Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 23. (4.6.1891)
- Date
- 1891-06-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Abonnehten der ״Israelititchcn Wochenschrift“, die vierteljährlich bei allen Poetanstalten und Buchhandlungen 8 Mark zahlen, erhalten das ״Jüdische Litteratnr-Blatt gratis. — Inserate werden mit 26 Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden Buchhändler u. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten -ö ]4 Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Saul Jnditsch Wahl. — Von Professor Borschadsky. I. —Die Zoroatser-Legender. und ihre biUischo Quelle. (Schulus). Von Rev. Dr. Alexander Kohut, in New-Y'ork. Li tteraturbericht: Recensionen: Prof. Dr. Stein'thal: Zur Geschichte Sauls und Davids. ( Wissenschaftliche Boigabe zum IV. Bericht über die Lehranstalt iür die Wissenscbntt. des Judenthums in Berlin. Littora rische Notizen: ״Tödten“ oder ״morden!“ — Dresden. Littorarische Anzeigen. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestattet Saul Juditsch Wahl. Von Professor Bersohadsky in Petersburg. Aus dem Russischen übersetzt von Sophie Gordon. I. ־ Der ersten of'ficiellen Naohricht über Saul Juditsch (Wahl) begegnen wir im 3. Regierungsjahre des Stephan B&tory. In der am 17. Mai 1578 veröffentlichten Urkunde theilt König Stephan allen Amtspersonen und der gesammten Bewohnerschaft Litthauens mit, dass er zum Vortheile des Reichsschatzes, wie seiner Litthaner Unterthanen die Salzsiedereien im Gross-Fürstenthum Litthauen wieder erriohte und dieses Geschäft dem Brester Juden Saul Juditsoh übergebe. Um seinen Unterthanen den A1...;!uf des in diesen Salzsiedereien zubereiteten Salzes bequemer und billiger zu verschaffen, ergreift Stephan eine Reihe von Massregeln zum Nutzen der Salzsiedereien und des Salz- Verkaufs. Die Hauptmassnahme bestand zunächst im Verbot der Einfuhr des Salzes aus deu polnischen Salzsiedereien, besonders aus Stenschizi. Es lässt sich nicht bestimmen, ob die Verwaltung der Litthauischen Salzsiedereien dem Saul Vortheil brachte, da man aus Galizien das Salz frei einführen konnte. Für Saul war aber hauptsächlich der Umstand von Bedeutung, dass er als Administrator einer Quelle der Staatseinnahmen dem Hofe nahe staud und in Folge dessen in allen Angelegenheiten der örtlichen Gerichtsbarkeit entzogen war. Er und alle diejenigeD, die sich bei ihm während seiner Verwaltung der Salz- Siedereien im Dienste befanden, waren nur dem Riehtspruohe des Königs unterworfen. Mit der Verwaltung der Salzsiedereien war für Saul auch die Aufsicht über geheime Salzeinfuhr verbunden, die ihm das Recht einräumte, bei begründetem Verdacht das heimlich eingeführte Salz zu Gunsten j der Regierung zu confisciren; die Hälfte der confiscirten Waare fiel auf seinen Antheil.*) Die Leitung der Salzsiedereien Hess Saul so viel Zeit übrig, dass er ohne Zögern eiu Compagnie- Geschäft mit den Brester Juden Joseph Moseheewitz und Schmerei Jakooowitz abschliesseu konnte. Es wajr nämlich die Verwaltung der alten und neuen Grenzzölle, Steuererhebungen, Coutrebande nud andere Grenzeinnahmen für das Gross-Fiirstent.hum Litthauen, die vom Minsker Wojewode Herrn Nicolai Sapega in Pacht genommen waren. Er übernahm nun mit seinen Compaguons die Verwaltung der Grenzeiuktinfte am heiligen Peter und Paal (römischen Kalenders) 1578 uud sie verwalteten dieselbe 1'/, Jahre d. h. bis zum 31. März 1579, wo Sapega aut einen besonderen Vertrag die Verwaltung der Greuzeiuküufte dem Reiohsrentmeister Lavrin Woin überliess. Im Laufe dieser Zeit entrichtete die Gesellschaft der Reichskasse 28 000 Kop Groschen, nach dem jetzigen Gelde (1 Kop 30 Rbl. gerechnet) 840 000 Rbl.**) Laut dieser Rechnung hat die Compagnie jährlioh ungefähr den 10. Tbeil aller Reicbseinkünfte eingenommen, denn der Durchschnitt der jähilichen Einnahmen, wie wir aus dem Berichte aes Reichsrentmeisters für 1561—65 ersehen können, entsprach 200 000 Kopen.*״*) Saul Wahl, der mit Sapega Contrakt geschlossen, übernahm auch mit seinen Compaguons die Verant- Wörtlichkeit für den Verlust, dafür kam ihm der dritte Theil des Grenzeinkommens zu gut, folglich hatte Saul schon im Jahre 1578 ein Kapital oder Creditsfähigkeit von minimum 100,000 Rbl. Mit der Zunahme seines Vermögens, was auch durch den Umstand, dass er der russischen Spraohe mächtig war und das herrschende Gesetz kannte, veranlasst wurde, stieg seine gesellschaftliche Stellung. *) Aktenbücher der Litthauischen Metrika. Buch der Eintragungen No. 60, Bogen 210. ״>) Diese Calculation führen wir aufGiund des Grenztarife vom Jahre 1570 an Nach diesem wird von der ins Ausland transportirten Waave von einem Kop 2 Groschen dem engros. Werth der Waare entsprechend, eingezogen. Unter den litthauischen Artikeln wird auch auf Stiere hingewiesen von welchen 4 Groschen Ausfuhrszoll, von einer Kuh 3 Groschen erhoben wurden, folglich wurde der Stier auf 120 Groschen, die Kuh auf 00 abgesohätzt. Wenn wir ungefähr den Werth eines Arbeitsoshsen auf 60 Rbl. und einer gewöhnliehen Kuh, keiner guten Rasse, aut 45 Rbl. anschlagen, so wird sich auf einen Kop Groschen der entsprechende Werth von 30 Rbl. ergeben. Es darf aber dabei nicht unbemerkt blliben, dass die Litthauischen Groschen ans Silber, wenn dies auch geringer Probe war, geprägt wurden. ***) Metrika Litthauens, Buch der Eintragungen No. 48, Seite 202.