Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 24. (11.6.1891)
- Date
- 1891-06-11
- Page
- Seite 93 (sequence 3)
- Language
- German
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9S sprechenden weltlichen Namen, z. B. Leser, oder irgend einen andern verwandten Namen. In frühem Zeiten war es allgemeiner Gebrauch, gewisse hebräische Eigennamen durch passende weltliche Namen, welche eine Aehnlichkeit mit oder eine Beziehung zu dem religiösen Namen hatten, zu ersetzen. Dies war von besonderer Wichtigkeit zur Zeit, als der jüdischdeutsche Dialect die Umgangssprache der Juden Deutschlands, Ungarns und Polens war, dessen sie sich auch zur Abfassung öffentlicher o ier privater Documente bedienten. Wenn Jemand ein solches mit seinem religiösen und weltlichen Namen Unterzeichnete, so pflegte er in diesem Falle z. B. zu schreiben : E1 e a s a r, hamechuneh (genannt) Leser. In Scheidebriefeu wurde dieser Schreibweise die grösste Aufmerksamkeit zugewendet, da es als uuumstössliche Kegel galt, dass nur durch die pünktlichste orthographische Richtigkeit in dertSchreibweise des religiösen und weltlichen Namen das Document eine legale Gültigkeit erlangte. Der Befolgung dieser Regel verdankeu wir eine ganze Litteratur sorgfältigst aufgestellter Verzeichnisse vieler sonderbar klingender Namen deutscher Juden. Auf diese einleitende Bemerkungen muss ich besonders aufmerksam macheu, um zu zeigeu, dass die Elternliebe iu den früheren Jahrhunderten besonders in den jüdischen Hausern ihre vorzüglichste Pflegestatte hatte; und diese Liebe hat manche Formen und Ililduugen geschaffen, mit welchen wir uns jetzt bekannt zu machen haben werden. Sehr oft finden wir den hebräischen Namen verkürzt oderumgestaltet, um ihn wie einen deutschen klingen zu lassen. Der so verkürzte Name erhält alsdann verschiedene chatakteristische Ableitungssilben, oder es werden auch wohl ganze Wörter als Kndungeu an gefügt. Diese Zusätze variireu nach dem Idiom der Gegenden, in welchem der jüdisch-deutsche Dialect gesprochen wurde. Die beliebtesten Verkleiuerungs- Silben jiidiscb-deutsclier Namen sind ״ ,“1״el“, ״eben“, ״chiu“, ״lein“, ״lin“, oJer auch ״ke“, welches bei ungarischen jüdischen Namen gebraucht wird, oder ״ka“, welchem wir häufig bei ursprünglich iu Sluvouieu entstandenen Nameu begeguen. So finden wir ״Aberl“, ״Aberlin“, ״Aberlein“, ,,Aberke“ und als Derivative von ״Joseph“ sehen wir ״Joisl“, ״Josl“ oder ״Jessel“, von welchem der berühmte Name des grossen jüdischen Richters abstammt. ״Josliu“ und ״Joskiu“ entsprechen ähnlichen in diesem Lande gebräuchlichen Namen und sind Nameu mit diesen Endungen so gewöhnlich, wie ״Tomliu“ und ״Tomkiu“. ״Joske“ und ״Joska“ und viele andere Nameu mit denselben Endungen weisen nebenbei darauf hin, dass die ersten Träger derselben in ungarischen oder slavonischeu Provinzen wohnten. Manchmal finden wir auch die Endungen ״as“, ״es“, ״isch“, ״osch“, ״usch“ und sind diese mit der Eudung ״us“ in ״Magnus‘1 und ״Markus“ zu vergleichen. Sehr charakteristisch ist die Bildung von Namen mit der Enditug ״kind“, z. B. ״Süsskind“ uud noch häufiger begegnen wir der Eudung ״manu“ als in ״Sussmaun“ (süsser Mann), ״Seligmauu“ (glücklicher Mauu). Diese Eudung iiberwiegt in einer grossen Auzahl jüdisch-deutscher Nameu und zwar aus einem guteu Grunde; die Eltern sahen nämlich wie mit prophetischem Geiste die vollkommeue Entwickelung des Kt'&beu zum Manne voraus. Sie saheu im Geiste klar und deutlich, ■lass schon ״das Kind der Vater des Mauues ist“ und naunteu mit Vorliebe iu dieser Voraussicht das Kind einen ״Manu“. Dieses ״manu“ wurde nun wieder verkleinert, wie in ״Menke“, ״Menkin“ (Männchen . ״Menliu“ ist gleichbedeutend mit ״Mendel“, welcher Name sich iu ״Mendelssohn“ verewigt hat I Die im Monate ״Ab* geborenen Knaben gaben , passende׳ Veranlassung zu dem Namen ״Menachem*! (der Tröster, weil der Monat, in welchem Israel den Verlust seines Nationalheiligtbums betrauerte, ihm auch wieder Trost bringen sollte uni deshalb ״Menachem Ab" (der tröstende Ab) genannt wurde. Der Name ״Menachem“ erscheint in jmlisch - d. utscher Form als ״Mauu", .,Mendel“ und iu noch anderen Variationen. Mit dieser Endung finden wir auch die Bildungen ״Gutmann“ (guter Mann), ״Neumann“ (neuer Manu), ״Liepmann“ (lieber Manul n. *. w. Auch andere merkwürdige Namen mit der Endung Mann verdienen noch besondere Beachtung. Einige Syuoujme dieser Eudung sind aus alten teiitonischeu .Sprachen noch beibehalleu wc.'den, z R der Name ״Gum(«recht“. Dieser Name ist 7.11-amn:enge>etzt aus ״Gumo“ (Mann) und ״preclit“ (glänzend, aufgeklärt, geistreich); ״Gumo“ ist verwaudt mit ■lern lateinischen ״Ilumauu*“ und ״Gomo“ hat sein Aequivaleut in dem lateinischen ״Homo“. Ans ״Gumprechl“ entstand das Dimiuutivum ״Gnmpel“ (kleiner Mannt uu«l bot hierdurch ein Aequivaleut zu ״Meudel“. Unter den deutschen Juden und ihrer christlichen Umgebung war währeud des . Mittelalters der Name ״Guuipert" vie’fach iu Gebrauch. Auf denselben Nameu stosseu wir in ״Gompenz“ (Sohn eines geistreichen Mau! es) und in ״Koinpert“, welcher als berühmter Verfasser jüJischer Familiengescliichten als ״geistreicher Mauua«fer jiingsteu juJi'ch- . litterarischen Vergangenheit angehört. Nach einigen aucrkeimleu W-.nen des Itev. l)r. Kr.ed - I ä n «1 e r und Dr < i aster!•eiucrkt derVorsItzcnle׳ Dr.A׳ller)1.1׳s1lcr ihn persönlich der Vortrag v׳-u h.v'n-t. m Interesse gewesen sei, da er sich täglich und besonders in lleirathsangelegeiiheiten 1uit jüdischen Namen un«l il!r--r l’elvatuug im Englischen he-! lassen müsse. Es ״eie rte .«11 groS-.-r philologischer Schmrts'uu { «lazit, tur die ihm angegebenen Nan.en das h.bra;»che Ae-|1׳iva!ent za liuden. Die lussischeu Einwanderer verursachten hierbei! weuiger Schwierigkeiten als die •luden anderer Nationalitäten. | da erstere meistens hebräische Namen hätten, welch• sie selbst . übersetzten. Bei Ehescheidungen sei die Correcte t-chrehart j der Namen im Get ■ihrigen• r״n 11■ chster Wichtigkeit. Itei der reichen Litt«׳ratar über die Eigennamen sei auch die Er• I scheiuupg nutlalleiid. wie gewisse l».««1t. - ln der Bihel vor- , kommende Namen sich sehr selten i!:1 Talmud f.uelen, ob-cLon! jene uns heute sehr gelaul.g sind. Wahrscheinlich liege •1er; liriiud in der gro ^eu Bescheidenheit der Talumdlehrer. Jie sich nicht würdig hielten, solch ehrwürdige Namen zu 1 ähren. . Interessant sei es au••!■, •len Nachweis des j u d i s c 11 e n Er- Sprungs tur viele Christ I iohe Namen zu erfahren. So wissen , z B. nur Wenige, •lass der Name ״Thomas1* nichts anderes ist, als ' das hebräische ״"KJ“.* Zwilling׳. Ebenso interessant sei es auch, zu bemerken, wie gew iss״ Namen entstanden und wieder t verschwunden sitel, was hender> t׳ei Naiu.-u ans der engli-e!,- jüdischen Ges•׳', id.te der Kall war. z U. tei •1• tu Namen .ilagin- ' über welchen Herr-los• p 11 Jacobs .-0 interessante Unter- ( sticliuiigcn angcstellt hat Manci.e <s;!1t ja lisch« Namen wurk-n , olt bis zur Unkenntlichkeit verändert und zwar aus Grundes,! b:1 welchen wir nicht zu verwehen brauchten. .I.e|!|>ok“ hatte , zwar einen echt- und nichljudisci.en Klang, sei aber nichts auderes, als das umgekehrte ״Koppel*, welche, wahrscheinlich zu hebräisch schien. (Wir werden aus dem interessanten Vortrage in nacbterNo. noch Einiges mittheilen. Ked j Reconsionen. Prüf. l)r. Mt-intbal: Zur Geschichte Sauls nn J Da vids.(\Vi.-sr1isc׳l1HftlicLeBeigabezum IV. Bericht über ■lie Lehranstalt. für die Wis-enscbalt des Juden* thurns in Berlin.) Berlin 1V1>1. (Schluss.! Weuu der Verfasser aber .-vice subjektiven Eindrücke ko in •i!e Waag-cl.al•- fallen la-st tiu-1 ■las Verurtheilungswort über die Verfasser biblischer Schriften fallt, wenn er uns erklärt: ■las was iu ■len UücLern steht, ist ko nicht wahr, was aber wahr i*t, weis» ici! nicht, so wollen wir uns doch einmal naher betrachten, ob dein •lie wissenechaltlicl.cn Beweise des Vtrla>>ers Zett^Liss dsvou abb-jp-u, •lass