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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-01-08 · N° 2. (8.1.1891) · p. Seite 7

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 2. (8.1.1891)
Date
1891-01-08
Page
Seite 7 (sequence 3)
Language
German
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7 entschlossen, gegen die Waräger zu revoltiren und erst später sich denselben freiwillig unterwarfen. Sie schickten dieserhalb eine Gesandtschaft an die Waräger, Engländer etc. in Jütland, welche beschlossen, ihnen drei königliche Prinzen, Ruric, Sn;ow und Trouvor zu schicken; welche über sie herrschen sollten. Diese eroberten nun nach und nach den grössten Theil des Reiches und nannten sich und ihre Unterthanen Russen.*) Ihre Gesetze waren nach germanischem Muster, während die Slaven besondere Gesetze hatten. Die Waräger oder Russen durchstreiften während einer langen Reihe von Jahren das Land und gelang es ihnen auf diese Weise, ihre Herrschaft ven dem baltischen bis zum schwarzen und kaspischen Meere auszudehnen. Sie wurdeu immer verwegener, überfielen das griechische Reich und befreiten Constantinopel in den Jahren 863 bis 866 und öfter. Hierauf wurden die griechischen Kaiser zu einem Uebereinkommen mit den Warägern gezwungen und Unterzeichneten mit denselben einen Vertrag, auf Grund dessen diese ihnen Hilfstruppen stellten. Erst 955 trat die Königin Olga, ▼erwittwete Schwiegertochter Ruriks, in Coustantiaopel zum Christenthum über, wobei sie den Namen Helena annahm. Dieser Glaubenswechsel rief einen solchen Sturm der Entrüstung unter den nichtohristlichen Warägern hervor, dass der grösste Theil derselben Slavonien verliess und sich in den Schutz der griechischen Kaiser begab. Unter diesem verblieben sie bis zur Eroberung Coustantiuopels durch die Türken und bedienten sich der englischen Sprache. In den meisten Geschichtsbüchern wird behauptet, dass die Waräger zu den Normanen gehörten, von deren Heldenthaten auch die Scaiuiinavier Nutzen zogen. Es ist mir jedoch schon vor mehreren Jahren gelungen, ihre Identität feststellen und geschichtlich Nachweisen zu können, dass sie zu den Varini gehören, welche in Tacitus ״Germania“ mit den Angli oder Engländern identificirt werden. Ueber ihre Geschichte habe ich in meinen Beiträgen für den ״Alterthumsverein“ (1849) in der ״Levant Quarterly Review“ (1862), im ״Journal der Ethnologischen Gesellschaft“ (1868) und dem ״Journal des königlich historischen Vereins“, so wie in Edwin Pears ״Belageruug von Constantinopel“ Verschiedenes mitgetheilt. Manche fürstliche Geschlechter Russlands, zu welchen die kaiserliche Familie nicht gehört, sind Nachkommen des Hauses Rurik und stehen dieserhalb in hohem Ansehen. Aus dieser Dynastie stammten die Herrscher Russlands bis vor 360 Jahren. Die Russen müssen daher ihre Ansprüche bedeutend reduziren und die Geschichte ihres Reiches so wie der verschiedenen Bestandteile desselben einer sorgfältigen Prüfung unterwerfen; das Ergebniss derselben kann nur ein den Juden sehr günstiges werden In Astrach an, der Krim und dem Kaukasus haben die Juden viel früher gewohnt als die Russen, und in dem erstgenannten Gebiete haben schon im siebenten Jahrhundert finnische Khozaren zu ihrem Glauben bekehrt. Zweck dieser Zeilen ist, die Aufmerksamkeit jüdischer und nichtjüdisoher Gelehrten auf die in Rede stehende Frage zu lenken und die Gelehrtenkreise zur weiteren Erforschung des Sachverhalts zu ermuntern. (Aus dem ״Jewish Chronicle“ von Hyde Clarke.) +) Von dem schwedischen Stumme Kuss, dem sie entsprossen waren. (Der Uebers.) Litteratui־ bericht. RecenHionen. Stern, Moritz. Die israelitische Bevölkerung der deutschen Städte. Ein Beitrag zur deutschen Städtegeschichte. Mit Benutzung archivalischer Q teilen I. Ueberlingen am Bodensee. Frankfurt a. M. 1890 J. Kauffmatin. 30 S. Mit dem klaren Bewusstsein derjenigen Erfordernisse, welche an eiue wissenschaftliche Dar- | Stellung der Verhältnisse, des jüdischen Volkselements in Deutschland zu stellen sind, hat der Verfasser in ( diesem ersten Theil seiner Forschungen die badische; Stadt Ueberlingen zum Ausgangspunkt der Unter-! suchung gewählt, vielleicht weil er von diesem! äussarsten Grenzpaukte, gleichsam voa der Peripherie ■ aus nach dem Mittelpunkt dringen uud so deu grösstj möglichen Umfang der geschichtlichen Darstellung! auch geographisch umfasseu wollte. Es wird hier! genügen, durch kurze, skizzenhafte Zusammenstellung i der Resultate des vielversprechenden Anfall ״*gliedes j den Werth des in Angriff genommenen Werkes au-! zudeuten. j Unter dem Hohenstaufen Friedrich II. gab es die ersten Juden in Ueberlingeu, von denen sich eine schriftliche Kunde erhalten hat. Während des Bürgerkrieges zwischen Ludwig von Baiern uud Friedrich von Oesterreich standen sie auf des Letzteren Seite, obwohl Ludwig ihr Schuldner war. Als im März 1331 eia christlicher Knabe tot aufgefunden wurde, traf viele Juden, gemäss den Quellen über 300, nach vorhergegaugener gerichtlicher Verfolgung das Schicksal des Feuertodes. Um die Güter der Ermordeten erhob sich wie gewöhnlioh ein langweiliger Zwist. Kaiser Ludwig legte deu Ueberlingern zur Strafe für die Tötung seiuer Kammerkneohte eine Geldbusse auf und liess einen Theil der Stadtmauer niederreisseu. Naohdem noch sein Nachfolger, Karl IV., den Ueberlebenlen die bisherigen Rechte bestätigt hatte, faudeu sie am 11. Februar des Sohreokensjahres 1349 iusgesammt den Tod in den Flammen. All’ ihr Gut wurde den Landvögten in Schwaben ausgehäudigt, der einige ihrer Häuser der Stadt zum Eigentüum überliess. Nach diesem Uuglück waren Juden nur noch vorübergehend in Ueberlingen, während für deu dortigen Friedhof von deu Konstanzer Israeliten Sorge getragen wurde. Erst 1378 ward durch den Pfalzgrafen bei Rhein das Wohuen in Ueberlingen wieder gestattet. Die Schulden an sie wurdeu von König Wenzel 13S5 in einem allgemeinen Erlass für getilgt erklärt. Noch um 1100 befanden sich wenig Juden in der Stadt, mussten aber gleichwohl 1415 dem König Sigismund eine bedeutende Summe für die Kosten des Konstanzer Konzils beschaffen. Von neuem wurde 1429 die Beschuldigung des Knabenmordes erhoben. Diesmal überliess Kaiser Sigismund nach einigem Zögern der Stadt die Rechtsprechung auf Grund deren zwölf Männer verbrauut uud ihr Vermögen eiugezogen, elf andere getauft wurdeu. Zwei Jahre später gestand der Kaiser den Städtern das Recht des Besitzes nochmals zu. Ueberliugen vereinigte sich im gleichen Jahre, 1431 mit Lindau und Ravensburg zu dem Beschluss, keine Juden ständig bei sich wohnen zu lassen. Inr Hab und Gut fiel ebenso wie ihre Schuldforderuugeu der Stadt zu. Die spätere Chronik mehlet von Juden wenig. Von Interesse ist vielleicht der Bericht, dass mau 1606 die Gebeine des 1332 ermordeten Knaben in eiueu

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