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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-05-07 · N° 19. (7.5.1891) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 19. (7.5.1891)
Date
1891-05-07
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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zähmt, doch stets za frechen Ausschreitungen bereit waren.“ Jedermann ist es bekannt, (lass alle Nachkommen Jagello's männlicher Linie solche Könige zu sein ver* standen; von den gewählten Königen nur Stepbau Batory. Jüdisch. Gesandter des deutschen Kaisers in P11 **!ס, ein Zeitgenosse Sigismund Angust’s. und P-chot.ky sagt, dass die polnische Schlechte, die mit ihrer Zügellosigkeit sudzirte und in Hochmutk und Kig-iciiinkel dem Könige davon Bericht erstattete, und 1;:t iitd'-sloweiiiger wie eine schwache Frau vor dem Königzitterte, da er es verslaud, sich an sie mit drohenden Worten zu lichten. Konnte nun der lhester Rubhiuer solch einen König abgebenV In keiueiu Fäile! Solch einen König brauchten sie nicht «11,11 Satil würde sich nie dazu liergegeben haben, eine iniintt re Gesellschatt zu belustigen, wie es die komischen Jmlchen;baten, die im Zwi.-chen.-piel aut der Scene jitiltiateii. Zu Sauls Lebzeiten wareu die Rabbiner noch nicht so tiet gesunken und landen noch nicht so viel lieitall an Kleinigkeiten, wie im 17. Jahrhundert. Sich bemühen«!, die Regierung Sauls uubediugt als wahrscheinlich binzustellen und glaublich zu liiacln 11, dass das na1׳n1e JiidcLeu“ 1 wie sich Goldnirtiiu ausdrückte/ verstanden hat, deu königlichen Hcrmeli!., wenn auch nur auf einen Tag aiizulegen, selling nun üoMbaum den durch Edeniann’s Brochiire augepriesenen Weg ein, der auf Radziwill Sirotky’s Reise nach der heiligen Stiit.te auhielt. — Aber auch dieser Versuch mi-slang, denn die Nachrichten über die Reise nach der heiligen Stätte, wie das Rektoramt in d«r PaduanerUniversitüt, auch die Verbrüderung Sauls mit Jan Samoisky tragen den Charakter eines Marcheuau sich. — Als Giptelpunkt von Goldbauuis wissenschaftlicher Forschung kann folgende Stelle angesehen werden: ״Als sich der Tag der Königswahl seinem Eide neigte, schickte Fürst, Radziwill seinen weisen Faktor Saul hin. damit er durch den Einllnss seiner Reden die gegnerischen l’artheieti einige. l)a blitzte in iliuen der Gedanke aut, um deu erregten Getnütlieni Zeit zur Beruhigung zu geben, zeitweise den Radziwill'scheii Faktor an die Spitze zu stellen.“ Angesichtder Mitlieilnng-n des Herrn Gold- : bäum über Gegenstände, die Niemand unbekatint sind, tauchen ja unwillkürlich die Fragen aut: Vou wo aus trat Sirot ky seine Reise nach der heiligen; Stätte an:•' Setzte er sieh im Jahre 1Ö,S2 aut das | Sebiil iu Venedig un«l als er nach _ Jahreti daselbst landete, kehrte er direkt, ohne Italien zu durchreisen, in die Heimath zurück V (besetzt den Fall, dass er durch Italien reist« und unbekannter Umstaude zu Folge iu üe'.lt.oth geriet h, so konnte er doch kein Darlehen vom Padua!.er Kabbiuer erhalten haben, da derselbe bereitz. Z. Italien verlassen hatte und das Amt eines Rabbinerin Deutschland bekleidete. Ferner, wa> für etu Rektor war Samoisky:' Etwa nur der älteste Sutdei.: der Universität nach den alten Gebräuchen der itaiieui-cbeu Universitäten V Wenn man sogar zügelet; .-oll, das Saul ein Faktor der Raziwills ■ nd Samot.-ays war und «lass beide l’ani, was wohl kei; •in Zweifei unterliegt, ihm sehr wohl geneigt waren, so ist doch nicht daraus zu schiiessen, dass es ihnen daran lag, ihn als König dnrchzubiingeu. Wollte man segat־ auch dieses zugebt u, so erscheint es doch ganz!־.;;glaublich, •lass d׳<■ Schljachte ihre Zustimmung zur Wal.l •‘1L(S Jude!( al> Monarchen gegeben hätte. Aehi-l.cLe Fakta kann nur derjenige iiir wahrscheiulieh halten, der nicht die damalige Lage der Sainoiskys. Raziwills uliI der Schljachte keimt. Wer uicht mit den Umstände!! vertraut ist, möge sie ketnicu zu lernen suchen und er wird wohl auch dann die Ueberzeuguug gewinnen, dass von eiues Juden auch nur eiutagigen Regierung iu Poleu nicht die Rede sein kann. Dies ist die Meinung Mazeowski’a. Aus allem (lieseu ist zu ersahen. dass diese Forscher, inclusive Mazeowsky, nicht hinreichend geutig alle die Legende .Saul Wahl“ betretlenden Orkünden, wie auch die kleinen aber charakteristischen Details, die in der Broohüre .Die Grösse Sauls nnd des Stammes Davids“ zusaiumengetasst sind, gekannt hatten. Bei der richtigen Abschätzung der Legeude ist dies aber unbedingt liöthig. Ebenso fiel e< d-n über Saul schreibenden Persnueu gar nicht ein, in die Aktenb&cher der Brester Richter mul die Matriken Litthaaens gen Ende des Di. und Aufaug des I 7. Jahrhunderts einen Einblick zu thun. Daher fehlt sowohl deu Gegnern wie den Vertheidigcrn der historischen Bedeutung der Legend• über Sau! Wahl der wissenschaftliche Boden. Bei den Ju׳len würfe die Legeude so populär, dass sich sogar das Sprichwort biidete: .Das Glück ist ebensowenig dauerhaft, wie Saul Walds Regierung“. Und zwar war ihre Popularität so verbreitet, dass die Legende den eugen. jüdischen Kreis überschritt. Die Gelehrten hingegen verwerteten sie uicht gentigend, da sie weder über eiue hinreichende Auzahl Varianten der Legeude, noch über faktische Nachrichten über Sml Wahl, wie über den Kreis in dem sein Leben verfloss, zu verfügen hatten. Daher erklärt sich auch, dass diejenigen Forscher, die mit der Legende ziemlich vertraut sind, wie z. B. Herr A. Kraushar, sich der Sage gegenüber vou oben her«tb uud iudiilereut verhielten. Dieser Gegenstand — lesen wir in der .Geschichte der Juden in Polen“ — i-t für eiue sittenbeschreibeude Erzählung braticabar, verdient• aber keiner Ewähuuug in einer ernsten Geschichte; wir widmen ihm nur einige Worte zur Complet innig des Abrisses der Sigismtnid’.sehen Epoche, die solch einen hervorragenden Platz in der ״Geschichte der polnischen Juden“ eimiimrut.) Hirsch Edelmann, der sich für die Legende über .Saul Wahl“ iuteressirte. wan.lt«• sich an verschiedene Persönlichkeiten mit der Bitte, ihm über Varianten der Legende, Saul hetrelfende Ueberlieferungeu oder ihm allgehörige Gegenstände, iu einem Worte über Alles, was als Erklärung oder Ergänzung der liandschriftlichen, in deu Oxforder Bücher.sammluugeu entdeckten Sage dienen kann, Mittheilung zu machen. Auf .-ein Ersuchen erhielt auch Edelmauti verschiclene Mittheiluugen. Da waren Varianten über die Sage, Erinnerungen au Saul, die sieb bei seinen Nachkommen erhielten. Wohl wurden aber auch Eiuwenduugeu gegen die Kxisteuz hauls erhoben, andererseits aber auch Daten tur die Existenz des legendären Königs geliefert. No erhielt inau interessantes und vers;״:i-.!t?nartiges Material, das auch im hebräischen Hüter den zwe? Titeln veröffentlicht wurde, jüdisch u. englisch: ״Die Grösse Sauls utnl die N’achkoiumeuschatt Davids“ Biographie des beiiihmten Saul Wahl etc. Gesammelt und hi-rausgegeben vou Hirsch Kielmann. Londou 1SÖ4. *1 Dauk der Liebensw!ir«ligkeit des Herrn Dr. Harkavy wurde es mir ermögl.dit, iu die Brcchüre des Herrn Hirsch Edelmann Einblicke zu thun. Auch habe ich ofticielle Dokumente des 17. Jahrhunderts zur Verfügung, die die Persönlichkeit Saul Wallis , und seine Beziehungen zti den Königen Stephan Batory und Sigismund deu IIl. betrefieu, wie auch G1׳*• liivhto »Irr Imleu iu IMeu. U. II. •S. «fSä. Tlu• Kreatin׳*« ol S.iul;uni proKcucv 01 lUvUl, be.n a bio^raphv oi 01«? omiia'i.t 8,\ul W.iUl etc. Cumpiltfl au elited b׳\ flir?z fMeimuun,!.»mloa, 1851.

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