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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-02-05 · N° 6. (5.2.1891) · p. Seite 22

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 6. (5.2.1891)
Date
1891-02-05
Page
Seite 22 (sequence 2)
Language
German
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erklärt sich auch die religiöse Ignoranz und der religiöse Indifferentismus und daraus wieder der religiöse Abfall und Uebertritt in Israel. Die socialen und politischen Verhältnisse wirken zwar mit dabei, aber diese waren auch früher vorhanden, nur noch viel ungünstiger, ja härter, und doch widerstand Israel; das religiöse Bewusstsein und der religiöse Charakter waren stärker. Sorgen wir neuerdings für deren Stärkung und Hebung. Dr. K. Ueber den Gregorius Hartman’s von Aue. Von Dr. S. Gelbhaus, Rabbiner nnd Prediger zu Prag. (Fortsetzung.) Hartmann von Aue hat wie auch andere Minnesänger die gelesenen und gehörten jüdischen Sentenzen in seinen Schriften benützt.*) Dieselben sollen in dieser Schrift namhaft gemacht werden. Der Gregorius wurde zuerst von Carl Lachman ediert. 1867 wurde von Fedor Beeil eine Ausgabe der Werke Hartman’s mit einem paraphrasierenden Comentar veranstaltet. 1873 gab Hermann Paul den Gregorius mit Anmerkungen heraus. 1882 veranstaltete er eine zweite Edition mit einer vollständigen Mittheilung der mittelhochdeutschen Einleitung zum Gregorius. Dieser Studie liegt der Text der Bech’schen Ausgabe zu Grunde. 1. 12—lli. Du bist noch ein junger mau aller diuer luissetät der wirt noch vil guot rät du gebotest in dem alter wol der danne als er z’ rehte sol. Einen ähnlichen Gedanken drückt Hillel’s Aussprach aus: .ואל תאמר לכשאפנה אשנה שדא לא תפנה ״Sprich nicht, wenn ich Zeit gewinnen werde, will ich lernen, vielleicht wirst Du nicht Zeit gewinnen.“ (Abot C. 2,5) "2. 17a—21. Den fiirgedanc rihtet und in daz alter brihtet mit eiiiäm snellen ende der gnaden öl linde hat danne den bezzern teil erkorn. Yergl. Prediger 12,1. ״Denke an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe die bösen Tage und die Jahre von denen du sagen wirst: sie gefallen mir nicht.“ Die Möglichkeit eines plötzlichen Todes ist der consequente Schluss dieses Gedankenganges. 3. 22—o'Ja. Und’ waere ale er gebazu von Adame mit Abele und solt mit im sin 8610 weren äne Sünden slac unz an den ]üngesten tac, 86 haete er uiht ze vil gegeben umb’ daz ewige leben daz ane genges nilit enhat unde auch nimmer zergät. Hermann Paul erklärt in den Anmerkungen seiner Ausgabe des Gregorius Halle 1873 diese Stelle wie folgt: ״Denn sollte er auch vom Beginn des Menschengesohlechtes bis an den jüngsten Tag leben und sich abmühen müssen der Sünde zu widerstehen, so wäre mit dieser Anstrengung das ewige Leben nicht zu theuer erkauft. Einen ähnlichen Gedanken enthält der Ausspruch R Jacobs: יפה שעה אחת של קורת רוח בעולם הבא מבל ״ היי העולם חזה.Besser ist eine Stunde der Seelenruhe in der künftigen Welt als das ganze Leben in dieser Welt.“ (Abot 4,22) 4. 31—34a. Durch daz waere jph gerne bereit ze sprechenne die wärheit daz min sündeclicho bürde dez ich geringet würde. Diesen Versen liegt der fünfte Vers des 38. Psalm zu Grunde: ״Denn meine Sünden gehen über mein Haupt, wie eine grosse Bürde sind sie mir zu schwer geworden. 5. 74—89. Sun nu wirs gemant daz du behaltest rnöre die jüngesten lere die dir din vater taete. wis getriu wis stacte, wiä milte, wis diemüete, wis vrevel mit güete, wis diner zuht wol bohuot, den hören starc den armen guot die dinen solt du eren die vremden zuo dir kören wis den wisen gerne bi vliuch den tumben swä er si vor allen dingen minne got rihte wol durch sin gebot. Der ganze Tenor dieser Mahnung erinnert au das Testament Davids an Salomon (I. Könige 2.) Die Verse bewegen sich in dem Gedankengang folgender Sätze: Mein Sohn, höre auf die Zucht deines Vaters. (Sprüche Salomons 1,8) Mein Sohn willst Du meine Bede vernehmen und meine Gebote beobachten, so lasse dein Ohr der Weisheit zugeneigt sein. (da9. 2,1. 2.) ״Wer mit Weisen umgeht, der wird weise“ (das. 13,20). ״Der Gerechte lebt in seiner Treue“ (Habakuk 2,4). ״Er wird milde sein den Geringem, und Armen und den Dürftigen wird er helfen“ (Psalm 72,13). ״Brich dem Hungrigen dein Brod, und die, welche elend sind führe in das Haus, wenn da einen Nackten siehst, so kleide ihn und eutziehe dich deiuem Fleische nioht“ (Jesajas 58,7). ״Und Ihr sollt lieben den Fremden“ (5. Buch Moses 10,19). ״Der Thor verachtet die Zucht seines Vaters (Sprüche Salomons 15,5). ״Antworte den Thoren nicht nach seiner Thorheit“ (das. 20,4). ״Und du sollst lieben deinen Gott mit ganzem Herzen mit ganzer Seele mit ganzem Vermögen“ (Deuteronomium 6,5). Die Exhortation des sterbenden Fürsten an seinen Sohn, nach dem Gebote Gottes zu richten, erinnert au die Worte des sterbenden David an Salomon: ״loh gehe den Weg aller Welt, so sei stark und sei eio Mann. Hüte die Gebote deines Gottes za wandeln in seinen Wegen“ (I. Könige 2,2). *) Die jüdische Literatur war in den Kreisen der mittelhochdeutschen Dichter bekannt. Manche wählten sogar Stoffe aus derselben zum Gegenstände ihrer Poesie. >90 giebt es drei anonyme Gedichte, welche biblische und nachbiblische Er- Zahlungen zu ihren Objecten haben. Dieselben heissen das Lob Salomos, die drei Jünglinge im FeueroCen, welches von Daniels Genossen Chananja Misehae! und Asarja handelt, und Judit. Sie sind in den Denkmälern deutscher Poesie und Prosa, vom 9. bis zum 12 Jahrhundert, vou Müllonhof und Scherer abgedruckt. In dem ersten Gedichte wird die Er- Zählung vou Aschmadni ausführlich berichtet. Die Ueraus eher der Denkmäler bemerken zu den Versen 15—59 (Salomon er was richi er del so wislicbi er hiz luit ze gäa eini cistern&OQ wulan rnedis undi wiris dis allir bestin lidis ect.) Seite 375: ״Mittelbar ist sie (die Quelle) abgeleitet aus einer taimudischeu Sage die Eisenmenger Entdecktes Judenthum 1, 35'J ff.) aus einem taimudischeu Traktat mittlieilt: Salomon bedarf um den Tempel ohne Eisen und Hammer za erbauen f des Würmleins Schamir. Er sendet einen Boten aus um den König der Teufel, Aschmidai, za fangen, der auf einem Berge eine Grabe mit Wasser hat und versiegelt Hält, aas der er alle Tage trinkt. Der Bote lässt das Wasser ab und füllt dann die Grabe mit Wein. Als Aschmadai davon trinkt, wird { er berauscht und von Salomo’s Diener gefesselt und vor den König geführt, dem er inittheilt. dass der Schamir von einem! Auerhahn behütet wird “ Diess Sage befindet sich im Traktat i Gittin t>8: j אמרי ליה איתיה במורא פלן כריא ליה כירא ומליא ליה מיא ומכסיא כטינרא וחתיכא בנושפנקיה כו• ן Diese Aeusserung hervorragender Wortführer auf dem Gebiete der mittelhochdeutschen Sprachforschung, welche Berührungspancte zwischen der mittelhochdeutschen Litteratur und dem rabbinischen Schriitthe ina constatiert, möge unberuteaeu Kritikern, die sich weder mit der einen noch mit der andern der genannten Literaturen eingehend beschäftigt haben, dazudi enen, ihre vorlaut geäusserten Zweifel za zerstreaen.

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