Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 23. (4.6.1891)
- Date
- 1891-06-04
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Von dieser Zeit an hatte er nur noch Umgang ]üit den wahrhaftesten Personen und denen, welche!des Umganges mit Gott würdig erschienen. Fast jeder Zug aus diesem Gemälde, welches durch den Originaltext1*) bestätigt wird, ist der Bibel entnommen. Nach der Offenbarung aufSinai ermuthigte ,Moses die versammelte Volksmenge") und gebot den 1 vornehmsten Israeliten, Opfer zu bringen.11; Dass Moses nach dem Vorfall mit dem goldenen Kalbe h von dem Volke trennte, wird ausdrücklich hervorgehoben.") Auch die Thatsache, dass Zoroaster nur noch mit wenigen Auserwählten im Verkehr blieb, bezieht sich vielleicht auf die Erzählung,11) dass Mose’s Angesicht n״oh dem Herabsteigen von dem Berge so sehr strahlte, dass das Volk fürchtete, ihm zu nahen. Was nun endlich d>־n Bericht betrifft, dass Moses sich •10 Tage und Näoute aller Speise und alleD Trankes enthielt, so wollen wir nur bemerken, dass Plinius und Plutarch Aehnliches von Zoroaster erzählen,1J; der nach Ersterem 20 Jahre nur von Käse und nach Letzterem sein ganzes Leben nur von Milch gelebt haben soll. 7. Zoroaster als Zauberer. — Trotz der verdiichtigen Mythe von Zoroasters Abschliessung in einer Wüste nach Empfang des Avesta spricht das Buch selbst in voller Uebereinstimmung mit den neuern Traditionen von seiner Mission an König Vislacpa ((iuschlacp nach der neuesten Tradition)( an dessen Hof3 er Wunder that”’). Auch hier erkennen wir die Mission Moses an Pbaraoh und die von ihm dabei verrichteten Wunder. ■s. Zoroasters Tod. Indem wir einige unbedeutendo Einzelheiten, dio eine unverkennbare Analogie mit der Bibel nachweisen, übergehen, lassen wir nun noch dio Erzählung von Zoroasters Tod folgen. Die occideutalisclicn Quellen behaupten, •dass Zoroaster durch ein übernatürliches Feuer hiuweggeuor.unen und in den Himmel versetzt wurde,17) welche Todesart Zoroaster selbst sich auch erbeten haben soll. Nach meiner Ansicht ist die hiermit übereinstimmende Erzählung von E'iah’s Tod die Quelle. Eine neue persische Information das ״Sadder Bundehesch“" hat für Zoröasters Tod noch andere Ursachen. Auf die Frage, wessluilb ein so ausgezeichneter Mann, wie Zoroaster es war, überhaupt hat sterben müssen,10) erfolgt hier die Antwort, dass, wenn er ewig gelebt haben würde, eine Wiederauferstehung unmöglich wäre.3״) Aus diesem Grunde verlieh Ormuzd dem Zoroaster für eine kurze Zeit die Gabe der Allwissenheit, vermöge deren er die Freuden des Himmels und die Qualen der Hölle schauen konnte, mit welchem Geschenke sich Zoroaster auch zufrieden erklärte.— Dieser Bericht scheint in einer nahen Verwandtschaft zu i der biblischen Tradition11) zu stehen, nach welcher I Moses Palästina nicht betreten, sondern nur von einer | Anhöhe aüs einen Blick in das gelobte Land werfen j durfte. Fassen wir diesen Parallelismus der Ereignisse! ins Auge, so müssen wir zu dem Schlüsse gelangen, dass die Zoroaster-Sageu, wenn man sie ihres iranischen Gewandes entkleidet, ihrem Ursprünge nach zum Theil wörtlich den mosaisohen Berichten entlehnt oder doch sehr durch das Prisma baktrisoher Sagenbildung reflectirt wurden. Dass diese Traditionen bei dem Mythra S Ü2. “) Exodus XX, 17. >-) Jbid. NXI\,o. ,1)Jbid. XXXIII, 7. 1‘)Jhid.XXXIlf.2y. >*) hpiogel 1. c. Gib, Kote 4. *«. Jbid. (WS. >־) Jbid. 70G. . '*) Jbid. ן ״ ״ .) Wir finden dieselbe Frage in Midrasch Deut. H. K. II : in Bezug aui Moses. ”) Daselbst ist auch der Tod Moses in nahe Beziehung zu : der Auferstehungslehio gestellt. Siehe auch ״Jalkut“ Ende Deuter, i u) Deuter. III, 25 und XXXIV, 1. : Volke der talmudischen Periode in Umlauf waren, ist durch die Erwähnung derselben in der Agadah erwiesen, wie aus den unsern Text begleitenden Noten schon ersichtlich ist. Wir sehen hieraus, dass der Ideenaustausch unter Juden und Parsen, das wechselseitige Mittheilen und Empfangen״) durch das Zeugniss der Zoroaster- Sagen über allen Zweifel festgestellt ist, und ist der Werth dieses Beispiels bei dem Mangel an einer persisch-archäologischen Litteratur niobt zu unterschätzen. Es ist daher von besonderer Wichtigkeit, diesen Wechsel verkehr nicht nur vom allgemein historischen, sondern auch vom speziell jiidischeu Staudpurkte aus kritisch zu untersuchen, da an demselben der mächtige Einfluss des Judenthums auf das kullivirteste, dem Monotheismus nächstsu-hende Volk des heidnischen Alterthums zu erkennen ist, ein Einfluss, der den Triumph des Judenthums nur zu heben im Stande is׳.. - Littmturbeiicht. Recensionen. Prof. Br. Steinthal: Zur Geschichte Sauls undDavids. (Wissenschaftliche Beigabe zum IV.Bericht über die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin.) Berlin 1891. Die Arbeit Steiuthals hat noch die Ueborschrilt ״ein Beitrag zur Kritik der Bücher Samuel“. Sie besteht aus: I. historische Betrachtung Seite I!—8. II. Unser hebräischer Bibeltext und die LX.X mit besonderer Rücksicht aut das erste Buch Samuel, Seite 8—17. In dem ersten Theile betrachtet Verfasser das 1. Buch Samuel und findet in ihm eine E r z ä h 1 ung, die an dramatische und homerische Kunst erinnert und viele ergreifende Momente enthält.. Sie ist nach seiner Meinung eine eintheitliche, aber nicht die künstlerische Schöpfung eines individuellen Schrift- Stellers, sondern das unbewusst gewordene Ergebnis» der Sage. Ein Redactor habe aus mehreren Quellen- Schriften trotz ihrer Abweichungen das Buch zusammengestellt. Ein U berarbeiter habe dann wieder manches ausgelassen und eingeschoben und ausserdem stehe das Buoh hinsichtlich seiner monarchischen Tendenz im Zusammenhänge mit den folgenden Büchern wie mit dem Buche der Richter. Ehe nun die Kritik die Quellenschriften scheide und deren Quellen selbst wieder prüfe, hält Verfasser es für nötig den Nachweis zu führen, dass die Möglichkeit der ׳anz v׳. .׳.••■chiedenen Erzählungen, abgesehen von der Subjektivität der Erzähler, in dem erzählten Stolle objectiv gegeben ist. Oder deutlicher gesagt, Prof. Steinthal hält es für nothwendig die Sagenhaftigkeit der Er- Zählungen nachzuweisen. Und seine Beweise! 1. Die Begebenheiten, welche da3 I. B. S. berichtet, liegen noch gar nicht innerhalb der geschiehtliehen Zeiten Israels, denn diese beginnen erst mit der Reichschronik seit der Theilung des Reiches. von den Verfassern der genannten biblischen Schriften als Quellen angegeben werden, sind ihm werthlos. Die hebräische Schriftstellerei habe erst frühestens unter Salomo begonnen, habe aber die Vergangenheit bald durch Anwachsen der Sage verdunkelt. I ״) Mehrere Beispiele über diesen Wechselverkelir habe ich im ״Jewish Quarterl y lteview“ Bd. II, No. S. 223 und Bd. III No. 1Ü angeführt.