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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-01-08 · N° 2. (8.1.1891) · p. Seite 8

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 2. (8.1.1891)
Date
1891-01-08
Page
Seite 8 (sequence 4)
Language
German
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neuen Behälter legte, bis sie im dreissigjährigeu Kriege lierausgenommen und zerstreut wurden. Das Verbot der Sesshaftigkeit dauerte bis in die Neuzeit; 1886 gab es in Ueberlingen־ nur drei Juden. Die vierfachen Beilagen bestehen aus Registern von 1332—1550, Abdrücken z B. einer 1475 erfolgten Nachfrage des Trienter Bischofs über den Mord von 1331, Auszügen aus der Chronik des Georg Hans 1573 und den Kollektaneen des Jacob Rentlinger 1580, endlich Nachträgen zu den urkundliehen Berichten über jüdische Familien und deren Privilegien. Es ist zu wünschen, dass diese verdienst vollen Beiträge, deren zweiter von den Juden in Ravensburg handelt, vom fleissigen Autor in e׳ner ebenso gründlichen Weise weiter fortgeführt werden. A. W. Litterarisahe DJotizen. ״1 •אל קנא einem jungst über den Begriff von ,jüdischer und christlicher Demut 11“ veröffentlichten Antsat/.e batte ich über den Sinn der vielfach missdeutenden Worte |פוקד ען אבות zu sprechen. Ich fasse פוקד nicht in der Bedeutung ,.ahnden“, sondern ״gedenken“, der Art: Gott gedenkt der Schuld der Väter bei den Sünden der Kinder, um in Nachsicht zu vergeben, wenn sie abfällig dem Götzendienst huldigen, denn davon ist spee.iell an den bctrellenden Stellen des Dekalogs die Rede, talls sie das Beispiel und Vorbild gützendienerischen Abfalls bei den Vätern vor Angen hatten und dazu erzogen wurden, und zwar 3 und 4 Geschlechter hindurch, so lange der Kintluss abfälliger Eltern, Grosseltern, Ur- und Ururgiosseltern dauert, darüber hinaus aber nicht, denn über den Vrgrossvater hinaus dauert der Eintluss der Ahnen regclmäss g nicht.» Es ist demnach hier durchaus nicht, wie vielfach angenommen wird, von einem (> 1t der Rache die Rede, sondern geradezu von einem Gott der Liehe. Diese Auffassung ist nicht neu, sie findet sich schon hei Nachmauides Da erhalte ich von einem würdigen (Lllegm eine berechtigte Anfrage mit der Bitte um Aufklärung: ״Wie verhält sich zu dieser Auffassung der Ausdruck der Schritt אל קנא?“ Da diese Frage wohl auch Anderen nahe liegt, will ich mich öftentlieh darüber erklären Das ganze zweite Gebot des Dekalogs, za welchem die in Rede stehende Stt>Le gehört, spricht vom Götzendienst und קנא bezieht sich demnach auch hieraut. Der Talmud erklärt sogar ausdrücklich, dass קנא, von Gott gebraucht, überall sich nur aut Götzendienst, beziehe. א״ק heisst also ״Gott eitert gegen den Götzendienst, ist aber nicht im menschlichen Sinne als ״Eitersucht“ zu deutln, der Art, dass wie oiii Ehemann nicht fälsche Frauen, Nehenfruuen im llanso, ein König nicht lalsche Herrscher. Nebenkönige, im Lande duldet, so Gott nicht lalscbe Götter, Nebengötter, in der Welt, sondern Gott eifert gegen Götzendienst im Interesss der monotheistischen Wahrheit. א״ק ist demnach als Erklärung für den Vordersatz auf/.ufasseu: Du sollst keiae anderen Götter haben, denn Gott eifert gegen den Götzendienst im Interesse des Monotheismus. א׳יק ist deshalb durch trennende Accente geschieden, um das Wort nicht mit dem Nachsatz zu verbinden und als Gegensatz und Widerspruch aufzufassen. Aber es liegt auch kein Widerspruch und Gegensatz darin, denn Gott eifeit nicht in zornerregter, leidenschaftlicher Eifersucht um seiner Person willen, sondern sachlich im Interesse der Wahrheit und Sittlichkeit, nicht um die Abirrenden zu strafen und zu vernichten, sondern er gedenkt noch in Liebe und Nachsicht der folgenden Geschlechter;1 und 4 Generationen hindurch, um ihnen zu verzeihen, wenn sie durch böses Beispiel der Voreltern, das sich gewöhnlich 3 und 4 Geschlechter hindurch geltend, zum Abfall verleitet, worden sind. Aber darüber hinaus erstreckt sich ja wohl selten der böse Einfluss der Eltern und Grosseltern aut Kinder und Enkel, und wenn der Abfall dennoch andauert, 80 wäre er als ein selbstständiger zu betrachten und durch fremden Einfluss nicht zu entschuldigen. Gottes Stratgerechtigkeit würde da also mit Recht eintreten, aber immer nur als Akt der Liehe, nicht der Rache, hier wie überall, nicht im persönlichen Interesse, sondern im Interesse und zum Heile der fehlenden Menschheit. In der Bibel gibt es nichts, weder einen Ausspruch, noch einen Ausdruck von Gott, der auf Rache zu deuten wäre, die ganze Tora, sagt der Talmud, von Anfang bis zu Ende ist — Liebe. Unser G <tt ist ein Gott der Liehe, unsere Religion — eine Religion der Liobe. Dr. Rothschild-Alzey. *iigsbnrg Herr Sebastian Cnringer, Plärrer in der hiesigen Diözese, hat eine kritische Untersuchung des massoretischen Textes des Buches Kohelcth herausgegeben. Er hat dieseu Text mit den ältesten Bibelübursetzuugeu und denjenigen Stellen d ■s Talmud und Midrasch verglichen, welche Sätze und Wörter aus Koholeth antühren. E!11 Anhaug euthält eius Sammlung allor Uitate aus Koheleth in den rabbiuisch in Schriften vom 7 Jahrhundert an Der Autor beabsichtig!, auch andere biblische Bücher in derselben Weise zu bearbeiten. London. Der erst» spanische Troubadour scheint nach den neuesten historisch-littorarischen Forschungen ein Jude, Namens Rabbi Jomtoir, gewesen zu seic. Sein Hauptgedicht ״Conscjos“, dein Könige 1)011 Pedro gewidmet, enthält zahlreiche talinudischu Sagen uml Metaphern. Auch der letzte Troubadour war ein Judo (Maranne), Namens Antonio Mantoro, von Profession ein Schneider, der aber auch auf den hüohstcu Giptel seines Ruhmes Nadel uud Scheere nicht aus der Hand legte. Er lebte unter der Regierung der Königin Isabella. CluClnuatl. Unter der Presse befindet sich ein von Rev. Dr. .1. M. Wiso geschriebenes Buch unter dem Titel: ״Pronaos ot Holy Writ“ Pronaos ist der architektonische Ausdruck ti'ir ״Vorhot oder Eingang des Tempels.“ In diosem Buche wird beabsichtigt, über die Verfasser der biblischen Bücher und deren Abfassimgszeit, sowie über Bedeutung und Ursprung der massoretisclien und anderer Bibeltexte Aufschluss zu geben. Litterarischer Anzeiger. I ui Selbstverläge desVerlassers sind erschienen und direct von demselben zu beziehen: השנרם בשנוים Ilic Varianten i iiden liililisrlKii l'ar ullelen. Pjois 1 X. (= G0 Kr.) Von Rnhhiuer Dr. Frankl.HrOn in Kremsier (,Oester! eich). Ferner \ou demselben: Die Ethik tl!s Juda llalevi. Preis 60 Pf. Vio• Keden fflrdleansgezelcbaetenSabbatbe (ד־ פרשיות) Pieis 50 Pf }4SIÜ Ve lag von J. Kauftiiianii, Frankfurt a. M. Zathf, 9)7. Stimmen bom 30r> bau iinfl ttulHirot. 3 'Jtufi 0ן>י. '11(11 bnn *libniffc beb s>i־r■ loffrvö. $rr.d)tt>aut> mit 1&01&-- Idinl't.! i)orjüfllid)(d! m 5. - Bftifdiriifrlä' Sr. 8Ö., Snjtr ma׳ifd|rb Vchibud) ber iorael :((elijpuu 3. ueikjjerte iHuflage, gebunbcn Ulf. |,:j0 ffaffet ®r. Mtfabru für brn Untrrridft in fer jiib dSrfdjiditi unb t'itlrrulur « Wujlage, gt־ buubcu dJl;. 1,30. #*#, W.. ISsnfirmatfon«■ Sdiuirlnfutl'uiigo Irauungä-Üdcgcii־ uub OtrabHbrn. 3 (ammen 22 , Uitbfii. ®tüit Jlibenprei* -JO nur $lf 150 &ait|־d)if, 9t, ^riträg. ,!ur <#c fdjidjtr brr rrdfifidien 2'rllung brr Jubcu namrutliiti im (9r blrt bco!)cutigrn Ccitcrrrlt־ Unflat« bom X. biö XVI. 3al>r* fjuiibm. d«t. 2 — «luofülfrlidjrr .viatalog gratis unb franco. ¥011 1(11 3d)u[bf1<ju׳rn meines SlerlagS fiel) 11 bcu VÖ SiabDtnrn. 3d)ulbtrrt(01rn nnb Urhrcrn Sin» fidjucjemplare gerne *״r SBcrff'flung. grnntf.1rt 0. UK. [102:1 •I. Kanffminn. Briefkasten der Expedition. Diejenigen gesch. Abonnenten, die bei der Post (mit 3 M.) abounirt haben, und das״Litteraturblatt“ nicht belgelegt linden, müssen hoi ihrem Postamt reclamiren uud sich auf No. #000 der Post-Zeitungsliste berufen. a4E" Soeben erschien 9־■ Dor Wachachainaw (דור וחכמיו) Geschichtsbilder der Gegenwart oder Darstellung des Lebens und Wirkens der hervorragendsteu jüdischen Golehrlen unserer Zeit. Ein Beitrag zur Geschichte dor jüd. Litteratur der Gegenwart (mit Portraits u. Facsimilen) [4G2G. von Moses'Reines. Preis pro Ex Mk. 2 50. Mit Porto rt'CGiu. Mk. 3. Für 10 Ex. nur Mk. 20. Adr. d. Verf. Ltda, Gonv. Wllno (Russland)_ Briefkasten der Reductlou. Auf Anfragen erklären wir: Nicht Herr A. Levy, Haupt- Ichrer iu Norden, ist der Recensent vonBadt’s ״Kinderbibel“, sondern eiu gleichnamiger Lehrer in Berlin. \ »uani wörtlicher Kedaneur l)r. Ratimnr. Magdeburg. Drucx von I). L VVoIft. Magdeburg. Verlag von Aob »rt Friese, 1 eipzig

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