Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 12. (19.3.1891)
- Date
- 1891-03-19
- Page
- Seite 47 (sequence 3)
- Language
- German
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Diese Schilderung des Baches erinnert an das Bächlein Crith, aus dem Elias in seiner Abgeschiedenheit trank. ' Vergl. I. Könige 17,3—5. ״Wende dich von hinnen und gehe gegen Morgeu und verbirg dich am Bache Crith. Und du sollst vom Bache trinken u. s w. Und es geschah nach etlichen Tagen das der Bach vertrocknete “ Die Nahrungskrait des Wassers erscheint hier in modifizirter Form hl. 2%:?—2!'t>4. Wan gole niht unmügelich ist ze tuone swaz er wil im ist keines Wunders ze vil. Vergl. Genesis 18.3: ״Ist denn Gott etwas wunderbar (unmcglichi?“ 52 2!2093—92י. Got dö genaedcglichen tete, der ie das güote geriet Ein biblischer Ausdruck. Vergl. Jesajas 28,29. ״Er giebt wunderbaren Rath.“ Vergl. Psalm 33.11. ״Der Bath Gottes besteht ewiglich.“ 301 fi—3018. Pas er z’ in beiden tete kunt, daz meinde daz eins mannes ir.unt niht möhte erzingen wol swaz gröze kratt haben sol. Vergl. Deuteronium 19.15. ״Nicht soll ein Zeuge gegen einen Mann autstehen, sondern durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen soll die Sache bestät.igt werden.“ 54 301!•—3024. Nune weste ir deweder niht umbe dise gescliiht daz in din rede beiden des nahtes wart bescheiden, unz si zesamne ip'mmen und ez under in v1״nä1nen. Der Umstand, dass der Eine von des Andern Offenbarung nichts wusste, welches als ein begiaubigendes Zeichen angesehen wurde, erinnert an den Umstand in der Erzählung des Talmud von der Uebersetzung der Septuaginta. Dass ein jeder der Uebersetzer, obwohl von den anderen!aumlich getrennt, dieselbe Eingebung hatte, welches als höheres Omen betrachtet wurde. Vergl. Megila 9: נתן דיקבה בלב כל ״ אחד ואחד צצה והסכימו כולן לדעת אחת*Da gab Gott iu das Herz eines jeden von ihueu eineu Bath ein, uud sie stimmten alle znsammen.“ (Schluss folgt.) Nachlese zu dem Targum der 5 Megilloth. Von Dr Jacob Re iss, Rabbiner 'n Kuttenplan. In dem chaldäisehen Wörterbuche über die Targumim von Babb. Dr. J. Levy werden mehrfach Beweisstellen aus dem Targum zu d. B. Buth gebracht uud auch übersetzt. Folgende zwei Stellen bedürfen jedoch einer Berichtigung. Unter dem Worte נטר, B. II, S iOö, wird die daselbst angeführte Stelle des Targum Buth Cap. 1,13 כאתתא דנטרא ליבם קליל übersetzt: ״wie eine Frau, die eine kurze Zeit auf den Levir wartet?“ Dieselbe Stelle kommt noch einmal vor im Targum Buth Cap. 3,10, ohne dass dies im Wörterbuche bemerkt ist. Nach dem Zusammenhänge wollte die Noomi durch diesen vergleichenden Hinweis anuäherud ihre grosse Verwunderung und Unbegreiflichkeit des langen Zu- Wartens der Buth und Orpa bis zu der von ihnen etwa beabsichtigten in weite Ferne gerückten Gelegenheit ihrer Wiederverehelichung ausdrücken. Nach der Uebersetzung Levy’s klingt jedoch die Ver- Wanderung dei Noomi matt, und das Staunen derselben ist unverständlich. Eine kurze Zeit blos zu warten, wäre doch an sich nichts Befremdendes. Ironisch kann die Stellung auch nicht aufgefasst werden; denn Boas zollt nach der Ansicht des Targum Cap. 3,10 durch denselben Hinweis mit denselben Worten der zuwartendeu Haltung der Buth das grösste Lob und die berechtigste Anerkennung. Daher muss die Uebersetzung richtig lauten: ״gleichpde eine Frau, welche wartet (mit ihrer Wiederverehelichung) auf den kleinen (noch ganz jungen) Levir?“ Das Wort קליל ist nicht Zeitangabe zu הטייא, sondern Eigenschaftswort zu ליבם• Unter dem Worte יטב wird, B. I, S. 333a, die aus dem Targum z. d. B. Buth Cap 3,10 angeführte Stelle אוטבת טיבותד übersetzt,: ״Du hast deine Güte erwiesen.“ Diese Uebersetzuug passt nicht 7.u deu darauffolgenden Worten בתראי מן קדמאי, die von אוטבת טיבותך nioht getrennt werden können. Die ganze Stelle ist eine wörtliche Uebertragung der Textworte היטבת חסדך האחרון מז הראשון und muss demgemäss übersetzt lauten: ״Du hast besser gemacht (o. besser gezeigt) Deiue letzte Güte (o. Liebe) als die erste“. Im Buche Buth Cap. 2,5 u 0 kommt zweimal vor im Texte הנצב צל הקוצרים. Die Version hierzu lautet richtig im Targum zum Vers 6 uud zwar דאתמנא רב צל חצודיא; dagegen ist sie unrichtig im V. 5 דמני רב צל חצודיא. Für דמני muss in v. 5 gleichwie im V. 0 דאתמנא gelesen werden, oder es muss הממני oder דמתמני heissen. (In dem chaldäisehen Lexicon v. Levy sind die beiden Targumstellen gar nicht erwähnt.) — Zu deu TextworteD כלו בדמצוח עיני im Bliche Echah Cap. 2,11 lautet das Targum ספקו בדמצין ציני. In dem chaldäisehen Lexicon von Levy B. II, 181 .א, wird diese Targumstelle angeführt und wie folgt übersetzt: ״meine Augen schütteten sich aus iu Thräneu.“ Dafür, dass ״ ספקsich ausschütten“ bedeutet, fehlt jeder Beweis. Nach meinem Dafürhalten ist בפקו nur corrumpirt, indem wahrscheinlich פסקו gelesen werden soll, was inhaltlich dem Textworte ״ כלןvergehen, abnehineu, schwinden“ entsprechen würde. (Fortsetzung tolgt.) Recensionen. Saitscliik, 1t., Beiträge zur Geschichte der rechtliehen Stellung der Juden namentlich im Gebiet des heutigen Oesterreich-Ungarn vom zehnten bis sechszehnten Jahrhundert. J. Kaufmann, Frankfurt a. M. 1891. 59 Seiten. Die kleine, aber anregende Schrift zeichnet sich durch einen klareu, sachlichen Ton, wie durch die streng historische Methode des Autors aus. Sie bietet einen interessanten Einblick in einen Theil der Bechtsverhäituisse uud Rechtsbegriffe der mittelalterlichen Welt, ln die graueste Vorzeit verlegte ein unkritisches Geschlecht das Alter der ersten Ansiedelung von Juden im Herzen Europa’s. Der Verf. giebt den Ergebnissen der historischen Forschung ihr Recht. Er behandelt die grosse Karolingerzait, dann eingehender die Jahrhunderte des kaiserlich-päpstlichen Weltkampfes. In dieser Epoche existirte das Ghetto nicht, dagegen baut Podiva, ein Bekenner des Judenthums in Oesterreich, eine Burg seines Namens. In Prag gehört den Israeliten ein Stadtthei), die Josephstadt, später Judenstadt genannt. Sogar Ehen zwischen Juden und Christen waren nicht selten, besonders iu Ungar□, wo die Juden gleichsam den fehlenden Bürgerstand ersetzten, und an dem Sklavenhalten derselben nahm die damalige Menschheit keinen Austoss. Aeuderuug brachten erst die Kreuzzüge. Eine blutige Verfolgung in Wien 1182 zeugt von der Willkür iu der Ausleguug des Rechts, der gleichzeitige Schutz des mährischen Herzogs Sobislav II. von dem Pflichtgefühl der Grossen. Innoceuz IV. breitet huldvoll deu geistliehen Schirm auoh über die Blutsverwandten• seines Heilandes aus, uud ein gleiches thut Friedrich der Streitbare von Oesterreich in einem Toleranzedikt von 1244, aas der Verfasser ein Denkmal menschlicher Gesinnung nennt (S. 15). Aber nur wenige Jahr-