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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-03-19 · N° 12. (19.3.1891) · p. Seite 48

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 12. (19.3.1891)
Date
1891-03-19
Page
Seite 48 (sequence 4)
Language
German
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zahnte später wetteifern weltliche and geistliche Jastiz in Einschränkung, Vereinzelung, und Bedrückung, den Erzeugnissen des für beide Theile unseligen Basses. Nur Ungarn sticht wohlthuend ab. Dort verleiht Bela IV. 1251 den Israeliten hochherzig einen denk* würdigen Freibrief. Wie anders Österreich. Noch 1338 eifert hier der in klassischer Bildung nicht unbewanderte Johann von Viclring gegen sie mit beredter Zunge. Unheilvolle Beschuldigungen tauchen empor aus dem Wirn-al des irregeführt,eu Volkes, , Hostienschändung, Kindermord und Wucher. Leidenj schaft stürmt vor die Schranken des Gerichts, Leidenj schaft setzt sich auf den geweihten Stuhl der Themis. י Dem modernen Gemüth erscheinen jene Frevel unheimlich, der Wucheruntug seltsam. Jaussen und Stobbe entschuldigen Fälle der letzteren Art durch , das Zinsverbot für die Christen und den Zinszwang j für die Juden, Gustav Freytag fasst die Verfolgungen als ein Product der Handelsconcurrenz aut, was heutj zutage soziale Revolution genannt würde.*) Kurz sei auf!Saitschik’s weitere Darstellung hingewiesen. Dem schrecklichem Jahre 1349 folgt die ״böhmische Bartholomäusnacht “anno 1389, die wieder- 1 holten unsinnigen Vertreibungen der Juden im 15. j Jahrhundert. Doch finden sich auch Lichtpunkte.! So motivirt Wladislaus II. von Böhmen seine Erj laubuiss des doppelten Zinses der Juden damit, dass ' diese nur so ihre hohen Abgaben bezahlen, den Schutz ' der Behörden erkaufen und mit Weib und Kindern ן auskömmlich leben können. (S. 52.) Zur Hussiten- , und Türkenzeit entgehen die Julen nioht dem befremdenden Vorwurf des geheimen Einverständnisses mit den Feinden. Die schliesslichen Folgen waren denn auch mehr oder weniger erzwuugene Auswanderungen aus Böhineu, Mähren, Oesterreich, Tirol, zuletzt im Jahre 1000 die lauge verzögerte Vertreibung aus ganz Oesterreich, mit der Saitsuhik seine empfehlens-; wert he Schrift schliesst. W. Schwarz, Dr., Adolph, Rabbiner in Karlsruhe. Tosifta juxta mischnarum ordinem reoomposita et commentario instructa eto. (Fortsetzung.) 1 Es ist mir fern, die Anschauung des geehrten und gelehrten Hru. Vert.’s über die Entstehung der Tosifta etwa als falsch bezeichnen zu wollen, ich bekenne offen, dass diese Frage von Keinem bisher so *) Mit dem Citat aus Frey tags Bildern der Deutschen Vergangenheit kann Dr. ü. Forster’s Parallele des damaligen Sturms gegen die Juden und des heutigen gegen den Kapitalismus verglichen werden.(״Zeitgenosse ‘.Monatsschritt Januarheft 1891.) recht überzeugend gelöst ist und ich eine Eut• Scheidung zu fällen nioht wage. Aber selbst, wenn des Verf.’s Anschauung begründet wäre, so hätte man doch von ihm erwartet, dass er ebenso rücksichtsvoll, wie er in der Behandlung der Lesarten war, auch in der Behandlung der Textordnun g gewesen wäre. Er hat zwar in den Anmerkungen seine Textum- Stellungen besprochen und zu rechtfertigen gesucht, aber nicht immer ist es ihm gelungen, sie so recht schlagend zu beweisen. Wenn Jemand die Ordnung genauer betrachtet, in welcher der halachische Stoff unserer Mischna sich findet, so wird er ohne Weiteres zugestehen müssen, dass bei allem Bestreben nach einer Ordnung, die sich an Grundbegriffe oder Grundgesetze anschliesst, dennoch so vieles an einem ganz verkehrten Platze zu steheu scheint. Bald sind es Stellen der Schrift, bald sind es die Namen von Autoren, bald sind es Sagen, in denen eia gemeinsamer Massstab, ein Stichwort übereinstimmt, bald sind es allerlei äussere, bald innere Gründe, welche die Ordnung beeinfiussen. Es ist bekannt, dass diese für wissenschaftlicbe, begriffliche, logische Ordnung ungeeignete Zusammenstellung darin ihren Ursprung hatte, dass der Lehrstoff ge dächtnissmässig überliefert wurde und daher mehr in Rücksicht auf das Gedächtuiss der Schüler geordnet wurde, als in Rücksicht auf eine begriffliche Stoffgliederuug. Es ist bekanut, dass auf die Ordnung auch das religiöse Leben Einfiuss hatte und ande res mehr. Kann nun Jemand, wenn er eine anscheiuen de Unordnung in der Tosifta wahrnimmt, ohne We iteres behaupten, dass nioht ähnliche Ursaohen ähnliche Wirkungen haben konnten? Wie aber, wenn mau den Versuch wagte, die überlieferte Ordnung der Tosifta genauer zu erforschen, zu ▼erstehen und vielleicht zu rechtfertigen! tout coihprendre, c’est tout pardonner. Wir wollen den Versuch an einzelnen Stellen machen und bekennen gern, dass es eben nur ein Versuch ist. Aber selbst, wenn der Verf. uns nioht beistimmen könnte, so zweifeln wir gar nicht, dass er bei seinem hellen Verstände, seinem guten Gedächtnisse, seinem Scharfsinn den Versuch glücklicher ausführen wird. Es würde uns deshalb freuen, wenn der Herr Verf. solchen Versuch thatsäohl ich anstellen, bez. nochmals anstellen wollte. Zweifellos würde er dabei auf Verschiedenheiten in der Mischnah-Ordnung und Tosifta-Ordnung kommen, welohe sein Urtheil über das Verhältniss der Tosifta zur Mischna ganz gewiss beeinflussen würden. Hier unser Versuch. (Seid folgt.) H*chioter«mnt« Novität. "W Der ewige Jude. Von Alwin Dolfo. [4787 Ein fesselndes, geistvolles Werkeheu, voll heissender und treffender Bemerkungen, das die brennende Judentrage iuu Volkstliiimliohen Tone behandelt, und nicht verleiden wird in den wei testen Leserkreisen Eindruck zu machen. Wir heben von den einzelnou Kapiteln hervor: Die Wahrheit von der Juden Keiohthum; der Jude als Prügelknabe: die Juden als Deutsche: Die Parteistellung der Jaden. Preis: 30 Ptg., hei Partien beträchtliche Gnuässigung. Zu beziehen durch jede Buchhand¬ Literarischer Anzeiger. lung, sowie gegen Franko - Einsenüung des Betrages durch (ielir. Maas & <omp. in Trier. קול רנה ותפלה Kol R111 ווa 11 uTl'illali. Gin- und zweistimmige Gesänge tür den israelitischen Dottesdienst con1|>onirt von L. l.ewau• dowski — ist aus dem -Nachlass eines Cantors, von dessenWittwe zu verkaufen. — Offerten (mit Preisangabe) unter ff. 1). 105 an die Exp d. Bl. erbeten. [4788 l'rauiiiigsloriuular« n. scher Uebers.) ä 30 Pt. (4 8t. tür 1 M.) zu haben bei der Exp. <L Bl. Wir können nicht umhin, die Leser unseres Blattes in ihrem eigenen Interesse aut ein Produkt aufmerksam zu machen, dass in jüdischen Wirtschaften sicherlich treudig begrüsst werden wird, weil es Ihnen einen Ersatz für Butter und Fett bietet, bedeutend billiger als Beides ist und sowohl bei Bereitung milchiger als auch fleischiger Spoisen gebraucht werden kann. Wir meinen die in der Fabrik der Herren Müller & Söhne in Mannheim aus dem Fleisch der Cocosnuss hergestellte sogen. Cocosnussbutter, die ein reines Naturprodukt ist und schon jetzt seiner Billigkeit und leichten Verdaulichkeit wegen besonders in vielen Anstalten, Hospitälern u. s. w. gebraucht wird, es stellt an Güte und Schmackhaftigkeit, wie wir uns selbst überzeugt haben, dem Schmalz und der Butter nicht nach, in hygienischer Beziehung ist es ihnen sogar vorzuzieheu. — Um auch alle religiösen Bedenken auszaschliessen wird das Fabrikat unter besonderer rabbinischer Aufsicht bereitet und mit entsprechender Koscher - Plombe versehen. (Der Preis ist 05 PtKpro Pfund. Die Versendung geschieht in Blechdosen von 9, 5 und 2 Pfund.) Verantwortlicher Redacteur Dr. Hahiuer, -Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, .Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig,

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