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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-06-18 · N° 25. (18.6.1891) · p. Seite 97

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 25. (18.6.1891)
Date
1891-06-18
Page
Seite 97 (sequence 3)
Language
German
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;9 ausschliesslich talmudisobe Materien behandelt, eine nach jeder Richtung eingehende, erschöpfende Besprechung noch nicht gefunden. Eine wiohtige Seite um nur eins au nennen, Werth und Bedeatang der zahlreichen, in dem umfänglichen Commentar zu der Tosiphta-Bearbeitung niedergelegten Beiträge desselben zum tieferen Verständnis derMischna, dieses, wie immer man auch über das Verhältnis von Mischna und Tosiphta denken mag, für uns doch wichtigsten Werkes der talmudischen Litteratur, ist in den bisherigen Besprechungen kaum gestreift worden. Und doch mau sehe nur, Beispiels halber, Spez.-Einl. zu Ber. P. IX in Schwarzens Tosiphta Werk und Note 200 das. und man wird überrascht sein, wie für die Mischna התקינו שיהא א׳ שאל בשלום ח־ כשם *um ersten Mal da ein historischer Hintergrund eröffnet wird, vergleiche ferner den Excurs über die Mischna 10 des Perek II des Tract. Machschirin, besprochen von Schwarz im Commentar zu Tosiphta Demai P. I Note 116 ff, beachte, wie die Erklärung dieser 80 schwierigen Mischna nur deshalb bisher nicht, hat gelingen wollen, weil der Zusammenhang von Mischna und Tosiphta übersehen worden und bemerke, wie durch die Heranziehung der Alinea dieses Tosiphta- Abschnitts ר׳ יהושוע בר קיפם א׳ כל ימי דייתי קורא ום׳ bei Schwarz erst das Dunkel, das bislang über diese Mischna gebreitet lag, beseitigt worden, beachte ferner die neue Auffassung der Mischna Tract Schebiith Per. VI M. 2 כלל אמר ר׳ עקיבא unter Zugrundelegung von Tosiphta P. IV (der Editt.) מודה ר' עקיבא שאין מנכשין כסוריא, und es genügen wohl diese Beispiele zum Beweise, wie auoh die Misohna-Exegese eine wiohtige Bolle in Schwarzens Arbeit spielt. So viel auch die Mischna commentirt worden, über den intellectuellen Standpunkt der bisherigen Commentatore hinaus, wie er durch Ort und Zeit bedingt war, hat doch das Verständnis der Mischna nicht gefördert werden können. Unsere Zeit richtet noch ganz andere Fragen an die Mischna, wie die Frage, die eine integrirende in der Entwickelungsgeschiohte der Halacha ist, nach dem Zusammenhang, der Ordnung und Gliederung der Mischna. Die Frage ist ohne umfassende Detailtorschung nicht zu lösen. Von dieser allein sind bleibende Besultate zu erwarten. Wir müssen zu Zunzens Forsohungsmethode zurückkehren, die blosse freilich nur zu bequeme Hypothesenj&gd ist aufzugeben, da sie kaum mehr als den Tagesbeifall haben kann. Und es ist nur anzuerkennen und das gerade der Stempel streng wissenschaftlioher Methode, dass Schw. wie es allg Einl. heisat, die Lösung all der grossen Fragen über Entstehung und Fortgang des Tosiphta verschiebt, bis die Herkules - Arbeit der Detail-Forschung an ihr gethan. Das ist die in verwandten Gebieten, wie der klassichen Philologie und Historie geltende Mothode: Erst exacte Detailtorschung, erst diplomatische Textes- Kritik, dann die Fragen der höheren Kritik, anders ist auch in unserer, sei es das biblische oder das tal• mudische Schriftthum betr. Wissenschaft nicht weiter zu kommen. (Fortsetzung folgt.) Litteraturbericht. Recensionen. שם עולם Philosophisch-kabbalistische Abhandhandlungen und Briefe von Babbi Jonathan Eibenschitz, herausgegeben von Ar thur S. Wei ssmann. - Theile XXVIII. n. 259 S. Wien 1891. 8°. Mit Kundgebungen, welche mit dem genialen, viel gefeierten und viel angefeindeten B. Jonathan Eibenschitz in Verbindung stehen, verhält es sich eigenthümlioh. Sie scheinen dazu veranlagt zu sein, die Leidenschaft anzufeuern, um in grösserer oder geringerer Erregung das Pro und Contra zu erwägen. Habent 8ua fata libelli. Nach einer einzigen Handschritt aus der Bibliothek des Berrn Dr. Jellinek in Wien hat der Herausgeber diese Schrift edirt. Herr Dr. Bubin hat eine eingehende Einleitung dazu geschrieben. Schon der verstorbene J. Mieses in Thorn, der Verfasser des צפנת פענח, hat auf dieses Manusoript aufmerksam gemacht und ihm eine ganz aussergewohnlich hohe Bedeutung zuerkannt. Graetz steht dieser Schrift kühl bis an’8 Herz hinan gegenüber und scheut sich nicht, sein Votum dahin abzugeben, das unter dem Namen לקט שמעוני oder שם עולם dem B. Jonathan Eibenschitz zugeschriebene Werk verdiene nach keiner Seite hin grössere Beachtung, schleppe sich durch schier endlose, ermüdende Weitschweifigkeiten und banale Wiederholungen der von älteren und jüngeren Kabbalisten und Mystikern breit getretenen Geleise eines durchaus unfruchtbaren, armseligen, öden Gedankenkreises. Jellinek, Weissmann und Bubin haben sich unstreitig von der Voraus- Setzung leiten lassen, das von Simon Buchhalter in Pressburg gesammelte Material, welches er seiner Versicherung nach, nach den Angaben seines Lehrers B. Jonathan Eibenschitz auf das Genaueste und Getreueste wiedergegeben, sei eine des viel gefeierten und viel geschmähten B Jonathan Eibenschitz würdige litterarische Leistung. Sonst hätten sie sich nicht in dem Gedanken zusammengefunden, naohUeberwindung manoher Schwierigkeiten durch die Drucklegung dieses Werk der Oefientliohkeit zugänglich zu machen. Dem gegenüber vertritt Smolensky den Standpunkt, es sei ihm sehr zweifelhaft, ob B. Jonathan Eibenschitz auch wirklich das ihm zugeschriebene Werk שם עולם abgefasst habe. Auf ihn maohees den Eindruck,als obein Feind B. Jonathan’s seine unsaubere Hand dabei im Spiele gehabt habe, um Eibenschitz zu discreditiren. Wir bekennen offen, dass auoh wir naoh der Lectüre des ersten Theiles dieser Sohrift einem ähnlichen Verdachte Raum gegeben. Dem genialen Verfasser des כרתי ופלתי, des אורים ותומים, glaubten wir aut kabbalistisch-mystisch-theoscphisohem Gebiete phantasievolle und gei8tsprühende Kundgebungen Zutrauen zu müssen. Die wichtigsten und schwierigsten Probleme werden allerdings in den zur Discussion gestellten Fragen gestreift. Die Antworten refiectiren uns aber nicht den scharfsinnigen Geist und die glänzende, des poetischen Schwungs nicht ermangelnde Phantasie eines R. Jonathan Eibenschitz. Wir vermissen hier jedes originelle, charakteristische Gepräge. Wenn die Aufschrift nicht gerade B. Jonathan Eibenschitz als Verfasser namhaft machte, könnte man jeden beliebigen kabbalistischen Autor, der einen gewissen Dualismus in der Gottheit statuirt, vermutheu. Ob der Schreiber der Einleitung auch unter diesem Eindrücke gestanden, wissen wir nicht. Bezeichnend ist es aber, dass er sich bemüht, viele Parallelen und Analogien zwischen diesen Aeusserungen und den Ansichten Chajon’s, des berüchtigten Schleppenträgers des Sabbatai Zewi, heranzuziehen. Ueber den Werth und Erfolg dieser Citate zu urtheilen, ist nicht unseres Amtes, auch wenn man geneigt ist, mit Bubin die Abhängigkeit Chajon’s von Sabbatai Zewi möglichst abzuschwächen. Dass diese Blätter in voller Integrität׳ dem B. Jonathan Eibenschitz angehören, dafür spricht eigentlich nur die vielleicht anfechtbare und befangene Aussage des Simon Buchhalter. Die positiven Argumente, welche Rubin geltend macht, sind nicht beweiskräftig. Am

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