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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-03-05 · N° 10. (5.3.1891) · p. Seite 38

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 10. (5.3.1891)
Date
1891-03-05
Page
Seite 38 (sequence 2)
Language
German
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<1 — 38 — Von diesem apokalyptischen Räthsel wird uus der Uebergang za den Räthseln and räthselhaften Redensarten in der rabbinischen Litteratur, besonders im Talmud und dem Midraschim, denn auch sehr leicht. Die Rabbinen der ersten 6 oder 7 Jahrhunderte d. g. Z. liebten es, aus gewissen Gründen ihre Gedanken in eine Verkleidung zu hüllen, die ein Uneingeweihter oft gar nicht oder doch nur mit grosser Mühe durchschauen konnte. Beispiele solcher räthselhaften Ausdrücke und Reden sind sehr zahlreich. Einige Proben aus verschiedenen Theileu des Talmud zusammengelesen, werden genügen, dieses zu beweisen Wenn ein Rabbi spricht: ,,Ich möchte deine Fiisse mit einer eisernen Säge abgesägt haben,“ so meinte er damit: ״Ich möchte dich in den Bann gethan haben.‘״ — ׳Seine Ohren waren abgehaueu“ heisst: ״Sein Geist war beunruhigt.“ Der SohU eines berühmten Rabbi, welchen sein Vater zu 2 andern hervorragenden Rabbinen schickte, deren Segen zu erbitten, war aufs Höchste erstaunt, als er Worte von denselben hörte, die ihm eiuen furchtbaren Fluch zu enthalten schienen: ״Mögest Du säen und nicht ernten, zu dir aufnehmen und nie hinauschicken, aus dem Hause schicken und nicht mehr in dein Haus zurückbringen, es gehe dein Haus zu Grunde und es stehe fest deine Herberge; es sei dein Tisch in Verwirrung und mögest Du nie ein neues Jahr sehen!“ Der Vater des erschreckten Sohnes zeigte diesem jedoch, dass diese ihn in Bestürzung versetzenden Worte in Wirklichkeit nur Wünsche für sein dies- und jenseitiges Heil enthielten. ״Thor!“ antwortete der Vater, ״es sind dies lauter Segnungen: Säe Kinder und ernte sie nicht zum Grabe. Nimm die Frauen deiner Söhne bei dir auf und mögest du sie nie durch den Tod dieser in das väterliohe Haus zurückschicken müssen. Verheirathe deine Töchter und mögest du sie nie als Wittwen wieder nach deinem Hause zurüoknehmeu müssen. Es gehe dein Haus zu Grunde, nämlich dein Grab, welohes die ewige Wohnung des Sterblichen ist, und es stehe fest deine Herberge, das ist deine irdische Wohnung, die nichts als eine Herberge ist. Es sei dein Tisch in Verwirrung durch zahlreiche Kinder, und mögest Du nie durch den Tod deiner Gattin mit einer neuen Gattin ein neues Jahr sehen müssen. Moed katan 9b) Sogar auf dem Sterbebette spraohen die Alten oft nooh in Räthsel n. Ein Mann vermachte sein Vermögen an seine drei Söhne in folgender räthselhaften Weise: Seinem Erstgeborenen verschrieb er ein Fass Erde, dem zweiten Sohne ein Fass Knochen und dem jüngsten ein Fass Wolle. Unter diesen Gegenständen verstand er absr seine Ländereien, sein Vieh und seine Kleider. — Ein Gerichtshof gerieth einst in die äusserste Verwirrung durch eine Klägerin, welche vorgab, eine Dienerin gehabt zu haben, deren Haupt vom Rumpfe getrennt, deren Haut vom Leibe gezogen uud deren Fleisch gegessen worden war. Die Haut, hätte mau mit Wasser zum Trinken gefüllt und sie hätte keine Entschä iigung erhalten. Sie wollte hiermit sagen: ״Mau habe ihr einen Wasserschlauch aus Ziegenfell gestohlen.“ — Als Rabbi Aba hu einst ein starkes Feusr und 2 Hähne für seine Tafel zubereitet wünschte, sagte er: ״ Mache die Kohlen orangengelb, breite die aus, welche wie Gold aassehen und bereite mir zwei Harolde der Dunkelheit zu!“ — Wenun Rabbi Jehudah wünschte, dass die Gäste noch bei ihm verweilen sollten, so riet der Diener: ״Lass den Krug schwimmen auf der Pfütze, wie das Schiff segelt auf dem Meere.“ Sobald aber die Vorräthe aufgezehrt waren, rief der Diener: ״Der Krug erschöpft die Pfütze, eilt Adler in eure 'Nester!“ Diese drei letzten Beispiele zeigen uns eine Ausr drnoksform, welche man besonders ״Sprache de- Weisheit“ nannte. Auch folgende kurze Schilderung berühmter Rabbiner zeigt eine enge Verwandschaft zu dem Räthsel: Rabbi Tarphon ist ein Nusshäufen; Rabbi 18 m a e 1 ist ein wohlassortirter Laden; Rabbi Eleasar benAsarjah ist eine Gewürzbüchse. “*) Zur Chronologie. Von L. Cohen in Rees a. Rhein. In Prof. Dr. D. Kaufmann’« ״Die letzte Vertreibung der Juden aus Wien etc.“ (Wien 1889) ist zu berichtigen: S. 16, Z 17: Ende Oktaler 1626 erschien der Würgengel eto. — Hier ist ohne Zweifel das Jahr 162ä gemeint, da nach Z 23 am 22 November שבת חיי שרה der Rabbiner die Dankpredigt hielt Der 22. November (ב־־ב חש1ן שפ״ו mit dem K. Z. הכ״ו) war am 1625 שכת חיי שרה, dagegen der 22. November 1626 (נ, כסרו שפ״ו am Sonntag. S. 19, Note 3: Jacob Koppel starb Sonnabend, 21. Tarumus 1691. — Der 21. Tammus 1691 war am Mittwoch, dagegen der 21. Tammus 1692 am Sonnabend. Wahrscheinlich ist das letztere Jahr das richtige. S. 20, Note 3 Ende: Montag 15. Tebeth 1663. — Im Jahre 1663 gab es keinen 15. Tebeth; im Jahre 1662 aber fiel der 15. Tebeth הבע (K. Z. K TTI) 25. Deoember auf Montag. S. 22, Z. 6: Sonnabend, den 25. August 1639 etc. —Im Jahre 1630 war der 25. August (י״ז אלול ש ץ) am Sonntag; im Jahre 1629 (ל אלול שם־ט) am Sounabend. S. 33, Z. 9: Engelberger wurde angeblich am Sabbath, den 26. August 1641 der Prozess gemaoht. — Der 26 August 1642 Q*n א דר־־ח אלול) war &IU Dienstag. S. 39, Z. 24: Dort hatte Freitag Mittag am 23 Juni 1643 etc. — Der 23. Juni 1643 O'Tl וי תמח) war am Dienstag. 'יי״־ ״' ־■ S. 67, Z. 13: Fögele, Gattin des Zacharias Levi starb am 15. März 1656 und n&oh Frankl’s In- Schriften No. 217 (8. Note 3) Y'TI ל כ׳יא אדר DT. — Der 21. Adar 5416 war aber am Freitag und im Jahre 5417 am Dienstag, weshalb ich das Jahr 5417 für das richtige halte. (Vgl. meine Bemerkung in diesem Litteratur-Blatt 1888 S. 97.) Durch Substituiruug eines '1 für ל ein Datum richtig stellen zu wollen, scheint sehr gewagt, weniger der umgekehrt» Fall, da bei abgeschlagenen Druckertypen oder nicht scharf ausgeprägtem Druck wohl ein ל durch Abspringen des Fässchens die Gestalt eines aber nicht ein schadhaftes ל die Gestalt eines ל erhalten kann. Eine Verwechselung des ל mit ל ist eher möglich. Was aber auch richtig sein mag, die Correktur der Jahreszahl תי״ז st. V'TI (י״ו ist übrigens eine ungebräuchliche Schreibart; man gebraucht dafür V׳‘J1 oder des Wochentages ל st. ג, der 15. März stimmt weder 1656 noch 1637 zum 2i. Adar, denn im Jahre *j Die rabbinischen Juden kannten auch noch ein« | Ohiffer-Formel נוטריקון! nach welcher jeder Buchstabe eines I Wortes als Antangsbuchstabe eines mit demselben beginnendes I Wortes galt. 80 bedeuten z. B. die Buchstaben des Wor^'i ״ :נפתליMein (Jebetwurde hiervon Bott angenommen.“ (Dieses unbekannte Notarikon soll wohl lauten: •גדנה פה תפלתי לפני ה־■ Eine andere sohl־ gebräuchliche Chiiierformel bestand i1 der Verwendung eines geschichtlichen Namens des alten Orient! in einer neueren Bedeutung. 80 gebrauchte man z. B. Ja* Wort Edom liir Hora.

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