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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-06-11 · N° 24. (11.6.1891) · p. Seite 94

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 24. (11.6.1891)
Date
1891-06-11
Page
Seite 94 (sequence 4)
Language
German
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er sorgfältiger, gewissenhafter, xuverlässiger in seiner Arbeit gewesen ist, als jene Männer, äber welche er den Stab bricht. ־Wir wollen darüber mit dem Ver£ nioht reohten, dass er Darstellungen der ״Reichschronik“ als die ersten schrifi liehen Geschichtsquellen ansieht. Wenn wir ihm ältere anfähren werden, wird er behaupten, dass sie jüngerer Zeit angehören. Wir wollen darauf nioht dringen, dass er von Männern, welche biblische Bücher abgefasst haben, nicht annehme, sie könnten fremde heidnische Sagen 80 übertragen. Er wird nns ant- Worten, dass es eben doch geschehen sei. Wir wollen uns mit ihm darüber nicht streiten, ob Saul Zeit gehabt hat, sich um David zu kümmern oder nioht. Der Verfasser hat lauter willkürliche Behauptungen, Auffassungen und da lässt sich in weuigen Worten schwer überzeugen. Aber das . kann man doch von dem Verfasser verlangen, dass er den Text des 1. B. S. richtig nachliest, wenn er die Behauptungen so schwer wiegender Natur aufstellt. Verf. meint, dass Jonathan erst von der Sage zum Sohne Sauls gemacht sei, weil er im 1. S»m. 13,2 zum ersten male genannt, nioht als Sohn Sauls bezeichnet, sondern erst 13,22 und 14,1 als solcher genannt wird. Dass ist falsch. Schon 13,16 wirdJonathan בנו genannt. Merkwürdig ist es, dass die Unzulässigkeit des Beweismittels dem Verfasser nioht einleuohtete, indem gerade 13,22 Jonathan zweimal genannt ist, zuerst ohne die Beifügung בנו, später mit derselben. — Kapitel 11 hält Verfasser für ein historisches. Nun steht in demselben Vers 8, dass Saul von Jehuda 30000 Mann in sein Heer einstellte. Und dennooh behauptet Verfasser, dass ausserhalb des kleinen Benjamin Saul als König nicht anerkannt war. — Verfasser zählt Kapitel 13 za den treuen Berichterstattungen und behauptet, dass in diesem Samuel gar nioht gedacht wird, seine Geschiokliohkeit also zerfällt. Aber das Kapitel 13 spricht von Vers 10 bis lä wohl und viel von SamueL — Verfasser behauptet, dass in den Kapiteln 17—27 des Samuels gar nicht gedacht wird. Er nimmt nur die Stellen 11,7; 19,18—24 aus. Und doch wird 25,l von Samuels Tod erzählt. Das sind allerdings — wie es scheint — dooh nur Flüchtig* keiten. Aber sie enthalten Widersprüohe und können keinesfalls Zeugniss für die Behauptungen des Ver* fassers sein. Ebenso merkwürdig ist es, dass Verfasser als seine Uebersetzung eine Uebersetzung des Verses 22 in L B. S. 15 anführt und begründet, die Rasohi ebenso hat undMal bim ausführlich darlegt.— Verfasser frägt, wie die Auslösung des Jonathan stattfand und beaohtet dabei gar nicht die Antworten der alten Erklärer (siehe Midr. Sam. p. 17 und Malbim zur Stelle u. s. w.). Die geschichtliche Existenz eines Abraham, Mose u. 8. w. bis Samuel wie sie uns dargestellt werden, abzuleugnen—Verfasser mag es mit seinem wissen* sch aftüohen Gewissen vereinigen. Wie aber ein Gelehrter mit solchen Anschauungen an einer Schule thätig sein kann, welche amtierende Rabbiner heranbildet, das ist schwer za verstehen. Wo ist der Boden, auf den solohe Wissenschaft für das Leben sich stellt? Eine Ueligionscinheit, die mit grosser Seele an — Sagen hängt, erdichtete Gestalten zu Trägern von Gesetzen und Pflichten macht, Werke heilig hält, die Sagen, zum Theil sogar, wie Verfasser meint, recht widersinnige enthielte, ist dooh nichts werth, und Rabbiner, welche nur 80 belehrt werden, dass sie sa^en müssen: ״Was da steht ist nicht wahr, was wahr ist, wissen wir nicht,“ die können Lehrer des Jadenthums nicht sein — höchstens der 15 Lehrsätze des D.*L G.-B. Kroner. I*itterarische Notizen. Oppeln, Juni. Soeben erhalte ich von Dr. Jeliinek iotgende Zeilen: ,Ich habe aut־ dem Lande nicht meine Bibliothek sur Hand und schreibe daher nur nach ■!ein Gedächtnis# Bezüglich ׳ Ihrer Antrag« in Rahmer's Litteraturblatt Ko. 22 werden Sie in der הקדמה des הכותב mm עין יעקב einen intereasantea annalogen Passus finden." In der That finde ich nun iu der erwähnten הסלסה Folgendes: ' מצאתי כתוב בשם מדרש ובקשתיהו ולא מצאתיו בכל I ש־ ם וזרע עסחו בן זומא אומר מציגו פבוק כולל יותר וודא I עם אומר ואהבת לרעד ונר שמצק בן p שמע ישראל ונר פד אומר מציע נ סוק כולל יותר והוא את הכבש אהד תעשה בבוקר־ וגר. Also auch der הכותב konnte den (apokrvphiscaea?) Midrasch nicht autfinden. Aber in seiner Leseart ffgurirt atatt dea כ} עזאי gar ל£ p nnl zwar mit einem ganz andern Anasprach את וכבש וג־ ■ Auch der הכותב begeht dea Irrthum des ש״ט p שם מוב, dass er Hiiiei stau מה דע לך פני וב־ dea Ausspruch Atiba’* in den Mund legt. Wer löst nns diese Räthsel? — Mir war es von jeher sehr befremdlich, wsram von den genannten oder sonst einem Rabbi nicht als כלל גלןל יותר מכולם autgesteiit worden וארבת את י״י אלהיך בבל זלבבך ובכל נפשך Wie Herrn Dr. Jeliinek würde ich jedem für Beantwortung meiner Fragen dankbar sein. Dr. Wiener. — Die von llenm Rabbiner Dr. Wiener in No. 22 dea Litteraturblatt angeführten Midrasch-Stellen sind in die aer Fassung in den mir hier zugänglichen Collektionen nicht za linden. Ich habe zu diesem Zwecke im Rabbah, Jalkut uad Tanchutna, sowie in mehreren einschlägigen Werken Rundschau Umschau gehalten. Es ist übrigens sehr leicht möglich, dass Maimonides Werke balachischor Schriftazslegang Vorgelegen haben, welche die Commeutatoren mit dem Collektiv-Namen ״Midrasch" bezeichneten, welcher Ausdruck (IL Chronik, 24, 27) bereits biblische Sanktion erhielt. Dr. Ne scher. l’eber das Wort הומרום, von welchem in No. 21 dies. BL die Rede ist, weise ich darauf hin, dass schon der Qaon Hsja im Miscbnsh Commentar za Tohoroth (קובץ מעשי י1"י הגאונים Berlin 1858) zar Mischna Jodajim 4,6 bemerkt, unter 3פלי הומרוס seien die Bücher Homers verstanden. Wenn nun Dr. Kohut das Wort von ijupO{ Last herleitet, und diese Derivation mit Beratung auf Orach t'hajim 307 f 16 gerechttertigt wird, sofern dort von ״ דבו_י חשקSinnealuat erregender Lektüre" die Rede ist, welche am Sabbath verboten Lt, so wird dabei übersehen, dass ausdrücklich dort des Dichters Immanuel, des Römers (1320) erwähnt ist, dessen Makamen durch Frivolität berüchtigt waren. Gleichwohl war Jmmanuel ben Salomo der Freund Dante's, dessen Comoedia divina er nachahmt. War nun im Mittelalter Dante Mode, den bei den Israeliten noch zur Zeit Josef Karo's im 16 Jahrhundert Jm: :anael vertritt: so war ofienbar in der Mischna-Zeit derHomor weit verbreitet und viel gelesen. Der leichtfertige Inhalt der Dichtungen Jmmanuel'* lässt dessen Werke am Sabbath, and die sündhaften und sinnlichen Attribute, welche im Homer den Göttorn Griechen- Und* beigelegt werden, lassen dieses Werk griechischer Poesie Überhaupt für die Benutzung unstatthaft erscheinen. — Hieraus aber ergiebt sich mit NothWendigkeit, dass ה1סרום (ein Wort welches im Arach fehlt) doch wohl nichts ander oa als ״Homer" ist' Dr. N. * London. Demnächst erscheint im Verlage von D. Natt ein grammatisches Werk von Herrn Arthur Davia unter׳ dem Titel ״Die hebräischen Accente der 24 Bücher der Bibel". Litterarlscbe Anfrage. Wann ist die erste dentr.che Uebersetzung irgend eines Theiles des hebr. Schrittthmns in deutschen (nicht jüd.-deutschen) Lettern herauigegebea worden? Antwort erbitte ich in diesem gesch. Blatte. Harsberg. Vor Lg von Robert Friese, Leipzig. VsiantwortUoter Kedacteur Dr. Rahmer, Magdoburg. Druck von D. L. Wolfi, Magdeburg.

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