Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 17-18. (22.4.1891)
- Date
- 1891-04-22
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Auch die talmudische Diskussion über diesen Punkt stimmt mit unserer Deutung überein, indem sie den Widerspruch hervorhebt, worin die Deutung, Gott ״ahndet“ die Sünden der Väter an den folgenden Geschlechtem, mit den Grundsätzen und Aussprüchen der Bibel (bei Moses und den Propheten Jeremias, Ezechiel) stehe: ״Jeder stirbt und büsst für seine eigene Sünde, die Väter nicht für die Kinder und die Kinder nicht für die Väter‘•. So die Kinder wie die Väter in gleicher Weise für gleiche Sünden leiden, so geschieht dies nur, weil sie selbständig für sich die Sünden der Väter wiederholen (י כשאוחז*; מעשי אשו־יהם שידיהש; nicht aber, das ein rachsüchtiger Gott die Sünden der Väter noch an den unschuldigen Kindern 3 und 4 Geschlechter hindurch ahnde (לשנאי)• Ohne Zweifel hat diese talmudische Diskussion auf die bezüglichen Einwendungen Christlieber Polemik in der Vorzeit Bezug Es war dem Talmud darum zu thun, den ״Gott der Liebe“ für das Judenthum als Religion der Liebe zu retten. Dass dies der Geist der talmudischen Erörterung ist, beweist Nachmanides in seinem Tora-Commentar (Exod. 34), der פוקד nicht im Sinne der Sünden-Ahn d ung, sondern der Sündenvergebung fasst. So nur passt der Gott der Liebe im ersten Satztheil (Gott gedenkt) auch zum zweiten Satztheil!Gott bewahrt• Liebe bis zum tausendsten Geschlecht). Dennoch fasst das Judenthum die göttliche Liebe nicht im kirchlichen Siune als eine überschwängliche aut, welche immer nur vergiebt und nie strati, sondern Gottes Liebe ist mit dem Recht vereinigt, ist Gerechtigkeit, Recht und Liebe zugleich. Gott straft aus Liebe zur Besserung, zum Heile des Sünders, nicht aus Rache, zum Verderben desselben. ״Auch im Zorne gedenkt Gott des Erbarmens“ ist ein biblischer iHabakuk 3,2), und ״Gott richtet nicht in harter Strenge, sondern in nachsichtiger Liebe (}לפנים משורת הדי), ist ein talmudischer Ausspruch. Gott ist reich an Gnade und voll Nachsicht in Liebe und Laugmuth, er ist derselbe und gleiche, wenn er lichtet und wenn er vergiebt (;,מדתדד und מיד,רחמים in ,TTR, diese Aussprüche gehören zu den ersten Olfenbaruugssätzea unsrer Bibel. Aber derselbe Gott sagt auch: ״Mir gehört das Recht und die Rache“ (Rache ist hier gleich Vergeltung; die Bibel spricht die Sprache der Menschen); Gott straft, ebenso wie Gott verzeiht, wo Recht und Liebe es fordern, im Hinblick auf die Schwäche des Menschen (״ •<ששגש היא ששרGott ,übt Recht und Liebe und will es auch so von den Menschen“, sagen die Propheteu; also Recht und Liebe in der Waltung Gottes, wie im Leben der Menschen. Da« Bündniss zwischen Gott und Mensch, unsere Religion, ruht auf Uebung von Recht und Gerechtigkeit, Liebe und Barmherzigkeit (Hos. 2,21j. Die idealen Aussprüche der Bergpredigt im N. T. von der Wange, die mau dem Schlagenden und dem Mantel, (len mail dem Raubenden hiugeben soll, sind Stimmungsausprüche, keine Lebensgrundsätze. Sie finden sich auch vom leidenden und verfolgten Israel, das seine Wange dem Raufenden hingegeben im Drange derZeiten. •So rieth auch Jesus damals seinen Anhängern, dem drängenden und verfolgenden Feinde, den Römern, gegenüber zur Vermeidung aller Widersetzlichkeit, zum vorläu- Egen Dulden und Nachgebeu. —Wir begre1fen|Jellinek’s Erlegung den vorliegenden Gräueln gegenüber; auch wir rufen :und Gott ahndet! Die Spuren davon zeigen eich sogar schon in der Gegenwart. Auch wir berufen uns auf den Gott der Geschichte, welcher die Ereignisse in regelmässiger Folge von Ursache und Wirkung bemisst und demgemäss wechseln und eintreten lässt. Denn die Ereignisse wechseln nicht in mechanischer Folge nach einem blinden Naturgesetze, ׳ sondern Gott waltet darin mit Gerechtigkeit und Liebe,. I der den rollenden Steiu nicht aufhält, dass er den 1 Schuldigen treffe, und den wohlgezielten Pfeil ab- I lenkt, dass er den Schuldlosen verschone. Gott ahndet, aber Gott gedenkt auch, er ahndet nicht die Sünden der Väter an den folgenden Gesoblechtem, wenn sie nicht selbst Sünder sind. Unser Gott ist ein Gott der Liebe, Gott gedenkt der Sünden der Väter nachsichtsvoll bei den Kindern, wenn sie durch die Sünden; leiden, zu denen sie durch die Väter verleitet worden sind. So lehrt es die Wahrheit und der Ruhm unserer Religion der Liebe. Indess seid vorsichtig ihr Väter, um euert — und der folgenden Geschlechter willen! Denn ״das ist der Fluch der bösen That das sie fortzeugend Böses stets gebieret“. Dr. Rothschild. Nachlese zu dem Targum der 5 Megilloth. Von Dr. •Jacob Heiss, Rabbiner in KuttenpUn. ן (Schluss.) 1 In Levy’s cbald. Lexikon B. I, S. 187 ist s. v. דרנשא angeführt דרגשי; דדדב und übersetzt: ״goldene Betten“, welche Stelle angeblich im Targum 1 z. d. B. Esther Cap. 1,0 Vorkommen soll. Dies ist im Irrthum. Richtiger ist dieselbe Stelle B. II, S. 128 s. v.;נקליטי angeführt, und übersetzend;״ דרגשי; דגקליטיהוBetten, deren Stangen (Baldachinträg er) von Gold waren.“ Auch im Commentare Tossafoth Jomtob zu Traktat Sukkah Af׳sc׳hn. 1, Mischnah 3 ist zur Erklärung des Wortes נקלישי daselbst unsere Targumstelle angeführt בפסוק חור שרפם תרגום צל דרגשי; דנקל־טיהו; דדהשא. Allein nach unseren Ausgaben muss diese Stelle voll* ständig lauten ״ דרגשי; דנקליטיהון דדהש טשBetten, deren Stangen waren von feinem Golde“. Im Targum I zu dem Buche Esther Cap. 1,7 heisst es הוו מחלפי; דמותהו; הישאשר.מגיא אחרגיתא• Das Wort הישאשר giebt keinen vernünftigen Sinn und ist corrumpirt aus ד.יןד אשר und bedeutet ״wie Blei“. (Vergleiche ״Sammlung agadischer Commentare z. d. B. Esther v. Salomon Buber“ und zwar Midrasch Abba Gorion S. 10, Note 150.) Die Stelle im Targum I z. d. B. Esther, Cap. 1,11 ומנפש; עמר ובת; י wird augeliihrt im chald. Lexikon v. Levy B. II, S. 121 unter dem W. נפש und übersetzt ״sie heohelteu Wolle und Flachs“. Nach dem Zusammeuhauge jedoch muss die Stelle übersetzt werden ״sie liess sie hecheln Wolle und Flachs“. Vergleiche hiermit Talmud Babli Traktat Megillah fol. 12 b ועושה שה; מלאכה שישבת. — Im Targum I z. d. B. Esther Cap. 2,7 heisst es iu unseren Ausgaben דאיתעשידת לה להורשיגא. Für das fehlerhafte דאיתצבידת muss דאיתצשיד geleseu werden. So ist die Stelle auch richtig angeführt, im chald. Lexikon v. Levy B. II, ■ S. 550 unter d. W. תורשינא. Uebersetzt muss die Stelle werden ״welcher sich ihr zum Erzieher widmete“ und nicht wie v. Levy a. a. O. ״welcher ihr zum Erzieher gegeben wurde“. Das Wort שכל vor גורתיה im Targum I z. d. B. Esther Cap. 3,14 ist störend und muss gestrichen werden. — Im Targum I z. d. B. Esther Cap 5,14 kommt abwechselnd bald נרםו יתיה bald נדמו; יתיה bald נתרמי יתיה vor Da aber .נתרמי יתיר falsch ist, ׳ so muss dafür גרמי יודה gelesen weiden. — Im Targum I z. d. B. Estner Cap. 7,1i muss vor אהוי דאבא hinzugefügt werden p oder שר, da Mordechai der Sohn des Bruders des Vateis der Esther war, nachdem Esther ' die Tochter des Bruders des Vaters des Mordechai war. Siehe Targum 1 z. d. B. Esther Cap. 2,15. — lm Targum 1 z. d. B. Esther kommt zweimal vor | (Fortsetzung iu der Beilage.) 5 tränt «örtlicher Redacteur Dr. Uilimer, Magdeburg. Druck von D. L. W o ltf, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig. 1