Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 23. (4.6.1891)
- Date
- 1891-06-04
- Page
- Seite 90 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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2. Sagenhaft und an die Sage von Karl d. Gr.! erinnernd sind ihm die Erzählungen von den Kämpfen! Davids mit Absalom und Adonijah, von dem Vorgänge i mit dem Uriasbriefe, dem Vorfälle mit Amnon und i Thamar, den Anfängen der Beziehungen Davids zu; Saul, die Eifersucht Sauls gegen : avid, auch das i Klagelied Davids über Saul und Jonathan scheint ihm nicht davidisch zu sein, mindestens aber ist ihm die Echtheit zweifelhaft. David sei in der Sage zu einer apollinischen Gestalt geworden. — Das wirklich Ge* schichtliche dürfte sich auf ein einziges Blatt be* schränken. David aber habe das grosse Verdienst sich wahrscheinlich erwarben, den Namen Juda erst geschaffen zu haben. Auch Saul habe vermuthlich Grösseres geleistet, als erzählt wird — doch der Redact .»r des Buches Samuel habe dies kaum ange*; deutet und Andeutungen seiner Quellen nicht mehr verstanden. Das weitverbreitete Märchen von einem jungen Manne, der auszieht, um eine Kleinigkeit j zu suchen, aber eine Krone gewinnt, sei auf Saul übertragen worden.! Uetn-rschauen wir das Ergebniss des von Prof. Steinthal Gefundenen, so ist es recht traurig. Was uns in dem 1. B. S. erzählt wird, ist Sage und nicht Geschichte, bis auf ein Blatt; das Erzählte ist also, so wie erzählt, nicht geschehen, nicht wahr. Die Quellen sind Sagenberichte mit tendenziöser Färbung. | der Redakteur kein Künstler, sondern ein Schriftsteller, J der Widersprüche nicht merkt, oder absichtlich aus• j gleicht un'• r Veränderung der Quellenberichte, der die Qui'licu nicht versteht, wichtiges weglässt, und! das Alles — um der Wahrheil, der Autorität willen, weil er nicht (!.■.schichte, sondern ein Religionsbuch ■ geben will. Ueberlntupt ist geschichtlicher Boden : vor der Theiliing des Reiches nicht. Von Abraham i bis Re.ha.beam Alles nur sagenhafter Bericht. Bedarf es auch nur eiues Wortes um den Muth; zu kennzeichnen, der einen Strich macht durch dio | Geschichtlichkeit von Thora, Josu«, Richter, Samuel und Könige? Und welche gewichtige Zeugenbeweise gegen die Geschichtlichkeit hat der Verfasser? Sind andere glaubwürdige Quellen da? Nichts von alledem, es ist der subjektive Eindruck, deu der Verfasser selbst gewonnen hat. Wehe deu Juden, wenn soh! 0 Subjektivität über ihre Heiligthümer ״u Gerichte sitz!, die tendenziöse Veränderung der Thatsachen durch die Volkssage — also naive Fälschung der Wahrheit und Unwissenheit, Uubeleseuheit — alles aber in; naiver Frömmigkeit — au deren Stalle setzt. Alles ׳ erdichtete Trauingestalten, von deu Erzvätern bis auf Salomo! (Schluss folgt.) Litterarische Notizen. . 1 litlten“ oder Biblischen Geschieht 8“ lautet das sechste Ge' ' 1 ic*leu es Urtextes htferti״t ist רד»ר weder shrr'cl>h^7110ch .nttertigt ist. ru*m לא muss unter alleu UmrDu sollst nicht ,norden!“ übersetzt werden 1 לצל - morden‘‘ bedeutet. יי ..morden".’ _ . . — sechste Gebot• I)11״־ ״,. nicht töten!“ Diese Uehertragun״ des Urtextes ist m ndestei als mcorrect zu bezeichnen, weil sie weder .״richliM. ״; sachlich gerechtfertigt ist. - ׳־ racnnui. ״->״• ständen mit da der Stamm רצף .morden‘■ bedeutet, und diese Bedeutung überall da. wo das betreilende \\ ort in seinen verschiedenen lormen 1m lieh■ ־!״eben »chnttthume auttritt. anznnehmen ist So verbinden wir 1111t dem \\ orte ־צה stets den Begriit' ״M, :•de•••‘" -Wollte der Gesetzgeber das Tödteu überhaupt verbieten <0 hätte er sich jedenfalls der Ausdrvtcksweise לא הי*ית ' D!t sollst nicht tödteu!•‘ bedieat*. Die Begriite .ti’d.eir ’״״d ..morden“ decken steh aeer keineswegs, denn während d.s Tödten unter Umständen erlaubt, ja geradezu geboten sein kann, ist der Mord unter allen Umständen verboten und mit schweren St raten bedroht Morden ist nichts Anderes. aU ein widerrechtliches Tödteu. Dieses widerrechtliche Töltcii k.xnn entweder mit Absicht unter Anwendung von Gewalt oder bist crtolgen. oder ohne Absicht durch Unvorsichtigkeit, wic cs in der heit. Schritt 5. B. M., Kap. 19. ausiuhrlich xörgetuart. wird. Es ״iebt ab! r auch ein orlr.ubtcs Tödten. I?. i:,1 Kric ■e oder die Hinrichtung eines Verbrechers, oder das Tod;.•:! iti der Xothwehr. Die Ausdrucksweise: ״Du sdlst nicht tödten!“ ist jedoch offenbar zu weit gota-sr. da hierdurch dio Annahme möglich wird, dass jedes Tödten uherh-.upt verboten ist, was jedoch nicht, wie schon angedcutet, in .,1■ Absicht des Gesetz.- gebers gelegeu hat indem dieser seihst in der Schritt, an zahlreichen Stellen das Tödten von Verbrechern, als: Sah!■;;:!!- entheiligern, falscher Propht-ien, Verlebtem zum Götzendienste, Verletzer der Kcnschheitsgesetze u. s. w. geradezu anhciiehll. Die Fassung des sechsten Gebotes, wie sie dio genannte ״Kihüscho Geschichte‘־, ein Bach, das so weite Verbreitung golumlon hat, darbietet., ist geeignet, zu Missverständnissen Anlass zu geben, verwirrt die Begrilie des ■Kindes, da dieses mit. Itecbt heim Lernen dieses Gebotes ilio Fragen aut werten kann, ol> drnu jedes Tödten verboten sei, ob der Krieger den Feind niederschiessen darf, ob der Scharfrichter ein Kocht habe, einen Menschen zu enthaupten, ja, ob wir überhaupt gar heiligt sind, citi Thier zu schlachten? Dem Lehrer wird aber :1nc.lt ■iio Krlüuterung des Gebotes erschwert, da durch die iur.orivklo Fassung desselben jeno Fragen ange. gt werden, mul 01• geniiihigt winl, die Tragweite der Bedeutung, dio das Gebot hat, weit einznschränken, was wiederum fiir das denkende Kind bolrenidond sein muss, da es tiir diese Kinsc.hränkung keinerlei Berechtigung linden kann. Br 0 m b erg. .1. llorzbere Dresden. Dio \orige Nummer dieses Blattes brachte cino Besprechung der Buber'schen Ausgabe des Midrasch- Tejhillim. Herr Buber ■hat die Aushän;;׳ bogen derselbe» dem durch seine Bibliotheca rabbinica bekannten Prote-ssor Dr. August Wünsche zur VortUgung gestollt. Herr'Wünsche hat danach eine Uebersetzung dieses Midrasch angelurtigt und nahezu beendigt, und dürfte dieselbe schon in nächst(-:׳ Zeit zur Ausgabe kommen können. *) Auch das Woit;הר heisst ״uinbriiigon“. ״tödten“; doch ist hier speciell ein Tödten mittels des Schwertes a11/1׳- nehmen (־־:,־ ל£י חלב")■ Littöraiischer Anzeiger. Durcli alle Buchliaudluiigen zu beziehen: Das J udenthum lind die Riehl jaden. Eine Darstellung der Ent- Wickelung und des Lehrinhaltes des Judenthuins in seineruniverseilen Bedeutung [4900 von Dr. Adolf Levlu. Preis: eleg. geh. M. 2,50 Gehr. Maas & Co., Verlag, Trier, Biicyclopiitlie lür Bibel und Talmud** Abth. I und 11 von Dr. J. Hamburger, Landesrabbiner in Strehlitz (Mecklng.) Preis 3 Mk. 40.;48(11 Soeben erschienen nml hei dem Unterzeichneten zu beziehen: Die Haphtaro*.. der Sabbat-und Festtage. Für den Gottesdienst geordnet und trei übersetzt von [4890 Dr. Jgn&z Ziegler Rabbiner in Karlsbad. Preis des Exempl. 1 Guld. 00 kr. Jacob Neubauer Karlsbad, Markt, Goldener Stern. ■;;[!־ .ןtricLicnicvlnujcv crljnlk■!! tioljfu Hialmtt in I׳da1mtc1 ät-cifc.;)11 k\;ie(;cu 6uvd) [4881 1810־. 'A. '!1. hlriinbtVB, ■vaunover, o:ötlk>;v. 8. Jiu t*e 11> *t verlage des Vorfassers ist erschienen: Jüdisch• deutsche Mclireibleselibel nach der Lautiermethode stufeniniissiggeorduet. nml die deutsche IEeclitsclireibmig möglichst beriicksichtlgend, für jüdische Religiousschuleu und für den Selbstunterricht 14809 von M. Purz.vnski, Lehter in Filebne. Preis gebunden 0,40 M. Italiiaer’H lsr. Preiligt-Magnzin Jahrg. 1890, lür 2 Mk. 50 Pfg. bei d. Exp. d. Bl. rj~s~ Dieser Jahrgang enthält auch o l'redlgtea zum Scbabuotfeste, [7־* ])ieseöScIiabnotlipredigten sind auch benoader» gegen Einsendung von GO i*l'. zu haben. Ajaunovcrfcber ('öloflft'fdjcr) Äoltnbcr fite 3er״cli1c1t für 0a03nt)r5652 לוח לשנת תרנ״ב. 66. 30I!r8an8. T;vcic pro 3tiid Soeben ist erschienen und durch jede Bucbh., sowie vom Verfasser zu beziehen: [4874 Supplcmentband 11. zur ״Real- Verantwortlicher Reüacteur Dr. Rahm er, Magdeburg. Druck von D. L. Wolt't, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.