Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 8. (19.2.1891)
- Date
- 1891-02-19
- Page
- Seite 30 (sequence 2)
- Language
- German
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- Minsk 1× ep/1000754
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siclmtellte. Zu Begin des[folgenden Jahres erstand Abraham von Iwau Sapieha, dem Wojewoden in Pod- )achitn, die Wojewodschaft Minsk und erhielt auch hierfür die königliche Sanction. Wie wir oben er* wähnten, hatte der König für die Verpfandung Kowno’s eine sehr bedeutende Summe erhalten. Nach vollzogener That>ache blieb dem König nichts mehr übrig, als diese Stadt Abraham Ezofowicz zu überlassen, der auf diese Weise zu den bereits bekleideten Aemtern auch den Titel eines Starossen von Kowno zugesellte. Seinen Bemühungen und seiner Befiirwoitnng ist es ohne Zweifel zuzuschreiben, dass der König 1511 die Juden von der Verpachtung, 100״ Pferde für den Krieg zu stellen, befreite, ihnen freies Haudels* uud Gewerberecht ertheilte und in der Person des Mio hael Ezofowicz, eines Bruders Abrahams, einen ״Aeltesten“ mit Kichtergewalt, für sämmtlich9 Juden Litthauens ernanute. Der König gerieth immer mehr bei Ezofowicz in Schulden und das in einem so hoheu Grade, dass es unmöglich war, das finde dieser pecuniären Ab* häugigkeit abzusehen. Im Jahre 1517 borgt der König hei seiner Abreise von Litthauen nach Polen vom Schatzkanzler 2000 Schock littbauische Groschen, die er sich mit seinem Königsworte obligirt, gegen Ostern zurückzuzahlen. Zu Ende des folgenden Jahres prolongirt der König dem Ezofowicz die Pachtung der Mautlikammer in ßrzeso gegen einen jährlichen Pachtzins von 1000 Schock Groschen Anfangs 1519 nahm der König von Ezetowicz Zobel-, Marder- und Biberpelzwerk im Gesammtbetrage von 3217 Schock Groschen, bezahlte einen Theilbetrag gleich und den Best verpflichtete er sich kurz daraut zu erstatten. Abraham Ezofowicz besass ausser seinen bedeutenden Gütern iu Litthauen auch im Königreiche (Polen) Ländereien uud die Solecker Starostei. Das geht aus seinem ersten Testameute, welches er im Dezember 1518 iu Brzesc verfasste, hervor. In diesem Testamente bestellt Abraham Ezofowicz, Sckatzkauzler des Grossherzogtbura Litthauen, Starost von Kowno und Soleck, für den Fall seines Absterbens zwei Vormünder und zwar für seine Besitzungen in Litthauen Obracht Marcinowiecz, Wojwoden zu Polock, uud tür seine Güter iu Polen Krzyszlot Szydlowiecki, Wojewoden und Starosteu zu Krakau. Als sich Abraham Ezofowicz im September 1519 dem Tode nahe fühlte, entwarf er iu Brzesc seine letztwillige Verfügung. Seinem Sohne Wasil, der mit Jadwiga, der Tochter des Jurja Jwanowiez Jlinicz, 1101 marschall und St.irost, verlobt war, vermachte er die Güter Zernslawk und Gladkowice, ein Haus iu Wilt.a und 1 1'״,),״ Guidgul len aut Kowno und ltum«- zysxki sichergeslellt. Iu diesem Tes'atueule bittet er den Herrn Jlnic/, er möge seinen Sohn und dessen Vermögen unter seine Obhut nehmen, bis er alter werde und seine des Jlnicz’s Tochter heiratheu wird. Seinem zweiten Sohne Konstantin, verschreibt Abra- Lam Nowy L'wor, das Hryukowskische Gut, deu Meierhof bei Wilna, ein Haus iu Wilna und 700t) Schock litthauischer Groschen, seiner Gemaliliu Hanna vermachte er 1000 Schok Groschen, alles Silber uud die Keveiiueu von Konstantin« Gütern, »einer Tochter Maryna schliesslich, ausser einer bereits fertigen Aus- Steuer die Einkünfte von Wasil's Domänen; ausserdem haben ihr die Brüder bei ihrer Verheirathuug je 200 Schock Groscheu auszuzaldeu. Zu Testamentsvollstreckern wurdeu die Herren Obracht Gasztold und Jurja Jlinicz eruaunt. Unter andern! unterschrieben dieses Testament als Zeugen: seiue Frau Hanua, zwei Geistliche aus Brzesc, der Prior der heiligen Dreifaltigkeit, der Probst vom heiligen Geiste uud die Brüder Michael und Eisek. Abraham Ezofowicz muss gegen Ende 1519 gesterben sein, wahrscheinlich gleich nach dem Ab• fassen des obigen Testamente*. Seiu Nachfolger als Schatzkanzler war Bohnsz Bohowityuowioz, der itn Mai 1520 zum zweiten Male für dieses Amt nominirt wurde. Abrahams Wittwe Hanna heir&thete den Johann Swetycki. Vou Abraham Ezofowicz s Kiu lern vermähl: e sich die Tochter Maryna nach dem Königreiche mit Herrn Solw, einem Bruder des Martin Züoroiroki, königlichen Mundschenken, dem sie die Soleckaer Güter als Mitgift brachte. Konstautiu Abramowicz zeichnete sich durch nichts aus. Die von seinem Vat-r geerbte Besitzung Nowy Dwor verkaufte er 1555 d-*r Königin Boua Der älteste Sohn des Schatzkanzlers, Joliauu (Wasil) Abramowicz gerieth unter die Vormundschaft des Herrn Jlinicz uud rerheirathete sich dann mit desseu Tochter Jadwiga, die im Jahre 1530 kinderlos starb. Johann ging mit Hanu 1 Kotowicz eine *weite Ehe ein, starb vor dem Jahre 1503 uud hinterliess eineu Sohn Johann und eine Wittwe. Johanu II. (Janowicz) Abramowicz, nahm dts Prädikat ״zu Woruiiny“ an. Schon im Jahre 1580 war er Lidz• kaer Starost, Wilnaer Statthalter und ein Wojski (ein altpolnischer Beamteniilel). Am 22. Juni 1593 erhielt er die Nomination auf die Miuskaer uud 1 590 aut die Stnoliuskaer Wojwodschafi. Er atarb am 19. April 1002. Von seiner Frau Dorothea, welche im hohen Alter von achtzig Jahren starb, hinterlies er eiueii Sohn Nikolaus, den Starodsbrusk&er uud Miadzioloskaer Starosten, der dsr Reihe uaoh die Aerater eines tiithauischeu Mundschenken (1038), eines Mscislawskaer Kastellans und Wojwolen (1039 uud 1013) und eiues Trockaer Wojwodeu (1047) bekleidete. Gleichzeitig war er General der lilthaui scheu Artillerie uud starb im Februar 1051. Die Familie Abramowicz führt das Wappen Jastr/.embiec uud existirt bis aut deu heutigeu Tag Im IS. Jaliilnm lert ging vuu ihr noch e>11 Senator hervor: es war dies Anlreas Abramowicz, Kastcllau zu Brzo-m ^1757—1703). — Zu deu vor- , uehmsteu Geschlechtern iu Litthaueu gehörend, ver* heimlichen sie eifrig ihre jüdische Abstamrauug und so geschieht auch nirgends iu der Heraldik irgeud eine Erwähnung vou dieser ihrer Herkunft. Michael uud Ki-ek Ezofowicz, die Brii ler des Schatzkauzlers, blieben Jud11״. Noch im Jahre 1513 hielten beide die Z 1llkatn׳n»1׳ zu Hrzo<e, Luck und Modzimierz gemein-chaftlieh in Pacht. Wie oben bereits erwähnt, wurde Micha1111!■׳ Jahre 1515 als ,Aeltcster* iilh-r Juden iu l.iuhatieii bestellt. Das aus di>׳.v>m Anlasse an die Juden erlassene Ctrkular lautet wie folgt: ,Damit eure Angelegenheiten gerecht ausgetragen werden, haben wir deu Juten Mielui“! Ezofowicz aus Brzesc zu eurem ,Senior“ ernannt; mit cureti Bedtirfuisscii habt ihr euch an ihn zu wciulni uud alle steuerpflichtigen Abgaben zu Keinen H.tudeu zu erlegeu.“ Kraft dieses Privilegiums verklagten Michael uud Eisek Ezofowicz im Jahre!51 יי vor dem König* den »Starosteu, Statthalter uu׳l die Bürgermeister vou Brzesc, dafür, dass diese cs gewagt hatten, einen Juden ihrer Jurisdiction zi unterziehen. Sie hielten j viele Laudcsgef.1I!-) in Recht und beinahe alle Grossen j Litthauens nahmen bei Michael Schulden auf, deren j Bezahlung letzterer durch Vermittlung des Köuig* urgirt«.