu widerlegen. D-r Pessimismus halte die Welt nur für einen Haulausschlag am Ahsoluten, also eine krankhafte Ausschwitzuug des Gottliehen. Aut Grund dieser falschen Auflassung sei ein ethisches Streben gänzlich unmöglich. Der Gruuifehler dieser Weltanschauung sei der, dass sie Freud’ und Leid nur quantitativ auflasse, wahrend es sehr wohl denkbar sei, dass eiu einziger Augenblick de* Glückes jahrelanges Leid autwiege. Der Werth de• Lebens müsse qualitativ gemesseu werden; hier träte die Ethik ein. Der wahre Werth des Leben■ liege nicht im Glück uud Wohl, sondern im sittlioh Guten und Nichtguten. In der eben erwähnten Abhandlung Hartmanns in den ״Pa lagogischen Studien“ vou Kein bekennt sich der Verfasser zum etidämonol ogisohen