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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-02-26 · N° 9. (26.2.1891) · p. Seite 35

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 9. (26.2.1891)
Date
1891-02-26
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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— 35 — Die Juden md das Finanzwesen in früheren Jahrhunderten Zu deü meist verbreiteten Irrthümern unserer ieit gehört auch der, dass die Juden des Mittelalters die hervorragendste ]»olle im Finanzwesen ge- Ispielt haben; diese Meinung ist nur in sehr einge- Fschränktem Sinne zutreffend. In England scheinen [sie vor der Austreibung mit grossen Geldsummen [gearbeitet zu haben, was sie allgemein durch ihre [untergeordnete Tkeilnahme an den Geldgeschäften [als wichtige Factoren auf dem Gebiete des Geld־ 1 Verkehrs erscheinen liess. Jm grossen Ganzen waren [sie aber nur Vermittler und Mäkler und durch die [wirkliche »Stellung, welche sie an ihren verschiedenen I Aufenthaltsorten einnahmen, besonders aber in Folge [der Unsicherheit ihres Besitzthums ausser Stande, [einen Hauptantkeil an den finanziellen Operationen!nehmen zu können. Herr Isidore Loeb, dessen Bekanntschaft mit Ider jüdischen Geschichte des Mittelalters wohl uner- ]reicht dasteht, hat in einer jüngst herausgegebenen!Broschüre dieser Erscheinung seine besondere Auf- Imerksamkeit zugewendet und speziell auf den Um־ [stand hingewiesen, dass uns keine Namen von her- [vorragenden jüdischen Bankiers des Mittelalters über- |liefert worden sind, während zahlreiche Beweise vor- [liegen, welche zeigen, dass Juden nur mit den Kapi- Italien operirten, welche sie von nichtjüdischen Bankiers!entliehen. Diese interessante Frage findet in dem von der [Prinzessin Beatrice aus dem Deutschen übersetzten [Buche ״Abenteuer des Grafen Georg Albert von ■Erbachu von Emil Krauss eine unerwartete Be- [leuchtung. Dieses Werk enthält die Beschreibung einer Reise durch Europa und Nordafrika nach Urkünden in den Erbach'schen Archiven, welche sich ganz strenge an den in den Dokumenten berichteten |Thatsachen hält. Die Reisenden müssen sich mit Jreditbriefen versehen und erscheint es hierbei auf-!fallend, dass sich weder unter den Adressen der Smpfänger noch unter denen der Aussteller jüdische tarnen finden. Die Hauptbankiers, deren in den )okumenten Erwähnung geschieht, sind die Herren losch & Fahrenbach, eine nichtjüdische Firma in Nürnberg, während die Aussteller französische und [italienische Christen sind. In Venedig traten die eisenden mit dem christlichen Hause Hanes Schopper and in Neapel mit dem christlichen Bankhaus} iaccelli in Verbindung. Die ersten Bankhäuser Italiens zu jener Zeit — zweite Decade des XVII. Jahrhunderts — waren die ״ Monte della Pieta“. Dies varen Privatbanken, welche unter strenger Aufsicht pes Staates standen, bei welchen die Reichen ihr leid sicher anlegeu und die Armen zu niedrigem Jinstuss Geld entleihen konnten. Man wird leicht begreifen, dass es den Juden zur Zeit des Gnetto’s aicht möglich war, solche Geschäfte zu unternehmen. Dieser negative Beweis titr die Nichtbetheiligung Per Juden au der Haute finance während der drei etzten Jahrhunderte steht nicht allein. Das genannte luch enthält mehrere Beziehungen auf Juden, welche lerrn Loeb’s Ansichten wesentlich unterstützen, etz^ere erscheinen in demselben als Handelsleute, Agenten, Hausierer, Vermittler und Unterhändler in Geldgeschäften, aber niemals als Bankiers. Vor seiner gefahrvollen Reise nach Malta wird |er Graf von Erbach einem jüdisohen Waffenschmiede Samens R e u b e n in der Lancieri -Strasse (heute Torte Naova) zu Neapel empfohlen, welcher sehr oft 16ד Fremden, welche nach Malta reisten, mit Waffen versorgt haben soll. In Tunis, wohin die Reisenden von den Seeräubern in Ketten geschleppt wurden, trafen sie einen eingeborenen Juden, welchen sie als solchen leicht an seinem kleinen veilchenblauen Turban und schwarzen Käppchen erkannten, der sie in gebrochenem Italienisch anredete und ihnen einige i Hemden und eine Laute verkaufte. Späterhin begegnen wir zwei Juden, durch welche christlich« Bankiers in Deutschland und Italien wegen der Auslösuug des Grafen unterhandeln Hessen. Ein ,Jude aus Venedig bringt die erste Nachricht von der Gefangennahme des Grafen an die Herren Bosch & Fahreubacli in Nürnberg, während einige neapolitanische Mönche den Gefangenen durch einen Jaden in Lit- | land, Namens Salomo n, welcher in Tunis wohnte, eine Botschaft überbringen Hessen. Die über diesen Juden mitgetheilten näheren Umstände geben ein getreues Bild von der Unermüdlichkeit, mit welcher : die deutschen Judon jener Zeit ihren Obliegenheiten! nachk-imeu. Er erzählte dem Grafen in französisch-; deutscher Sprache, dass er alle verschiedenen hohen Familien des Reiches kenne uni des Grafen Vater 1 schon einmal auf dem Reichstage in Nürnberg gesehen habe. Er war in Fürth geboren und seit ti Jahren in Tunis, wo ihn jedes Kind kannte, als Geschäftsmann etablirt. Es verdient, schliesslich noch bemerkt zu werden, dass zur Zeit, in welcher die Abenteuer des Graten von Erbach sich zutrugen, die untergeordnete geschäftliche Stellung der Juden sich ihrem Ende nahete. Einige Jahrzehnte später strömten reiche Marannen nach Amsterdam, Hamburg und Antwerpen, woselbst sie Geschäfts- und Bankinstitute von bedeutendem Umfange gründeten. So etablirte gerade zu der Zeit, als der Graf von Erbaoh in Gefangenschaft gerieth, das Bankhaus Mendes, welches von Lissabon nach Antwerpen übersiedelte, nach allen Richtungen Filialen, deren Zweige sich über das Morgeuland bis nach Indien erstreckten. J. C. Litteraturbericht. Receasionen. Behreml Benzion. Der aohtundsechzigste Psalm nach Abfassungszeit und gesohiohtliohem Inhalt. (Erste Abtheilung. Abfassungszeit.) 1890. 22 S. 8*. (Separatabzug aus dem ״Magazin für die Wissenschaft des Judenthums.“) J Das vorliegende Heftchen ist ein Erzeugniss moderner Ueberweisheit, die das Gras wachsen hört,! jener beutelustigen, siegesgewissen Kritik, die mit I ihrer Haarspalterei den bestgesohmähten Pilpul in den! Schatten stellt. Der Ausdruck ״ חית רנהThier des Röhrichts* (V. 31) genügt dem Verfasser, um darunter ן den israelitischen König Menachem zu witt9rn und daraus mit Sicherheit und ״unverkennbarer Gawiss- ׳ heit“ die Abfassungszeit des Ps. C8 zu bestimmen. Um der Beweisführung und Erkläruagsweise etwas i näher auf den Leib zu rüokaa, versuchen wir ea zum Theil seiner Spur zu folgen, so wenig lohnend es uns selbst soheint uud so schwer es wird, sioh daroh die vielfach verschlungenen Irrgäage hindurchzuwinden. Der Verfasser beginnt (S. 3) mit der ״letzte^ Schwierigkeit des Psalms,“ der Erklärung des V. 34 Das Verbum רכב wird gleicherweise mit *על, mit ב• wie mit dem Aooasaliv konstruiert. Die Uater

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