Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 9. (26.2.1891)
- Date
- 1891-02-26
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
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Scheidung, die der Verfasser aufzastellen beliebt, ist daher rein willkürlich. Allerdings übersetzt bereits Luther ״ לרכב בערבותdem, der da sanft herfähret.u Der Verfasser denkt an Gottes ״Weitung (!) in Seligkeiten.“ Ob sich wohl sonst jemand zu dieser Auslegung ▼ersteigt? — Der Psalm ist, wie viele andere, nicht ein Ganzes, aus einem Gusse gearbeitet; er besteht vielmehr aus verschiedenen einzelnen Theilen, welche Anklänge an anderweitige Stücke enthalten, und setzt sich aus Reminiscenzen zusammen. Dass hierbei Verderbnisse unterlaufen sein mögen, ist erklärlich.*) Gewiss sind wir befugt, unsere Ansicht betreffs Herstellung des ursprünglichen Textes ausznsprechen. Nnr muss die Kritik Maas zu halten verstehen, nicht übersprudeln und unnöthige Aenderungen beliebig vornehmen So lange der recipierte Text erklärlioh ist, darf nicht willkürlich daran gerüttelt werden. Sonst kann schwarz für w e i s s und umgekehrt gesetzt werden.*•) Gestehen wir lieber die Unzul&nglichkeit unseres Wissens ein. Die Zustände liegen zu weit hinter uns, als dass wir uns alle unfehlbar zurechtlegen könnten. Und wenn es wie eine ״Resignation* klingt (S. 2.), so ist mir eine solche weit lieber, als die freventliche Vermessenheit der Vielwisserei, die einer Fälschung gleiohkommt, indem sie jedermann glauben machen will, dass die ausgegebene Waare echt sei. Der Verfasser gehört zwar nicht zu denen, welohe von der Neigung besessen sind, um jeden Preis sogenannte Verbesserungen im Texte anzubringen; allein seine Erklärungsweise zeugt von sonderbarer Neuerungssucht, die dem Texte nicht minder Gewalt anthut. Der Ausdruck קול ען erinnert ihn (S. 6) — ä 1a בעל הטורים — au קול *,Am uhlagendsttn ist solches aus den Stellen ersiehtlieh, die in doppelter Redaktion uns autbewahrt sind. AU ein Beispiel iür viele gelte der Vers (Jos. VIII!•. 13) מים לעי ויל ן יהושע בלילה ההוא] בתור העש und מים לעיר וילך יהושע בלילה ההוא בתוך העמק, oder .ן xiv 5 1: כי אלודם בדור צדיק עצת עני תבישו ב* ה• מחשה vergliche״ mit liii, 0 •בי אלהים פזר עצמות חנך הבישתה כי א מאשש- **) Nach dem Rezept der Ooetlie’schen dissertatio iuridica de pulicibus § 1: ״De inea qui dem st 11 teiltia p 11 lex dictus est a voce mulier, ita scilicet ut m u rautetur in pu, abiciatur li, et loco eraddatur lex, unde praecise tiet pulex.“ — ־Was ist einer derartigen Kritik nhht alles möglich! ענות נבירה beim goldenen Kalbe und an בקול נדול der! Baalspropheten. Der Vers ] לרכב בשמי שמי קדם זק יתן כקולו קיל עז wird damaoh folgenderweise übersetzt: ״Za dem, der da schwebt am Urwelthimmel (d. i. I Sonne Ba’al), siehe, erhebt man seine Stimme zur gewaltigen Gebetstimme.* Die Verwerflichkeit solchen Beginnens ״überlässt der Dichter dem urtheilendeu Leser hinzuzudeuken.* Freilich dürfte ein Kurzsichtiger den Einwmf erheben א כ עיקר חשר מ; הספר Allein was thut’8? Das kindliche Gemüth neuerer Bibelforscher erkennt auch, was der Verstand des Verständigen nicht sieht. Das bei der Auslegung des Verfassers mitten in den Satz hineingeflickte [ה wäre bei einem silbenzählenden und in Verlegenheit gerathenen hebräischen Diohter unserer Tage noch verzeihliob, schwerlich jedoch einem alten Psalmendichter. Warum sollte auch יתן בקולו nicht eher mit PM נתן בקולו תמוג (P®• XL VI 7) zusammengehalten werden? Ein hebräischer Psalmist dürfte überdies schwerlich den Ba’al mit רכב בשמי שמי קדם bezeichnen. ״Gemäss dieser Auflassung und Erklärung* — schreibt der Verf. (S. 7) — ״wird von V. 34 das Dunkel, in welchem die Erklärung ihn bisher gelassen hat, beseitigt, ihm bedeutsame Klarheit gegeben.* Mir und vielleicht auch anderen Sterblichen will es bedünken, als ob durch die neue Auflassung der bisherige einfache Sinn nur verdunkelt wird. Die Rede■ weudung wäre eine so unerwartete ungehörige Unterbreohung und die versteckte Anspielung so ungewöhnlich, dass wir die Deutuug dankend ablehuen müssen. Leichten Kaufs entscheidet sich der Verfasser nun ״mit Sicherheit* für die Abfassungszeit des Psalms ״in Voraussetzung, dass die gegebene Erklärung als zutreffend erachtet wird“. (S. 7) Da diese Voraussetzung bei uns aber nicht zntrifft, so geht uns leider der Gewinn verloren. ״Ausser allem Zweifel“ stellt es der Verfasser hin (S. 9), dass unter חית קנה ein ״Regent“ zu verstehen sei, der wegen seiner ״verabscheuungswürdigen Handlung“ ein T h i er genannt wird. Der unbefangene kundige Leser wird wohl schwerlich in dem hebräisohen Worte חיה die Bezeichnung eines Unmenschen finden. (Schluss folgt.) Litter&rischer Anzeiger. In meinem Verlag ei schien soeben: [47.'in אור החיים Umfassendes bibliographische» und historisches Wörterbuch des rabbinischen Schriftthums aus dem litternvischen Nachlasse Hermann Joseph Michael’» 8. A . zum Drucke befördert von dessen Söhnen. Drei« Mk. 6.— Dieses Öl7 Seiten umfassende Buch, das bereits Zunz in! Manuskript gekannt und als höchst werthvoll lür die Wissenschalt bezeichnet hat, ist lür Bibliotheken und Forscher eine unentbehrliche Ergänzung aller bisher erschienenen derartigen Werke. Frankfsrt »Jl. J. Kan ff mann i’iho/tirnniiiru etr. (״schenkepreisw. t'unversations-Lexil» v. Brockhass jlUNr^llUllftX'u JtejemeuesteAuH. Fracht«.! billig. Gelegenheit»־ xempl. wie׳ Bort. Bibel t. Isr.Origprachtbd. m. Goldschn. wie neu 58 B. tt. «4 M.)t Klassiker i. gut. Ausg. (deutl. Druck, gut. Papier): Boetbe 1 B H».(st.21M. ,Schiller. 9 B 8.5# M.(st, 13.M j Leasing, 7 B. <1,501. (st. 0.50M ),SbaDkpraic.HB SS. (st 12 M ). JedJiand i . einzeln gut gebd. I AilAVni• Buchhandlung, gegr. lhöl.l Zusammenstell,!. von ganzen Ei< “1 י Berlin ('.. Ü urstr. ttä. Tel. I,5'>1 | Bibliotheken preiswert!!. Zur Aufführung am Purimteste vorzüglich geeignet: [4710 Jussuf. l)r. L. 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