Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 16. (16.4.1891)
- Date
- 1891-04-16
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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er 7will ברברין statt בכיין gelesen wissen; daselbst heisst es;ובתרגום נים בכיין ואולי צ״ל ברברי. Ebenso Salo'mon Buber a. a. O. S. 20, Anmerkung 54; er bemerkt ובתרגום ולאוקמא חד בכיין אולי צ״ל בלה אחת הבדברין• Mir scheint aber, dass weder ״ בבייןPförtner, Thorsteher“ noch בכיי oder ״ בכ(ןWeiner, Weinender, Trauernder“ oder gar ״ ברבריder draussen sich authält“ gelesen werden soll. Der Irrthum scheint zunächst iu dem Festhalten an der Punktation des Wortes בכין in בכןן zu bestehen, andererseits in dem Bestreben die genannte Targumstelle לית רבותא לסלקא תייז קלוסנתרין ולאוקמא חד בכין wörtlioh in Einklang zu bringen mit der Midraschstelle im Jalkut z. d. B. Esther Cap. 2,22, welche daselbst wie folgt lautet: ד״א קצף בגהן והרש אברו העביר שני קלוסטרין ומושיכ הברבר׳ הז־. Diese beiden Stellen חד בבין in unserem Targum und הברברי חוה im Talmud und Midrasch R. bewirkten diesen Widerstreit der Meinungen. Erwägt man jedoch, dass es im Midrasch R. zu d. B. Esther Cap. 2,21 zunächst bloss heisst מה כצפון חיה שם מעביר שנים ומשיב א" und erst hierauf die nochmalige ausführlichere Erläuterung folgt כעביר שני קלבריקן שהן שומרי הסף ומושיב הברברי הוד., so scheint mir die Annähme berechtigt, dass die Worte ולאוקמא הד in Targum sich inhaltlich decken mit deu Wor'en ומשיב אחד im Midrasch R., und das Wort בבין von ולאוקמא חד zu trennen und mit den nachherfolgenden Worten אתיעטו בלישנהון zu verbinden ist, welches dann nicht בכין sondern בבין punktirt werden muss und ״sodann, alsdann, hierauf“ bedeutet. Mit den Worten בכין אתיצמו ״ בלישנהוןAlsdann berietheu sie sich in ihrer Sprache“ u. s. w. beginnt im Targum die Paraphrase zu deu Textesworten T יבקשו לשלוח.*) (Schluss folgt.) Sagenverwandtschaftliches. Zur Geschichte Josefs. (Fortsetzung vom Litteraturblatt No. 3.) Schön schildert der syrische Dichter Narses (um das Jahr 496) das Zusammentreffen Josefs mit seinen Brüdern iu Dothan.**) ״Wie Wölfe standen sie auf, ergriffen das Lamm, zerrten es hin und her und sprachen:***) erzähle uns die Träume, welche du geträumt. Waium verzehrt uns Frost und Hitze in dieser Einöde, während du in Gemächern und Zelten dich erfreust, warum sollen wir Sommer und Winter auf harter Erde liegen, während du wie ein Königssohn auf Teppichen ruhest, warum müesen wir wie Knechte in der Wüste umherschweifeu, während du wie ein Fürst von vielen bedient wirst? Warum sollen wir vor Hunger und Drungsal umkommen, während du wie ein König an allem Guten dich ergötzest, warum soll Kälte und Hitze, Hunger und Durst uns tödten, während du dich labest an Speise uud Trank und Schlaf in der Nacht? Ergreifend schildert der Dichter das Wehklagen Josefs am Grabe seiner Mutter. Es heisst daselbst in wörtlicher Uebersetzung: *1 Zu bemerken ist, dass es in der Warschauer Ausgabe der מקראות גדולות v. J. 1871, welche sonst von Druckfehlern wimmelt, an genannter Targumstelle ולאוקמא חד ככן אתיצטו בלישנהון heisst und 2כן punktirt ist, wodurch ich auf diese Vermmtbung kam, Das Wort בכן kommt nicht selten vor im Targum zu den 6 Megilloth und im Targum I z. d. B. Esther t-'ap. 1,10; Gap. 5,14; Cap, 7,7. **) Ich gebe hier die wörtliche Uebersetzung aus dem :)׳rischen Texte wieder. Der Text ist zu finden in meiner fSchrift ״Die Geschichte Josefs“ von Max Narses. Berlin 1889. ***) Vgl. Ephrem Tom. II gr. et lat. (S. 24) und das Buch Uajaschar (S. 54 a), wo dasselbe berichtet wird. .Und er stürzte sich unter grossem Schmerze auf das Grab seiner Mutter Rahel; er begann zu weinen und sprach mit wehklagender Stimme. Er weinte bitterlich am Grabe seiner Mutter, indem er ihr zurief: Dein Sohn Josef ist Sklave geworden 1 Die Kauffeute, welche ihn weinen sahen, weinten mit ihm. So klagend schrie er zum Ewigen, rief er die Mutter. 0 Rahel! Entsteige dem Grabe und sieh deinen Josef von der Freiheit zur Knechtschaft verkauft! Für zwauzig Silberstücke haben meine Brüder den Midjaniten mich verkauft, welche mich nun als Sklaven nach dem Lande Aegypten bringen. Ich muss jetzt, teure Mutter, von deinem Grabe scheiden. So lebe wohl, ich gehe in die Fremde. — Wie eine Stimme seiner Mutter Rahel vernahm er aus dem Grabe, die in dunklem Geheimniss zu ihm sprach und ihm zurief: Wer wollte mir Füsse geben, dass ich aufstehen und wer Augen, dass ich dich sehen könnte! Ich würde mit dir, mein geliebter Sohn, in die Fremde ziehen! So geh in Frieden und gieb dich nicht der Trauer hin, über das was dich betroffen; denn der Herr schreibt dir nach seinem Willen den Weg vor. Ist ja Alles, was geschehen soll, von Gott, und giebt er ja Befreiung der Seele. Entferne den Schmerz aus deinen Gedanken und gieb dich nicht der Trauer hin.*) Könitz. Dr. Grabowski. Recensioxien. אלדד הדני Eldad ha-Dani, seine Berichte über die 10 Stämme und deren Ritus in verschiedenen Versionen nach Handschriften und alten Drucken mit Einleitung und Anmerkungen nebst einem Exkurse über die Falasoha und deren (hebr.) Gebräuche von Abraham Eppstein. (Pressburg 1891) kl. 8*. 192 S. Diese Schrift reiht sich würdig an die ״Beiträge zur jüd. Alterthumskunde (מקדמוניות היהודים), welche der gelehrte Verfasser im Jahre 1887 hat erscheinen lassen und die seiner Zeit in diesen Blättern gebührend gewürdigt wurden. Mit anerkennenswerther Mühe und sorgfältigem Fleisse hat der gelehrte Verfasser Alles, was Eldad erzählt und gelehrt, was über ihn erzählt und gesagt wurde, was im Drucke vorliegt und noch uuedirt vorhanden ist, gesammelt und geordnet, geprüft und gesichtet, zu einem schönen harmonischen Ganzen zusammengestellt und mit gelehrten und lehrreichen Noten versehen. Der gelehrte Verfasser ist aber, was die Lehren und das Geburtsland Eldads betrifft, von etwas vagen Voraussetzungen ausgegangen und daher zu unrichtigen Endergeb• niss»n gelangt. Es muss dies nicht auffallen. Eldad warein schlauer und berechnender Lügenschmied; er hat es verstanden seine Zeitgenossen durch allerhand abenteuerliche Schilderungen zu fesseln und durch Verherrlichung versprengter und verschollener Juden- Stämme den Juden zu schmeicheln. Viele Besonnene schüttelten wohl ungläubig den Kopf zu solchen Uebertreibungen, aber eine grosse Mehrzahl lauschte seinen Worten, fühlte sich gehoben und glaubte gern an die Macht, Selbstständigkeit und Herrlichkeit eines grossen Theils ihrer Stammes- und Glaubensgenossen. Selbst das damalige Sohuloberhaupt in Babylonien, R. Zemach Gaon, auf dessen Aeusserung man iu der ganzen damals bekannten Judenheit wie auf ein götthohes Orakel lauschte, fühlte sich von den erlogenen Geschichten Eldads angezogen. Was Wunder also, dass er noch jetzt — zum Theil wenigstens — eineu *) Diese herrliche Sage findet sich bei Ephrem (Tom. II. gr. et lat) S. 20. (Vgl. auch Weil, Legende der Muselmänner S. 105; Buch Hajaschar, S. 55 b)