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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-01-02 · N° 1. (2.1.1891) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 1. (2.1.1891)
Date
1891-01-02
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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darin, dass sie ihren Ursprung auf die Götter zurück- : lührteu. Wohl wiesen die M&cedonier das Ansinnen des Glaubens an seine Gottesnatur, welches Alexander als ein Mittei zur Sicherung seiner Herrschaft an sie 1 stellte, zurück, ein Protest, der für viele andere Völker , verloren war. Nachdem Spinoza so eine deduktive Staats•; bestimnuiug gegeben und an einigen geschichtlichen Beispielen erläutert hat, wendet er den gefundenen Begriff auf das Staatsweseu der Hebräer, die jüdische Theokratie, an. Sein unwiderlegliches Räsonnement verdient gewiss diejenige Anerkennung, welche einer Idee, mag sie auch den Thatsachen nicht ganz und gar entsprechen, vermöge ihrer logisch-dialektischen Folgerichtigkeit zu Theil werden muss. Es ist jedoch schon im Voraus darau zu erinnern, dass Spinoza den Uebräerstaat idealisiert hat, und dass eine realere Auffassung desselben nicht nur möglich, sondern vielleicht auch nothwendig ist. Gegenüber , der geschichtfi-philosophischen Darlegung des Denkers würde die nüchterne Frage des Historikers erhoben werden müssen: Wie haben sich die alten Völker, ׳ etwa die Hebräer, ihr Gemeinwesen, ihr Verhältnis I zu Gott, ihre Verfassung oder Verwaltung gedacht? Die Zeugnisse, welche für andere Völker in gewissem Umfange vorhanden sind, fehlen, und damit fehlt nach dieser Richtung beinahe Alles. Die biblische Darstellung ist eine dem Boden der Wirklichkeit einig entlassen entrückte Geistesgeschichte. Sie ist für die Erforschung d< s Thatsächlichen überaus un- :fruchtbar, wenigstens was die Vollständigkeit des chronologischen Materials betrifft, und lässt, je mehr sie des Thatsächlichen entbehrt, dem freien Gedanken Spielraum. Ganz spät und anch nur zeitweise sehen wir erst von mehreren Punkten aus in das eigentlicheGptriebe der Staats- und Gesellschaf tsentwickelung, erst nach dem Untergange des selbstständigen Israel, vor allem in der des geistigen Kampfes mit der galiläischon, des politischen mit der römischen Macht. Etwas anderes ist es aber, zu wissen, wie später, wie heute das Verhältnis» zu Gott und die Verfassung erscheint, als wie sie den Mitlebenden, den Mosesgenossen, vorkant. Ferner ist ein wichtiger Eiuwand gegen die Realität der Spiuoza’schen Ausführung zu mach■. 11. Als Idealist ist dieser Denker einseitig und ebfti in seiner Einseitigkeit gross. Nur die Idee des , •Staates ist es, die er durch alle Stadien ihrer Entj wickolung wrtolgt. Dieser Begriff ist aber ent- | ounneu eitn r Cult.ursphäre, die der hebräischen auch ganz lern liegt. Der Name und Begriff’ eiues Staates hat den Hebräern wohl noch gefehlt. Ebenso gut! wie als der Alleinherrscher des hebräischen Volkes konnte Gott auch als der Vater der hebräischen Familie erscheinen, und dieses letztere haben neuere Geschichtsschreiber als charakteristische Form, und zwar nicht blos des jüdischen Stammes unter den semitischen Völkern hiuzustelleu nicht versäumt. Endlich könnte mau wohl ohne Schaden beides vereinigen, die unumschränkte Staatsherrschaft und die väterliche llausherrliohkeit. Indessen Thatsachen werden damit nicht gewonnen mit Ausnahme der einen, dass die t hatsächliche Geschichte desjenigen, 1 was war, der ideellen Geschichte desjenigen, was sein sollte, auch in den Trümmern der hebräischen Vorzeit zum Opfer gefallen ist. Wie viel Handlungen der Leidenschaft, wie viel Liebe und Hass tuuss nicht die Geschichte eines Volkes enthalten haben, das so aufgetreten ist, wie es die Propheten und die ersteu Christen darstellen, obgleich beide als oppositionelle ■ Elemente nur gerade das behandeln, was ihren Widerspruch erregt. Aber aus der bunten, Wechsel reichen hülle der Vorgeschichte ist nur das eine zwar höchst »■»rthvolle, aber darum doch nur eiutöuige Werk vorhanden, das diese Fülle in'seiner anuaiistischeu Knappheit mehr ahnen, als empfinden lässt. Dieses vorausgeschickt, wird man sich die Spinoza’sche Dar- Stellung des hebräischen Staates gefallen lassen müssen als philosophisch-juristische Behandlung einer Erscheinung, die bisher nur theologisch dargestellt worden war. Spinoza hat den Begriff des Gehorsams als wesentliche Grundlage der Maohtentwickeluug hingestellt. Sehen wir zu, wie sich dieses Verhältnis» im Hebräerstaate darstellt. (Fortsetzung folgt ) Das Schluss-Capitel des Propheten Zacharias. Der Prophet Zacharias bietet in seiner Aulage wie in seinen Einzelheiten der Schwierigkeiten sehr viele; unter diesen ist die Schwierigkeit der Erklärung von מצריס am Schlusse des Propheten ^0. 14,IS) eine der grössten, und dennoch hat man sie weder genügend 11ervorgehoben, noch zu heben versucht. Von den Völkern (ים") und uuterdieseu speciell von Egyptern (מצרים) ist gesagt, dass sie in Zukunft am lliUtenfesto nach Jerusalem wallfahren müssten und würden, um gemeiusam mit Israel vor dem Herrn sich zum Gebete zu versammeln; wer aber unter ihnen sich hierau I nicht betheiligen werde, auf diese würde kein Regelt 1 fallen, diese würden von der göttliohen Strafe (מגפה) j heimgesucht werden, einer Strafe, welche nach V. 12 1 einer vollständigen Vernichtaug gleich kommen würde. Also kein Regen — und dadurch ״ מגפהHungertyphus“ — das ist vollständige Verniohtuug. Nicht nach Auffassung der Comentatoreu, welche ״Regenmaugel“ und ״Hungertyphus“ trennen, indem sie ולא עליהם (V. 18) und ההיה המגפה gesondert nehmen und ersteres auf נשם und מצרים, letzteres auf eine besondere Seuche und גויס beziehen. Der richtige Sinn ist vielmehr: »Auf sie (מצרים) wird kein Regon kommen und dies wird den Hungertyphus nach sich ziehen.“ Mau vergl. anch V. l'J, wo מצרים und גויס zusammengefasst werden, mit gleicher Schuld (חטאת) d. i. die Niohtbethoiligung am Feste und Gebete, und darum auch mit gleicher Strafe im Gefolge, d. t. Regenmaugel und Typhus. Wir fragen, wer sind die כלהנוים (V. 2) wer הנוהר מכל הגוים (V. 10),משפחות הארץ (V. 17) und משפחת מצרים (V. 18)? Sind darunter die heidnischen Völker und Egypter zu verstehen, welche Verpflichtung haben diese, mit Israel das Hütteufest und gerade uud nur das Hüttenfest zu feiern? Selbst wenn man dabei an die messianischen Zustände der religiösen Völkereinheit und friedlichen Mensohenvertirüderung dächte, bliebe die Frage immer noch offen: warum gerade uud nur die Feier des Hüttenfestes? Und ferner: Was bedeutet der Ausfall des Regens für Egypten, dessen Fruchtbarkeit, wie schon das Targum bemerkt, nicht vom Fallen des Regens, sondern vom Steigen des Nils bedingt ist? Ausdrücklich wird in den späteren Versen i משפחות־ ,הגוהר־ und משפחת־ (V. 10—18) von dem 1 anfänglichen כל הגרם V. 2 und העמים V. 12 unter-! schieden. Mit dem anfänglichen הגרם uud העמים sind : die wirklichen Heidenvölker gemeint, welche gegen Jerusalem zum Kriege ziehen, und in welchen Krieg! auch Jehuda, die palästinensischen Juden, theils j tributpflichtig und gezwungen, theils verbündet uud 1 freiwillig mit hineingezogen wurden; unter הנוהר־ uud I משפחות־ sind aber die unter den Heiden lebenden | jüdischen Colonieu zu verstehen und unter משפחת 1 מצרים die in Egypten, uud speciell in Alexandrien uud Heliopolis, colonisirenden jüdischen Hellenisteen Diese Colonien hatten sich vom palästinensischen. Mutterlande getrennt und zum Theil selbstständig und in abweichender Weise constituirt, wie die

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