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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-06-04 · N° 23. (4.6.1891) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 23. (4.6.1891)
Date
1891-06-04
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Im Jahre 1580 finden wir ihn am dritten Platze ,ן"!• Vorsteher der Brester jüdischen Gemeinde, 1582 ait ihm die Gemeinde die Führung eines sehr complicierten, für die Gemeinde sehr wichtigen Prozesses, betreffs ״der Antheilnahme der Juden am 4. Theife aller Stadteinkünfte״ an. Der Prozess ist nicht nur Sauls Charakteristik wegen von Interesse, sondern auch, weil wir in demselben, Stephan Batory’s Anschauungen über die Stellung der Juden in Litthauen begegnen. Ebenso machen wir durch den Prozess mit einigen j von jenen Gesetzen Bekanntschaft, deren Yeröffent- 1 Hebung die Legende Saul Wahl zuschreibt. I Schon im Anfänge des XVI. Jahrhunderts entstand j zwischen den Brester Bürgern und den Brester Juden J ein Streit über das Anrecht der letzteren auf den! 4. Theil aller Stadteinkünfte. Beide Partheien benutzten das bekannte Prinzip der litthauischen Grossfürsten ״wir geben dies dem, d> r uns darum bittet“ und anstatt diese Angelegenheit; dem Gerichte zu übergeben, zog jede Seite es vor, ' sich Vergünstigungsbriefe anzuschaffeu, die einander vollständig wider.-prachen. Im Verlaufe von 30 Jahren kam dieser Prozess doch einmal und zwar im Jahre 1531 zum Austrage. Seit jener Zeit hatten schon Juden und Kleinbiirger eine Reihe von neuen Privilegien erhalten, einige Urtlieilssprüche fanden in contumentium statt, die ״Königliche Kanzlei“ gab bald dieser, bald jener Parthei ״Erinnorungstage“, auch kamen Feuersbrünste vor, bei denon verschiedene Privilegien dieser oder jener Parthei zerstört wurden. Man musste 'daher, um den wahren Sachverhalt klarzulegen, sich mit den Privilegien der Gegner vertraut machen. Diese Privilegien wurden aber nicht veröffentlicht. Da sie bei zuverlässigen Personen und oft in entfernten Orten autbewahrt waren, und Copieen der Privilegien nur von den Akten der litthauischen Metrika und zwar narb erfolgter Genehmigung des Königs und auoh dann nur der betheiligten Parthei herausgegebeu wurde, so war cs ausserordentlich schwierig, deren Inhalt zu erfahren. Wenn die Jaden auch weniger Chancen hatten, ihren Prozess zu gewinnen, so hofften sie doch wenigstens durch die Veröffentlichung ihrer Privilegien deren indirekte Bestätigung zu erlangen. Der Prozess fiug damit an, dass die auf Bitten der Juden eingesetzte Commission, die aus dem Wilnaer Castellau (Pan), dem Kanzler des Grossfürsteuthums Litthauen, Ostapia Wolowitz, der zugleich Brester und Kobriner Starosta (Aeltester) war, Pödkomori Beresteisky, Pan Nicolai Paz und dem Brester Landrichter P. Adam Patya, bestand, die Brester Bürger zur Abgabe der Erklärung vor Gerioht forderte, weshalb sie den, den Juden von den polnischen Königen, litthauischen Grossfürsten geschenkten Privilegien widersprachen und die Juden nicht zur Nutzniessung des 4. Theils der Stadteinkünfte zuliess« a, ungeachtet dessen, dass dieselben den 4. Theil der natürlichen Abgaben und anderer Steuerpfliohtcn entrichteten. Der Woit, die Bürgermeister, Rathsherren und die Brester Bürger, meldeten sich vor der Commission und erhoben den Einwand der Incompetenz, nämlich, dass sie ״vor ein Lokalgericht geladen wurden, dem sie kraft ihrer Privilegien nioht unterworfen sind“. Dabei sprachen aber die Bürger ihre Bereit- Willigkeit aus, sich vor das Königliche (Hof) Gerioht zu stellen und daselbst diejenigen Privilegien vorzulegen, behufs welcher sie den Juden die Nutzniessung des 4. Theils der Stadteinkünfte verweigern. Alle Prozesse, die unter König Stephans Vorsitz ▼erhandelt werden sollten, wurden des Moscauer Krieges wegen verlegt. Deshalb kam der uns interessierende Prozess •rst nach 2 Jahren zur Verhandlung. (Forts, folgt.) DieZoroaster-Legenden und ihre biblische Quelle. Von Rev. Dr. Alexander Kohut in Xew-Yoik. (Schluss.) 5. Zoroaster geht durchs Feuer — Auf iranischem Boden ahgelangt, besann 7״״ , prophetische Laufbahn, indem er durch VermitM.1״״ Amescha-Cuenta Vonumano’s'), von welchem die Erlaubnis erhielt, verschiedene Fragen zu stellen1" zu Ormuzd geführt wnrde. Zoroaster bemerkte alsdauu ein Feuer und erhielt den Befehl, durch dasselbe zu gehen. Er tbat es und kam unverletzt wieder heraus, ohne dass Ruch nur eiu Haar auf seiuetn Haupte versengt wurde. Hierauf wurde sein Körper geöffnet, seine Eiugeweide herausgenomnieu und dann, ohne ihm irgendwie Schmerzen zu verursachen, wieder hineingelegt.*) Diese Erzählung schliesst sich ganz enge dotn mosaischen Berichte au. Der feurige Berg bei Z010aster ist der brennende Dornbusch''), aus welchem ein Engel Gottes dem Gesetzgeber erschienen war. Das zweite Zeichen erinnert an das von Mose־ verübte Wunder.4) Zoroaster erhielt aber noch ein drittes Zeichen, welches darin bestand, dass ihm geschmolz• nos Blei auf die Brust geträufelt wurde, ohne ihm Sdnnerzen zu verursachen. Wahrscheinlich weist dieses auf das dritte Wuuder bei Moses hin, nämlich aut die Ver- Wandlung des Wassers in Blut.5) Die Tradition ist ausser Stande, dieses Ereigniss genau lostzustellou und .;tet es ganz ungeschickt als eine Prophezeiung, welche sich auf Ader bat Maresfand bezieht, welchem dasselbe ohne naohtheilige Folgen geschehen sein soll. 6. Zoroasters Weissagung. — Von dor Zeit seiner prophetischen Begabung an begann Zoroasters eigentliche Wirk mkeit. Seine Gemeinschaft mit Ormazd ist hin und wieder in dem Zeni-Avostor heschrieben und der Verkehr dieser Beiden in (Jarone man a t höchster Himmel und Wohnsitz dor Ormuzd) war ein persönlicher. Alles dieses lässt sich auoh in Wahrheit, aber in einem viel erhabenoreu Sinne von den mosaischen Gesetzen sagen, welche Moses auf eine für uns unbegreifliche Weise offenbart wurden.0) Wenn hiernach das äussere Gewand, in welches die persönliche Unterredung zwischen Ormudz und Zoroaster gekleidet ist, den mosaischen Berichten entnommen wurde, 80 kann die Verkündigung der Ormudzlehre nach den neuesten Quellen ein Plagiat der biblischen Darstellung der sinaitischen Gesetzgebung genannt werden.7) Diese Quellen berichten, wie Zoroaster sich auf einen Berg zurüokzog und mit demAvesta von dort zurückkehrte. Dann wurde der Berg, wie eine andere Quelle4) berichtet, in Flammen gehüllt, welohe duroh vom Himmel fallendes Feuer sioh entzündeten.*) Dieses brannte eine längere Zeit, so dass der König und seine höohsten Beamten sioh ihm anbetend näherten. Hierauf trat Zoroaster unverletzt aus dem Feuer hervor, zeigte sich ihnen und bat sie, gutes Muthes zu sein, weil sein Gott an diesem Orte erscheinen würde. ') Hierüber cu Xohut Jüdische Augelologie etc. S. 21 ft. ף Spiegel 1. c. S. 695. zj Exodus III, 2. ‘) Jbid. IV, 6. Jbid. IV, 9. c) Siebe die schöne Stelle Numeri XII, 6 und die Commentare. ’) Exodus XIX. *) Spiegel 1. 0. 692. |j Siehe Dio Cbrysostomus von Pruza in seiner isorystr.emachen Rede II, 69. (Ed. Dindorf.)

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