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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-01-02 · N° 1. (2.1.1891) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 1. (2.1.1891)
Date
1891-01-02
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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syrischen im Osten nnd die hellenistisch-egyptiBohen im Westen. Von diesen sagt der Prophet in seinen Hoffnungen und Weissagungen: sie werden sich wieder mit dem Mutterlande vereinen und an der Feier des Hüttenfestes betheiligen. Dieses Fest wer das volksthümlich8te, an dem die nationale Betbeiligung die grösste war. Pessach war zu früh im ' Jahre und rief auch die Leute alsbald wieder nach Hause für den Beginn der Ernte zurück, wie ausdriicklich Deut. 17,7 berichtet und vorschreibt: ״Nach der Opferung und dem Genuss des Passah wendest Du Dich andern Morgens wieder um und gehst nach Hause zurück“. Aehnlich verhielt es sich mit der geringen Betheiligung am Schabuotfest, weil dieses Fest mitten in der Sommerernte lag. Am Hütten- , (Sukkoth-) Feste dagegen war die Ernte beendigt, und dieses war in Rücksicht auf die Reichlichkeit der Ernte, wie auf die Nothwendigkeit der Regengebete für die neue Aussaat ein Freudenfest besonderer Art und von allgemeiner Theilnahme. Die Sorge um Regen für die neue Aussaat und zukünftige Ernte I machte sich zwar geltend, aber die Festesfreude herrschte doch vor und mischte sich mit der nachwirkenden Freude an der erhaltenen Ernte im Vertrauen auf die bewährte Gnade Gottes, wenn man ihn inbrünstig anrufe. Darum erwartete man auch allgemeine Betheiligung am Feste und am Gebete um Regen. Wir erinnern dabei au die Feier und Freude von בית השואבה, welcher die Gebete und Prozessionen (הקפות; von הועענא רבה gelteu und an die Bedeutung von de. *n^l'-Feier, welche von den Gebeten um Regen (משיב הרוח ,עצירת :*צמים) ihren Namen trägt. Das Schluss-Capitel des Propheten, — der Inhalt dieses Buchs gehört ja überhaupt verschiedenen Zeiten an, — berührt demnach die seleucidisch-ptolemäische Periode, zweifelhaft ist nur, ob deren Anfang oder Schluss, wie ja auoh Zweifel darüber herrschen, ob die 1!ibelübersetzung der LXX Ptolemäus II. Philadelphus (280) oder Philometor angehört. Jedenfalls liegt hier wieder ein Beweis dafür vor, wie tief der Abschluss des biblischen Kanons heruntergeht, und I der spätere Theil des Zacharias ist nicht einmal das! letzte Buch des Kanons; der erste Theil ist bekanntlieh jünger, der zweite älter, der Schluss scheint ein späterer Anhang zu sein. Ptolemäus Philometor lebte zu Zeiten des Antiochus Epiphaues und führte mit demselben verschiedene Kriege lim den Besitz Palästina’s; dies sind die Kriege um Jerusalem, von denen der Prophet spr.cht. Um diese Zeit wurde auch der! Oniastempel in Aegypten gegründet, worin man eine j vollständige Trennung der Colonien erkaunte und ׳ befürchtete; dies gab dem Propheten Veranlassung zur Anstrebung und Prophezeiung einer demnächstigen Wiedervereinigung mit dem Mutterlande und der altväterlichen Religion. Das Wasser Jerusalems, welches sich in das östliche und westliche Meer, die östlichen und westlichen Colonien, ergiessen wird (40), deutet hierauf, und die Anerkennung des einzigen Gottes (v. ü) hat zunächst nicht eine universelle, sondern die locale Beziehung zu dieser Wiederewinnuug und Wiedervereinigung der abtrünnigen olonien. Selbstredend kann die Abfassung dieses Capitels keiner früheren Zeit augehören, also nioht älter als ca. 150 vor der gew. Zeitr. sein. Auch die Schlussweissagung von der Heiligung der Kochgeschirre und Pferdezierrathen deuten auf diese Zeit hin. Die Heiligung der Pferdezierrathen d. h. der Kriegsrosse, denn im Kriege und namentlich im ägyptischen wurden Pferde verwandt, bezeichnet die glückliche Beendigung des Krieges durch Bekehrung zu Gott. Die Heiligung der Kochgesohirre lässt deutlich die religiösen Verfolgungen unter Antioohus Epiphanes durch blioken, welche auf der einen Seite die Betheiligung an den heidnischen Opfermahlzeiten, auf der andern die Verschärfung der Speisegesetze, die Niohtbetheiligung auoh an indifferenten heidnischen Mahlzeiten, sogar die Zurückweisung aller Kochgeschirre der Heiden und hellenistischen d. h. abtrünnigen Juden zur Folge hatte. Ein כנעני (V. 21) werde nicht mehr den Tempel des Herrn betreten, deutet wahrscheinlich auf den Frevelmuth des Antiochus hin, mit dem seine Leute in den Gottestempel gedruugen waren, um ihn zu entweihen. (1 Macc. 1,37 ff.) Alzey. Dr. Rothschild. Sagenverwandtschaftliches. 1. Zur Geschichte Joseph’s. Vergleichende Sagenkunde ist gewiss nicht neu. Vielleicht nicht so sehr bekannt aber, wenigstens bei Solchen, die nicht Orientalisten von Fach sind, mögen die ähnlichen Züge sein, die sich in den an den biblischen Bericht von Joseph in Aegypten anknüpfenden Sagenkreisen bei Juden und Muhamedmern finden, und welche einen Hinweis für die Leser d. Bl. nicht überflüssig erscheinen lassen. Niedergelegt sind diese Sagen jüdischerseits in dem 0׳ הישר על התורה und von der anderen Seite in Firdussi’s klassischem Heldengedicht ״Jussuf und Suleicha“, welches zur Zeit seines Erscheinens in diesem Blatte eine nähere Besprechung gefunden hat. In beiderlei Sagenkreisen wird ein Wolf als das ״böse Thier“, welches Joseph zerrissen haben soll, Jacob zugebraebt, wie um das vergossene Blut von ihm zu fordern. Die Sage verleiht weiter dem Wüstenthier, wie F. malerisch den Wolf nennt, eine Stimme, um sion von der Anklage wegen vergossenen Blutes zu reinigen. — Auch im Sefer hajaschar, dem jüdischen ״Heldenbuche“, wird, wie im Titel des Firdussi’sohen Epos dem Weibe Potiphar’s der Name Suleicha beigelegt, überhaupt der biblische Bericht von der Liebeswerbuug derselben zu einem an spannenden Momenten reichen Liebesroman bei dem Verfasser von Sefer hajaschar ebenso wie bei Fidussi weiter aitsge-! spönnen. — Beiderseitig lässt die Sage die Unschuld Joseph’s laut durch ein neugeborenes Kind, dem dazu der Mund geöffnet wird wie durch ein Wunder, bezeugen. Hier tritt die Sage in der Rolle als Exeget auf. Es ist dooh wohl der Umstand erklärungsbedürftig, dass über Joseph nicht gleich die Hinrichtung, wie bei orientalischer Justiz zumal gegen Sclaven eigentlich zu erwarten, vielmehr die gelindere Strafe der Haft verhängt wird, was nach dieser Sage nicht mehr verwunderlich. In der jüdischen und inuhamedänischen Sage geben die Brüder Joseph’s wie das Haus Joseph’s ausserordentliche Kraftproben vor der Wiedererkennungsscene, die das Wiedererkennen zwischen beiden Theilen gleichsam vorbereiten. Die gleiche Kraft bezeugt die gleiche Abstammung. Die Summe der verwandschaftlicken Züge in beiderlei Sagenkreisen ist darin nicht erschöpft. Dooh sollte für dieses Mal nur aufmerksam gemacht werden auf die ziemlich bemerkenswerthe Verwandtschaft. Wo ist aber die gemeinsame Quelle Beider, wenn eine solche und nicht vielmehr die Berufung des einen Theils durch den andern anzuuekmen ist. Vielleicht giebt einer dsr Orientalisten unter den gelehrten Mitarbeitern d. Bl. Aufsohluss. Treitel. 2. Die Weiber von Weinsberg. Heute ist der 750jährige Gedenktag der Schlacht bei Weinsberg. Am 21. December 1140 schlug König Konrad III. bei Weinsberg den Grafen Wolf IV. von

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