Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 12. (19.3.1891)
- Date
- 1891-03-19
- Page
- Seite 46 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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von blutigen Schlägereien, der von fanatischem Glaubenshass gegen einander erfüllten christlichen Seeten, wobei der crasseste Aber- und Wunderglaube eine Hauptrolle spielt. Nur mit grosser Mühe ▼ermögen die türkischen Wächter zwischen den entarteten ßekennern der Religion der allgemeinen Menschenliebe die Ordnung und Ruhe aufrecht zu erhalten. Aut dem Vorplatz der Kirche wird der Fremde von Bettlern und Händlern mit Reliquien u. dt-rgl. belagert und an der Schwelle des Heiligthuuis kauern die türkischen Wächter und vertreiben sich die Zeit mit Kalfeetrinken und Cigarrenrauehen. Etwas würdiger und feierlicher geht es aut der heiligen Stätte der Mahomedauer, der grossen Omar- Moschee zu, nach der ich jetzt, eine Reibe enger, schmutziger Stra-seuznge durchwandernd, vom Drogoman geleitet wurde. Diese auch Felsendom genannte Hauptmoschee steht, wie bereits bemerkt, im Mittelpunkt, des einstigen Tempelplatzes, oder des von den Mahomedauern Haram el Scherif genannten Bezirks, der noch ungefähr denselben Umfang hat, wie zu Jesu Zeiten, d i. etwa 1600 Fuss in tler Länge und 1(100 Fuss in der Breite misst. Der gewaltige Raum ist an seiner westlichen und nürdliehen Seite von saraoeuischen, mit Erkern, Thürmen, Bogengängen versehenen Gebäuden umgeben, welche zu Schulen, Wohnungen für Derwische, Mosoheedieuer und Pilger benutzt werden; au ebeu diesen beiden Seiten befinden sich auch die acht Thoreiugauge; im U-tm läuft eine grosse, gezackte Mauer gegen das Thal Josaphat hin, in deren Mitte das verschlossene Goldene Thor liegt. Die Omar-Moschee erhebt sich auf einer Terrasse, zu der von allen Seiten breite Treppen hiuaufftihren; vor dem Betreten müssen die Schuhe ausgezogen resp. Filzsocken darüber gezogen werden. In 11er Mitte der Mo-chee, von einem zierliehen vergoldeten Gitter eingeschlossen, ragt der Ebn Schibta oder heiligt■ Fels hervor; es ist das ein gewaltiger Felsen block, auf dem der Sage nach Abra• ham seinen Solm Isaak zu opfern sich auschickte und auf dem späterhin die heilige Bundeslade gestanden haben soil; eine Treppe führt in eine Höhle unterhalb des räthselhatieu Steinkolosses, an den sich auch mahomedanischer Seits mtmuiehfache Wundersagen knüpfen. Seitwärts von der Omarmoschee, am südlichen Ende des Tempelplatzes, liegt die zweite, El-Aksa genannte Moschee. Der Zustand der Strassen und das Strasseuleben in Jerusalem gleicht dem der anderen orientalischen Städte, und es macht sich höchstens in so fern ein Unterschied bemerkbar, als in Jerusalem, der heiligen Stadt, das Element der christlichen lind jüdischen Pilger, uer Geistlichen uud geistlichen Ordeu, zugleich aber auch der Bettelnden, Armen und Kranken aller Kehgioiisgesellschatten noch stärker als anderwärts an die Obeifiiiche des Tages tritt. Die engen, abschlissigen,!!!!gepflasterten Strassen Jerusalems erschien■ u mir tust noch schmutziger und verwahrioater zu sein und jedenfalls liegt Handel, Venzehr und Land bau we.t medir darnieder, als iu den von der Natur viel mehr begiius.igten, zudem auch vou einer rührigeren Bevölkerung bewohnten Städten Egyptens. Nirgendtritt derB-utelsounverschäm♦ und widerwärtig aut.ersc he men Elend und Krankheit in so abschreckender, türchu rlioker Form wie hier, letzteres gilt namentlieh vou dem Aussatz, an welchem ekelhaften Uebel Leidende namentlich an einem der besuchtesten Ausgange der Stadt, den! Jafla-Tl ore, schaarenweis dem Fitniden hültefiehenu die Hände entgegeiistreckeu. Aus allen Erdenlaudern uud \ou allen Religionsgesellschalteu werden alljährlich jliiliouen nach Jerusalem geschickt, um derNoth abzuhelten, um Schulen I und Hospitäler, Waisen-und Wohithätigkeitsanstalten jeglicher Art zu gründen und zu erhalten. Aber wie I es scheint, sind diese Summen rein weggeworfen, ׳ erfüllen jedenfalls nicht entfernt den Zweck, den die t wohlthätigen Spender im Auge haben. ׳ (Schluss folgt.) Ueber den Gregorius Hartman’s von Aue. Von Dr. S. G e 1 b h a n s , Rabbiner und Prediger 2 1 Prag. (Fortsetzung.) 42. 2283—2281. J)ö er gewemde genuoc unde sich zen hrunteu ge-luoc. Das ist em biblischer Ausdruck. Vgl. Nahum 2.8: ״Und ihre Jungfrauen werden seufzen wie die Tauben uud an ihre Brust schlagen ״ 43. -237—2־7!'.׳:"). Ir tmifeln was var leide diu rosenvarvo entwichen, diu schoene gar verblichen, stis vant er si tot var Diese Schreckeusbeschreibuug klingt an die Schilderung der Bestürzung des Königs Balsazar iu Daniel 5,6: ״Da entfärbte sich das Gesicht des Königs und seine Gedanken erschreckten ihn, seine Lenden bebten und seine Beitie zitterten.“ 44. 2391—2393. Verttuochot was diu stunde von unseres lierren munde da ich inne wart geboren. Diese Verse sind eine wörtliche Uebersetzung des 15. Verses im 20. Capitel Jeremias: ״Verflucht sei der Tag an dem ich geboren wurde, der Tag soll , ungesegnet sein, an welchem rneiue Mutter mich zur I Welt gebracht.“ Vergl. auch Hiob 3,3: ״Der Tag ן soll verloren sein, an dem ich geboren wurde.“ 46. ‘2455 — 241:2. Oucli entrurt« Davit nihtes mere zeder zit dö im kämen maere daz erslagen maere Saul und Jonatha» und Absalon, der da was sin su, der schoenste man den wip ie ze su gewan DieseVerse beziehen sich auf 2. Samuel 1.17, 18u.33: ״Uud David klagte diese Klage über Saul uud seinen Sohn Jonathan: Da ward der König traurig und ging hin auf den Saal im Thor und im Gehen sprach er : 1 Mein Sohn Absalom, mein Sohn, mein Sohn, Absalom mein Sohn. 0, könnte ich für dich sterben. O Absalom, mein Sohn.“ 4«. 2409-2472. Sich inohte vil nach der tot. gemazet haben ze diere not: den haelen s’, waere er iu körnen, ze voller Wirtschaft genomen. Eine in der Bibel mehrmals vorkommende Redeweise. Vergl. Genesis 26,46: ״leb veraohte mein Leben wegen der Töchter Oheths.“ Vergl. Hiob 1,15: I ״Mei116 Seele würde vorziehen erhängt zu werden und meine Gebeine den Tod.“ 47. 2523—2530 Jä hau ich einen trust gelesen, daz er die wären riwe liat ze buoze über alle missetät. Einen ähnlichen Gedanken enthält der t&lmudische Ausspruch: .״ גדולה תשיבה שמקרעת :ור דיןGross ist die Reue, denn sie kann selbst ein gefälltes Urtheil rückgängig machen.“ (Rosch haschaua 17.) 48. 2558—2650־. Don gelt von iwerem laude den teilet mir den armen 1 so müezet ir got erbarmen. Vergl. Jesajas 58,7.8: ״Brich dem Hungrigen dein Brod. Alsdann wird •lein Licht hervorbreohen.“ 49. 2000. Oü siner sünden swaere. Vergl. oben Vers. 5(1. 2051—2957־ Es seic üzem steine wazzers Inrto kleine Uarunder gruob er ein hol j daz wart mit einem tiunke vol , ez was kleine als ich iu sage daz ez zwischen naht und tage 1 vil kume volle/, gerau