Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 8. (19.2.1891)
- Date
- 1891-02-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisehes Jahrg. XX. ttwatiF-BMi Car kHiarhUii HPc• •M Mn kitriffnlti lltlerariarkn Cr- «rHalaaan•• uf 4m Aefcfrt• 4«r Phil•- ■opfcl», Oaarklrklt, ItkuitrtpkU, Tk«•• OrleatalU, CxtRHt. HaaiHttU, Mt«rfU a. Piduoclk. Herausgegeben tob Rabbiner Dr. Morlfx Rahnier. 9TLavj9*6uuj, k־)?cGtuat 189». Ilfirr Jrrd1wkl4«l«t« l.lllr r.t.r, «f Ir X Jtr U*4sst mm 1......4( «h4m , •■4«. 1■ 41...« Klitt. .I.4.K..4. Rfttml•.( U M....4... •*.I ItorM.I.■•• Ka.Mpl.rr. rrf.l.l rl«««tlc. k.rir II r . 11. l.«rrtt.a. Du!)JUInkt Litlpntlr-BIttl« triehtiiit wöchentlich in einem halben Rogen Preis hei allen Buchhamllungen(io Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Hark- Abonnenten Jer .Israelitischen Witclieii.clirilf, Jie vierteljslirlich bei allen Postanstalten nnd Buchhandlungen S Hark zahlen, erbalten das .Jüdische Litteiatnr-Blatt* gratis. - Inserate werden mit H Pf* Ihr die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Hark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden Bnchhgndler u. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einseulen, erli.ilteu 25־ % lUbitt. I nhn lt: W iasenschat'tliche Aufsätze: Ein Jude als Minister des Königs Signmnd. Eine historische Skizze — Judith Traclitenberg Von Carl Emi. Franzos. Kecentionen: Müller, Dr. Joel: Einleitung in die Ke- »ponsen der babylonischen Oeonen. — Alsberg. Dr. Moritz. Die Kassemnischung im Judenthum. L i tt er a riach e Notizen: Eutgegnung. Die Bibliothek des Dr. Brüll. Literarische Anzeigen. Unbefugter Nachdruck aus diesam Blatte ist niehl gestattet Ein Jude als Minister des Königs Sigmund. Eine historische Skixze. (Schluss.) Ohne Zweifel musste sich der König schon lange mit der Absicht getragen haben, Abrahatn Ezofowicz die Finanzen des Grossherzogthums anzuvertranen; in Litthanen war niemand da, der dieses Geschäft versehen und den König von seinen fortwährenden Geldverlegenheiten befreien konnte. Es war aber kein Leichtes einem frischen Neophyten ein Amt zu verleihen, mit welchem Sitz• und Stimmrecht im grossherzoglichen Rat he, der aus den grössten Staats• Würdenträgern bestand, verbunden war. Der König nahm daher zu einem anuern Mittel Zulluchl. Im Herbste des Jahres 150!) wurde der Sekretär Bohusz Bohowityuowicz zum litthauischen Schatzkanzler ernauut, er bekleidete aber nur eine kurze Zeit dieses Amt und resiguirte, 011er richtiger, er wurde in Ermanglung der nöthigen Qualification entlassen. Da entschloss sich der König zum entscheidenden Schritte und zu Anfang <les Jahres 1510 ernannte er Abraham Ezofowic, den Smoleusker Stadthauptmann (Siarost! Min'sker Vogt, zum litthauischen Gross- Schatzkanzler. Das htthanische Archiv hat uns leider Abrahams Ernenuuugsdekret nicht aufbewahrt und die zeitgeuössischeu Quellen beobachten nicht nur über die Details, von welchen diese Begebenheit begleitet seiu musste, ein hartnäckiges Schweigen, sondern erwähnen, wie mit Absicht, nicht einmal hzotowicz Ernennung. Jedenfalls konnte die Ernennung nicht gut aut• genommen sein und ohne Zweitel folgten ihr von Seiten der Grossen Proteste. Der König aber liess es sich angelegen sein, aus aliem Vortheil zu ziehen und die Amtsverleihung war für ihu eine Quelle bedeutender Einkünfte. E:ne solche Würde konnte also auch Ezotowicz nicht umaoust zutheil geworden sein. Er hat den König von den Schulden befreien müssen und musste vielleicht auch versprechen, gtwisse Ausgaben aus seiuer eigenen Schatulle zu bestreiten. So viel steht fest, dass er sich iu seinem Schatzkanzleramte behauptete; als Mitglied des köuigliehen Ratlies bescheinigte und couir&signirie er von da an, mit den iihrigen Diguitären, die aus der königlichen Kanzlei hervurgeheuden Privilegien und Diplome. Damals, o ler etwas triiher noch, war ein Statut des Köuigs Alexander erschienen, welches be• *agte, dass es Sache des Schatzkanzlers sei, die Finanzen zu bewachen, die ötl'eutlicheu Einkünfte cinznheben, die Ausgaben ausznlegen, beide iu Rechnung zu stellen nnd die Münzprägung zu bewachen. Der vollständige Mangel jeglicher Quelle macht es unmöglich, Abraham Ezofowiczs linanzielle Thä’.igkeit, seinen Einlluss auf Liilhaueus ökonomische Lage zu beurlheilen und ob er auch iu seiner hoheu Stellung dem Lande vou Nutzeu war. Den litthauischen Grossen gegenüber, welche beständig auf eine Treuuung vou Polen hinarbeiieten, stand Ezefowicz an d'*r Seite des Königs. Gleich zu Begiun seiuer Amtirung wurde auf dem Sejm — Landtag — zu Piotrkow beschlossen, dass das Grossherzogthun» Litlhaueu und Preussoa au den lestgesetzten Beiträgen fürs allgemeine Wohl oder der sogenannten Republik, gemeinschaftlich zu participireu haben. Trotz seiuer hoheu Stellung ln ach Abraham Ezotowicz nicht mit seinen Brüdern Michael und Eisek, die Juden geblieben waren; er kaufte von ilmeii Damaste, Saiumt uud Tuch, und deu ei zielten Gewinn theilte er mit ihnen gemeinschaftlich. Sein ohnedies schon sehr bedeutendes Vermögen vergiö-sert« er durch fortwährend׳* neue Ankäufe. Zu Eude des Jahres 1.V0 erlheilt ihm der König die Bewilligung, von Johauu Sapieha die Herrschaft Nowy Dwor zu erstehen und im lolgenden Jahre verleiht er ihm ein Haus iu Wilna. Iu demselben Jahr•*, während des Landtages iu Brzesk bestätigte der König dem Abiahätn Ezofowicz die Erwerbung des Gutes Zerosiawsk im Grodnoer Bezirke Der Kauter vergrosserte diesen Landsitz durch die Erstehung von Servituten und uncultivirteu Ländereien. Einige Jahre spater bestätigte ihm der König wieder deu Ankauf des Meierhofes he• Min'k. Abraham wuchs an Reichtbum uud Ansehen uud sein Vermögen muss gross gewesen sein, wenn er dem König im Jahre füll die für jene Zeiten uugeheure Summe von lüOüÖnng, Goldgulden leiht, welcne der König aut dem Schlosse ' ULd der Stadt Kowno uud der Herrschaft Ruinszyszk