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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-01-15 · N° 3. (15.1.1891) · p. Seite 11

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 3. (15.1.1891)
Date
1891-01-15
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
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Streit und Irrungen aber vermöge Pragischer und Frankfurter Stätigkeit vergünstiget sein, ob die streitenden Partheien vollen, von ihrem Rabbi sich ehrbar Recht und Billigkeit entscheiden zu lassen, dessen Spruch demnach die Partheien dergestalt nicht binden soll, dass der vermeint beschwehrt sich I bessern rechtens bey ordentlicher Obrigkeit nicht erholen möge, so dann sichs begebe, dass Streit ihrer Lehr und Cereinonien sich erhübe, solches soll ihnen trey und erlaubt sein, tiir ihren Obristen und Rabbi, oder durch die zweeu ihrer Baumeister zu vergleichen und mit Bescheid die Partheien von einander ■ zu scheiden, welchen Ausspruch zu geleben auch schuldig seyen, oder der Obrist und die zween Baumeister Macht haben sollen, den ungehorsamen Theil in den Bann zu thun. Würde dann auch der ungehorsamb acht Tage in den Bann und nichts daweniger ungehorsamb verharren, so sollen die Juden unsern Rathen solches anzeigen, welche alsdann, da sie nach fernerer examination befinden würden, dass der ungehorsamb mit Fug noch Ursach, sich dem Spruch zu widei setzen, die , execution ergehen lassen, und ferneres den muthwiil'gen in zwanzig Thaler Straff halb uns und halb den Juden erklären sollen. (Fortsetzung folgt.) Sagenverwandtschaftliches. Ergänzung zur ״Geschichte Josephs“ in Nr. 1. Gerade diesem biblischen Ereigniss begegnen wir bei den verschiedensten Völkern des Orients. Schon die jüdischen Quellen, der Talmud, der Midrasch und die Targumim, hüben den poetischen Stoff haggadisch behandelt. Von den Juden haben dann die christliehen Völker des Orients und die Mohammedaner diese Sagen übernommen und dieselben ihrer religiösen Anschauung entsprechend bearbeitet. Sehr ansfuhrlieh finden wir die Geschichte Josephs erzählt bei dem Syrer Ephrem.*) Schou hier ist die versuchte Verführung Josephs durch die Frau Potifars mit Prunk und sagenhafter Ausschmückung ausgestattet. Die Sage vom Wolf, welche Ephrem nicht erzählt, ist nach Weil, ״Bibi. Legenden der Muselmänner“ arabischen Ursprungs. Dagegen findet sich schon bei Ephrem (Tom. II. S. 26) die herrliche Erzählung, dass Josef auf dem Wege nach Egypten an dem Grabe Rahels vorübergegangen sei und sich mit der ganzen Heftigkeit seines Schmerzes auf dasselbe gestürzt habe. Von der jüdischen Haggada bringt diese Sache nur das Buch Hajaschar. Aut andere Übereinstimmungen habe ich in meiuer Schrift (Die Geschichte Josephs von Mar Narces nach einer syrischen Handschrift. Berlin 1889) näher verwiesen. Eine gemeinsame Quelle dürfte sich für diese verwandten Sagen schwerlich annehmeu lassen. ״Es giebt eben gewisse Erzählungen und Sagen, welche Gemeingut vieler Völkerfamilieu sind; was der Einbildungskraft des einen Volkes entspringt, dasselbe tritt ähnlich und doch nicht nachgeahmt bei einem andern Volke ebenfalls als selbstständiges Geisteserzeugniss auf, und es befremdet uns nicht, im Süden und Norden, im Osten und Westen, von ähnlichen Helden in Liedern und Gedichten singen und sagen zu hören.“ Eonitz. Dr. Grabowski. Litteratur bericht, Kecensionen. זכרון, GeAenkblätter, XX Gesänge für den israel. Gottesdienst, für Solo (Cantor), Chor und Orgel componirt vonSalomou Sulz er. Aus dem Nach- *) Epbraemi Syri opera omnia. Tom. I., svr. et lat. Rom 1 <37 S. 83-105; Tom. II 1743 S. 21-41. Auch neuerdings erschien ein Gedieh! unter dem Titel: *saint Ephrem, histoire de Joseph, Puöme inödit en dix livros Paris 1887. (Vgl. darüber im Liter. Centralblatt No. 1 1888 die Recension von Nöldeke.) lasse von Joseph Sülzer, Solospieler der kais.« königl. Hofoper in Wien. Mit einem Anhänge (Fünf israelitisoh gottesdienstliohe Ge3änge von Joseph S u 1z e r). Wien, Gustav Lewy, k. u. k. Hofmusikalienhandlang. Besprochen von Ed. Birnbaum. Ein hochbetagter gelehrter Rabbi sprach einmal den Wunsch aus, man möge ihm, wenn er st.erbeu v־^ le, einen einfachen, nur mit vier Buchstaben gezierten Grabstein setzen; auf die Frage, welche Buchstaben er im Sinne habe, schrieb er vier *ה ה״ה״ה״ה*) ) nieder. Als er gestorbeu war und seine Gemeinde sich anschickte, ihm den bezeiohneten Leichenstein su setzen, befragte man die Gelehrten nach der Lösung der räthselhaften Aufschrift, aber Niemand wusste sie zu geben, bis mau sie in dem ״letzten Willen“ des Rabbi niedergelegt fand: Die vier ההי׳ ן sollten die Anfangsbuchstaben des alten Weisbeitsspruohes: ״ דבל הבלים הבל דבלEitelkeit der Eitelkeiten, Alles ist eitel!“ darstellen*) Dieselbe Aufschrift müsste meiner Meinung nach auch der Grabstein Sulzer’s tragen. Am 17. Januar wird es kaum ein Jahr, dass Salomon Sulzer zu seinen Vätern eingegaugen, und schon wird man fragen, finden seine Zeit- und Fachgenossen keine bessere Aufschrift für seinen Grabstein, als die jenes weisen Rabbi? Sollte auch Sulzer, der von aller Welt hochgeschätzte, allezeit als der grösste Meister seines Faches anerkannte, gefeierte und ausgezeichnete Sulzer sein Künstlerleben mit der endlichen Erkenntniss der Nichtigkeit jedes Erdenlebens und -strebens abgeschlossen haben? — הבל הבלים הבל הבל! Auch e r hat erfahren müssen, dass nichts geeigneter ist uns unser Leben als ein vergebliches erscheinen zu lassen, als die verkennende and Alles verneinende Undankbarkeit. Oder ist es etwas anderes als verblendete Undankbarkeit, wenn man von gewisser Seite, wie es erst jüngst bei Gelegenbeit einer officielleu Feier, die den Verdiensten eines zweiten grossen Synagogen-Componisten galt, ostensiv zu Tage getreten, die Verdienste und somit das Andenken eines Mannes von der Bedeutung Sulzer’s vergessen machen will? Also selbst da, wo jeder denkende Israelit die Hervorhebung oder blosse Nennung des unsterblichen Namens ״Sulzer“ mit Sicherheit erwartete, musste er mit Stillschweigen übergangen werden! Allein weit übertroffen wird diese Unterlassungssünde von der Erfahrung — denn Alles ist eitel! — dass seit Jahren ein Wiener fachmännisches Gantorenblatt es nicht verschmäht, in gleichem Sinne gegen Sulzer zu arbeiten, und das bloss, wie mir mitgetheilt wird, aus persönlicher Rancune eines Hintermannes. Weil Sulzer vor den fachmännischen Fähigkeiten irgend eines Cantors oder ״Obercantors“ zu wenig Achtung zeigte, glaubte man sich in seiner Art revanchiren und mittel massigere Leistungen und Grössen — häufig wider besseres Urtheil — aut Kosten Sul/.er’s verhimmeln zu müssen. Und wenn es nur den Zweck haben sollte, den alten Mann oder seine Kinder zu kränken. Die befangenen und unbefangenen Leser jenes Fachblattes mussten Zusehen, wie ihr grösster Meister und seine unvergänglicheu Werke erniedrigt wurden. Ist man doch in Verblendung so weit gegangen, ihm einen grossen Theil der Autorschaft an seinem ״Schir Zion“ anzu- *) Neppi und Ghiroudi p. 343, No. 51. Dies dürfte auch zur richtigen Lösung des fünffachen ה״ eines Urabstoins von Ancona beitragen; das erste 'ה müsste daun als Ausru.t!הוי. Wehe (!)verstanden werden. Vgl. Berliner in der Hilde?- heimer’schen Jubelschritt S. 158, wo das tünilacho ה׳ mit הלב הגדול המפואר הנכבד החלזוב erklärt wird.

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