Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 10. (5.3.1891)
- Date
- 1891-03-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M10. Jahrg. XX. Jüdisches Litteratur-Blatt. Zar BHutktiif aller I14uth» ■ad Jadca katraffaadaa llttararlachaa Ir• ■tkiliula aaf ta 6aklate dar Pille- «•*hl«, tmkltkt•, rtkaorraphi«, Theolaita, Orlaatalla, ■zacaa«, Hoaillatlk, Litarfik 1. Pidaeorlk. Herausgegeben TOQ Rabbiner I)r. Moritz Rahmer. 9Tta<j3ef»ut^, 5. ffflLäzz 189t. Btf herder •i*Mhlii;tgeaMUer«t«r,w«lefc• der tUdsfttO■ iiieuidt werde•« fladee In dteaeni Blatt• elHgeheide BeepreeB■•«• Bel Klaieedieg rea sw ei Bwml®»»• ICxemplaren erfolgt elamallge karse «rat!•*!■■ertloa. Dm *JldlRcke Lltteretlr-Blatt•« erscheint wöchentlich in einem halben Bageu Preis bei alleu Buohhaadlungen(in Lsipsig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark» Abonnenten der ,Israelitischen Wocheusoliritt‘־, die vierteljährlich bei tlL» Postanstalten and Bachhanalnngen S Hark zahlen, erbalten das ״Jüdische Litte1atur-Blatta gratis. — Inserate werden mit U Pf. ittr die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Hark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden BnohhtAndler u. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalteu '25 Rabatt. I n 11 n. 11: Wissenschaftliche Aufsätze: Das Räthsel als orientalische Lehrmethode. (Schloss.) Von W. Tay 1 o r-Smith. — Zur Ohronologie. Von L. Cohen in Rees a. Rhein. Litteraturbericht. Reoensionen: Behrend, Benzion, Der achtundseckzigste Psalm (Schluss.) — Schwarz, Dr., Adolt, Rabbiner in ״Karlsruhe. Tosiitajoxta misehnaruiu ordinem recomposita et conimentorio instrncta. Pars I. — Antikritik von Rabb. M. A. Goldstein in Fiume. Litteri8che!Notizen: Berlin. London. |Litterarische Anzeigen. Unbefugter Nachdruck au« distsm Blatte ist nicht gestattet. Das Räthsel als orientalische Lehrmethode. Von W. Taylor-Smith. (Schluss.) Dies sind jedoch nicht die Räthsel alle, welche Itich im ״Alten Testament“ vorfinden, da derer auch wiederholt Vorkommen, ohne als solche benannt zu werden. In dem Verzeichniss der weisen Sprüche, welche einem sonst unbekannten israelitischen Weisen INamens Agur zugeschrieben worden und welohe ]sich im 30. Kap. der ״Sprüche Salomo’s“ finden, be- Igegnen wir verschiedenen geheimnissvollen Aus•!sprächen, welche Herder, Wünsche und andere!Gelehrte als Räthsel oder doch wenigstens als!diesen nabe stehende Sprüohe betrachten. Es sind ]1. die vier Dinge, welohe nie sageu: ״Genug!“ |(V. 15,16); 2. die vier Dinge, welohe der Seher nicht!kennt (V. 18, 19); 3. die vier Dinge, welohe die Erde!nicht tragen kann (V. 21, 22); 4. die vier Dinge, ■welche nur kleiD, aber äusserst klug sind. (V. 24—28). Ebenso finden wir im Buche Jeremiah anscheinend an zwei, wenn nicht an drei Stellen, Beispiele einer Ibesondern Räthselart, nämlich das Kryptogramm oder die Chifler. Es ist dieses eine räthselhafce chritt, welohe nur dem Eingeweihten den wahren ISmu des Geschriebenen erschliesst. Wir lesen uäm• Iw'h (Kapitel 25, Vers 26) von dem ״Königs vou pcheschach“ und (Kap. 51, V. 41) von der ״Eroberung Schescbachs.“ Dieses Wort *ששן wird von uanohen Commeutatoreu für Babylon בבל ge- [halten und ist durch Buchstabenvertauschuug nach per vou den spätem Juden oft angewandten*) א״ת ב״ש- Formel entstanden. __ I *) Um diese Formal zu bilden, werden die Buchstaben : Pes hebr. Alphabels in entgegengesetzter Reihenfolge unterein- ■ Pndergestellt, so dass der erste Buchstaben über dem letzten, der "! «weite über dem vorletzten u. s. w. zu stellen kommt. In dem au | kctübrten Beispiele steht ב über ש und ל unter 3, so dass | p*r die einzelnen Buchstaben des Wortes ששך die des Wortes בבץ erscheinen. (Diese Formel kennt schon Hieronymus in | feinem Comment. z. Jereni. 1. Red.) Die dritte Stelle in diesem Buche finden wir Kap. 51, V 1. Sie lautet nach der revidirten Ueber- Setzung: ״Ueber Babylon und über die Bewohner von לב־קמי.“ Eur diese Worte erhalten wir durch die ב״ען n״R־Eormel das Wort כשד״ם Chaldäer. Von der Richtigkeit dieser Dnituug waren die griechischen Uebersetzer auch so überzeugt, dass sie in ihrem Texte wirklich das Wort Chaldäer substituirteu. Eine andere Stelle im ״ Alten Testament“, welche gewöhnlich für eine Allegorie gehalten wird, aber augenscheinlich eine unverkennbare Aehuüchkait mit einem Rätusel bat, ist die merkwürdige Schilderung des Greisenalters im letzten Kapitel des Predigerbuohes. In den Ap o kry p he u, welche das alte mit dem neuen Testamente verbinden, finden wir ein inte• ressantes Zeugniss für die hohe Stellung, welche das Räthsel in jüdischen Kreisen behauptete, iu einigen Stellen des ״Buches Jesus Sirach.“ Hier wird vom Könige Salomo gesagt, dass ״sein Geist die Erde bedeckte und sie mit Sprüchen voll tiefer Weisheit erfüllte“ (wörtlich: mit Räthselu. Siraoh 4(,15). Von einem Sohriftgelehrten heisst es daselbst (39,3): ״Er forscht nach den in den Sprichwörtern verborgenen Lehren und verweilet lange bei rathselhatbau Gleichnissen.“ Auch im ״Neuen Testament“ finden wir eine schwache Anspielung aut das Rathsei. In der bekannten Schilderung der Liebe (Corinther I, 13,12) sagt Paulus: ״Denn wir sehen jetzt dunkel, d. h. in einem Räthsel.“ Die Erziehung des Apostels bat ihn offenbar mit dem Räthsel bekannt gemacht und er setzt daher die Bekanntschaft mit demselben auch bei denen voraus, an welche er seine Briete richtet. Ein anderer Apostel hat ebenfalls mit grossem Erfolge eine Art Räthsel benutzt, wenn wir nach der Menge der verschiedenartigen Lösungen, welche mau vorschlug, urtheileu dürfen. Der Apostel Johaaues sagt nämlich über die Zahl des Thieres (Otfeub. 13,18): ״Hier ist Weisheit! Wer Verstand hat., der berechne die Zahl des Thieres, denn es ist die Zahl eines Menschen, und seine Zeit ist: sechshundert sechs und sechzig.“ Ohne Zweifel ist hier aut eiueu Namen augespielt, dessen Buchstabenwerth der augegebenen Zahl gleichkommt * ) **) Die rabbinischeu Juden liebten cs sein׳, mit Buchstabeu zu spielen und zwar in deren doppelten Bedeutung als Buchstaben und als Zahlen. Aus dieser einzigen Stelle scheint auch hervorzugehen, dass oiuo Form dieser Zahleu- Spielereien, welche man JTR’TOOj nannte, zur Zeit des Beginues der christlichen Aera vorzüglich im Schwünge war.