Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-03-05 · N° 10. (5.3.1891) · p. Seite 39

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 10. (5.3.1891)
Date
1891-03-05
Page
Seite 39 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/6492408-5990872-5991328--2196-5368824
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

T 1656 war er am Mittwoch den 19. Adar und im Jahre 1657 am Donnerstag, Neumond Nissan. (Schluss folgt.) Litteraturbericht, Recensionen. Behrendy Benzion. Der achtundsechzigste Psalm nach Abfassungszeit und geschichtlichem Inhalt. (Erste Abtheilung. Abfassungszeit.25 .1890 ן S. 8'. (Separatabzug aus dem ״Magazin für die Wissenschaft des Judeuthums.“) (Schluss.) Hin und wieder erscheint uns ein Lichtblick, als wollte Verf. ״Vermuthungen“ und was ״nicht der Quelle entsprechend zu sein scheint“ zurückweisen. Das gilt indess nur von Ansichten Anderer; er selber versenkt sich in unheimliche Tiefen, wohin wir ihm nicht zu folgen vermögen. So verwirft er (S. 10) mit Hecht Ewalds Darstellung als nicht quellenmässig. Dafür erzählt er, wie Menachem als Feldherr bereits von Jerobeam II. mit Anempfehlung möglichster Schonung aut einen Eroberungszug ausgesandt worden wäre und wie treu er diesem Könige und später seinem Sohne gedient habe. Als letzterer das Opfer einer Verschwörung geworden war, habe Menachem die Belagerung abgebrochen, den Thronräuber mit dem Tode ge. traft und sich des erledigten Thrones erbarmt, weil das Heer ihm ergeben und kein Sprössling des Königshauses weiter am Leben gewesen wäre. (Die Belagerung muss also auch das mehrjährige Interregnum hindurch gedauert haben, wenn man nicht zur Aenderung einer Jahreszahl und zu der noch unwahrscheinlichem Annahme verschiedener Zeitrechnungen seine Zuflucht nehmen will. Vgl. Graetz, Geschichte I 474 u. 478.) D a 8 heisst aus den Quellen schöpfen! Der Verf. versteht es meisterlich zwischen den Zeilen zu lesen. Wer nicht in den Text hineinliest, sieht in dem Berichte (II Kön. XIV 15) nichts weiter, als was dort eben steht: Menachem kam — jedenfalls ohne Gefolge und ohne Aufsehen, wenn er auch Mitverschworene gehakt haben mochte — in die Residenz, tötete den Schallum, wie dieser es mit seinem Vorgänger gethan hatte (V. 10), und machte sich zum Könige. — Der Verf., der Lücken so gut au>- zufüllen versteht, kann (S. 11) die vermeintliche Lücke bei ויעל .• . ויבא שמרק nicht verwinden. Warum dachte er hier nicht au den Aufstieg zur gebirgigen Hauptstadt aus dem vorliegenden Tüale? Dabei konnte immerhin der Ausgangspunkt recht wohl gleichfalls gebirgig sein. (Vgl. II. Kön. 1, 9. 3 י.) Die Konjektur in V. 16 כי לא מתרצה פתח (S. 22) kann schwerlich ernst genommen werden; der Ausdruck wäre zu wenig hebräisch. Vielleicht wäre eher das Wort איש תרצה =) מתרצה! wie מבית לחם, מצרעה» Richter XIII 2. XVII 7.) nach מגרם zu setzen, also : ...אז יכה מנחם מתרצה את Ohne von den weitern Ausführungen erwärmt zu sein, eile ich zum Schlüsse. Das Referat hat die Grenzen eines solchen laugst überschritten. Vers 31 übersetzt Verf. (S. 21) folgendermassen: ״Bedrohe das Thier des Röhrichts, die Rotte der Mächtigen, die im Kälberdienst verharren len Stämme (1 בעגלי עמים =» בלמי העגלים), sich herab würdigend durch Gelderpreesuugen vou verringerten (בזר בזער) Stämmen —dass sie Annäherungen austreben.“ — In dem Ausdruck ררב erblickt er nur den ,Ueberfäll und die Bewältigung des Einzelnen durch Viele. Dtm scheint entgegenzustehen II. Sam. XVII, 11 ופניך הלכים בררב• Vgl. ferner 4׳ kV 22. LXXVIII 9. Sach. XIV 3. Pred. 18., ebenso ehald. Dan. VII 21• Diese Stellen zeigen auch, dass die yerbinduug mit מלחמה überflüssig ist. — Wenn Schmiedel (אוצר הספרות I A. 67 f., 11 D 104 ff.) recht hat, dass auch der Hebräer nach dem Vorgänge des Arabischen das Perfektum als Optativ verwendet, was ich nicht unbedingt zugeben möchte, so könnte wohl כ1ר, wie das vorhergehende גער , als Imperativ aufgefasst werden Es ist arg, aus Voraussetzungen uud Schlüssen einen Bau aufführen zu wollen. Solch ein unhaltbares Gebäude, dessen Untergrund lediglich aus Vermuthungen zusammengesetzt ist, kanu für gewöhnliehe Menscheukinder nimmermehr wohnlich eingerichtet werden. Lieber keipe als eine gemaohte Geschichte, die auf Schritt und Tritt angefoohten werden kann. Wir müssen ja nicht alles wissen, bescheiden wir uns mit dem guten Willen. ״Bis zur absohliessenden Gewissheit“ vermag es auch die Forschung des Herrn Verfassers trotz seiner Z1׳ versicht doch nicht zu bringen. Riga, im Februar 1891. Dr. A. Ehrlich. Schwarz, Dr, Adolph, Rabbiner in Karlsruhe. Tosifta juxta misohnarum ordinem recomposita et commentario instruota. Pars I ordo Seraim. Vilnae Typis et sumptibus viduae fratrumque Rcmm. 1890. (התוספתא לפי סדר המשניות מעורכת ומסודרת עם פירוש הנק אריה מאתי אריה שוואp אבד רקיק קארלפרוהע יע״א. הלה י ראשון סדר זרעים.) Dr. Schwarz, der vorteffliche Redner, weloher in den Geist der alten Tanaiten eindringend, schöpferisch den Schrifttext und die Agadah behandelt, über den GeioV 18זןן rahhinimdiin Litteratur ■ein ' neues Licht ausstrahlen lässt, hat sich'1 in fue's'eifl seinem neuesten Werke als ein hervorragender und fleissiger Talmudforscher bekundet. Die Tosifta hat er gewissermassen neu geschaffen, die so lang vergessene dem Studium wieder erschlossen. Die Ausgabe, welche Dr. Zuckermandel veranstaltete, hatte den grossen Werth, in besserem, leserlichem Druck, von vielen Fehlern befreit und mit der Angäbe abweichender Lesarten versehen, der Vergessenheit entrissen zu sein — gewissermassen wie ein werthvoller Leuchter, der voller Staub uud zerbrochen in einer Antikeukammer gelegen hatte und nun gereinigt und zusammengestellt dem Zuschau9r gezeigt wird. Aber es war bald klar geworden, dass eine eingehenle Prüfung der Lesarten, eine vollständige Wiederher Stellung der voraussetzlich richtigen, eine Ordnung des Stoffes noch fehlte. Ganz und gar mangelte es aber au einem Mitte’, die Tosifta eingehend zu erfassen und zu würdigen. An diese schwere Riesenarbeit hat sich Schwarz gewagt. Er hat sich thatsächlich seine Aroeit uient leicht gemacht. Allen Lesarten, welche die Haudschriften und Drucke bringen, weiche in den Talmudeu und andern halachischan Midraschwerken oder in älteren Agada- Sammlungen sich finden, ist er nachgegaugen. Er hat sie genau geprüft, erwogen uud ihren grösseren oder geringem Werth erforscht. Sein kritisches Ergebniss hat ihn aber nicht zu der Kühnheit geführt, neue Lesarten zu schaffen und sie in den Text zu stellen. Mit bescheidener Scheu hat er diese Unsitte kritischer Textausgaben weit von sich abgewiesen; er hat sich darauf beschränkt, in seinen Aumerkungen in solchen Fällen auf den bessern Wort-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.